Lernen kann Spaß machen (Türkei, 7. Tag)

Um viertel vor fünf klingelte unser Wecker. Wie zwei Leichen wankten wir durch das Zimmer. Ob sich der Imam morgens auch so fühlt? Bei dem brannte jedenfalls schon Licht.

Damit hier niemand dumm stirbt. Am Tag vorher begann Ramadan und während dieser Zeit zeigen die Moscheen die Zeit des Iftars an, indem die Minarette leuchten. Jedenfalls bei der hier.

Um halb sechs waren wir soweit fertig, zehn Minuten später sollten wir eigentlich abgeholt werden. Noch mal die letzte Gelegenheit nutzen, um auf Toilette zu gehen. Plötzlich klingelte das Telefon, von dem wir zwei auf dem Zimmer hatten. Eins direkt neben der Schüssel und eines im Fernsehzimmer. Steffi und ich waren gleichzeitig dran, so dass wir beide gleichzeitig wussten, dass unser Bus unten auf uns wartet. Na die sind aber früh dran.

Zwischendurch sammelten wir noch andere auf und in Marmaris wurde dann in einen größeren Bus umgestiegen. Dort lernten wir auch unseren Reiseleiter kennen. Der sprach verhältnismäßig gut deutsch. Verhältnismäßig deshalb, weil er den einen oder anderen Klopfer raushaute, wie z.B. Kreuzschiffe (gemeint war Kreuzfahrtschiffe), aber im Vergleich zu den anderen Reiseleitern, die wir in Ephesos hörten, wenigstens ganze Sätze sprechen konnte. Und sein gutes Deutsch präsentierte er auch während der Fahrt, als er uns von der Geschichte und den Mythen der Stadt Ephesos und der Umgebung erzählte. Auch über die Flora, Fauna und den Menschen konnte er während der Fahrt immer wieder was erzählen.

Nach zwei biologischen Pausen, so nannte unser Reiseführer die Zwischenstopps, kamen wir um kurz vor elf Uhr in Ephesos an. Bei geschätzten 44 Grad und gefühlten 56 Grad ging es durch die Ruinen der über 3000 Jahre alten Stadt.

Und so präsentierte sich die Stadt dann für uns.

Zuerst ging es durch das Verwaltungsgelände, wo im Odeon vermutlich Kammerkonzerte gespielt und politische Reden gehalten wurden. Direkt dahinter lag das Rathaus. Im folgenden Bild links zu erkennen. Das Odeon umfasste „nur“ 1800 Personen.

Natürlich nutzte ich auch die Möglichkeit, die umliegende Landschaft zu fotografieren, die mich wirklich fasziniert hat.

Weiter ging es zum Platz vor dem Domitiantempel, wo ein antiker Kreisverkehr zu erkennen war. Kein Wunder, trafen hier drei Hauptstraßen aufeinander.

Weiter ging es die Kuretenstraße hinab Richtung Bibliothek. Mittlerweile waren wir eine gute halbe Stunde unterwegs und das folgende Bild beschreibt diese halbe Stunde ganz gut.

Am Ende der Kuretenstraße befinden sich links die Hanghäuser, die Säulen als „Hausnummern“ vor der Tür hatten. Gar nicht so abwegig, denn wenn ich beschreibe, wo ich wohne, dann sage ich auch:

Zwischen dem Imbiss und dem Friseur ist unsere Haustür.

So ist es nur logisch, dass früher gesagt wurde:

Hinter der längs gerillten Säule ist mein Haus.

Wie jeder sicherlich weiß, ist Ephesos die Stadt eines der sieben Weltwunder und zwar des Artemistempels. Deshalb ist auch die Statue der Artemis allgegenwärtig. Im folgenden Bild ist also kein Phallussymbol abgebildet, sondern die griechische Göttin der Jagd und des Waldes.

Leider gab es auch nicht so schöne Bilder zu sehen. In der öffentlich Latrine, wo Geschäfte gemacht wurden, fotografierte ich das:

Ich krieg die Tür nicht zu. Da läuft man durch die Ruinen einer der größten Städte in der Antike, bewundert die imposanten Bauten der Menschheit, die über 3000 Jahre auf dem Buckel haben. Und dann schmeißt man seinen Müll einfach in das nächstgelegene Loch? Wie dumm und ignorant können Menschen eigentlich noch sein?

Zurück zum Thema Latrine. Diese öffentlichen Einrichtungen, die man gegen einen kleinen Obolus aufsuchen konnte, waren bestens ausgestattet. Marmorsitz, gepolsterte Rückenlehne, Rinnsal zum sauber machen und Fußbodenheizung. Kein Wunder also, dass Geschäftsleute sich hier länger aufhielten und neben dem einen Geschäft auch das andere gemacht haben. Daher auch die Redewendung.

Die nächsten Bilder zeigen unsere hauptsächliche Tätigkeit bei dem Besuch in Ephesos. Zur Erinnerung: Es war gefühlt über 50 Grad heiß.

Wie ich zu Steffi sagte:

Ich habe noch nie so viele Menschen so heftig Schwitzen sehen wie in diesen zwei Stunden…

Wir begegneten auch hier netten Leuten, die von sich aus uns anboten, Fotos von uns zu machen.

Natürlich sahen wir zum Abschluss noch das Theater von Ephesos, welches um die 25.000 Menschen aufnehmen konnte und in dem mutmaßlich der Apostel Paulus seine Anklage an die Silberverkäufer richtete, die mit dem Verkauf kleiner Silberfigürchen der Göttin Artemis ihren Lebensunterhalt bestritten. Diese waren verständlicherweise aufgebracht. Ihnen war es unter anderem zu verdanken, dass Paulus in Ephesos (wieder mal) im Knast landete.

Wie unser Reiseleiter mit einem zwinkernden Auge hinzufügte: Wer hat gewonnen? Paulus wurde kurze Zeit später in Rom hingerichtet, die Verkäufer dagegen sind knapp 2000 Jahre später immer noch da. 😉

Damit waren wir nach zwei Stunden in sengender Hitze auch schon am Ende angekommen. Vorm Ausgang kaufte ich mir eins von diesen eisgekühlten Fruchtdrinks und bekam sofort Gehirnfrost. Außerdem waren wir die letzten aus unserem Bus, die alle in Vorfreude auf das Mittagessen waren. Wir dagegen konnten uns nicht vorstellen, nach der Gluthitze was zu essen. Und das sage ich nicht nur, weil wir mit unseren Bauchschmerzen zu kämpfen hatten.

Das Mittagessen fand dann in einem 4-Sternerestaurant statt und die Buffetauswahl war verglichen zu unserem Hotel riesig. So schlugen wir denn auch kräftig zu und waren danach pappsatt. Beim obligatorischen Gang auf die Toilette bekam ich erstmal einen Schreck. Das erste, was mir ins Auge fiel, war eins der französischen Stehklos. Nachdem ich aber die nächste Tür öffnete, war ich erleichtert. Selbiges war ich wenige Minuten später dann doppelt. 😉

Unser Ausflug wurde dann komplettiert durch einen Besuch im Museum. Dort liefen Steffi und ich dann zur Höchstform auf. Nach der anstrengenden Tour durch die Stadt war der Gang durch das klimatisierte Museum eine Erholung, was wir mit bestechend guter Laune quittierten.

Und wie auch schon auf dem Ausflugsschiff und in der Stadt Ephesos, so bot sich auch hier wieder jemand an, der uns gemeinsam fotografiert hat.

Natürlich alberten wir nicht nur rum, sondern nahmen die Geschichte auch sehr ernst. So zeigten wir uns interessiert,

bewiesen Demut

und veranschaulichten.

Das ist Kaiser Domitian, der dank des erfolgreichen Feldzuges gegen das germanische Volk und der Errichtung des bekannten Limes den Beinamen „der Germane“ trug. In Ephesos, wie auch in ganz Kleinasien war er dafür bekannt, dass er die christliche Glaubensrichtung brutal unterdrückte. Als er in Rom dann vom Verwalter seiner Nichte unter tatkräftiger Mithilfe von Soldaten und Gladiatoren umgebracht wurde, rächten sich die Christen auf ihre Art. Sie schlugen den Statuen die Nasen ab. Dieser Verwalter hieß Stephanus und hat nichts mit dem Stephanos auf dem nächsten Bild gemeinsam.

Aber wie gesagt, sonst blödelten wir auch gerne herum und hatten unseren Spaß.

Danach ging es wieder nach Hause. Da schlafen für mich in einem Bus nicht möglich ist und meine Laune eh gerade gut war, machte ich weiter meine Späßchen. Hier als Graf Dracula.

Und dann war da noch der Zwischenstop an der fast fertigen Talsperre Akköprü, die zu den höchsten in Europa gehört.

Steffi hatte nach meinem über hundert Fotos von der Landschaft genug und schnappte sich die Kamera.

Hast Du einmal diese Verkaufsstände an der Straße fotografiert?

Diese Frage musste ich leider verneinen…

Das tat dann Steffi.

Und noch etwas lernten wir auf der Tour. Wie ich schon am ersten Tag anmerkte, wunderten wir uns über die scheinbare Wasserverschwendung. Diese hat einen bestimmten Grund. In Gegenden mit hohem Grundwasser, wo es außerdem keinen Mangel an Wasser gibt, werden diese Leitungen zur Abkühlung der Autos genutzt. DAS ist der Grund, weshalb aus Rohren ständig Wasser läuft.

Für all diese Wissensvermittlung und die wirklich unterhaltsame Tour sollte Ali, so hieß unser Reiseleiter, dann auch ein gutes Trinkgeld bekommen, obwohl er genau das nicht wollte…

Wo Steffi schon mal die Kamera hatte, zeigte sie ihr Können und fotografierte noch mal zwei grandiose Bilder vom letzten Teil unserer Heimfahrt. Einmal Marmaris vom Berg aus gesehen.

Und dann noch Turunc. Wohlgemerkt, aus dem fahrenden Bus hinaus fotografiert.

Um kurz vor acht waren wir dann wieder am Hotel. Erschöpft, aber glücklich. Jetzt sollte das letzte Mal gegessen werden, denn am nächsten Morgen sollten wir vor dem Frühstück abgeholt werden. Wir setzten uns zu unseren neuen Freunden Joost und Beata, die uns jedoch erstmal alleine ließen. Beata brauchte noch was zum Anziehen für den Strand. Wir aßen also und merkten langsam unsere Müdigkeit uns übermannen. Gerade noch rechtzeitig kamen Joost und Beata wieder und so plauderten, tranken und lachten wir bis das Personal der Strandbar wieder auf freundliche Art und Weise mitteilte:

Get the fuck out of here!

Das taten wir auch. Es war kurz nach elf, aber so richtig verabschieden wollten wir uns auch nicht. Also setzten wir uns mit den beiden noch in den Pub daneben und plauderten, tranken und lachten weiter. Bis es dann halb drei war und mein Kopf sich mit der Tischplatte vereinen wollte. Jetzt verabschiedeten wir uns wirklich und hoffentlich nicht zum letzten Mal. Unsere Einladung war sicher genauso ernst gemeint wie ihre Einladung nach Breslau.

Wir duschten noch schnell und hauten uns um viertel nach drei aufs Ohr. In nicht mal vier Stunden sollte der Wecker klingeln…

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