Ein Hoch auf die Sicherheit

Jetzt, wo Steffi endlich ihren Artikel über ihren Junggesellinnenabschied fertig hat, kann ich noch von weiteren Ereignissen berichten, die sich nach diesem Abend zugetragen haben.

Den Montag nach dem Wochenende mit dem JGA hatte ich einen Hautarzttermin. Dieser kam mir nicht gerade gelegen, da ich aus dem Türkeiurlaub neben einem Verdauungsproblem auch noch einen Sonnenbrand als Souvenir mitbrachte. Nun stand ich da zum Hautkrebsscreening, oder ganz einfach Fleckenkontrolle, fast nackt im Behandlungszimmer. Der Onkel Doktor kam rein, sieht meine sich pellende Haut auf den Schultern, Armen und der Brust und meint trocken:

Dann nutze ich mal die Gelegenheit, um mit ihnen über vorbeugenden Sonnenschutz zu reden.

Sehr witzig…

Im Urlaub selbst geschah sonst nicht wirklich viel. Steffi wurde von einer Erkältung eiskalt erwischt und ich sorgte dafür, dass sie sich nicht zu sehr verausgabt.

Am Samstag, den 21. August hatte ich vor vielen Wochen einen Termin zum Fahrsicherheitstraining gemacht. Einen entsprechenden Gutschein bekam ich zu meinem 33. Geburtstag gemeinsam von meinen damaligen Mitbewohnern Jana, Steffi und Marco. Vielen lieben Dank dafür noch mal an dieser Stelle.

Da der Gutschein nur eine zweijährige Gültigkeit besaß und ich mir wirklich so ein Training gewünscht habe und schon immer mal gemacht haben wollte, aber nie den Mumm hatte das auch durchzuziehen zog ich das jetzt durch.

Leider hieß das, am vorletzten Urlaubstag früh aufzustehen und nach Bremen zum Verkehrsübungsplatz zu fahren. Um kurz vor halb neun war ich dann da ohne richtig da zu sein. Nach dem ersten Kaffee sah das schon wieder ganz anders aus.

Bei einer kurzen Vorstellungsrunde lernte man sich kennen und einschätzen. In dieser Runde zeigte sich, dass ich wirklich der Sohn des „ewigen Zweiten“ bin. Ich war der Zweitälteste (der Älteste hatte seit 1964 den Führerschein…) und derjenige mit der zweithöchsten Kilometeranzahl pro Jahr. Die meisten Kilometer reißt ein Veranstaltungskaufmann mit ca. 120.000 km im Jahr ab. Mehr als alle anderen zusammen. Alleine ich fahre so viel Kilometer wie die restlichen zehn zusammen…im Jahr!

Man ahnt es schon, die meisten Teilnehmer waren Führerscheinneulinge. Was ich an sich für eine tolle Sache halte, wenn die Eltern ihren Kindern so eine Teilnahme sponsorn. Nur neigten einige der jungen Männer Jungs zur Selbstüberschätzung, was das Fahrsicherheitstraining nicht wirklich eindämmte.

Aber das Training sollte ja nicht nur an der Selbsteinschätzung feilen, sondern vor allem auch dazu dienen, dass eigene Auto in Grenzbereichen besser kennen und damit umzugehen lernen. Und das tat es dann auch.

Bevor wir losfahren durften, wurde erst unsere Sitzhaltung kontrolliert. Denn Sicherheit fängt bereits vor der Abfahrt an. An meiner Sitzhaltung und Sitzeinstellung gab es nichts auszusetzen. Jedoch habe ich mir im Laufe der Jahre angewöhnt, den einhändig geführten Wischer am Lenkrad zu mimen. Das ging beim Slalomfahren zwar noch gut, aber bei Ausweichmanövern mit Vollbremsung merkte man das Handicap dann doch schon sehr.

Angefangen haben wir mit einfachen Vollbremsungen auf normalen Asphalt. Danach dasselbe auf der Gleitfläche, dass vom Bremsweg her natürlich ein großer Unterschied war. Kamen wir auf Asphalt nach 10 m zum stehen, war auf der Gleitfläche nach 40 m noch nicht Schluss…bei 50 km/h.

Auf der Gleitfläche wurden im Anschluss bei den Vollbremsungen noch Lenkbewegungen eingesetzt. Erst leichte, dann starke und zuletzt ein kompletter Lenkeinschlag. Sehr aufschlussreich, da die starken Lenkbewegungen eigentlich keinerlei Wirkung zeigten. Bis das Auto eine Geschwindigkeit erreichte, wo die Reifen Haftung bekommen und dann schlagartig die Richtung wechseln…

Nach dieser Einführung ging es dann mit Bremsen auf unterschiedlichen Untergründen weiter. Zwischendurch wurde immer das Verhalten des Autos besprochen und wie der Fahrer mit einfachen Mitteln diese erkennen und damit umgehen kann.

Jetzt wurde es richtig lustig, denn wir durften um die Pylonen Slalom fahren. Dazu teilten wir uns wie sonst auch in zwei Gruppen auf, allerdings mit dem Unterschied, dass die anderen diesmal nicht bei der Lehrerin standen und zuschauten, sondern als Beifahrer mitfahren durften und den Fahrer beobachten sollten. Dabei sollte in der ersten Runde auf die Geschwindigkeit geachtet werden und beim zweiten Durchgang auf das Lenkverhalten und den vermittelten Eindruck auf den Beifahrer.

Nach einer kurzen Besprechung ging es dann zur Mittagspause.

Nach diesem Break ging es auf den anderen Teil des Verkehrsübungsplatzes, wo bis dahin die Motorradgruppe unterwegs war. Hier sollten dann Kurvenfahrten getestet werden. Wie es sich für ein Fahrsicherheitstraining gehört, wurden auch Bremsmanöver in Kurven geübt.

Nach dieser Übung wurde es dann richtig spannend. In der Bremszone wurden nach ca. zehn Metern ein Hindernis aufgestellt (sechs kleine Pylonen), die es auszuweichen galt. Somit wurde der Faktor Stress mit in die Übungen eingebaut, denn wenn man mit 50 km/h auf ein Hindernis zufährt um es mit einer Vollbremsung auszuweichen, ist das kein Spaziergang.

Wer gut aufgepasst hat, sagt jetzt: Wenn ihr 50 km/h gefahren seid und nach 10 m das Hindernis war, dann hättet ihr doch davor zum stehen kommen müssen. Richtig, aber das war nicht Sinn der Übung. Außerdem sollte nach dem Ausweichmanöver die Strecke durch ein Tor verlassen werden. Sprich, es sollte weitergefahren werden und nicht stehen geblieben. 😉

Hier ist die einhändig geführte Wischertechnik am Lenkrad völlig deplatziert. Mit beiden Händen am Lenkrad riss ich dasselbige mehrfach rum, dass es eine Freude war. Nicht immer überlebten alle Pylonen, aber dafür machten wir das ja auch. Um zu sehen, dass man das Auto ruhig auch mal um die Ecken reißen kann, ohne dass es umkippt. Ja, im zweiten Abschnitt der Übung durften wir nicht einmal mehr bremsen, sondern fuhren mit 50, 55, 60 sogar 65 km/h um das Hindernis herum.

Zur letzten Übung des Tages wurde dann wieder auf „unseren“ Teil des Verkehrsübungsplatzes gewechselt. Denn das Ausweichmanöver wurde jetzt auch auf der Gleitfläche trainiert. Wie schon morgens gelernt, haben ruckartige Lenkbewegungen keinen Effekt und man muss in Stresssituationen, so schwer es auch fällt, die Ruhe bewahren und mit eben dieser am Lenkrad die Richtung vorgeben. Und unglaublich aber wahr…es funktioniert.

Bei der anschließenden Abschlussbesprechung waren alle der Meinung, dass dieses Training die Teilnehmer weitergebracht hat und es empfehlenswert für jeden Autofahrer ist. Und eine kurze aber zutreffende Weisheit haben wir auch mit auf den Weg bekommen:

Scheiße gucken, scheiße fahren.

Denn der Fahrer fährt unweigerlich dort hin, wo er hinguckt. Deshalb gilt: Am Hindernis vorbeigucken, wenn man daran vorbei will.

So, lieber Leser. Wenn Du noch kein Fahrsicherheitstraining mitgemacht hast, dann melde Dich an. Dir zuliebe. 🙂

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