Projekt 42: Konsum

Konsum (von lat. consumere = verbrauchen) ist je nach politischem Lager ein entweder positiv wie auch negativ behaftetes Wort. Früher war der Konsum bei Menschen lediglich auf den Verbrauch der benötigten Dinge reduziert (Essen, Trinken). Heute umfasst der Konsum die Befriedigung aller anfallenden verbrauchenden Bedürfnisse, wie z.B. Treibstoff für das jeweilige Fortbewegungsmittel, aber natürlich auch weiterhin Essen und Trinken. Gerne wird der Konsum auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten gesehen, aber dass soll hier nicht Gegenstand des Themas sein.

Denn genauso wie dem Wort Konsum in den politischen Lägern eine unterschiedliche Bewertung anheftet, so ist auch die Macht des Konsumenten zwiegespalten.

Für den Konsumenten spricht der freie Wille der Entscheidung, die es ihm ermöglicht nur die Dinge zum Konsum anzuschaffen, die seinen moralischen, ethischen oder gefühlsmäßigen Vorstellungen entspricht.

Dagegen spricht allerdings sein Geldbeutel, die seine Entscheidungsfindung zum Teil sehr stark einschränken kann. Außerdem setzen die Unternehmen durch gezieltes Marketing viel daran, die Vorstellungen des Konsumenten zu beeinflussen. Dadurch wird der Konsument in seiner Entscheidungsfindung noch mehr eingeschränkt und das ohne sich dessen allzu bewusst zu sein. Denn Werbung ist ein großer Teil unseres gesellschaftlichen Lebens geworden. Es werden bestimmte Werte idealisiert oder Bedürfnisse geschaffen, die nur das beworbene Produkt erfüllen kann. Ist es konsumiert, ist das fragile Glück verschwunden und es muss neu beschafft werden.

Manchmal gibt es aber Situationen, in der das Unternehmen durch schlechte Publicity in die moralisch verwerfliche Ecke gedrängt ist und der Konsument seine Macht geschlossen ausspielen kann. Besondere Beispiele sind der Shell-Boykott 1995 oder 2008 der Boykott von Nokia-Produkten. Boykotts sind in der Regel nur kurzfristiger Natur, jedoch bleibt beim Konsumenten immer auch was hängen.

Zu berücksichtigen bleibt aber, dass eine Organisation von Konsumenten komplett fehlt. Lediglich Aktivistengruppen können auf bestimmte Fehlleistungen der Unternehmen hinweisen, sind dann aber auf die Eigendynamik der Konsumenten angewiesen.

Dazu kommt, dass Boykotte moralisch bedenklich sind. Sie treffen zwar Unternehmen an ihrer empfindlichen Stelle, diese wehren sich aber zu Ungunsten der Arbeitnehmer mit Entlassungen, was sich wieder auf die Gesellschaft auswirkt.

Dank des Internets erstarkt eine neue Form des Konsums. Die des verantwortungsbewussten Konsumenten. Das wird dadurch erreicht, dass Konsumenten nur noch saisonale Lebensmittel kaufen oder regional hergestellte Produkte konsumieren. Das Internet gibt dem Konsumenten Gelegenheit, sich ausführlich darüber zu informieren, was vor 20, 30 Jahren nur durch Mundpropaganda oder in kleinen Gruppen möglich war. So hat sich die Typisierung „Öko“ oder „Bio“ von einer stigmatisierten Randgruppe in die Mitte der Gesellschaft bewegt. Labels und Gütesiegel helfen dem Konsumenten, Produkte zu kaufen, die seinen Vorstellungen entsprechen.

Nichtsdestotrotz ist Wissen über die Produkte unabdingbar für den Verbraucher, um nicht wieder auf irgendwelche Marketinglügen reinzufallen. Als aktuelles Beispiel kann hier der Versuch von Automobilfirmen gelten, mit der Modefarbe Blau und dem Schlagwort Effizienz das Blaue vom Himmel lügen.

Und deshalb ist es wichtig, sich nicht nur auf die Werbeaussagen der Unternehmen zu verlassen, sondern sich über die Hintergründe der jeweiligen Unternehmen zu informieren. Das kann man bei Aktivistengruppen wie z.B. greenpeace direkt machen oder man besucht regelmäßig die Seiten freiwilliger Autoren, die über die Herstellung von Produkten informieren. Als Beispiel kann man hier Konsumpf, nachhaltigBeobachtet oder Grüne Mode nennen.

Dies war mein zweiter Beitrag zum Projekt 42.

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5 Antworten to “Projekt 42: Konsum”

  1. Morgis Says:

    Ein sehr guter Artikel. Ich freue mich, dass ich das heute lesen durfte. Allerdings muss ich in zwei Punkten widersprechen:

    1. Gibt es sehr wohl eine Organisation von Konsumenten:

    Verbraucherzentrale – Bundesverband
    ADAC
    Stiftung Warentest (im weiteren Sinne)

    2. Boykotte sind zwar moralisch unbedenklich, begründen sich aber in den meisten Fällen auf moralische Unbedenklichkeiten. Ist das Einsperren eines Verbrechers in ein Gefängnis (Entzug der Freiheit) ebenfalls unmoralisch? Wenn ja, was ist die Alternative? Boykotte sind DAS Mittel schlechthin um klar zu machen, dass man mit der Gesamtsituation unzufrieden ist. Und nicht jeder Boykott führt gleich zu Schließungen und Entlassungen.

    • stefanprass Says:

      An die Verbraucherzentralen habe ich auch gedacht, ist jedoch keine Organisation im strengen Sinne.
      Der ADAC ist leider mittlerweile zu einem Zwitterwesen verkommen, der die Interessen der Autofahrer abdeckt, aber darüber hinaus nicht oder nur mangelhaft über den Tellerrand blickt. Außerdem konzentrieren die sich nur auf die Erweiterung von Geschäftsfeldern.
      Stiftung Warentest, Du sagst es, ist im weiteren Sinne eine Hilfseinrichtung für die Verbraucher, jedoch keine Organisation, die die Interessen der Verbraucher vor Regierungen vertritt.
      Und das meinte ich in meinem Artikel mit Organisation. Jedes Unternehmen, egal in welchem Bereich es tätig ist, hat Lobbyisten und Interessenvertreter, die eben diese Interessen bei der jeweiligen Regierung durchbringen oder so weit wie möglich einbringen.

      Boykotte sind in meinen Augen sehr bedenklich und nicht mit Deinem Verbrecherbeispiel vergleichbar. Boykotte sind DAS Mittel um dem Unternehmen moralisch bedenkliche Aktivitäten klar zu machen. Daraufhin mag er auch seine Unternehmensstrategie scheinbar ändern. Zumindest wird er sein Werbeetat auf Felder verteilen, die ihm einen sozialeren Anstrich verpassen. Aber durch die Einnahmeverluste wegen des Boykotts und dem zunehmenden Druck der Aktionäre wird er Mitarbeiter entlassen um wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. Es kommt also wirklich nicht gleich zu Entlassungen oder Schließungen, aber ein Aktiengesellschaft wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit tun. Und wer kommt für die Sozialleistungen dieser frischen Arbeitslosen auf?
      Um bei Deinem Beispiel zu bleiben. Der Verbrecher wird bei einem Boykott genötigt, ein Lippenbekenntnis abzugeben, während seine Kinder, die Eltern und die Nachbarn die Strafe für sein Vergehen zahlen.
      Darum auch mein Hinweis, sich vorher über die Produktionsbedingungen des Anbieters zu informieren und nicht durch Marketinglügen sich blenden zu lassen.

      • Morgis Says:

        Das war jetzt aus dem Text nicht ersichtlich, dass Du Organisationen meinst, die die Interessen der Verbraucher vor Regierungen vertritt. Ich dachte Du meinst eine allgemeine Interessenvertretung.

        Es ändert aber nichts an der Grundausrichtung, dass ein Boykott eben durch unlautere Geschäftsmethoden oder ähnliches herrührt. Was soll man anstelle eines Boykotts machen? Es auf sich beruhen lassen? Wäre auch moralisch nicht vertretbar. Bedenke, dass auch ein stiller Boykott ein Boykott ist. Du selbst hast auf einen Artikel hingewiesen, der die Produktionsbedingungen der Lieferanten einer großen Discounterkette anprangert. War das kein Aufruf zum Boykott oder nur ein Flüstern? Wo fängt Boykott an? Muss ein Boykott erst großflächig organisiert sein um als einer zu gelten oder ist es schon Boykott, wenn ich im Tante-Emma-Laden umme Ecke mal nicht angelächelt worden bin un mir denke, dass ich da nun nicht mehr hingehen werde, weil ich im Onkel-Fritz-Laden^^ immer angelächelt werde?

      • stefanprass Says:

        Wie ich schon sagte, anstelle eines Boykotts, welcher ja nachträglich auf Missstände reagiert, sollte man sich schon vorher über Machenschaften der Produzenten und Händler informieren um durch gezieltes und eben verantwortungsbewusstes Konsumieren die Firmenpolitik mitzubestimmen. Wenn ich mit dem Service im Tante-Emma-Laden nicht zufrieden bin, dann kann ich das zum einen Sagen, zum anderen aber auch im Onkel-Fritz-Laden kaufen. Entweder der Tante-Emma-Laden reagiert dann oder er geht zugrunde. Wenn der Onkel-Fritz-Laden aufgrund seines guten Services bekannt ist, wird es wohl kaum an seinen teureren Preisen liegen.
        Wenn der Onkel-Fritz-Laden aber seine Expansion auf Kosten von chinesischen Kindern, die 16 Stunden am Fließband stehen und Onkel-Fritz-Laden somit günstige Preise ermöglichen, dann gehe ich halt zu Klein-Erwin-Laden und kaufe dort. Nur, wenn ich nicht weiß, was Onkel-Fritz-Laden so treibt, dann kaufe ich auch weiterhin dort.

  2. Zementblog » Projekt 42: Geist Says:

    […] Stefan (Düstere Grenze) […]


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