Scheiß Wochenende

Eigentlich sollte das Wochenende ja ganz schön werden. Wurde es aufgrund der aktuellen Ereignisse aber nicht. Nicht wirklich.

Lange habe ich nachgedacht, ob und was ich dazu schreiben könnte. Angesichts des Leids in Norwegen glaube ich aber, keine passenden Worte dafür zu finden. Das unterscheidet mich von Journalisten, die zu allem ihre Meinung (!) abgeben müssen. Oder Politikern, die solche Tragödien wieder für ihre Zwecke missbrauchen.

Ich bin in Gedanken bei den Familien der Opfer. Und summe leise ein Lied von Amy Winehouse dabei.

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Veröffentlicht in Machs gut. Schlagwörter: , , , . 12 Comments »

12 Antworten to “Scheiß Wochenende”

  1. Ulf Hundeiker Says:

    Im Netz ist fast nur Stammtisch unterwegs. Gefüttert wird dieser auch von Magazinen wie dem Spiegel. Keiner hat eine Ahnung, aber alle eine Meinung. Wenige Augenblicke nach der Bombe wußten die Fuldaer Zeitung und die Westfälischen Nachrichten, daß Al Qaida es war und die Freiheit eingeschränkt werden muß.

    Die Blogosphäre wird, in völliger Unkenntnis über Suchtkrankheiten, vollgemüllt mit „selbst Schuld, Amy“ und „die Musik war eh scheiße“.

    Schreibe Deinen Kommentar dagegen!

    • stefangrenz Says:

      Hier hätte auch ein längerer Kommentar gestanden, auch zu Amy. Aber die hätten zu sehr nach Selbstmitleid geklungen, statt der großartigen Person, die Amy war, gerecht zu werden.
      Amy Winehouse war ein riesiges Talent. Wer sagt, dass die Musik eh scheiße ist, steht halt nicht auf die Musik. Dagegen kann auch kein Kommentar was ändern. Unsere Eltern waren sicher auch traurig, dass Jimi Hendrix zu früh starb. Und sicher waren da welche dabei, die sagten, dass die Musik eh scheiße war. Gegen solche Gefühllegastheniker kann man nichts machen. Denen ist auch der Tod von zig Norwegern egal, solange sich nur die Welt weiter um sie dreht.
      Und ja, sie war süchtig. Daran ist nicht sie schuld, wie Du schon so schön in Deinem Beitrag Sucht. Sehnsucht. Winehouse. Unverständnis. Stammtisch. beschrieben hast. Daran hat die Gesellschaft mit Schuld, die sich an einer zugedröhnten Amy Winehouse aufgeilt, um sich so schön zu ekeln, damit man seine eigenen Unzulänglichkeiten kaschieren kann.
      Herzlich willkommen in unserer schönen neuen Welt! 😥

      • Ulf Hundeiker Says:

        Nimms leicht, nimm Trevilor.
        Im Ernst: Laß Dich nicht davon runterziehen. Die Pöbel war schon immer da, und nun bricht er dank Anonymität mal wieder hervor.

        Mich macht ihr Tod, mit dem ich eigentlich gerechnet hatte, weniger traurig als die Reaktionen darauf. Diese Respektlosigkeit gegenüber Menschen, welche tief blicken läßt.

  2. psychoMUELL Says:

    @Ulf
    Trevilor ist scheisse! Bin total unzufrieden damit. so.

    Ja, erstaunlich wie viele Menschen Ahnung von Sucht haben …

    • stefangrenz Says:

      @psychoMUELL: Sie glauben nur, sie hätten Ahnung. Sie verwechseln das aber mit ihrer Meinung. Richtig müsste es also heißen: Erstaunlich, das Menschen ganz viel Meinung haben, obwohl sie so wenig Ahnung haben. 😉

      @Ulf: Man musste bei Amys Labilität wirklich damit rechnen. Nichtsdestotrotz schmerzt ihr Abgang. Von den Reaktionen rede ich lieber nicht. Die machen mich nur wütend.
      Und heißt es nicht: „Ist alles hin, nimm Focusin„? Deins reimt sich ja nicht mal… 😉

      • Ulf Hundeiker Says:

        @psychomuell: Ich finde Trevilor super! Basta!

        @Stefan: Mußt mal gucken, wie Lokalzeitungen versuchen, aus Oslo noch Kapital zu schlagen. Ekelhaft: http://weblog.hundeiker.de/item-3749.html

      • stefangrenz Says:

        Ulf, habe ich doch schon längst gelesen. Habe doch einen Feedreader und G+. 🙂
        Aber zur Bestätigung habe ich den Beitrag jetzt auch kommentiert. Merke: Nicht alles, was ich nicht kommentiere, habe ich nicht gelesen. Vieles finde ich auch stillschweigend gut. Aber gut, dass mich auch mal jemand zum kommentieren anspornt.

  3. Jona Says:

    Und hier ist das jetzt weniger Stammtisch, ja?

    Zu Norwegen:

    Warum soll ich mich denn über einen Terroranschlag in Norwegen aufregen oder wundern?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Terrorismus#Terroranschl.C3.A4ge

    Anschläge mit hohen Opferzahlen gibt es doch offenbar alle paar Monate. Und überhaupt: Sterben nicht jeden Tag zigtausende unschuldig durch den Einfluss oder auch das nicht Nichtstun von anderen Menschen? Soll ich jetzt betroffener sein, weil Norwegen näher dran ist als Pakistan oder Uganda? Das kommt mir genau so seltsam vor, wie bei einem Flugzeugabsurz, wo die Nachrichtenagenturen dann die Zahl der deutschen Opfer separat aufführen.

    Wenn man konsequent sein will, dann muss man ja jeden Tag um irgendeine Gruppe Betroffener trauern. Macht das Sinn?

    ===

    Auch die Trauer um Amy kann ich nicht nachvollziehen. Jeder tote Junkie ist im Grunde ein Trauerspiel. Warum sollte Amy W. mehr oder weniger sein? Ihre Musik kommt mir recht mittelmäßig vor, ich kenn mich aber mit Soul nicht so aus. Aus meiner Sicht handelt es sich dabei eher um einen Hype.

    Ich finde Medien sollten prinzipiell Junkies nicht derart protegieren, das liegt in ihrer Verantwortung.

    Was die Frage der Schuld anbelangt bin ich übrigens auch etwas überrascht. Süchtige sind nicht schuld? Ist das nicht etwas unddifferenziert?

    Mein Opa halte ich für nicht Schuld an seiner Sucht. Dass Nikotin diese Wirkung hat war längst noch nicht bekannt, als er anfing zu rauchen.
    Keine Ahnung, was Amy sich reingezogen hat, aber sie ist in einem Alter, wo jeder weiss, welche Drogen es so grob gibt und dass es Suchtwirkungen gibt die Menschen einfach wegraffen. Warum sollte man also bei einer objektiven Betrachtung einem Junkie nicht die Schuld für seinen Erstkonsum geben? Dass man irgendwann nicht mehr zurück kann steht auf einem anderne Blatt.

    • stefangrenz Says:

      Warum soll ich mich denn über einen Terroranschlag in Norwegen aufregen oder wundern?

      Gewundert hat mich der Anschlag auch nicht. Nur hatte ich nach der Lektüre von „Feindbild Moslem“ (kommerzieller Link zu Amazon-Partnerlink) eher die Befürchtung, so ein Anschlag würde bei uns passieren.
      Ich verlange von niemandem, jetzt betroffener zu sein, nur weil in Norwegen ein fanatischer Rechter wild um sich schießt. Aber es macht mich sehr betroffen und ich denke, ich kann verlangen, dass mir diese Betroffenheit zusteht, oder?
      Ich gebe zu, ich bin nicht jeden Tag über das Elend der Welt betroffen. Aber ich denke sehr oft darüber nach und denke ebenfalls darüber nach, wie ich durch mein Handeln (m)einen Teil dazu beitragen kann, dass die Welt ein Stückchen besser wird. Ich wünschte, dass könnte mehr von sich behaupten. Was mich übrigens noch betroffener macht…die Ignoranz vieler Menschen.
      Wenn dann Unglücke oder Katastrophen Menschen tötet und damit den Familien Leid zufügt, egal ob von Menschenhand oder durch die Natur, dann bin ich immer betroffen. Und dann ist es mir egal, ob da 17 Deutsche unter den 283 Todesopfern waren…

      ===

      Ich kenne mich mit Soul auch nicht aus, aber ich fand, Amy hatte eine tolle Stimme und setzte sie auch toll ein.

      Ich finde Medien sollten prinzipiell Junkies nicht derart protegieren, das liegt in ihrer Verantwortung.

      Da bin ich zu 100% bei Dir.

      Süchtige sind nicht schuld? Ist das nicht etwas unddifferenziert?

      Darüber diskutierte ich gestern auch mit meiner besseren Hälfte. Wenn man sich ein wenig mit Sucht und Abhängigkeiten befasst hat, ist das überhaupt nicht überraschend. Nicht umsonst spricht man mittlerweile von Suchtkrankheiten. Und Kranke sind ja nicht zwingend an ihrer Erkrankung Schuld. Außer Grippekranke, die vorher im T-Shirt bei -12°C joggen waren…
      Warum hat Dein Opa denn angefangen zu rauchen? Bei mir war es Gruppenzwang. Ergo: Die Gesellschaft. Aber ich hätte es auch sein lassen können. Lag in meiner Verantwortung. Nur war ich damals zu jung, noch nicht reif genug, einfach zu schwach um „Nein“ zu sagen.
      Amy Winehouse halte ich auch für einen sehr labilen Menschen, der auf der Bühne stets einen unsicheren Eindruck machte. Vielleicht war sie wirklich manisch-depressiv. Also schon krank. Gerade dann kann ich gut verstehen, wenn man sich mit Drogen besser fühlen will. Die Selbstzerstörung nimmt man dabei billigend in Kauf. Das kenne ich leider nur zu gut.

      • Jona Says:

        Was Norwegen und das Leid der Welt angeht, gibts glaub ich nichts mehr zu ergänzen. Ich habe für mich persönlich noch keinen guten Weg gefunden diesem Problem effektiv zu begegnen. Es läuft einfach SO VIEL falsch.

        Was Sucht im Allgemeinen und Amy Winehouse im Speziellen anbelangt, will ichs nur feststellen, dass mich kein Erklärungsansatz wirklich überzeugen kann, der psychologische Faktoren ins Spiel bringt, sofern diese nicht von Fachpersonen und aus der Nähe festgestellt wurden. Diese „Verpsychologisierung“ durch Laien geht mir sogar ein wenig zu weit.

  4. highwayfloh Says:

    Ich finde, man sollte den Tod von Amy Winehouse – so tragisch und schockierend dieser auch für Ihre Fans sein mag – nicht N I C H T mit den Massaker in Norwegen vermischen!


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