Dalaman statt Ballermann (Türkei, 1. Tag)

Unser Türkeiurlaub ist seit Freitag zu Ende und in den folgenden Tagen werden wir hier unseren Erfahrungsbericht veröffentlichen. Da wir aber ungerne eine Woche Urlaub komplett in einem Beitrag bringen wollen, werden wir diesen tageweise bringen. Sonst müssten wir unsere Finger am Ende in Eiswasser kühlen. 😉

Um halb drei Uhr morgens klingelte letzten Freitag unser Wecker, kurz frischgemacht, und ins Auto gehüpft Richtung Hannover, wo wir gegen halb fünf eintrafen. Man dröhmelte so vor sich hin, wobei ich gar nicht schlafen oder dösen konnte, weil ich tierisch aufgeregt vor dem Flug war.

In der Wartehalle vor dem Boarding machten wir dann unsere letzten Fotos vor dem Flug.

Unser Flieger war dann endlich da:

Und noch ein Kääääääsekuchen bevor es hineinging:

Dann begannen sich die Leute anzustellen und wie für den restlichen Urlaub sollte es typisch für uns sein, dass wir den richtigen Moment zum Anstellen verpassten, obwohl wir in der Wartehalle ganz vorne saßen. Also blieben wir sitzen und warteten weiter. Ohne uns werden sie schon nicht abfliegen.

Da beobachteten wir, wie eine elegant gekleidete Frau, mit Hut und so, an der Schlange vorbeigeführt wurde und vor allen anderen ins Flugzeug steigen durfte. Bestimmt ne Politikergattin, oder so. Hätten wir ja schon gerne gewusst, warum sie eine Extrabehandlung bekommt.

Das Boarding ging dann relativ zügig und als wir ins Flugzeug stiegen, wer sitzt da auf unserem Platz? Die vermeintliche Politikergattin. Nur waren wir uns nicht sicher, ob

  • sie wirklich auf unserem Platz saß (Ja, tat sie)
  • ob sie wirklich eine Politikergattin ist (Nein, ist sie nicht)

Ich hatte eh ganz andere Sorgen, denn ich hatte einen dreieinhalbstündigen Flug vor mir. Mein letzter Flug lag 16 Jahre zurück. Damals flog ich von der Schule (kein Scherz) und davor flog ich das bisher einzige Mal von Berlin nach Bremen mit einer propellerbetriebenen British-Airways-Maschine. Damals existierte die DDR noch! Und als elfjähriger Junge fand ich das sehr aufregend.

Diesmal war ich auch aufgeregt, aber aus anderen Gründen. Beim Start machte ich mir schon beinahe in die Hosen und musste an einen Spruch von meinem Kollegen Daniel denken.

D: Fliegen ist wie Achterbahn fahren. Magst Du Achterbahn fahren?

S: Nein!

D: Dann wirst Du fliegen auch nicht mögen.

Jetzt folgte der Auftritt unserer Sitznachbarin, die zwischenzeitlich meine Nervosität spürte. Sie lenkte uns mit Unterhaltungen vom Fliegen ab und glänzte mit einer bravurösen Ortskenntnis. Das war umso erstaunlicher, da sie dafür nicht rauszuschauen brauchte (an unserem Fensterplatz) oder von den Monitoren ablas, die vor uns hingen und uns mit Satellitenbildern versorgte. Die hätten ihr auch nichts gebracht, denn sie ist blind. Was auch die Sonderbehandlung erklärte. 😉

Und dennoch konnte sie nach egal welcher Flugminute genau sagen, wo wir uns befinden und was wir draußen sehen.

Da sie Entwicklungshelferin war, konnte sie uns mit Geschichten unterhalten, wenn das Flugzeug wieder mal rumpelte und ich meine (zum Glück geschnittenen) Fingernägel wieder mal in die Armlehnen bohrte.

Sie war es auch, die uns noch mit letzten Tipps für den Türkeiurlaub versorgte. Sie hat mit ihrem Mann dort ein Häuschen und kannte sich bestens mit Land und Leuten aus. Was Steffi auch zu dem Spruch verleitete:

Eine blinde Frau weist uns den Weg.

Eine wirklich sehr nette Frau.

Nun waren wir endlich angekommen. Die Landung war in meinen Augen noch mal richtig brutal und das Bremsmanöver alles andere als vertrauenswürdig.

Kaum waren wir aus dem Flugzeug raus, schon begann das große Schwitzen. Der Bus hatte zum Glück eine Klimaanlage, sonst hätten wir die zwei Stunden Fahrt auch nicht überlebt. Der Busfahrer schaffte die Strecke aber auch nur deshalb in zwei Stunden, weil er bevorzugt die vor sich fahrenden Autos von der Straße trieb und den Einsatz der Hupe nicht scheute. Wie sich noch rausstellen sollte, ein ganz normales Vorgehen im türkischen Straßenverkehr.

Auch ganz normal schien es zu sein, dass Wasser aus Rohren einfach so laufen gelassen wurde. Dort plätscherte dann in gewisser Höhe (meist zwischen zwei und drei Metern) zwischen Bäumen das Wasser aus 10cm dicken Rohren einfach so raus…ohne ersichtlichen Grund für uns. Das sollte sich später aber noch klären.

Zeit für Fotos ergab sich bei zwei Stunden Fahrzeit natürlich auch.

Nachdem wir in Marmaris ankamen, ging es noch weiter ins 20 km entfernte Turunc. Und diese 20 km sollten es in sich haben, denn Turunc liegt hinter einer Bergkette, wofür wir erstmal auf den Berg rauf mussten, um anschließend wieder runterzukommen. Dafür war die Aussicht einfach genial.

Gut, die Bergtour habe ich ohne Ohnmachtsanfälle überstanden. Ich war auch nicht der einzige, dem beim Anblick von tiefen Schluchten der Ködel hinten raus guckte. Neben uns saß noch ein Pärchen, bei der die Frau auch nicht ganz Schwindelfrei war.

Aber wir sind gesund und munter beim Hotel angekommen. Erst mal schnell rein, denn die Hitze hatte es echt in sich. Kurz vorher hatte es geregnet und dementsprechend hoch war die Luftfeuchtigkeit.

Das Hotel machte einen richtig guten ersten Eindruck.

An der Rezeption wurde es dann spannender, als es eh schon für uns war. Wie wird wohl das Zimmer sein? Diese Frage wurde abgelöst durch: Ob wir noch ein Zimmer kriegen?

S: Hello, Grenz our name. We have a room here.

Rezeptionistin: Hello. (guckt)

S: Is it possible, to get a room with seaview?

R: Are you sure you have a room here?

S: Äh…yes.

R: Your name is Grenz?

I: Yes. (gelogen, ich weiß. Aber ich wollte auch mal was sagen und mit meinen Englischkenntnissen zu glänzen.^^)

R: That´s very interesting. (fängt an auf türkisch zu telefonieren).

Nach dem Gespräch entschuldigt sie sich und verschwindet in einem Hinterzimmer. Steffi und ich schauen uns in bangevollen Sekunden an. Anscheinend ist unser Zimmer nicht reserviert worden. Wer wohl Schuld hat? Und wo schlafen wir?

Bevor wir uns diese Fragen laut stellen können, taucht die Rezeptionistin wieder auf und drückt uns einen Schlüssel in die Hand. Ein wirklich schönes Zimmer, dass wir hätten, erklärt sie. Es wäre wohl die Suite, da es wohl einen Fehler bei der Reservierung gab. Super, damit wären beide Fragen ja beantwortet. 😉

Oben angekommen blieb uns fast die Sprache weg (und der Atem, da sich die Luft unter dem Dach staute). Ein geräumiges Zweiraumzimmer mit Badezimmer und zwei Klimaanlagen. Und die Aussicht war auch aufs Meer.

Super, das klappt ja wie Bolle. Dann schauen wir uns mal den Strand an. Die Frau an der Rezeption zeigte uns noch das Restaurant des Hotels, das direkt gegenüber der Straße lag. Daran vorbei führte ein Gang, wohinter sich der Pool und die Strandbar befand und genügend Sitzmöglichkeiten zur Verfügung standen, um zu essen.

Am Strand machten wir es uns direkt mal bequem und genossen die Sonne. Nach ca. zwei Stunden wurden wir aber von jemandem darauf hingewiesen, dass der Bereich, wo wir lagen, nicht zum Hotel gehört und wurden des Feldes verwiesen. Kein Problem, weil im Hotelbereich zwei Liegen frei waren.

Blieb nur noch die Frage, wie wohl das Essen sein würde. Ich sag mal so, mir hat es geschmeckt, für Steffi war am ersten Abend noch nichts dabei, was die darauffolgenden Tage aber besser wurde. Getränketechnisch waren wir dank All-In bestens versorgt und hatten damit quasi eine Alster-Flatrate (auch Radler genannt, in der Türkei Schendi oder Shendi). 😉

Abends machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch das Dorf und gingen nach einem anstrengenden Tag früh ins Bett.

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Eine Antwort to “Dalaman statt Ballermann (Türkei, 1. Tag)”

  1. Lernen kann Spaß machen (Türkei, 7. Tag) « Düstere-Grenze Says:

    […] noch etwas lernten wir auf der Tour. Wie ich schon am ersten Tag anmerkte, wunderten wir uns über die scheinbare Wasserverschwendung. Diese hat einen bestimmten […]


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