Empört Euch über die Richtigen

Empört Euch nicht über die Griechen, nur weil BILD sagt, dass sie faul sind. Empört Euch über die Banken, die den Griechen das letzte Geld aus der Tasche ziehen und das Risiko Euch anlasten.

Empört Euch nicht über die Türken, nur weil RTL Euch Bilder zeigt, wie junge Türken einen Rentner treten. Empört Euch darüber, dass die Gesellschaft, und damit auch Ihr, Ihnen keine Perspektive geben wollt, weil es ja nur irgendwelche Türken sind.

Empört Euch nicht über die Umweltschützer, die ein Bauvorhaben wegen des seltenen Grünkerndäumlings aufschieben. Empört Euch über die Bahn, die statt den Nahverkehr auszubauen, lieber ihr Geld in Prestigeobjekte stecken und ordentlich die Politiker schmieren fleißig Lobbyarbeit betreiben.

Empört Euch nicht über die Hartz-IV-ler, die uns das Geld aus der Tasche ziehen, weil Du das neulich bei Pro7 so gesehen hast. Empört Euch über die Politiker, die uns die Kosten für die Sozialabgaben aufbürden, während die Unternehmen satte Gewinne einfahren um damit ordentlich die Politiker zu schmieren fleissig Lobbyarbeit zu betreiben.

Empört Euch nicht über die bösen Islamisten, die uns alle wegbomben wollen, wie es täglich in der Zeitung steht. Empört Euch über die islamophoben Medien, die uns Angst machen wollen und Millionen von unbescholtenen Muslimen zu potentiellen Terrorhelfern machen.

Empört Euch nicht über die dummen Lehrer, die unseren Kindern gar nicht mehr die richtigen Werte vermitteln. Empört Euch lieber über die Werte, die wir unseren Kindern vermitteln sollen, dabei jedoch nur neoliberales Geschwätz sind (von wegen „Leistung muss sich wieder lohnen“ und „Jeder ist seines Glückes Schmied“). Was ist mit sozialen Werten wie Mitgefühl, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft?

Empört Euch nicht über den schlechten Zustand in Krankenhäusern, Altersheimen und sonstigen Pflegeeinrichtungen. Empört Euch über die Politik, die sukzessive einen Abbau der Sozialleistungen durch Privatisierungen vorangetrieben haben.

Es gibt so vieles, worüber Ihr Euch empören könntet. Also empört Euch endlich. Aber empört Euch verdammt noch mal über die richtigen Dinge.

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Veröffentlicht in Politik. 16 Comments »

16 Antworten to “Empört Euch über die Richtigen”

  1. Ulf Hundeiker Says:

    DAS nenne ich ein Manifest!

  2. Ma Rode Says:

    genau das tue ich!

  3. Namron Says:

    Absolut richtig, danke für diesen Post.

  4. Jona Says:

    Und was ändert sich durch meine Empörung?

  5. Sympathie und Solidarität | Mondzwerg Says:

    […] diesem Zusammenhang passend, lege ich euch das “Manifest” Empört Euch über die Richtigen an Herz, zu lesen im Blog […]

  6. Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram. Says:

    Empörung, Tatenlosigkeit, Enttäuschung, Resignation….

    Seit zwanzig Jahren bin ich Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft. Nahezu durchgehend war ich aktiv, beriet werdende Kriegsdienstverweigerer und Soldaten, die nachträglich die Bundeswehr verlassen……

  7. highwayfloh Says:

    „gut gebrüllt Löwe“ und Full ACK!

    hätte ich nicht besser formulieren können!

  8. Recht hat er… Says:

    […] … der Stefan Grenz in seinem BlogDüstere Grenze und seinem Manifest! […]

  9. Peter Says:

    Da kann ich auch nur zustimmen!

  10. Ralf Says:

    Das ist jetzt aber genauso Schwarzweißmalerei wie alle mediale Empörung. Denn z.B. die Banken die den Griechen den letzten Drachmen aus der Tasche gezogen haben, sind die gleichen Banken die damit niedrige Kredite für unseren Wohlstand ermöglichen. Und die dafür sorgen das in China für kleines Geld produziert werden kann damit wir auch ja kein Superdupersonderangebotsschnäppchen verpassen.
    Firmen die satte Gewinne einfahren gibt es kaum oder gar nicht mehr. Gerne wird darauf hingewiesen Unternehmen XY hätte dieses Jahr doch zig Millionen Euro Gewinn gemacht. Das diesem Jahr mit Gewinn fünf Jahre ohne Gewinn voraus gegangen sind, wird dann lieber verschwiegen. Und das dieser „Gewinn“ oft nur der „Gewinn“ aus der PR-Mappe ist, mit der man sich als brillant positioniertes Unternehmen darstellen möchte, wird ebenso ignoriert. Das dass Unternehmen mit dem Gewinn meistens noch hohe Kredite für Investitionen abstottern muss oder das der angegebene Gewinn der „Gewinn vor Steuern“ ist, hach wen interessiert es schon wenn man damit schön in die populistische Kerbe schlagen kann.

    Die einen skandieren „Ausländer raus!“, die anderen „Nazis raus!“. Aber niemand fragt wohin mit ihnen.

    • stefangrenz Says:

      Du meinst jetzt nicht zufällig dieselben Banken, die mir nur Kredite geben, die höher als der EZB-Referenzkurs ist, oder? Was ich sogar noch verstehe, weil die Banken sollen ja auch Geld verdienen. Das sie aber auf dieselbe Art und Weise Griechenland „retten“, in dem sie sich von der EZB günstig Geld leihen und dieses dann für einen höheren Zinssatz den Griechen geben, ist schon eine ordentliche Gelddruckmaschine für die Banken. Ach ja, und falls Griechenland nicht mehr zurückzahlen kann, was mich nicht wundern würde, wer glaubst Du, darf dann einspringen, um die systemrelevanten Banken vor der Pleite zu retten?

      Das es kaum noch Unternehmen gibt, die Gewinne einfahren, glaube ich auch nicht. Erst letzte Woche hieß es im Deutschlandfunk, dass die Unternehmer wieder satte Gewinne schreiben. Und die deutschen Firmen waren es auch, die unbeschadet durch die Krise gingen. Kurz- und Leiharbeit sei dank. Aber die Nettolöhne sind weiter gesunken. Für mich sind die Verlierer also nicht die Unternehmen. Die übrigens ihre Gewinne durch Investitionen schmälern können, da gebe ich Dir durchaus recht.

      Übrigens skandiere ich nicht mehr Nazis raus, aus dem Alter bin ich raus. Mir schwebt eher eine vernünftige Erziehung und Aufklärung vor, in der es gar nicht erst zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus kommt.

      Und wer mich kennt, weiß, dass ich nicht unbedingt schwarz-weiß male. Ich habe den Artikel deshalb so geschrieben, damit ein paar tumbe Facebook-Freunde mal vor den Kopf gestoßen werden. Hat leider nicht geklappt. 😦
      Aber dafür habe ich hier andere Kommentare bekommen, die, wie Deiner auch mal zur Diskussion führen können. Find ich gut.

      • Ralf Says:

        Na ja, wer hat denn die Griechen dazu gezwungen Kredite aufzunehmen? Und wenn die Kredite bei der EZB deutlich günstiger sind als bei den normalen Banken, warum haben sie ihre Kredite nicht dort aufgenommen?
        Wahrscheinlich weil das Finanzsystem nicht so einfach ist. Kann man wohl schlecht mit der Situation vergleichen wenn man als Privatmensch zur Bank geht und sich einen Kredit holt.
        Aber die Banken über die wir hier sprechen, holen sich keine Kredite bei der EZB. Das Geld dafür wird schon überwiegend am freien Markt organisiert. Und somit kommt es früher oder später uns und unseren Wohlstand zugute.

        Schön wenn die deutschen Firmen wieder satte Gewinne einfahren. Aber lies mal genau was ich geschrieben habe. Aus der Finanzkrise der letzten Jahre ist kein Unternehmen ungeschoren gekommen.
        Momentan wäre es aber ratsamer die Gewinne zu investieren um Arbeitsplätze zu schaffen und anzulegen um zukünftige Krisen besser überstehen zu können anstatt das Geld kurzfristig durch höhere Löhne und dergleichen auszugeben. Und das dürfte wohl auch das Geheimnis sein warum Deutschland besser durch die Krise gekommen ist. Anstatt ständig Geld raus zu hauen, hat schon Kohl gesagt das wir den Gürtel enger schnallen müssen. Das sind Weichen die gestellt wurden als einige Leute, die jetzt superschlaue Kommentare abgeben (damit meine ich jetzt nicht dich), noch nicht einmal geboren waren. Zum Beispiel Rente mit 65 anstatt 53 wie z.B. in Griechenland. Privatisierung von Post, Bahn und Telekommunikation, usw.
        Klar, einige Länder haben ihre Weichen anders gestellt. Spanien, Griechenland, die USA. Aber eben diese Länder sind es ja, von denen unsere Exportwirtschaft lebt. Denn Deutschland hat keine Rohstoffe die wir exportieren können. Wir leben quasi vom Export von Autos und Maschinen. Und die werden wie finanziert? Ach ja, mit Krediten die die bösen Banken den Pleite-Ländern geben damit die bei uns Maschinen und Autos kaufen können.
        Jetzt kann man mal 5 Minuten in Ruhe überlegen wer oder was am Ende darunter leiden wird wenn die bösen Banken pleite gehen.

        Mein letzter Satz war dann auch nicht auf dich persönlich bezogen, dazu kenne ich dich zu wenig.

      • stefangrenz Says:

        Okay, dann mal der Reihe nach.
        Gezwungen Kredite aufzunehmen, wurden die Griechen wohl hauptsächlich von den Rating-Agenturen, die dem Land eine schlechte Zahlungsbereitschaft unterstellten. Wobei die Rolle der Rating-Agenturen ja mittlerweile zurecht in keinem guten Licht mehr stehen.
        Die Kredite werden nicht von der EZB direkt vergeben, was sich in solchen Fällen als schwerer Fehler erweist. Warum es für Staaten nicht die direkte Möglichkeit gibt? Fragen, die wahrscheinlich nur Monsieur Sarkozy und Frau Merkel beantworten können. Aber ich fürchte, die ehrlichen Antworten würden die meisten nicht erfreuen.
        Das von den Banken geliehenes Geld unserem Wohlstand zugute kommt, halte ich für nicht richtig. Banken sind ja keine sozialen Unternehmungen, die ihre Gewinne der Gesellschaft zuführen.
        Leihen tun sich meines Wissens die Banken ihr Geld von den Zentralbanken (jetzt Bundesbank), die wiederum ihr Geld von der EZB leihen. Die ihnen auferlegten Zinsen geben diese an den nächsten Kreditnehmer weiter.

        Ich könnte auch einige Unternehmen aufzählen, die relativ ungeschoren durch die Finanzkrise kamen. Unser Unternehmen z.B., sowie etliche andere, die sich der Binnenwirtschaft verschrieben haben. Einzelhändler, Mittelstandsunternehmen und Dienstleister. Das die Exportwirtschaft gelitten hat, kann nicht bezweifelt werden. Jedoch ist das vom „Wirtschaftsprofessor“ UnSinn propagierte Heil der Exportwirtschaft in den Augen anderer Ökonomen sehr einseitig, da die Binnenwirtschaft für die Beteiligten einer Volkswirtschaft viel wichtiger ist. Was nützt uns der Titel Exportweltmeister, wenn diese durch Niedriglöhne zustande kommt und dadurch die Binnenwirtschaft schwächt?
        Da ist mir das lieber, wenn allen ein entsprechender Lohn gezahlt wird und die Menschen dadurch zum Konsum angetrieben wird, was die Wirtschaft ebenso belebt. Aber hier kollidieren zwei unterschiedliche Philosophien aneinander.

        Eine glatte Lüge dagegen ist die vielbeschworene Aussage, dass die Griechen ja mit 53 (oder 55, je nachdem, welcher Wochentag gerade ist) in Rente gehen. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter der Griechen beträgt 61,4 Jahre und ist damit um glatte 0,3 Jahre niedriger als das des fleißigen Deutschen. Gerade mit diesen Zahlen wird gerne Propaganda gegen die Griechen gemacht, in dem Extrembeispiele als allgemein gültig dargestellt werden. Zu finden besonder oft in den Springer-Blättern.

        Das unsere Weichen anders gestellt wurden, bezweifel ich nicht. Nur besser? Staatliche Grundversorgung wurde privatisiert und aus öffentlicher Hand gegeben. Angeblich, weil staatliche Unternehmen ja ineffizient arbeiten. Ja, unsere Stromversorgung ist wirklich sehr effizient. Aber günstiger? Weil Konkurrenz ja das Geschäft belebt? Dann habe ich lieber einen staatlichen Telekommunikationsversorger, der sich auch verpflichtet, in der hinterletzten Ecke Deutschlands Breitbandinternet zu verbauen, als zehn Anbieter, von denen keiner das macht, weil es nicht effektiv ist. Aber das wäre ja Kommunismus. Und so werden wir mit immer derselben Propaganda vollgepumpt um Privatisierungen durchzudrücken. Wie ja auch das Thema Rentenversicherung sehr gut beweist. Da soll es ja wirklich noch Leute geben, die glauben, die private Rente wäre sicherer als die staatliche Rente…


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