Trauerspiel

Wir kommen gerade vom Public Viewing, wo wir beim letzten Spiel der deutschen Nationalmannschaft die Wirtschaft etwas angekurbelt haben und Geld unter die Leute gebracht haben, statt im stillen Kämmerlein das kleine Finale zu schauen.

Bei Schierenbecks war bei unserer Ankunft gelinde gesagt nichts los. Erwartet hatten wir eine Stunde vor Anpfiff bereits einen vollen Biergarten. Nein, dieser wurde sogar von der Fläche her halbiert.

Nach und nach füllte es sich zwar, aber man merkte dennoch an, dass das Spiel um Platz drei nicht mehr so ernst genommen wurde. Vielleicht haben sich die Leute Trainer Baade auch zu Herzen genommen.

Was nach dem Spiel aber auf den Straßen los war, glich einem Trauerspiel. Wurden nach glorreichen Siegen gegen Fußballentwicklungsländer wie England, Argentinien oder gar Australien auf den Straßen gefeiert, als wäre die Weltherrschaft gewonnen, so ist das heute ein Trauerspiel.

Hallo? Deutschland hat sich nach einer langen Qualifikation und einen tollen Turnier den dritten Platz erarbeitet, aber die Leute, die ihre vierwöchige Fußballeuphorie entdecken, haben ihre Fahnen schon eingepackt, oder wie? Oder ist der kleine Endsieg nicht so viel wert wie der große Endsieg? Ist es mit dem Nationalismus echt schon so weit, dass man selbst solche Siege nicht mehr feiert, weil das große Ziel knapp verpasst wurde? Und die ganze Euphorie der letzten Wochen verpufft wie Zigarettenqualm in einer frischen Nordseebrise? Also echt mal, dann hättet Ihr Euch das Getue mit Schland, Korsofahren und Rumgekreische die letzten Wochen auch sparen können.

Aber nicht nur das, typisch deutsch standen auch wieder einige Schaulustige an der Straße oder saßen am Fenster und warteten auf die Militärparade den feiernden Mob der ausblieb. Aber statt dann selbst ein bißchen Stimmung zu machen, blieb man nur regungslos stehen. Zwei Ausnahmen fielen dann wenigstens durch etwas Stimmungsmache auf. Der Rest war Schweigen.

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Böser Bengel

Letzten Mittwoch hatte ich meinen kleinen Neffen hier zum Aufpassen da gehabt. Während die Mädels mit ihrer Mutter in Bremen waren, um am Hochzeitskleid rumschnippeln zu lassen und nach Schuhen Ausschau hielten, hatte ich ein wachsames Auge auf den Kleinen.

Nach der Fütterung wurde Neo merklich unruhig. Erst hatte ich ihn noch auf dem Schoß während ich wie jetzt am PC saß. Doch Neo wurde immer unruhiger. Auf der Decke drehte er sich immer in Windeseile um, haute mit dem Spann immer auf den Boden und machte durch lautes Gebrüll seinen Unmut kund. Da fielen mir die Worte von Dany wieder ein:

Wenn er unruhig wird, hol den Maxi-Cosi aus dem Auto. Darin kann er schlafen.

Also das Teil aus dem Auto geholt und bei der Gelegenheit den Kinderwagen gleich mit. Ein sehr gute Idee, wie sich noch herausstellen sollte.

Denn Neo wollte nicht schlafen. Neo wollte brüllen. Und das tat er auch im Maxi-Cosi. Also habe ich den Kleinen in den Kinderwagen gepackt, meine Sonnenbrille und Schlüssel geschnappt und bin mit ihm raus.

Aber halt! Neo hatte keine Schühchen, nicht mal Socken. Und kleine Kinder sollen doch gut eingepackt sein, auch wenn es draußen 29°C waren. Oder nicht? Ganz sicher war ich mir nicht, aber ich bin auf die selbige Nummer gegangen. Nur womit? Eine Babydecke haben wir nicht…Hmmm…aber Handtücher! 🙂

Schlafen wollte er aber auch bei der Rundfahrt nicht…

Und als wir wieder zurück waren, ging seine Brüll-Arie unvermittelt weiter. Sehr zum Leidwesen meiner Ohren…

Als dann eine halbe Stunde später die Mädels wiederkamen, war ich bereits so weichgekocht, dass ich Steffi willenlos zum Public Viewing begleitete. Danke, Neo…

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