Scherben bringen Glück

Nach einem langen Schulungstag in Bad Rothenfelde wurde gestern Abend noch der Winterpokal des C.O.N. ausgekegelt. Damit geht die „englische Woche“ in die nächste Runde.

Der Titelverteidiger in Person meines Vaters hat denn auch mal spontan den Pokal vergessen, weil er gar nicht mehr wusste, dass er der Titelverteidiger war. Ansporn genug, den Pokal zu gewinnen. Wäre da nicht sein Sohn, der nach Siggi als zweites auf die Bahn ging.

Doch was ist das? Beim Umziehen stellte ich fest, dass Albert sich in der Ecke ganz schön mit Franzbranntwein eingerieben hat. Albert? Der nimmt doch nie Franzbranntwein…

Als ich meine feuchte Sporthose aus der Tasche holte, ahnte ich schon böses. Meine Flasche Franzbranntwein war zerscheppert und der ganze Inhalt ausgelaufen. Die Dämpfe sollten dann aber eine leistungssteigernde Wirkung entfalten, zumal ich in teilweise durchnässten Klamotten spielte.

Nach 120 Wurf hatte ich 44 Holz geholt. Albert, der nach mir auf der Bahn war, gratulierte mir schon zu dem tollen Ergebnis. Rolf-Dieter als vierter Starter kam nicht annähernd an mein Ergebnis und beendete seinen Durchlauf mit 36 Holz. Peter lief wieder so mit, blieb nur noch mein Vater.

Der holte auf der ersten Bahn mehr als alle anderen (9 Holz, ich 7), was ihm noch eine Schachtel Mon Cheri einbringen sollte. Auf der nächsten Bahn lag er dann hinter mir (er 12, ich 18) und auch auf der dritten Bahn konnte er mein Tempo nicht mitgehen (er 8, ich 12). Somit lag er auf der letzten Bahn mit 8 Holz zurück. Um meine 7 Holz zu toppen, hätte er also 16 Holz holen müssen.  Wir winkten schon ab, aber mein Vater sagte sich:

Wenn mein Sohn schon kein Geld mit hat um die Glückwunschrunde auf den Markt zu schmeißen, und ich ihn wieder auslösen muss, dann kann ich auch gleich gewinnen. Erspart mir auch die Schmach, dass ich den Pokal nicht mithabe.

So oder so ähnlich muss er gedacht haben. Damit ist zum zweiten Mal kurz vor Toreschluss mir ein sportlich erkegelter Pokal entrissen worden, denn er holte mit dem letzten Wurf die benötigten 16 Holz und sorgte damit für ein spannendes Finale. Man muss auch neidlos anerkennen, dass er die letzte Bahn fantastisch gekegelt hat und damit nicht unverdient Winterpokalsieger 2009 wurde. Etwas traurig war ich schon, klar. Aber wenn ich es einem gönne, dann immer noch meinem Vater. 🙂

Übrigens, das erste Mal das ich so ein „traumatisches“  Erlebnis hatte, war beim sportlichen Vergleich mit den Berlinern in Delmenhorst. Damals hatte ich den Pokal für den Tagesbesten schon sicher, als Peter zum Ende hin richtig aufdrehte und mir auch kurz vor Toreschluss den Pokal noch entriss. Mein Vater zeigte gestern allerdings mehr Mitleid. 😉

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