Bist Du vergeben?

Als Taxifahrer lernt man mit der Zeit die Unterschiede zwischen Männern und Frauen kennen. Das ist auch der Grund, warum ich mit meinem Soziologiestudium warte, bis Taxifahren als Praktikumszeit anerkannt wird. 😉

Während Männer häufig das „Wie“ interessiert, sind Frauen mehr am „Was“ interessiert.

Wie kommt es eigentlich, das Du Taxi fährst, bist Du Student?

…wäre z.B. eine typische Frage für einen Mann.

Was macht ein so hübscher Mann eigentlich außer Taxi fahren?

…wäre wiederum eine typische Frauenfrage.

So auch am Samstag, als ich die Aufmerksamkeit von mehreren Damen auf mich zog, nachdem sie bei mir im Fahrzeug Platz genommen haben.
Das erste Mädelspärchen knuffte sich gegenseitig beim Anflirten (was den Preis aber nicht drückte^^) und rief kurze Zeit danach nochmal an, damit auch ja ich sie wieder abholen und nach Hause bringen würde. Ob ich vergeben wäre (ja glücklich), was ich von ihnen halten würde usw. waren die brennenden Fragen und die Fahrt(en) gestalten sich höchst amüsant (auf beiden Seiten). Und kamen auch zur richtigen Zeit, hatte ich vorher einen Volltrottel höchster Güte befördert…

Die andere Gruppe war nicht minder unterhaltsam. Erst wollten sie für zehn Euro eine Rundfahrt durch Delmenhorst. Da stellte ich jegliche Gesprächsbereitschaft ein, mit dem Hinweis, unter 20 Euro läuft hier gar nichts.

G: Aber für zwanzig machst Du das?

I: Naja, wenn es am Stadtrand bleibt.

G: Hm, die eine müsste schon noch in die Innenstadt.

I: Dann zahle ich ja doch drauf, warum sitze ich wohl zwölf Stunden am Steuer? Um nach elf Stunden meine Trinkgeldeinnahmen an Euch zu verschenken?

G: Okay, 25 Euro und kein Cent mehr. Mädels, das sind 6,25 Euro für alle!

I (denkt): Wow, schnell rechnen kann die auch noch…

Es ging los, und nach einem Kilometer macht das erste Mädel schlapp…

M: Halt mal an, mir ist gar nicht gut.

I: Wenn Du ko**en musst, dann sag Bescheid.

M: Bescheid, BESCHEID!!!

Ich solle die mal nicht beachten, die trinkt gerne viel zu viel. Ja ne, ist klar. Kenne ich irgendwoher. 😉

Nach rekordverdächtigen 27 Sekunden sitzt die Kleine auch schon wieder im Auto.

M: Weiter gehts!

I: Gerne.

Danach begann die Konversation. Die Gruppenführerin fühlte mir ein wenig auf den Zahn.

G: Was macht ein so hübscher Mann eigentlich so?

I: Außer arbeiten?

G: Bist Du vergeben?

I: Kommt darauf an, wie Du vergeben definierst?

B(eifahrerin): Bist Du verheiratet? Hast Du Kinder?

I: Nein, mittlerweile geschieden. Keine Kinder.

G: Cool, dann bist Du noch zu haben?

I: Das ist ja eine sehr interessante Definition von „vergeben“.

Bei meiner alten Realschule wurde das erste Mädel, die Beifahrerin herauskomplimentiert. Die Unterhaltung ging aber weiter, denn die Gruppenführerin war mit mir noch nicht fertig.

G: Wie alt bist Du denn?

I: 33 Jahre.

G: Dann hast Du aber früh geheiratet. Wie lange warst Du denn verheiratet?

I: Fünfeinhalb Jahre.

G: Ich bin auch schon zwei Jahre verheiratet.

I (stutzig): Ich dachte, Du wärst solo?

G: Nö, aber meine Freundinnen hier.

I: Ja ne, ist klar.

Danach stiegen sie und die Unterbrecherin (wow, geile Wortkreation! :lol:) aus, und eine blieb noch übrig. Auf der Uhr standen gerade mal 14 Euro und 20 hatte ich von den anderen Dreien schon kassiert. Das lag aber auch daran, dass es wider Erwarten nicht der Umweg über die Innenstadt genommen wurde.

Man kennt mich als fairen und liebenswerten Menschen und so sagte ich zu der Übriggebliebenen:

I: Viel wirst Du wohl nicht mehr zahlen. So wie ich das sehe, wirst Du Deinen Anteil an Deine Freundinnen auszahlen.

Ü: Wieso?

I: Naja, weil wir nicht mehr auf 25 Euro kommen und 20 habe ich schon kassiert.

Ü: Ach, die Fahrt war so lustig mit Dir, da gebe ich die fünf Euro mit Vergnügen Dir.

I: 😀

18 Euro standen am Ende drauf. Damit hatte ich nicht nur eine tolle (letzte) Fahrt, sondern auch viel Spaß, reichlich Komplimente (kann „Mann“ ja auch mal brauchen) und sieben Euro Trinkgeld. 🙂

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