Flittern in sweet home Alabama (7) – Geburtstag mit Reptilien

Wer glaubt, wir haben in Steffis Geburtstag reingefeiert, der irrt. Gratuliert wurde erst am nächsten Morgen. Susanne hat für Steffi ihren Platz geschmückt und meine Geschenke schön eingepackt.

Dazu noch eben die Info: Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Geschenk einzupacken. Man kann es schön einpacken. Oder ich packe es ein…😉

Damit Steffis und meine Familie der Süßen auch gratulieren konnten, habe ich mit meinem und Susannes Laptop je eine Skype-Verbindung aufgebaut. Leider blieb bei uns das Bild aus Friesland weg. Und bei der Verbindung meines Bruders gab es Tonprobleme. Zumal dort meine Eltern die Möglichkeit von Skype irgendwie verpennt haben *hüstel* oder beim Kegeln waren. So oder so hat sich Steffi gefreut und darum ging es eigentlich.

Danach wurde kurz gefrühstückt und während Jörg seinen Fuß mit Kühlpacks versorgte, sind Steffi, Susanne und ich ins Auto gehüpft, da wir noch einen Termin hatten. Denn meine Cousine hat uns eine Fahrt mit einem Airboat organisiert. Was in den Everglades wahrscheinlich gang und gäbe ist, wird in Mobile nur von einer Person angeboten, welche sein Airboat selbst gebaut hat und die Fahrten von Privat anbietet. Auf jeden Fall ist es ein sehr freundlicher Mann gewesen, der uns mit seiner Partnerin über die Bay jagen sollte.

Mit uns hatte sonst niemand die Tour gebucht, aber einen blinden Passagier hatten wir dennoch dabei. Und so bekamen wir bereits vor Beginn der Tour unser erstes Reptil zu Gesicht.

Zuerst wurde ganz langsam den „Fluss“ hoch geschippert, bis uns eine Boje sagte: Freie Fahrt! Und wie! Besitzer von schnellen Autos können ungefähr nachvollziehen, wie uns die Fliehkraft in die Sitze presste. Eine scharfe Rechtskurve, der wird doch nicht durch das Gras fahren? Doch, genau in eine gerade so passende Gewässerschneise hinein. Und das mit gefühlten 240 km/h. Der helle Wahnsinn. Einfach nur geil! Und laut! Brachial! Aber geil! Ich habe natürlich keine Micky Mäuse aufgesetzt. Wir alle nicht. Wir haben uns den satten Sound ungefiltert reingezogen.

Als wir die eine oder andere Schleife gezogen hatten und genug Vögel und Fische aufgeschreckt hatten, inkl. einem Sprung über einen Reifen, war es Zeit die Alligatoren zu suchen. Respekt an unseren Führer, der die Viecher aus über 100 Metern bereits entdeckte. Kurz den Propeller angeworfen um Schwung zu holen und dann leise angeschlichen.

Leider waren die Alligatoren – wie nannte es noch unser Pilot? – shyly. Von nahem bekamen wir sie nicht zu Gesicht, obwohl wir einiges dafür taten. Einmal sind wir sogar direkt über einen rüber geschwommen. Kurz bevor wir in seine Nähe kamen, tauchte er einfach unter und blieb dann dort. Nach ein paar Minuten tauchte er einige Meter entfernt wieder auf. Unbemerkt, da er beim Untertauchen auch den Boden aufwirbelt um unerkannt die Richtung zu ändern. Auf jeden Fall schon genial, wenn man sich vorstellt, dass unmittelbar unter einem ein mehrere Meter langer Alligator ist. Schwimmen würde ich da jedenfalls nicht wollen. Nicht mal rudern, wie wir von der Interstate-Brücke noch sehen konnten.

Danach wurde wieder Gas gegeben, deswegen waren wir ja auch da. Die Reptilien waren Glückssache, das Donnern über das Wasser fest eingeplant. Über der Bay waren kleine Wellen und die mit Full Speed…WOW!

Unser blinder Passagier hatte wohl auch seinen Spaß, jedenfalls hielt er bis zum Ende aus.

Nun wurden wir vor der Fahrt nicht auf eventuell ruinierte Frisuren gewarnt und wenn etwas aus Amerika geläufig ist, dann die Klagefreudigkeit der Amerikaner (was übrigens an der Schadensbeteiligung der Anwälte liegt, die sonst umsonst arbeiten). Ich habe von einer Klage DIESMAL abgesehen, weil es wirklich riesigen Spaß gemacht hat. Beim nächsten Mal jedoch…

Dann ging es auch schon wieder nach Hause, diesmal auf der richtigen Spur (ist ein Insider, Susanne weiß schon, was ich meine^^). Leider nicht, ohne noch einen toten Alligator am Straßenrand zu sehen.😦

Naja, zu Hause angekommen, brutzelten wir uns schön in der Sonne und kühlten uns im Pool wieder ab.

Wohlgemerkt, WIR und UNS.🙂

Der Tag sollte noch mehr Highlights bringen. Ein original amerikanisches Barbeque! In einem typisch amerikanischem Grill. Es gab, klar, Burger.

An diesem Tage wurde ich in die uralten Geheimnisse des Burgerbratens eingeweiht, die seit Generationen von den Indianern an ihrer Nachkommen weitergegeben werden. Jörg, der sieben Jahre mit den Indianern gelebt hat und den Häuptlingssohn „Leichte Feder“ vor einem Bären gerettet hat, wurde in dieses Geheimnis eingeweiht. Und dieses Wissen hat er jetzt an mich weitergegeben, zum Teil auch, weil das lange Stehen nicht gut für seinen Fuß war. In einem Blutsschwur musste ich versprechen, dieses Wissen an niemanden zu verraten, außer mit einem Blutsschwur. Und glaubt mir ,das tat so weh, das mache ich nicht noch mal.😉

Weil eine ganze Familie versorgt werden musste und Jörg als Stammeshäuptling Familienoberhaupt Mann im Haus die Verantwortung nicht einfach abgeben konnte, wurden meine Tätigkeit streng bewacht.

Aber eigentlich habe ich gut aufgepasst und konnte es auch alleine.🙂

Die kommenden Tage sollten wir noch weitere geile, vor allem RICHTIGE Burger und nicht diese McDonalds-Möchtegern-Burger essen. Die an diesem Tage gegessenen waren aber schon der Vorgeschmack und hallo? Was geht über selbstgemachte Burger? Ein Five Guys Burger.

Jedenfalls bestiegen wir vollgestopft das Auto, um uns am Flughafen unser Gefährt für die kommenden Tage zu holen. Wir verabschiedeten uns für vier Tage und waren fortan auf uns allein gestellt. Bis dahin konnten wir an Susannes Rockzipfel hängen und sie die Dinge klären lassen (How much is it? Can you open the locker?).

Jetzt begann der richtige Urlaub. Wir waren aklimatisiert (oder so), wir verstanden das Englisch und trauten es uns auch selbst zu. Und wir wollten die weite Welt sehen.🙂

Beim Vermieter gab es keine Probleme und wir packten unsere Sachen in den frisch aufgetankten Mietwagen. Der war dann doch etwas größer als ich vermutet habe. Bestellt hatte ich Viertürer und laut den Beispielbildern bei billiger-mietwagen.de wäre der auch nicht sooo groß gewesen. Wie der Polo als Limousine irgendwie halt. War dann doch etwas größer.

Ein Hyundai Genesis, der nicht nur von vorne an einen Mercedes erinnerte, sondern auch von innen dem in nichts nachstehen musste.

Mit dem Kleinen Koreaner begann der Spaß und bei bestem Wetter hieß es: Hit the road, Jack! Wir schnupperten vom Amerika der weiten Wege und cruisten ganz gemütlich die I-65 Richtung Montgomery. Und merkten noch nicht mal, wie entspannt das amerikanische Autofahren ist. Im Ernst, das merkten wir erst wieder hier in Deutschland. Aber wir sind noch in Amerika.🙂

Kaum aus Mobile raus fuhren wir schon auf einer ganz merkwürdigen Brücke, die entlang eines Flusses gehen soll.

Der Fluß geht in Wirklichkeit in Nord-Süd Richtung unter der Brücke durch, während dieses Bild in östliche Richtung entstand. Wenn man auf das Bild klickt, öffnet sich Google Maps, wo man das genauer sehen kann. Übrigens hatten wir gerade die General W.K. Wilson Jr. Bridge überquert, die wohl auch Dolly Parton Bridge genannt wird. Wer wissen will, warum, der sollte den verlinkten Artikel lesen.

Weiter im Text. Lucy, unser geliehenes Navi führte uns fast ohne Probleme in unseren fünften Bundesstaat auf unserer Reise. Georgia. Und wo wir gerade schon bei Ray Charles waren. Wer auf das Bild klickt, bekommt seinen Hit „Georgia on my Mind“ zu sehen. Wenn man schon nichts vom Schild lesen kann, weil unser Fotoapparat Bilder von bewegenden Objekten im Dunkeln nicht sooo gut kann.

Nach gut vier Stunden sind wir in Atlanta angekommen, wo wir in der Nähe des Flughafens ein Super8-Motel bezogen. Den Coupon dafür hatte uns Susanne im Vorfeld übers Internet besorgt (Amerikaner lieben Coupons!), weshalb wir keine 50 Dollar für die Nacht bezahlten. Mehr war das Motel leider auch nicht wert. Laut Steffi gibt es saubere Badezimmer. Sonst war es in meinen Augen aber in Ordnung, amerikanischer Standard halt.

Wir sind zu Fuß noch zum Waffle House um eine Waffel vorm Schlafen gehen zu schnabbeln und schliefen dann den Schlaf der Gerechten. Morgen sollten wir einiges erleben und zu Gesicht bekommen.

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