Was ich loswerden will (58)

Agenten fürs Asoziale

Die Süddeutsche Zeitung lässt in einem Artikel über die Methoden von Castingagenturen eine ehemalige Mitarbeiterin zu Wort kommen.

„Auf Intimsphäre wurde zu keiner Zeit Rücksicht genommen“, erinnert sich die Casterin. Der Bewerber habe sich schließlich freiwillig zur Verfügung gestellt, lautete das Totschlagargument ihrer Firma.

Aber nicht nur sich freiwillig gemeldete Menschen wurden bedrängt:

Für Formate, bei denen der Bewerberansturm zu wünschen übrig ließ, musste sie in verschiedenen Dörfern anrufen: Vom Bürgermeister bis zum Friseur haben die Caster wahllos Menschen angerufen, um ein fernsehtaugliches Schicksal aufzuspüren.

Und weiter:

„Es hieß, die haben kein Interesse und wurden trotzdem wieder und wieder angerufen“. Bei manchen entnervten Teilnehmern zahlte sich die Hartnäckigkeit auch aus. Und hatten sie einmal zugesagt, gab es kein Zurück, sie wurden mit Verträgen „dazu geknechtet“, sagt die Casterin.

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Es lebe die Anonymität im Netz

Jens Berger hält bei den NachDenkSeiten ein Plädoyer für die Anonymität im Internet.

„Welches Missbrauchsopfer würde sich unter Klarnamen im Netz mit Leidensgenossen austauschen? Welcher Arbeitnehmer würde unter Klarnamen über unethisches, unmoralisches oder gar ungesetzliches Treiben seines Arbeitgebers berichten?“

Was ich mich frage: Warum echauffiert sich unser Innenminister eigentlich nicht über anonyme Parteispenden?

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Kein Mitleid mehr!

Die Zeit erklärt in einem Beitrag, warum wir mit hungernden Menschen kein Mitleid mehr haben sollten.

„Es braucht auch keine Revolution, um eine Politik des Mitleids durch eine Politik der Verantwortung zu ersetzen. Es braucht allein den politischen Willen von Regierungen, auch der unseren. Und den politischen Druck der Öffentlichkeit. Auch der unseren.“

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Which is the No 1 problem economy in Europe?

Diese Frage stellt sich der Guardian (Artikel in englischer Sprache). Die Antwort mag für manche überraschend sein.

„German workers saw their wages (after inflation) actually fall by 4% in the 2000s, so they were hardly in a position to consume a growing proportion of those products turned out by German businesses. Which means that the country exported more to the go-go economies of the south of Europe, and lent Spain, Greece and the rest the cash to buy their goods.“

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Das Spiel mit der Unkenntnis

Florian Hauschild erklärt bei Le Bohémien, wieso ein eilig aufgerufener Artikel bei Spiegel-online nicht die Antwort auf vorher nicht gestellte Fragen gibt. Und das es wichtig ist, sich vorher aufzuklären.

„Je lauter das Orchester spielt desto wahrscheinlicher ist es, dass systemische Hintergründe und komplexere Informationen untergehen oder überspielt werden.“

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Esos und die Natur

Esowatch besucht eine Seite, auf der man bunte Steine mit angeblich heilenden oder glücksbringenden oder wat-weiß-ich für Wirkungen kaufen kann. Und entdeckt einige Fehler.

„Für mich war das ein treffendes Sinnbild dafür, dass Esos nicht die Natur verehren, sondern ein Zerrbild, das sie für Natur halten.“

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Wie einst Marx

Roberto J. De Lapuente beschreibt die (enttäuschten) Hoffnungen von Marx, dass der Kapitalismus endlich zum Ende gekommen wäre.

„Die Zustände des amtierenden Kapitalismus könnten gleiche Hoffnungen nähren. Wir werden uns in den kommenden Jahren von Krise zu Krise, von Hoffnung zu Hoffnung hangeln. Dabei werden wir zu Marxisten, das heißt: werden wie er, immer wieder enttäuscht!“

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