Danke Jungs

Ein Wochenende muss nicht immer erholsam sein. Und das kann man von diesem auch nicht behaupten.

Samstag, 9 Uhr in Delmenhorst:

Der Erzeuger trifft ein, wir packen die Sachen in mein Auto, legen eine zusammengestellte Meister-CD ein und fahren janz balante die A1 Richtung Süden. Kein Stau, Regen oder sonstige Hindernisse. Um kurz vor elf machten wir noch eine kleine Tank- und Pinkelpause und schrieben meine Nichte über Facebook an, dass wir in gut 20 Minuten eintreffen würden.

20 Minuten später standen wir bei Alisa vor der Tür. Und standen vor verschlossener Tür. Nach zwei- oder dreimaligem Klingeln tat sich nichts und wir gingen davon aus, dass das gesamte Haus unterwegs ist. Wir hatten uns ursprünglich ja für 12 Uhr angemeldet. Von daher stellten wir uns ans Auto und schnackten noch etwas. Nach knapp fünf Minuten gingen dann doch die Rolladen hoch und Alisa gewährte uns Einlass.

Eigentlich wollten sie ja nicht am Vortag übertreiben. Eigentlich… 😉

Nach einem kurzen Imbiss ging es los. Da ich außer den Westfalenhallen keinen wirklichen Plan hatte, nahmen wir Alisas Vorschlag dankbar an. Die wollte uns zum Borsigplatz führen. Das war vom Hauptbahnhof gut zu Fuß zu erreichen, nur leider war dort überhaupt nichts los.

Das wollten wir ja auch nicht, also sind wir mit dem Bus wieder zum Bahnhof zurück und von dort aus in die Stadt. Dieser Umweg kostete uns eine gute Stunde und somit waren die Möglichkeiten, einen trockenen Sitzplatz zu ergattern bei Nullkommanullpointnull. Da war es bereits drei Uhr und unsere Kehlen schrien nach Flüssigkeit.

Wir tingelten in der Innenstadt herum und suchten verzweifelt eine Örtlichkeit

– mit Blick auf eine Leinwand, wo das Spiel übertragen wird (oder die Chance darauf hat, einen Blick zu erhaschen)

– wo man trocken bleibt (oder die Chance darauf hat)

– wo man regelmäßig was zu trinken bekommt (oder die Chance darauf hat)

– und sitzen kann.

Und zwar in der Reihenfolge.

Als die Hoffnung schon aufgegeben wurde, es war halb vier und die Stadt pickepacke voll, kamen wir an einer Tapas-Bar entlang, wo unter einer überdachten Fläche vier freie Sitzplätze waren. Die Außenfassade bestand aus großen Glasfenster (und Türen), drinnen eine große Leinwand, auf die wir direkt schauen konnten (wenn das Volk innen sitzen blieb) und draußen huschte eine Kellnerin rum. Da bekam man glatt Pipi in den Augen vor so viel Glück.

Die Kellnerin kam und ich gleich

Zwei Weizenbier bitte. Und was trinkt ihr?

Das erste Glas Der erste Becher sollte erstmal die drohende Dehydrierung verhindern. Nur so viel: Es war ganz schön knapp. 😉

Was zu futtern bestellten wir auch noch, während wir uns auf das Spiel konzentrierten. Unser Interesse ließ nach dem Führungstreffer der Hessen dann etwas nach, aber dank der Aufholjagd der Borussen konnte ein schöner Saisonausklang gefeiert werden. Gegen sieben Uhr, mittlerweile waren wir wieder etwas durch die Stadt geschlendert um die Party-Atmosphäre aufzusaugen, entschlossen wir uns für einen geordneten Rückzug nach Bochum, um im Bermuda-Dreieck weiterzufeiern. Vielleicht einen Sieg von Lena beim ESC?

Gegen acht Uhr und einer Portion Currywurst-Pommes – und einer irrsinnig witzigen, nur leider kaum wiederzugebenden Unterhaltung mit einem Frankfurter Bochum-Fan – später, schlugen wir Wurzeln in der nächsten Tapas-Bar. Mit reichlich Cuba Libre wurde der Alkoholpegel stetig in die Höhe getrieben, der den ESC leider nicht erträglicher machte. Viele der Beiträge waren schlicht Grütze. Davon war Lenas Beitrag noch einer der besseren, doch uns war nach der Darbietung klar: Das wird nichts. Hier wurde die Sexkarte gezogen, was zwar mit der lasziven Tour subtiler war, als manch andere, aber dann doch nicht konsequent genug. Und so eingängig war der Titel nun auch wieder nicht.

Mir persönlich gefielen, klar, die Moldawen am besten. Tolle Show, geile Perfomance und das Lied könnte ich jetzt noch trällern, gröhlen, was auch immer. Aber entweder habe ich kein Musikgeschmack oder Europa. Ich tendiere immer noch zu zweitem. 😉

Danach ging es nach Hause, weil wir am nächsten Tag ja fit sein wollten, um weiterfeiern zu können.

Und wir fahren fit. Und ausgeschlafen. Ich jedenfalls, denn es war schon fast elf Uhr, als ich mich aus dem Bett bequemte…

Also kurz was gegessen, aus dem Arsch ein Gesicht gemacht geduscht und dann los zur großen Meisterfeier nach Dortmund. Während in der Bochumer U-Bahn noch die Farben blau-weiß dominierten – Bochum spielte um Platz drei in Liga zwei – wurde es in der S-Bahn Richtung Dortmund farblich angenehmer. Und voller. In der U-Bahn zur Markgrafenstraße war es dann nicht mehr voll. Es war rappelvoll. Eine Sardine in der Dose hat mehr Platz. Soße hätte bei uns nicht mehr reingepasst.

Dummerweise ging es auch erst gar nicht los. Anscheinend hatte jemand die Notbremse gezogen und da wir nach einer Viertelstunde losfuhren und an der nächsten Station ALLE rausgeholt wurden, muss man wohl von einem Notfall ausgehen. Die nächste Bahn fuhr immerhin tatsächlich ohne Probleme.

Nun waren wir an der B1 und schlenderten Richtung Bühne, zu der wir gar nicht mehr hin kamen. Die Hoffnung machten wir uns auch gar nicht. Hauptsache, wir standen an der B1, schauten uns die feierwütigen Fans an und kriegten etwas von der Party mit.

Das i-Tüpfelchen wären dann die Spieler gewesen, die am Truck an uns vorbeigezogen wären. Wäre, hätte – Fahrradkette. Nach gut drei Stunden, für 16 Uhr war die Mannschaft angekündigt, war uns klar, hier kommt die Mannschaft die nächsten Stunden auch nicht durch. Es war viertel vor vier und wir liefen die B1 hoch. Um halb fünf und ca. 2 km später war uns auch klar: Wir sehen die Mannschaft gar nicht mehr. Kurz im Internet nachgeschaut, was eigentlich Sache ist. Dort hieß es, dass die Mannschaft von der Polizei direkt zur Bühne gefahren wird, weil der Truck nicht weiterkam. Noch mal zurück kam für uns nicht in Frage. Wir wollten gegen 18 Uhr los fahren, was nicht geklappt hätte wenn wir ne halbe Stunde erst wieder zurückgelatscht wären. Wir hatten auch so genug gesehen, gesungen, fotografiert und erlebt.

Also quetschten wir uns wieder in die U-Bahn, wo ich immerhin einmal Glück hatte. Nicht ein besoffener Dortmund-Fan sondern eine Blondine rieb sich an meinem Körper. Man kann auch mal gewinnen. *hüstel*

Um kurz vor sechs kamen wir in der Bochumer Burg an, wo nur kurz noch die Sachen eingeräumt, sich herzlich verabschiedet und dann losgefahren wurde. Schnell den Tank aufgefüllt und mit 160 Sachen nach Hause. Eine Stunde 45 Minuten später war unser Wochenende dann auch zu Ende.

Fazit:

Dortmunder können feiern.

Bochumer sind realistisch.

Die Gastfreundschaft der Kuckelands unerreicht.

Werbeanzeigen
Veröffentlicht in Sport. Schlagwörter: , , , , , , , , . 2 Comments »

Flittern in sweet home Alabama (12) – Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort…

Heute durfte ich den Hahn im Korb spielen. Denn zusammen mit Susanne, ihrer Tochter Jana und Steffi ging es wieder zu etwas typisch Amerikanischem.

Und weil Steffi und ich das Lied zu unserem Hochzeitstanz aus unserer Lieblingsserie genommen haben, ich ein T-Shirt mit dem wohl bekanntesten Wort aus der Serie mein Eigentum nenne und auch sonst schon einiges aus der Serie adaptiert haben, verkünde ich unseren heutigen Ausflug mit einem Lied aus eben dieser. Ich bin so frei. 🙂

Es ging zur ortsansässigen Bel Air Mall. Wo Steffi auf jeden Fall noch für ihre liebe Schwester ein Paar Schuhe kaufen wollte. Und für sich auch gleich ein Paar einsteckte. Weil ja „Buy 1, get the 2nd half price“ auch genutzt werden will.

An diesem Tag wurde meine Kreditkarte zum glühen gebracht. Neben den Schuhen entdeckte Steffi noch

– eine Tasche

– zwei Kapuzenjacken

– zwei T-Shirts

Für mich war auch noch was drin:

– ebenfalls eine Kapuzenjacke

– ein T-Shirt für mich und

– eins für meinen Bruder

– ein Mitbringsel für meine Mutter

– sowie eine Übergangsjacke, nach der ich noch gesucht hatte.

Und mittendrin ein Familientwist. Susannes Tochter ist, nun ja, gerade in einem Alter…

Wir sind mit zwei Autos dagewesen und Susanne wollte eventuell mit Jana zurück fahren. Janas Lust war irgendwann dann sehr übersichtlich geworden. Und das schon nach ca. zwei Stunden oder so… 😉

Susanne wollte uns noch kurz ins nächste Geschäft begleiten, was ihre Tochter mit kompletter Ablehnung quittierte. Entweder jetzt oder sie fährt alleine. Basta.

Meine Cousine war jedoch gar nicht auf Krawall gebürstet und ging mit uns weiter. Dann halt so.

Zehn Minuten später, Susanne und ich gingen gerade durch ein Geschäft, wo ich besagte Übergangsjacke entdeckte, da klingelte ihr Handy. Jana steht draußen, ihr Auto springt nicht an. Ob sie bei uns mitfahren könnte.

So fühlt sich also Schadenfreude an… 🙂

Wir waren mit unseren Einkäufen eh durch. Noch eben das Mitbringsel für meine Mutter und dann raus zur demütig wartenden Tochter.

Der Nachmittag: Business as usual.

Der Abend: Auch. Sogar ans Bier waren wir gewöhnt… 🙂

Veröffentlicht in Reise. Schlagwörter: , , , , , , , , , , . 1 Comment »

Flittern in sweet home Alabama (11) – Geht doch

Kleiner Einwurf: Bis zu diesem Tage haben wir in Amerika ca. 1850 Meilen zurückgelegt. Alleine unsere viertägige Tour schlägt mit ca. 1150 Meilen zu Buche. Was wiederum 1850 km sind. Oder, für meinen Schwager, genau 1000 Seemeilen! 🙂

Weiter im Text.

So ein Pool ist ja schön und gut. Aber wir hatten immer noch keine richtige Gelegenheit gehabt, im Golf zu baden. Also schnappten wir uns wieder unsere Badeklamotten und fuhren Richtung Pensacola. Und bei unserem vierten Versuch Besuch an der Golfküste schien endlich mal die Sonne. Sogar die Fahnen waren grün. 🙂

Na, das ist doch mal ein anderer Schnack. Wolken und Wind kennen wir ja aus der Heimat zu Genüge. Und Unterschiede haben wir bei beidem nicht entdecken können. Sonne kann man nie genug bekommen solange Wasser in der Nähe ist. Auch wenn es hier ebenfalls keinen Unterschied zu unserer Sonne im hohen Norden gibt. 😉

Jedenfalls trauten wir uns ins Wasser. Obwohl es noch nicht wirklich sehr warm war. Sobald man aber drin war und ein paar Minuten schwamm, ließ es sich gut aushalten. Besser noch als im Pool.

Zwischendurch lagen wir schön auf unserem Strandhandtuch und wärmten unsere Körper auf, nur um sie danach wieder im Wasser abzukühlen. Wunderschön! Wie das Wasser, wie man unschwer auf dem Bild erkennen kann.

Wir dösten irgendwann auf den Handtüchern ein und als wir wieder aufwachten, zog ein kühler Wind über unsere Rücken hinweg. Wäre auch zu schön gewesen, wenn die Sonne mal den ganzen Tag für uns am Strand geschienen hätte. Wenigstens hatten wir drei Stunden Sonne tanken können.

Wir packten unsere Klamotten wieder ein und fuhren zurück nach Mobile.

Auf dem Weg bekam ich die Gelegenheit, bei etwas besseren Wetter als bei unserem ersten Besuch in Pensacola, eine Brücke zu fotografieren.

Wie unschwer zu erkennen ist, hat sich die berühmte Kunstflugstaffel Blue Angels darauf verewigt. Nicht ohne Grund. Ich wollte das auch schon längst mal angesprochen haben. Denn in Amerika kann man Patenschaften für so ziemlich alles mögliche übernehmen. Größere Gruppierungen oder Unternehmen leisten sich schon mal eine Brücke, für deren Instandhaltung sie zuständig sind. Bürgersteige oder Parkbänke kann sich eine Familie schon eher leisten und fortan wird ihr Name mit Füßen getreten oder ist schlichtweg fürn Arsch weiß man, welcher edle Spender für die Sitzgelegenheit an der Bay zuständig ist. Auch begegneten uns anonyme Spenden, wo dann an verstorbene Persönlichkeiten hingewiesen wird.

Wie erklärte Jörg so schön? Da wird ein Steg ins Meer gebaut, Bretter drauf, Geländer ran und gut. Reicht. Für Sitzgelegenheiten wird kein Geld ausgegeben. Das übernehmen dann die Amis selber.

Woran sich die Unternehmen mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung austoben können. Und das tun sie!

Ich wollte auch schon längst mal über die Begeisterung zu Reisen bei den Amerikanern geschrieben haben. Und über deren „Keep it simple“-Einstellung.

An den Interstate- und Highway-Ausfahrten gibt es drei verschiedene Schilder: Das Lodging-, das Food- und das Gas-Exit (in der Reihenfolge). So weiß man, welche Motels, welche Fastfoodrestaurantsläden und welche Tankstellen sich bei der kommenden Ausfahrt befinden. Schließlich ist in Amerika die Fahrt Teil der Reise. Nicht wie in Deutschland, wo mehr Wert auf das Ankommen gelegt wird.

Hat man sich für eine Ausfahrt entschieden, weil dort neben dem Super8-Motel sich auch ein Wendy’s befindet, dann fährt man die Ausfahrt ab. Hier befinden sich wieder die drei Schilder, die anzeigen, in welche Richtung man dafür fahren muss. Simpel. Und genial.

Wenn Amerikaner also unterwegs sind, dann sind die Strecken nicht unerheblich. Daher ist man versucht, seinen Hausstand gleich mitzuführen. Mal ist dieser kleiner,

mal größer,

oder auch riesig.

Da wir nun etwas früher als geplant nach Mobile fuhren und das Wetter wieder besser wurde – kein Wunder, wir waren ja nicht mehr am Strand – machten wir einen kleinen Schlenker am Gator Alley. Dort hatten wir vor einigen Tagen schon erfolglos nach Alligatoren geschaut. Diesmal sollten wir dafür Glück haben. Was wieder ein glücklicher Zufall war, schließlich sind wir wegen des kalten Windes eher vom Strand abgehauen.

Wir gingen also zur Brücke, wo wir von der Ferne einen riesigen Alligator (ca. 3-4 Meter lang) sehen konnten. Ein kleiner huschte auch noch rum und da der kleine begann, dem großen die Show zu stehlen, bequemte der sich ins Wasser und zog direkt unter uns seine Kreise.

Nach einer Viertelstunde schwamm er ganz entspannt wieder zu seinem Platz zurück. Wir gingen in die andere Richtung und begegneten drei kleinen Alligatoren. Zwei davon lagen am Ufer und einer zeigte uns seine ausgefeilte Kurventechnik im Wasser.

Okay, er könnte noch etwas daran arbeiten. 😉

Übrigens sah die Autobahnbrücke von unten so komisch gelb gefleckt aus.

Susanne erklärte uns, dass es Wespennester sind. Als wir näher ran gingen, konnte man das auch als solche erkennen. Scary.

Nun zog von den drei „kleinen“ Alligatoren einer unter uns munter seine Kreise. Somit erhielt ich die Möglichkeit, die Anatomie eines Alligators näher im Bild festzuhalten.

Richtig los ging es dann, als ein Vater mit seinem Töchterchen die Bühne betrat. Waren vorher bei der Brücke und dem großen Alligator einige Kinder damit beschäftigt, durch das „in den Fluss schmeißen von Blättern und kleinen Stöckchen“ die Alligatoren anzulocken – ohne Erfolg -, zeigte das Vater-Tochter-Paar, wie man es richtig macht. Mit Marshmallows!

Natürlich waren überall Schilder aufgestellt, dass man die Alligatoren NICHT füttern soll. Aber Amerikaner lassen sich ungern etwas verbieten. Zumindest diesen Vater…

Komischerweise reagierten alle drei Alligatoren sofort und kamen selbst aus 20 Meter Entfernung sofort angeschwommen. Stellt sich die Frage, woran sie erkannt haben, dass nun was essbares im Wasser schwamm und kein Stöckchen?

Für uns war dieser Fall von Rücksichtslosigkeit eine schöne Gelegenheit, zwei Alligatoren auf ein Bild zu bekommen, ohne ein Weitwinkelobjektiv aufzusetzen.

Kommen wir nun zu etwas traurigem. Im Herbst des vergangenen Jahres ist es in Mobile zu einem schlimmen Zwischenfall im Gator Alley gekommen. Da ein Bild mehr als tausend Worte sagt, lasse ich das für sich sprechen.

Ja, ihr seht richtig. Im Herbst letzten Jahres hat ein junges Mädchen ihren Schnuller verloren. Tragisch, oder?

Als wir dann so richtig nach Hause fuhren, konnten wir noch ein relativ gutes Bild von einem kleinen Boot schießen, auf dem Susanne ein paar Wochen vorher noch ne kleine Kreuzfahrt machte.

Die Carnival Elation lag vor Anker und shipperte kurz darauf wieder los. Obtw: Ich hatte Matthias, meinen Lieblingsschwager neulich nach dem Unterschied zwischen einem Schiff und einem Boot gefragt. Die Antwort war, nicht ganz überraschend, militärisch geprägt. Der Unterschied besteht im ersten Offizier. Ein Schiff hat einen, ein Boot nicht.

Den Rest des Nachmittags verbrachten wir Erdbeershake-trinkenderweise am Pool, wo man sich bekanntlich auch abkühlen kann. Zu viel wollten wir gar nicht essen, denn am Abend stand ein Essen mit Jörg und zwei seiner Arbeitskollegen an. Die waren noch nicht lange in Amerika und wurden von Jörg etwas eingeführt. Dazu gehörte dann auch ein Essen in einem der besten Restaurants in Mobile. Dem Felix.

Von außen ein rostiger übergroßer Schuppen, der nur aufgrund der Neon-Beleuchtung halbwegs ansprechend aussieht und direkt an der Mobile Bay liegt. Von innen ein liebevoll eingerichtetes Restaurant, dass durch gute Bedienung und frischem (und entsprechend teurem) Essen auffällt. Auch die Speisekarte weist witzige Details auf. So wird bei einem Dessert z.B. darauf hingewiesen, dass sich eventuell der Schlüssel von Jack’s Auto darin befindet und falls ihn wer findet, sich doch bitte nach Jack in der Küche erkundigen soll. Er sucht den Schlüssel anscheinend schon sehr lange, denn das ist Jack’s Auto:

Vorab gab es einen leckeren Salat und als Hauptspeise habe ich mir Barbeque Shrimps bestellt. Als vor der Hauptspeise der Kellner – dem übrigens mein T-Shirt gefiel und wir unisono zitierten „It’s gonna be legen…wait for it…DARY – mit einem Lätzchen für mich ankam, dachte ich schon, ich wäre beim Salat essen negativ aufgefallen.

Weil aber einer von Jörgs Kollegen auch ein Lätzchen bekam und er dasselbe bestellt hatte wie ich, ahnte ich schon, dass unser Hauptgericht etwas klehen wird. Die Hauptgerichte wurden, wie auch schon die Salate, gleichzeitig serviert. Coole Sache, wenn sechs Kellner um einen herum stehen und die Teller gleichzeitig auf den Tisch kommen.

Und dann hatte ich meine Portion vor mir.

Es steht wohl außer Frage, dass ich beim Essen sehr konzentriert zu Werke war und am längsten brauchte. Auch deshalb, weil ich nicht wie Jörg’s Kollege das Finger ablecken nach jedem pulen unterbewertete. Dabei ist das Finger ablecken Teil des Essens. 😉

Aufmerksame Leser der Reihe „FishA“ können sich den Rest des Abends sicher denken. 😉

Bye bye Nuri

Es ist also raus. Nuri Sahin verlässt den BVB um den nächsten Schritt in seiner Karriere zu gehen. Was schade ist, da er zwingend zu einem großen Klub wollte, den er mit dem BVB zweifelsohne auch gehabt hat.

Ich hätte zwar für kein Geld der Welt mich zu Mourinho transferieren lassen, aber das wird er hoffentlich in seiner Entscheidung mit überdacht haben.

Ich für meinen Teil werde am Samstag und vor allem am Sonntag nicht mehr so ausgelassen feiern können, wie es noch vorige Woche möglich war, als alles noch so frisch und unbeschwert war. Der Transfer hat, ganz abgesehen von meiner total naiven und idealistischen Verträumtheit, einen Dämpfer auf die ganze Freude gelegt. Er war der wichtigste Mosaikstein in der Mannschaft und bis zuletzt hatte ich gehofft, er würde der ganzen Medienmaschinerie die lange Nase zeigen und sagen: Ich bleibe dort, wo mein Herz schlägt.

Das hat er nicht. Also heißt es am Sonntag Abschied nehmen. Abschied von Dede, der blieb, selbst als er lukrative Angebote aus dem Ausland bekam und der BVB am Boden lag. Und von Nuri, der geht, als der BVB wieder ganz oben angekommen ist. Dank ihm.

Veröffentlicht in Sport. Schlagwörter: , , , , . 10 Comments »

Flittern in sweet home Alabama (10) – Auf den letzten Tropfen

Der letzte Tag sollte der längste Teil unseres Ausflugs sein. Die Rückreise. Zum Glück hatten wir uns am Vortag dazu durchgerungen, einen Teil davon schon mal abzutragen. So waren es heute nur noch 340 Meilen, die wir in unserem Nobelwagen zu bewältigen hatten.

So schlimm wie es sich anhört war es nun nicht gerade. 550 Kilometer sind vielleicht kein Pappenstiel, aber wenn man den Tempomat an hat und ohne gefährliche Raser unterwegs ist, kann so eine lange Fahrt auch entspannend sein. Auch wenn wir zum Ende hin sehr froh waren, endlich angekommen zu sein.

Unterwegs vertreibt man sich die Zeit halt mit dem Fotografieren von lustig klingenden Straßenschildern.

Die Fahrt war ansonsten recht ereignisarm. Kurz hinter Jackson sind wir durch ein wunderschönes County gefahren, dass Steffi leider verpennt hat und ich als Fahrer keine Fotos von gemacht habe.

Unsere einzig echte Spannung bezogen wir daraus, abzugleichen, wie lange der Bordcomputer uns mit dem Spritinhalt noch gibt und was das Navi sagt, was wir noch zu fahren hätten. Als wir bei Susanne gegen zwei Uhr ankamen, standen noch 30 Meilen auf dem Bordcomputer. Bis zum Flughafen waren es ca. fünf Meilen. Da wir noch bei den Five Guys einen Burger für den Weg aßen, wurden es jedoch sieben Meilen.

Problem: Beim los fahren bei Susanne zeigte der Bordcomputer nichts mehr an. Was dann schon nervös machte. Sollen wir nicht vielleicht doch noch tanken? Quatsch, meinte eine risikobereite Ehefrau. Wenn wir den Wagen leer abgeben sollen, dann machen wir das auch. *schwitz*

Ich könnte jetzt die ungemütliche Fahrt Meter für Meter beschreiben. Ich lasse es. Nur so viel. Ich habe geschwitzt, obwohl die Klimaanlage lief…

Wir kamen auf dem Parkplatz an und noch auf dem Platz kam uns ein Mitarbeiter von National entgegen. Er scannte unseren Schlüssel und fragte:

N: Are you Mr. Aramafimi*?

I: No, i’m not.

N: Okay, there was a failure in the office and you got the wrong car.

I (der auf die Nobelkarosse blickt, die uns die letzten vier Tage durch den mittleren Süden begleitete): The wrong car? I don’t believe so. 🙂

Jedenfalls mussten wir noch mal rein und dort das Auto abgeben. Kein Problem, trafen wir so den freundlichen Mitarbeiter wieder, der uns schon am Ausleihtag mit netten Fragen begegnete. Zwei Unterschriften später waren wir durch und konnten zurück auf den Parkplatz, wo Susanne bereits wartete.

Den Rest des Tages verbrachten wir ganz relaxed am Pool. Den hatten wir die letzten Tage schmerzlich vermisst.

Jörg ging es schon etwas besser. Zum Laufen benutzte er lediglich eine Krücke und arbeiten musste konnte er auch.

Noch ein Wort zu den Five Guys: Susanne empfahl uns den Laden, weil die Burger dort verdammt lecker sein sollen. Wir also hin. Mir gefiel die Möglichkeit, dass man, während man auf seine Burger wartete, die frisch zubereitet wurden, Erdnüsse en masse knabbern konnte. Die Angestellte schaute uns schon so komisch an, als sie uns fragte, welche Topics wir zu dem Burger gerne hätten. Wir schauten uns die verdammt lange Liste an und Steffi entschied sich bei ihrem Hot Dog für Ketchup und auf meinem Burger sollten die seltenen rohen Zwiebeln.

„Are you sure?“

wurden wir noch gefragt…

Wir vertrieben uns die kurze Wartezeit mit Erdnüsse knabbern. Als unsere Nummer aufgerufen wurde, schnappten wir unsere Burger (oder Hot Dog), pflanzten uns wieder hin und legten los. Aber irgendwas war anders. Steffi inspizierte ihren Hot Dog und stellte enttäuscht fest, dass neben der Wurst im Brötchen lediglich Ketchup war. Und in meinem Burger tummelten sich auf dem Fleischklops große Stücke rohe Zwiebeln.

Und das soll sooo toll hier sein? Also wir fanden es eher mager. Schmierten wir Susanne gleich aufs Brot, die gleich anfing zu lachen. Wir sollen ja auch nicht die Topics aussuchen, die wir wollen, sondern alle nehmen und die weglassen, die wir nicht wollen. 🙂

*Name nicht geändert, sondern einfach ein paar zusammenhangslose Buchstaben aus meinem lückenhaften Gedächtnis zusammengewürfelt.

Veröffentlicht in Reise. Schlagwörter: , , , , , , . 2 Comments »

Flittern in sweet home Alabama (9) – Walking in Memphis

Die zweite Nacht in der Nähe eines Flughafens war bedeutend ruhiger. Könnte auch daran gelegen haben, dass der Flughafen in Hamilton ein bisschen kleiner ist als der in Atlanta.

Das Days Inn bot auch beim Frühstück (etwas) mehr Auswahl. Zum Beispiel konnte man sich hier die Waffeln selber machen. Man goß aus einem Kasten (oder war es ein Fäßchen?) Waffelmischung in einen Becher und dieses wiederum ins Waffeleisen. Dank Susanne waren wir bereits auf deren Funktionsweise hingewiesen worden, denn andere Gäste, bei denen wir es abgucken hätten können, gab es nicht. Also man gießt die Pampe das Zeug die Mischung ins Waffeleisen, welches fest in einem drehbaren Mechanismus eingearbeitet ist. Die obere Klappe schließt man, dreht das Eisen und dann beginnt ein Countdown. Wenn dieser abgelaufen ist, piept es und die Waffel ist fertig. Und verdammt, war die lecker. Und sättigend.

Das musste sie auch sein, denn wir hatten eine zweieinhalbstündige Fahrt nach Memphis noch vor uns. Kurz vor dem Ziel hieß es dann: Hallo Bundesstaat Nr. 6. Tennessee.

Kaum in Tennessee dachte ich auch schon, dass Lucy zur Losi geworden ist. Oder wie ließ es sich erklären, dass wir plötzlich im wohl bekanntesten nördlichsten Dorf der USA zu sein schienen?

Waren wir natürlich nicht. Wir waren in Memphis, genau da, wo wir hinwollten. Und in Memphis wollten wir zu einigen weiteren Orten hin. Memphis, die Geburtsstadt des Rock ’n‘ Roll. Ich wette, ihr wisst nicht, wofür Memphis noch bekannt ist.

Na?

Ich verrate es Euch. Memphis ist berühmt für seine autofahrenden Hunde. Glaubt ihr nicht? Hier der Beweis:

Jaja, Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Als Susanne uns erzählte, dass der Führerschein in den USA 23,50 $ kostet und man für den Schein lediglich eine theoretische Prüfung bestehen muss und einmal um den Block fahren, um zu beweisen, dass man weiß wo das Gaspedal ist, hatte ich gedacht, dass es nur für Menschen gilt. Dieses Foto beweist was anderes.

Wobei, in Deutschland fahren viele nicht besser. 😉

Unser erstes Ziel in Memphis sollte Graceland sein. Lucy und die amerikanischen Schilder halfen uns dabei.

Und wie schon beim Georgia Aquarium in Atlanta so verstummte auch Lucy bei der Ankunft und das Leitsystem der Amerikaner übernahm die Führung zum Parkplatz. Zehn Dollar sollte ein Stellplatz kosten. Steffi war sich nicht mehr so sicher, ob der Besuch in Graceland das wert ist.

„Auf jeden Fall! Hier geht es um den King of Rock. Ohne den hätte es System of a Down nie gegeben! Oder Metallica!“

Ob ich da nicht übertreiben würde, was hat SoaD denn mit Elvis zu tun.

„Ich übertreibe keineswegs. Wenn Elvis den Weg nicht geebnet hätte, dann würde es die Musik in der heutigen Form nicht geben.“

Jedenfalls erzählte mir das immer ein Freund aus alten Zeiten, der am Todestag von Elvis immer in einem Anzug rumlief. Ich selbst hatte nie einen Bezug zum King. Ich wollte einfach nur, wenn ich schon in Memphis bin, Graceland sehen. Koste es, was es wolle.

31 $ pro Person. Geht doch. Hätte mehr erwartet. 😉

Graceland ist perfekt organisiert. Der Parkplatz ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite und man betritt dort eine große Empfangshalle, wo man die Tour bezahlt. Man tritt wieder heraus und steht praktisch an der Bushaltestelle für die Shuttlebusse. Die obligatorische Leibesvisitation, freundliche Securities weisen auf die nicht erlaubten Videokameras hin, die man in bereitsstehenden Schließfächern aufbewahren kann. Dann noch das Foto vor der grünen Wand, die keine grüne Wand war, sondern das Eingangstor von Graceland in Originalgröße.

In der Warteschlange, die sich in erfreulichen Grenzen hielt – gerade 25, vielleicht 30 Menschen warteten mit uns – bekommt man ein Audiogerät mit Kopfhörern. Die jeweilige Sprache kann eingestellt werden und ist akzentfrei. Man versteht die deutsche Audiospur auch so wie sie ist…deutsch. Und nicht sächsisch oder bayrisch.

Im Shuttle, der ca. 20 Personen fasst, geht es dann über die Straße und man wird direkt vor dem Anwesen rausgeschmissen.

Eine Führerin erklärt noch mal, dass Video-, Ton- und Blitzlichtaufnahmen nicht erlaubt sind. Sie kommt zwar noch mit rein, aber nur für den Fall, dass bei jemanden das Audiogerät nicht funktioniert. Ab jetzt sorgte nämlich das Gerät für die akustische Untermalung der Tour. Diese führte über das Wohnzimmer, dem Schlafzimmer der Eltern und durch das Esszimmer zur Küche. Dahinter ging es in den berühmten Jungle Room, der bereits in Mark Cohns Hit „Walking in Memphis“ eine Rolle spielt (was mir und Steffi nicht klar war, bis wir das Lied Karfreitag auf den Weg nach Friesland hörten und bei der Zeile uns verdutzt anschauten).

Nicht alles ist jedoch geschmackvoll eingerichtet. Graceland wurde in den Sechzigern und Siebzigern von Elvis himself eingerichtet und viele Räume strahlen auch den Glanz dieser Zeit aus (das Obergeschoss mit Elvis‘ Privaträumen ist von der Führung ausgeschlossen). Der Jungle Room, sein Musikzimmer, die Küche oder das Raquetballgebäude sind durchaus ansprechend eingerichtet. Was den King aber im Billardzimmer geritten hat, bleibt wohl sein Geheimnis.

Die Tour führte nach draußen, wo man kurz das Büro durchquerte und danach an den Pferden vorbeischlenderte. Dann ging es wieder ins Hauptgebäude zurück, wo man an einer Bilder- und Videowand einen Überblick über die Leistungen von Elvis Prestley bekam. Richtig beeindruckend wurde es jedoch in der Hall of Gold.

Als einziger Künstler über eine Milliarde verkaufte Schallplatten, zig goldene und platine Schallplatten und diverse andere Auszeichnungen wie Grammys. Hier in diesen Räumen beginnt man, die Leistungen und das Schaffen von Elvis Prestley zu begreifen.

Ja, noch waren wir zu Scherzen aufgelegt. 🙂

Die Hall of Gold ging noch weiter. Am Ende des Ganges machte dieser eine 180 Grad-Drehung und verlief zurück. Hier waren sein filmischer Werdegang aufgezeigt, verziert mit Kostümen, Filmplakaten und Fernsehern, die seine Filme zeigten. Auch die Hochzeit mit Priscilla Prestley war Thema.

Am Ende des Ganges ging es wieder in einer 180 Grad-Drehung zurück. An diesem Scheitelpunkt gab es folgendes zu sehen:

Zu sehen ist hier eine Tafel, auf der verschiedene Organisationen sich bei Elvis für seine Spenden bedanken. Der King hat viele Hilfsorganisationen mit großzügigen Beträgen unterstützt, aber auch viele Privatpersonen in finanzieller Not geholfen und deren Schulden bezahlt. An die große Glocke hat er nichts davon, weshalb diese Seite von Elvis Prestley eher unbekannt ist.

Danach ging die Ausstellung mit seiner Rückkehr auf die Bühne weiter und endete mit der Verleihung zu einem der zehn einflussreichsten Geschäftsleute Amerikas. Daneben stand ein Ölgemälde, bei denen uns klar wurde: Niemand ist wie der King.

Dahinter ging es aus dem Hauptgebäude raus und weiter ins Raquetballbuilding. Im Vorraum, wo sich Flippergeräte befinden, verbrachte Elvis seinen letzten Abend mit Freunden, wo er für diese am Klavier spielte.

177 – Raquetball Building

Dahinter kommt man in einem sehr hohen Raum, in dem es einen letztmalig die Sprache verschlägt. Hier wird neben seinen internationalen Erfolgen und Auszeichnungen sein wohl bekanntester Live-Auftritt auf mehreren Monitoren gezeigt. Und bei der Perfomance der American Trilogy und dessen furiosen Finale hatte ich dann endgültig Pipi in den Augen.

Als die Tränen getrocknet waren und wir mehrfach Menschen kommen und gehen sahen, machten wir uns auch auf den Weg nach draußen. Durch den Meditation Garden ging es jetzt an das legendäre Grab. Zwischen seinen Eltern, seiner Großmutter und einer Gedenktafel seine Zwillingsbruder liegt er begraben oder auch nicht. Zum Scherzen war uns nach dieser Tour jedenfalls nicht mehr.

Uns ist klar geworden, dass hier die bedeutendste Person der neuzeitlichen Musikgeschichte liegt.

Jetzt waren wir in Memphis und wollten noch mehr Geschichte erleben. Dabei waren wir so euphorisch, dass wir gerade noch rechtzeitig auf dem Parkplatz bemerkten, dass wir die Videokamera noch im Schließfach hatten. 😉

Nun war unser Bedarf an Toten eher gedeckt, sonst hätten wir sicher noch die Stelle aufgesucht, wo Martin Luther King ermordet wurde. Aber wie gesagt, noch ein toter King wäre uns zu viel geworden.

Stattdessen waren wir heiß auf Musikgeschichte. Dabei war schon vorher klar, dass ich nach Graceland auf jeden Fall das Sun Studio (nein, dass ist kein Solarium…) sehen wollte. Und ich konnte das ohne Probleme Steffi schmackhaft machen, nahm doch unter anderem Otis Redding hier Platten auf. Jedenfalls ging ich davon aus, bis ich drin war und nie auch nur Otis Redding erwähnt wurde. Eine kurze Recherche später…egal, wir waren bei Sun Records! 😉

Bevor wir jedoch reingingen, musste unbedingt etwas gegen unseren Kohldampf getan werden. Steffi sah auf der Union Avenue bereits ein Arby’s und der fehlte uns noch auf unserer Besucherliste. Also zurück die Union hoch und bei Arby’s auf den Hof. Da fällt mir ein, wir haben in Amerika nicht einmal den Drive-In benutzt, sondern sind immer rein. Und das war bei Arby’s mit einem Hingucker belohnt worden.

Was wir nämlich nicht geschnallt haben, als wir unseren Burger mit geringelten Pommes im Menü bestellten, uns hinsetzten und das genüsslich mümmelten, war der Umstand, dass mitten im Restaurant ein Baum wuchs. Steffi (natürlich) machte mich darauf aufmerksam.

Noch halb kauend ging es zurück zum Sun Studio. Bloß keine Zeit verlieren. Vor allem Steffi drehte jetzt auf. Ja, Steffi, die vor Graceland noch so zögerlich war (Meinst Du wirklich? Was hat das mit mir zu tun?). Jetzt zog sie mich hinter ihr her. Noch schnell ein Erinnerungsfoto vorm Gebäude…

und rein! Moment! Was ist mit der Kamera los? Das Display bleibt dunkel. Ausmachen, anmachen. Ohne Nachricht schaltet sie sich sofort wieder ab. In den Betrachtungsmodus. Kein Problem. Oh F.U.C.K.! Nicht jetzt. Komm schon. Anmachen. Aus geht sie von alleine…

Okay, calm down and take a deep breath. Vielleicht mal Batterien wechseln? Es klappt, puh. Glück gehabt. Jetzt aber rein.

Beim eintreten sitzt der dunkelhaarige Typ rechts hinterm Tresen mit einer Klampfe und bearbeitet die liebevoll. Steffi, so in Stimmung gekommen, ist jetzt für alles zu haben. Freundlich spricht uns Jason, so sein Name, an.

“ Hi Leute, willkommen in den Sun Studios. Die nächste Führung beginnt in einer knappen halben Stunde. Wollt ihr die mitmachen?“

Steffi: „Was soll uns das denn kosten?“

Jason: „12 Dollar pro Person.“

Steffi: „KLAR. Da sind wir dabei!“

Das ist meine Steffi, wie ich sie liebe. 🙂

Wir stöberten in den T-Shirts rum, fanden aber leider nichts passendes. Dabei hätten wir gerne ein Mitbringsel aus dem Studio mitgenommen. Hat jedoch nicht sollen sein. Für Steffi war kein schönes T-Shirt in ihrer Größe dabei und andere Mitbringsel waren dann doch irgendwie zu teuer.

Um halb ging die Tour los und Jason war ein begeistender Redner. Im typisch amerikanischen Stil (wie oft habe ich jetzt schon diese Aussage getätigt?) machte er uns klar, dass hier an diesem Ort Musikgeschichte geschrieben wurde. Hier in diesen Räumen wurde der Rock’n’Roll geboren. Und wir sind in der glücklichen Lage in dem Raum zu stehen, wo Elvis Prestley, Johnny Cash, Roy Orbison oder Jerry Lee Lewis auch schon standen.

Zuerst ging die Ausstellung durchs Obergeschoss, wo Exponate ausgestellt waren und er uns anhand von verschiedenen Musikstücken aufzeigte, wie sich die Musik in den 50-ern entwickelte. Und worin die besondere Leistung von Elvis Prestley lag. Und wer war es, der Elvis Prestley das erste Mal zu hören bekam?

Nicht Sam C. Phillips, der Besitzer des Studios. Sondern seine Vorzimmerdame Marion Keisker, die in Abwesenheit von Phillips den jungen Elvis empfing. Der nahm eine Platte für seine Mutter auf und es sollte fast ein Jahr dauern, bis Elvis wieder ins Studio zurückkehrte und mit „That’s all right (Mama)“ sein erstes von vielen erfolgreichen Liedern aufnahm.

Und nach dem Vorzimmer waren wir in dem Raum, wo auch schon B.B.King, Johnny Cash und natürlich Elvis Prestley standen und ihre Hits einspielten. Auf diesem Kreuz stand Elvis!

B.E.E.I.N.D.R.U.C.K.E.N.D…

Jetzt mussten wir das mal etwas ruhiger angehen, sonst sprengt noch unsere Schädeldecke weg. Doch die Beale Street mussten wir einfach noch mitnehmen. Ein Parkplatz war schnell gefunden, stehen um die Beale Street das FedEx-Forum und das Stadion der Redbirds. Von daher mangelte es nicht an Parkmöglichkeiten, wenn man bereit ist, fünf Dollar abzudrücken.

Bevor es in die Beale Street rein ging, mussten wir noch einen kleinen Spaziergang die Front Street hoch machen. Denn da war doch was…

Auf den Weg zurück beobachtete ich schon von weitem einen Bettler, der kurz bevor wir ihn erreichten, einen Geschäftsmann ansprach, der wiederum aus seiner Hosentasche Kleingeld für ihn rausholte und es ihm gab. Da fiel mir ein, dass Susanne uns sagte, dass Amerikaner ihr Kleingeld in der Hosentasche rumtragen. Das ihre Portemonnaies kein Münzfach hatten, fiel mir nämlich schon beim Shoppen im Outlet-Center auf, wo ich keine Geldbörse fand.

Jedenfalls sprach uns der Bettler an und was sage ich?

„Sorry, we’re germans. We have no change in the pocket.“

Wie arrogant ist das denn bitte? Klar wusste ich gerade nichts besseres zu sagen. Aber der wird seine Meinung über Deutsche jetzt dank mir gefestigt haben…

Ja, dann waren wir endlich da…

Die Straße ist wirklich faszinierend. Wenn auch etwas kurz. In Google Maps wirkt sie bedeutend länger. Ist sie auch, aber der interessante Teil der Beale erstreckt sich von der Front Street bis zur 4th Street. In diesem Bereich sind lauter Klubs in denen Livemusik gespielt wird. Und in welchen Klub gehen wir? Ins Hardrock-Cafe.

Das es überall auf der Welt gibt. Wobei es mein erster Besuch in einem Hardrock-Cafe war. Von daher eine nette Premiere. 😉

Und nett wurde uns die Zeit im Cafe auch gemacht. Steffi bestellte einen hochprozentigen Cocktail, ich ein belgisches Bier (das in Amerika gebraut wurde). Die Alkoholgrenze in den USA ist ja etwas höher angesiedelt als in Deutschland. Was aber egal ist, da ein amerikanischer Polizist kein Auto nur wegen eines Verdachts anhalten darf. Wenn also alle Lichter in Ordnung sind und man nicht Schlangenlinien über die Interstate fährt, kann man auch mit zwei Promille fahren. Scheißegal!

Um meinen Versicherungsschutz nicht zu gefährden, blieb es meinerseits bei einem Bier. Steffi hatte nach dem heftigen Cocktail wohl auch genug. Wir schlenderten noch weiter zum Coyote Ugly, da war nur gar nichts los. Und wenn man schon ins Coyote Ugly geht, dann muss da auch was los sein. Nicht aber, wenn wir die einzigen Gäste wären…

Also schlenderten wir die Beale Street wieder hoch, setzten uns Rufus Thomas zu Füßen und lauschten den Klängen einer Blues-Band, die dort im Park spielten. Wir spazierten weiter Richtung Westen an den Kutschen und der Elvis-Statue vorbei, immer weiter, um unseren Bekannten wiederzusehen.

Die Sonne setzte langsam zum Feierabend an und wir hatten die Wahl. Entweder wir setzen uns in der Beale Street noch irgendwo rein. Oder wir fangen mit dem Rückweg an und suchen südlich von Memphis ein Motel. Zum Glück entschieden wir uns für Tor zwei, da die Suche nach einem Motel etwas länger dauerte. Wir gingen zurück zum Auto, machten vorher noch einen Schlenker bei Starbucks um Kaffee zu holen und das Bier wegzubringen. Dabei hatten wir in einer Seitenstraße mal wieder die Gelegenheit, den ganz normalen Wahnsinn auf Amerikas Straßen zu fotografieren.

Ach ja, bevor es in südlicher Richtung aus Memphis raus ging, verließen wir die Stadt kurzzeitig in westlicher Richtung. Wie auf dem obigen Bild vor dem Mississippi zu sehen ist, waren wir nicht weit weg von unserem siebten Bundesstaat. Und den mussten wir einfach noch mitnehmen. Also mal eben über die De Soto Bridge nach Arkansas rein.

Die nächste Ausfahrt raus und wieder zurück. Dann ging es auch wirklich in südlicher Richtung aus Memphis raus. Die untergehene Sonne nutzte Steffi für eins meiner persönlichen Lieblingsbilder unserer Amerikatour.

Kaum aus Memphis raus, waren wir auch schon im Bundesstaat Mississippi. Wir wussten ja, dass man in den Welcome Centern Coupons für Motels besorgen konnte, was wir geflissentlich taten. Leider hatte das Welcome Center schon dicht. 😦

Uns hatte Susanne ja noch einen anderen Tipp mit auf den Weg gegeben. Geht einzeln ins Motel, fragt nach dem Preis und der Ausstattung und geht mit dem Hinweis raus:

„I have to check this.“

Das tat Steffi dann auch fleißig. Allerdings mussten wir einige Motels ansteuern, weil sie entweder zu teuer waren oder kein Internet hatten. Und ohne wollten wir ja auch nicht. 😉

Letztlich verschlug es uns nach Batesville in ein Motel, was besser war als Bates Motel. 😈

Leider war das Doppelbett im Zimmer getrennt. Für die eine Nacht war das aber zu verschmerzen…