So schafft man Opfer

Heute morgen durfte ich von meinen Gebührengeldern ein Interview mit dem Landesgruppenchef der CSU im Bundestag und kommenden Innenminister Hans-Peter Friedrich lauschen. Es ging, natürlich, um den Rücktritt KTs. HaPe Friedrich war dann auch gleich bemüht, an der Opferrolle KTs munter weiterzustricken. Aus diesem Grund möchte ich mir mit Euch das Interview näher ansehen.

Frage von Barenberg: In der Sache nötig war der Rücktritt aus Ihrer Sicht also nicht?

Antwort von HaPe F.: Wissen Sie, was mich so bedrückt bei der ganzen Geschichte, ist die Art und Weise, wie man Jagd auf ihn gemacht hat. Das ist sehr unwürdig gewesen und das wirft auch ein schlechtes Licht auf die Politik insgesamt. Mit welchen Ausdrücken er überzogen wurde, wie man mit Hass ihm begegnet ist, das hat mich alles sehr, sehr tief bedrückt.

Typischer Fall von „Auf Frage nicht eingehen und persönliche Gefühle mit reinbringen“. KT hat mit dem Aussitzen seiner Plagiatsvorwürfe ein schlechtes Licht auf die Politik geworfen. Den Hass einiger Personen hatte er auch schon vorher, nur haben diesmal die Medien, die ihn göttergleich verehrten, nicht mehr geschützt.

Frage von Barenberg: […]Gibt Ihnen das nicht zu denken, dass auch in den eigenen Reihen in den letzten Tagen die Kritik spürbar gewachsen ist an Karl-Theodor zu Guttenberg?

Antwort von HaPe F.: Nein. Also grundsätzlich verstehe ich natürlich, dass man kritisiert, wobei: Er hat Fehler eingeräumt, das Ausmaß der Fehler wird man sicher noch feststellen. Ich glaube nicht alles, was im Netz von irgendwelchen Menschen irgendwo eingestellt wird, aber das wird die Uni Bayreuth ja alles im Einzelnen prüfen.[…]

Interessanter Seitenhieb auf das Netz. Das beweist schon mal, wohin der Weg gehen soll, wenn er erstmal Innenminister wird. Denn das beim Guttenplag-Wiki ordentlich gearbeitet wurde, steht ziemlich außer Zweifel. Im Gegensatz zum Ex-Verteidigungsministers…

Frage von Barenberg: Mit anderen Worten, Herr Friedrich, wer im Privatleben stiehlt, auch wenn es sich um geistiges Eigentum handelt, der kann aus Ihrer Sicht Minister bleiben?

Antwort von HaPe F.: Noch mal: Ich verstehe, dass man das kritisiert. Ich verstehe auch diejenigen in der Wissenschaft, die das kritisieren, auch heftig kritisieren. Ich verstehe auch die Enttäuschung vieler Menschen über die Fehler, die Karl-Theodor zu Guttenberg gemacht hat. Die Art und Weise finde ich abstoßend, wie man jetzt mit ihm umgegangen ist, und deswegen tut mir das alles sehr leid.

Und, was fällt auf? Wieder wird nicht auf die Frage geantwortet. Und wieder wird das persönliche Gefühl aufgebaut um Mitleid mit der behandelnden Person versucht zu erzeugen…

Jetzt wird es interessant:

Frage von Barenberg: Karl-Theodor zu Guttenberg hat gestern in seiner Erklärung kein Wort verloren zum Vorwurf des vorsätzlichen Betruges. Wäre das nicht geboten gewesen bei der Gelegenheit?

Antwort von HaPe F.: Nein. Wie gesagt, das ist alles jetzt Gegenstand der weiteren Überlegungen auch der Universität Bayreuth. Wissen Sie, ich glaube, dass auch viele, viel zu viele Menschen viel zu leichtgläubig an Dinge herangehen, im Internet irgendeine Seite aufrufen, dort wird irgendwas behauptet, sie können nicht kontrollieren, ist das wirklich wahr, ist der Wahrheitsgehalt dessen, was sie da lesen, wirklich nachvollziehbar, nachprüfbar. Auch da sollte jeder mal selbstkritisch damit umgehen, wie er sich Informationen besorgt und wie er damit umgeht.

Um Gottes Willen. Natürlich hätte KT nicht Klartext sprechen dürfen! Wo kämen wir denn hin? Stattdessen wird wieder auf das böse Internet geschimpft, auf das jeder reinfallen kann. Und der Betrugsversuch mit der Doktorarbeit nebenbei relativiert.

Aber jetzt wird es ungemütlich:

Frage von Barenberg: Wie hoch schätzen Sie jetzt den Schaden für die CSU?

Aber auch hier weiß HaPe das Schiff durch das unruhige Wasser hindurchzuführen. Seht selbst:

Antwort von HaPe F.: Na ja, gut, Karl-Theodor zu Guttenberg ist für die CSU, für die Union insgesamt, aber auch für die Politik natürlich, wie Sie gesagt haben, ein Hoffnungsträger gewesen, und ich glaube, er ist es für viele immer noch, und natürlich jemanden so in dieser Art und Weise zu verlieren, das ist immer sehr, sehr traurig, aber auch natürlich nicht gut für eine Partei. Andererseits: Das Leben muss auch irgendwie weitergehen.

Genial, oder? Mit keinem Wort, wieder mal, auf die Frage eingehen. Stattdessen die Partei als Opfer darstellen, die ja jetzt unter der Demontage von zu Guttenberg zu leiden hat.

Und zurück bleibt ein Gefühl der Leere. Allerdings nicht durch den Rücktritt von zu Guttenberg. Sondern einfach durch offene, nicht beantwortete Fragen.

Nachtrag (03.03.2011): Die Zeit scheint mir mit meiner Einschätzung zu HaPe Friedrich Recht zu geben:

Überhaupt, das Internet. Für Friedrich ist es vor allem ein Hort der Gewalt, an dem Kriminalität existiere, „die mit den bisherigen Möglichkeiten gar nicht mehr bekämpfbar ist“[…]

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2 Antworten to “So schafft man Opfer”

  1. Peter Says:

    Das ist echt total eklig, wenn man dieses PR-Berater-Politiker-Gewäsch liest! Bloß keine klaren Aussagen, bloß nichts zugeben, sich immer irgendwie rauswinden, das ist das Motto. Ich verstehe allerdings auch nicht, wieso sich die Interviewer sowas gefallen lassen und nicht einfach so lange nachhaken, bis auf die Frage eingegangen wird??

    • stefanprass Says:

      Das liegt beim Deutschlandfunk leider auch am Interviewer. Manche sind dort durchaus bissiger und dann macht das richtig Spaß, dabei zu sein. Herr Barenberg scheint das leider nicht zu sein.
      Aber ich glaube, einige müssen auch harmlos sein, weil sich sonst keiner mehr traut, denen Interviews zu geben.


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