Die Straßen werden sich mit Hass füllen

Gut, dass viele Leserinnen der Beileid Twilight-Reihe keinen Deutschlandfunk hören (unterstelle ich jetzt mal so). Denn was gestern in der Sendung Büchermarkt von Denis Scheck gesagt wurde, könnte bei weiterer Verbreitung dazu beitragen, dass die Städte im Angesicht von wütenden Frauenhorden brennen, angesichts seiner Worte.

Erst machte sich Scheck warm, in dem er über Cecilia Aherns Buch „Ich schreib Dir morgen wieder“ sagte:

Scheck: Auch ein blindes Huhn findet einmal ein Korn:

Funck: „Liebes Tagebuch, ich hasse mein Leben. Kurz gesagt ist es Folgendes: Mein Dad hat sich umgebracht, wir haben unser Haus und überhaupt alles verloren, ich mein ganzes Leben, Mum ihren Verstand, und jetzt wohnen wir bei zwei Soziopathen im hinterletzten Kaff.“

Scheck: Wäre dies der Beginn des neuen Romans der irischen Autorin Cecilia Ahern, es wäre ihr erster guter. Leider aber steht diese Eintragung in einem magischen Tagebuch auf S. 128 von „Ich schreib dir morgen wieder“, und alles in diesen wenigen Sätzen Zusammengefasste wurde genau so haarklein und vorhersehbar auserzählt wie der Rest dieser Schmonzette um eine 16-jährige Waise, die auf dem platten Land von mildtätigen Nonnen in die wahren Werte ewiger Herzensbildung eingeführt wird.

Einmal so richtig in Fahrt sollte Stephenie Meyer ihr Fett abbekommen. Zu ihrem Buch „Bis zum Erbrechen Ende der Nacht“ sagt Scheck:

Gegen die aufgeblähten Schmachtfetzen der Mormonin aus Arizona helfen scheinbar weder Knoblauch noch Weihwasser oder Silberkugeln: die Gesamtauflage von Meyers bislang vier Romanen um die prüde Schöne Bella Swan und den höflichen Vampir Edward Cullen beträgt über hundert Millionen Exemplare. Doch erfahrene literaturkritische Exorzisten wissen: Lautes Vorlesen enttarnt den adjektivüberladenen Stammelstil Meyers, ihre totale Unfähigkeit zum Malen von Stimmungen ebenso wie ihr Unvermögen, abstrakte Gedanken darzustellen. Zurück bleibt nur ein von Lachtränen benetztes jämmerliches Häufchen Asche.

Was sagen eigentlich die Frauen dazu, die mir erzählt haben, dass Frau Meyer doch so schön die Gefühle beschreiben könnte? Ist Herr Scheck vielleicht nicht zu solchen Gefühlen fähig (schließlich ist er Literaturkritiker) oder sind Frauen nur einfach zu beeindrucken? Gegen ersteres spricht die Kritik des nächsten Buches, in der Scheck fragt:

Werde ich am Ende einfach zu weich?

Aber in der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste Belletristik ist ja noch eine weitere Meyer-Schmonzette platziert („Biss zum ersten Sonnenstrahl“), an der sich Scheck dann auch wieder auslässt:

In diesem mit 200 Seiten für Meyersche Verhältnisse Winzling von einem Buch greift die Autorin eine Nebenfigur auf, die einen kleinen Auftritt im dritten Band von Meyers Blut-und-Hoden-Story hatte: die 15-jährige Bree Tanner. Bree ist die klassische „damsel in distress“, eine Jungfrau in Bedrängnis, die im Hochzeitskleid Kohlenschippen könnte, ohne dass auch nur ein Stäubchen ihre Makellosigkeit beeinträchtigen würde. Offenbar plagte Stephenie Meyer das schlechte Gewissen, wie lieblos sie diese Figur über die Klinge springen ließ. Doch in dem Versuch, poetische Gerechtigkeit herzustellen, verschlimmbessert Meyer alles. Meyer hat wieder einen Roman triefend von Moral geschrieben, einer Moral, deren besondere Perfidie gerade darin besteht, dass sie einen Sinn unterstellen muss für einen sinnlosen Tod.

Ich gebe zu, damit hat sich Scheck in mein Gedächtnis katalputiert, obwohl ich ihn schon vorher immer gerne gehört habe. In der Sendung Büchermarkt, die ich nur nebenbei höre, ist er der Eye Ear-Catcher.

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