Spaziergang

Eine Kollege berichtete bei Schichtende von einem Vorfall der vergangenen Nacht. Sein Kunde wollte noch bei der Volksbank in Hude eben Geld holen. Der Kollege wartet im Taxi, dann fiel ihm siedend heiß ein: Da kann man ja auch hinten rum abhauen.

Also Taxi abschließen und außen rum. Da steht sein Fahrgast bereits auf dem Parkplatz. Der Kollege fragt ihn, ob er das witzig findet. Tut er wohl nicht, und geht kommentarlos wieder in die Bank hinein.

Der Kollege geht wieder außen rum zum Taxi wo bereits der Fahrgast wartet.

Jetzt findet der Fahrgast auch die Worte und fragt meinen Kollegen:

„Machst Du hier noch ne halbe Stunde Spaziergang, oder was?“

Das scheint er wohl witzig zu finden. 🙄

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Genug Geld?

Es ist mittlerweile wieder hell, ab jetzt kommen die nervigen Gestalten heraus. Ich hatte gerade eine Tour nach Lemwerder raus, wo einer der Fahrgäste mir weismachen wollte, er müsste keine „Anfahrt“ bezahlen, weil ich ja nicht von ihm bestellt wurde. Er will da aber noch mal das BGB deswegen durchforsten, ob das so rechtens ist.

Meine Argumentation, das die im Volksmund genannte Anfahrtspauschale nicht nur die Anfahrt, sondern auch die Wartezeit des Fahrers abdecken soll und vom Ordnungsamt vorgegeben ist, verhallte in den unendlichen Tiefen seines Galileo-auf-Pro7-geschädigten Gehirns. Gut, das ich nicht der einzige bin, der das so sieht. Er leider aber auch nicht.

Wie auch immer, ich kam aus Lemwerder und war für den schlimmen Rest gewappnet. Das dieser aber witzig enden würde, dachte ich nun nicht.

Ein Typ stieg ein, nachdem er schon minutenlang vor meinem schööönen Wagen stand und in der Geldbörse rumspielte.

Erst zur OLB in Ganderkesee. Kein Problem und besser als die Volksbank, denn da kann man hinten rum abhauen…

Er stieg aus und versuchte erst mit seinem Büchereiausweis (?) oder der Deutschlandkarte (?) die Tür aufzumachen. Auf jeden Fall nicht mit der grünen OLB-Karte. Im zweiten Anlauf klappte das aber doch ganz gut und ging rein.

Nach ein paar Minuten kommt er raus, guckt mich entgeistert an und sagt:
„Du kriegst ja auch noch Geld. Was kostet das denn?“

„Naja“, sag ich, „jetzt stehen 10 Euro drauf, also wenn Du danach weiter willst und das in Ganderkesee bleibt, müsstest Du mit 15 Euro hinkommen.“

Darauf er, nur leicht verwirrt: “ Ja, dann warte mal. Ich hol noch eben Geld.“

Nett. 🙂

Wieder ein paar Minuten später kommt er raus. Er hätte die PIN ein paar mal falsch eingegeben. Passiert schon mal, wenn man sich das Hirn wegsäuft. Mir gerade erst selbst am Vortag passiert. (das Hirn wegsaufen, meine PIN brauchte ich nicht, hatte ja Steffi. ;-)).

„Warte nochmal.“

Dritter Anlauf.

Unverrichteter Dinge kommt er wieder raus. Er fing auch gleich mit meinem „Chef“ an, der nicht der Inhaber ist, aber wer hält sich schon mit Detailfragen auf?

„Jörg ist im Urlaub, das weiß ich.“

„Richtig, der ist weg.“ Sag ich. Scheint ja vertrauenswürdig zu sein, bietest ihm mal eine Rechnungsfahrt an.

Am Ziel fing ich dann an den Fahrnachweis auszufüllen. Ich bot ihm währenddessen schon mal eine Karte an, damit er durchrufen kann, wann die Zentrale zwecks Geld vorbeibringens besetzt ist.

„Die Nummer kenne ich wohl, Drei und dreimal die Fünf. Die Telefonanlage habe ich schließlich selber eingebaut.“ Während er das sagt, zieht er auf einmal einen Fünfziger aus dem Porte-Monnaie. Ja gibt es das?

Ich weise ihn freundlich darauf hin, das der Schein dicke für die Fahrt ausreicht, und er sogar was wiederbekommt.

Ein überraschtes und erfreuliches Lächeln macht sich auf seinem Gesicht breit.

Ich gab ihm 35 Euro wieder, zerriss den Fahrnachweis und bekam zum Dank eine Anschlusstour, die lediglich 150 Meter entfernt war.

Diese brachte mich zu den Städtischen Kliniken in Delmenhorst, und weil ich gerade in Schreiblaune war, füllte ich dem Herrn eine Quittung zwecks Einreichung bei der Krankenkasse aus. Man kann ja schließlich nie wissen. 😉

Und weil ich so nett war, sollte ich auf der Rücktour, nur 500 m vom Krankenhaus entfernt einen freundlichen jungen Südeuropäer aufgabeln und mal eben nach Huchting bringen. Dieser kannte übrigens den Fahrer des Unfalls mit zweifachem tödlichen Ausgang vom Wochenbeginn (NEIN, ich lese keine Nonstop-News! Niemals!)…

Aber das ist schon wieder ein ganz anderes Thema.

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Leibniztheater

Protagonisten:

Ein Kutscher, der den Weg kennt. (=I)

Ein Zentralist. (=Z)

Ein Klugscheißer. (Zur Ausnahme mal nicht ich…) (=K)

Z: Einmal Backenköhler, bitte reingehen und an der Rezeption melden.
I: Danke.

Ich stiefel rein, melde mich an der Rezeption und warte am Taxi. Nach geraumer Zeit kommen zwei ältere Ehepaare, Anfang sechzig. Der K setzt sich auf den Beifahrersitz.

K: Einmal Leibnizstraße in Delmenhorst. Kennen sie die?

I: Ja, geht von der Kantstraße ab.

K: Richtig, Leibnizstraße. Leibniz, der Philosoph.

I: Und Mathematiker.

K: Hier rechts.

I: Ja. Wie komme ich denn am besten in die Kantstraße? Die Dwoberger ist doch gesperrt, oder nicht?

K *macht eine Linksbewegung mit der rechten Hand bei ausgestrecktem Zeigefinger und dazu ein Comic-Heftartiges swusch-Geräusch*: Hier links.

I: Ja. Wie komme ich denn am besten in die Kantstraße, oder ist die Dwoberger wieder frei?

K: Ach, das ändert sich doch alle drei Tage.

I: Okay.

Nach knapp anderthalb Kilometer passieren wir einen Kreisverkehr. Erste Richtung Ganderkesee, zweite Richtung Delmenhorst, dritte Richtung Schierbrok. Bevor ich in den Kreisverkehr einfahre, fällt es dem K wie Schuppen vor die Augen.

K: Ach, die Dwoberger ist ja gesperrt, wie fahren wir da denn am besten?

I: Ich könnte hinterm Tiergarten längs fahren.

Allgemeine Zustimmung auf den hinteren Rängen, der K ist verunsichert. Eine neue Strecke!

K: Hier jetzt die zweite raus.

I: Ja.

Kurz vor der Einmündung Denkmalsweg, die in die Straße ‚Hinter dem Tiergarten‘ übergeht, kommt von rechts nichts mehr. Endlich Ruhe. Auch am Ende des Tiergartens keine Richtungsanweisung. Sollte ich etwa auf mich gestellt sein?

K *am Ende der Oldenburger Landstraße*: Hier jetzt links.

I *genervt*: Ja.

K *wieder mit seinem hippen swusch*: Hier jetzt in die Kantstraße rein.

I: Ja.

K: Hier rechts rum.

I *fahre die abknickende Vorfahrt, geradeaus ginge es zu den Schützen vom Tiergarten. Ich habe da gerade eine vortreffliche Zielscheibe neben mir sitzen*: Ja.

K: Und hier links in die Leibnizstraße.

I: Ja.

Es gab sogar 2,40 Cent Trinkgeld, und das obwohl der Beifahrer die ganze Arbeit hatte. 😉

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Drei Nächte im Schnitt

Am 28. Juni berichtete ich bereits über mein Glücksgefühl des Topfahrers. Zwei Wochen später durfte mein Bruder dieses Gefühl geniessen, während ich der schlechteste war. Glück und Pech können eng beinander liegen. Wobei die Trinkgelder im Schnitt noch ganz gut waren. Selten mal die 40 Centgeber, sondern immer so 1,10 Euro.

Gestern war es das Mittelmaß was das verdienen anging, aber dafür unteres Maß was Trinkgelder angeht.

Tunc meinte es diesmal gut mit mir und ich durfte die neue E-Klasse fahren. Die haben wir seit drei Wochen und einer davon geht reium. Gestern war ich dran. 😀

Und es war Schützenfest in Grüppenbühren. Zwar lief die Nacht nicht so schlimm wie bei Torsten, aber Dorfjugend kann auch ganz schön nervig sein. Das Publikum dort offenbarte sich nämlich als meist minderjährig. Wie sich das offenbart? Indem im Viertelstundentakt Jugendliche ans Fenster klopfen um sich einen Kugelschreiber zu leihen damit die Einverständniserklärung der Eltern ausgefüllt UND unterschrieben werden kann. Wohlgemerkt: DER Eltern. Nicht von DEN Eltern… 🙄

Bevor das Schützenfest losging hatte ich schon einen „Kollegen“ aus Osnabrück zum Haus Sandersfeld gefahren. Man plauschte über die örtlichen Gegebenheiten aus Taxifahrersicht und ich freute mich bereits über das gute Kollegentrinkgeld. Zu früh. 😐 Denn der „Kollege“ entpuppte sich als sehr unspendabel und zur oben genannten 40 Cent-Fraktion.

Ich sollte aber mehr unter den Kiddies „leiden“ bei denen man aber damit rechnet, kein und wenn dann nur sehr wenig Trinkgeld zu bekommen. Was auch in Ordnung ist, sieh haben ja nur Taschengeld, der eine Euro kann dann besser in einen zusätzlichen Charly investiert werden (wie Steffi mir vorhin verriet) und seinen Eltern dann später sagen, das Taxi war soooo teuer. 😉

Witzigerweise musste ich in der Nacht auch an Steffi denken, als ich zum X-ten Mal passend rausgab. Denn auch sie gab früher kein Trinkgeld, machte sogar Festpreise ab (bei mir keine Chance, niemals! Versucht es erst gar nicht! Ich mache dann auch gerne mal die Tür wieder von innen zu und suche mir die nächsten Glücklichen…). Mittlerweile aber hat Steffi einen Prima-Einblick ins Taxigeschäft und gibt gerne und reichlich Trinkgeld. Ohne Festpreisgequatsche. 🙂

Und noch witziger, aber für mich nicht sehr hilfreich, fuhr sie gestern mit Jana mit dem Taxi. Jana bezahlte und gab 2,50 Euro Trinkgeld. Noch einer, der Herz beweist und an mich denkt. 😉

Also insgesamt betrachtet war das schönste die Nacht über in der neuen E-Klasse durch die norddeutsche Tiefebene zu fliegen. Trinkgelder mau, zum Ende der Schicht noch Glück mit den Touren gehabt, und jetzt vier Wochen Ruhe.

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