Anstrengende Bauern

Okay, ich gebe es zu: Im Titel übertreibe ich schon. Denn wie ich hier schon angekündigt habe, sind Huder anstrengend. Die Kundschaft, die ich in die Bauernschaft Hurrel rausgebracht habe, waren durchweg freundlich und nett. Eigentlich wollte ich als Titel „Taxifahrer küssen besser“ nehmen. Aber auch das wäre wohl übertrieben. 😉

Nur leider war in der Nacht so gar nichts los. Nada. Niente. Nothing. Nüx. Um 22 Uhr ging es los für mich. Um fünf nach zwölf hatte ich den ersten Einsteiger vom MC. Danach ging es dann langsam los…

Sehr langsam. Meine vierte Tour war eine leicht konfuse Frau, die nach Hude wollte. Wahrscheinlich. Sie stieg ein und bevor sie das Fahrtziel nannte, bat sie mich, einen Moment zu warten. Was hätte ich auch machen sollen? Auf Verdacht losfahren? Nachdem sie ein paar Minuten (!) auf ihrem Handy rumhackte, hieß es dann Hude (Zum Glück, vielleicht ist da ja mehr los..). Allerdings wusste sie nicht wo in Hude und rief denjenigen an, den sie dort treffen wollte. Er sei bei „Burgdorfs“. Meine Alarmglocken schrillten. „Burgdorfs“ kann einerseits das Hotel/Restaurant bedeuten, andererseits kann damit auch die Party am Huder Bach gemeint sein, da Peter Burgdorf DER Partyveranstalter hier ist. Und neben „Halle“ hat sich auch der Begriff „Burgdorf“ etabliert.

Nene, er sei bei Burgdorfs. Sie war schon happy, dass ich überhaupt wusste, wo das ist. Aber sicher war sie sich nicht und übertrug ihre Unsicherheit auf mich. Ich machte ihr ein Angebot (dass sie nicht ablehnen konnte). Wenn wir beim Hotel sind, bleibe ich solange da stehen, bis ihr „Partner“ (?) sie draußen abholt. Dies nahm sie auch dankend an und wiederholte sich ab da, wie nett ich doch wäre usw…

Bei Burgdorfs angekommen, sah man durch das Fenster Leute tanzen, was schon mal Beweis ist, dass eine Festlichkeit im Gange ist. Sie bezahlte, weil sie aber nicht genug Geld hatte, zu wenig. Ich verrate nicht wieviel. Nur soviel: Mein Trinkgeld aus der vorigen Tour war futsch. 😦

Und jetzt begann das Warten. Also bitte, liebe Herren. Wenn ein Frau keine Kosten und Mühen scheut um Euch zu sehen, dann seid doch bitte so freundlich und wartet wenigstens draußen. Bei Wind und Wetter. Das ist echt das Mindeste. Dreimal musste die hilflose Frau anrufen, bis er endlich hinauskam.

Für meine Mühen (und den Rabatt) bekam ich als erster den Kuss von ihr. Auf die Wange! 😉

Nun, wo ich in Hude war, konnte ich zur „Halle“ fahren. Und wurde gleich mit einem Musterbeispiel Huder Gäste bestraft.

Bevor ich ins Detail gehe: Ich habe selber acht Jahre in Hude gewohnt. Die Menschen sind entweder Ureinwohner oder Zugezogene aus dem Oldenburger, bzw. Bremer Umland. Also entweder bereits sehr alte Eingesessene oder junge Mittelschichtler mit Familie. Es gibt sicher Problemstraßen in Hude, aber hauptsächlich ist Hude ein beschaulicher Ort. Wie sehr Erziehung daneben gehen kann, bewiesen aber meine ersten Huder Fahrgäste.

Zwei Jungs, ein Mädel stiegen also bei mir ein. Es sollte im Ort bleiben (zum Glück). Und was mir dann zu Ohren kam, ist nicht für Kinder bestimmt, scheint aber deren normaler Umgangston zu sein. Okay, die Party soll nicht so pralle gewesen sein. Aber trotzdem kann man ein Mindestmaß an gepflegtem Umgangston auch bei schlechter Laune erwarten. Da wurde das Mädel zur dummen Schlampe, der Kumpel vorne aufgefordert den Schwanz zu lutschen, worauf der erwiderte, dass er nicht so auf Pelz im Mund steht, usw… Also unterste Schublade. Gerade gut genug, um bei RTL demnächst in einem Realityformat aufzutauchen…

Jetzt war mir klar, warum ich eigentlich nicht so gerne nach Hude wollte. Aber die nächste Tour entschädigte für einiges. Es stieg bei der Halle ein Mädel ein, dass ich schon mal aus Hurrel zur Halle brachte. Vor vielen Monaten. Diesmal ging es also nach Hause und sie erzählte gleich, wie blöd die Party war und überhaupt viel zu teuer.

Dazu sollte man wissen, dass bei Feten von Burgdorf häufig Prominenz dabei ist, die richtig für Stimmung sorgt. Also Prominenz im Stile von Mickie Krause, Antonia, Willi Herren, Collien Fernandes oder „Die Autohändler“. Diesmal war niemand geringeres als Schäfer Heinrich zu Gast. Bekannt aus „Bauer sucht Frau“. Das Mädel plapperte also los, sie hätte ein Autogramm bekommen. Ich, der keine Ahnung hatte, wer der „Top-Act“ war, fragte auch gleich, von wem.

M: Na vom Schäfer Heinrich.

I: Wer?

M: Schäfer Heinrich.

I: Kenne ich nicht.

M: Aus „Bauer sucht Frau“.

I: Kenne ich auch nicht.

M: Aber das Schäferlied kennst Du.

I(zögerlich): Nnnnnein.

M: Ey, Du bist der erste, den ich treffe, der Schäfer Heinrich nicht kennt.

I (denkt: Spricht nicht für Dein Umfeld…): Kann man wohl nichts machen…

Dieser Dialog, den ich zu Schichtende auch meinen Kollegen erzählte, was ich wiederum Steffi erzählte, brachte übrigens diesen Stein ins rollen.

Nachdem sie mir eine Autogrammkarte zeigte, meinte ich mich auch dunkel an den Herrn erinnern zu können, hätte aber keinen Zusammenhang zu irgendwelchen Schäfern bilden können. Und noch was stand auf der Karte: „In Liebe…“ Ob ich wüßte, was das heißt? Gott sei Dank nicht.Sie auch nicht, aber ein Securitytyp erzählte ihr, dass diejenigen in den Backstagebereich dürften, die „In Liebe…“ auf der Autogrammkarte stehen hätten.

Das wollte sie dann doch nicht und landete stattdessen in meinem Taxi. Ich lud sie nicht in meinen Backstagebereich ein, sondern bei ihr zu Hause ab.

Der kümmerliche Rest der Nacht dümpelte dann auch ruhig vor sich hin. Ich fuhr noch einmal nach Hurrel, diesmal in männlicher Begleitung. Auch dieser Typ war sehr freundlich, was meinen Titel ad absurdum führt. Da sollten sich die Huder vielleicht mal an die Nase fassen, bevor sie über die Bauern aus dem Umland motzen. Aber es gibt solche und solche Tage. Thorsten kennt das ja auch mit Bauern und bei Lippern muss ich ihm Recht geben. Einmal verschlug es mich in diese Gegend und die war so prägend, dass ich danach nie wieder in diese Region hinabstieg.

Und in der Nacht durfte ich sogar noch nach Lemwerder, der Heimat von Micky M., wie mich der Fahrgast aufklärte. Der hat nämlich nur 500 Meter entfernt vom Messerstecher gewohnt. Super.

Der war ganz nett, seine Freundin umso ruhiger. Irgendwann stellte ich auch die Frage:

Sind wir nicht zu dritt im Taxi?

So gesprächig war er, so ruhig war sie.

Alles in allem also eine abwechslungsreiche Nacht, die symptomatisch für den Taxijob ist. Auf Trotteln folgen Liebe. Auf Trinkgeld folgt Rabatt. Auf Ruhe folgt der Sturm.

Gut, letzteres in der Nacht nicht. Aber man hat Hoffnung für das nächste Wochenende. 😉

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Eine Antwort to “Anstrengende Bauern”

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