Brötchenreportage

Auf die Reportage „Billige Brötchen: Die Spur der Teiglinge“ vom SWR (Teil 2 und Teil 3) bin ich durch Peter und seinem Blog gestoßen. Ist schon etwas her, als er sie vorstellte, aber wir waren ja hier auch ne zeitlang ohne Internet.😉

Mich hat die Reportage nicht nur deswegen interessiert, weil ich selber lieber ein paar Cent mehr ausgebe und dafür noch was handgemachtes kaufe. Besonders bei Lebensmitteln sehe ich die Preistreiberei sehr skeptisch.
Die Reportage hat mich auch deswegen interessiert, weil mein Vater selber Bäckermeister ist und mich das Schicksal des im Film gezeigten Bäckers vor Augen führte, wie es meinem Vater mit einem eigenen Bäckerbetrieb gehen würde. Nun gut, selbstständig war er nur kurz nach meiner Geburt und mittlerweile in Rente…aber die im Film angesprochenen Massenschließungen von kleinen Bäckerläden gibt zu Denken. Ich sehe da parallelen zu den kleinen Tante-Emma Läden, die den großen Discountern und Einkaufscentern weichen mussten.
Außerdem wird in dem Film ein Betrieb gezeigt, in dem mein kleiner Bruder gearbeitet hat. Aber dann hören die Parallelen zu meiner Familie schon auf.

Ich habe die Reportage dennoch mit gemischten Gefühlen gesehen. Einerseits, wie gesagt, die Tatsache, dass durch den Wahn, alles möglichst billig zu produzieren, anzubieten und zu kaufen, auch am Lohn der Arbeiter gespart wird – wenn es nicht eh gleich im Ausland produziert wird. Andererseits auch die Tatsache, dass durch das Wissen über Rohstoffe und deren Verhalten und Reaktionen untereinander eine Weiterentwicklung nicht nur im Bereich der Lebensmittel stattfindet.
Deswegen gefiel mir nicht die unterschwellige und vom Reporter zum Ende hin deutliche Meinungsbildung, dass Chemie per se böse ist.

Klar gibt es zu Denken, wenn selbst Lebensmitteltechnologen kaum was über die Interaktion von Enzymen wissen, die in unseren Lebensmitteln sind. Aber das im Zusammenhang mit Backmischungen, deren Zutaten, sind diese einmal gemischt, nicht einfach zu ermitteln sind. Bei dieser Szene drohte die Reportage ins Reißerische abzudriften. Sie hat dann gerade noch die Kurve gekriegt.

Alles in allem ist sie sehenswert. Wenn der Backshop-Besitzer als Handwerker vorgestellt wird oder die Anzahl der Bäcker im polnischen Betrieb aufgezählt wird, sollte man schon mal anfangen zu überlegen, wem ich eigentlich mein Geld für Lebensmittel über die Theke schiebe.

2 Antworten to “Brötchenreportage”

  1. highwayfloh Says:

    Im Radio-Programm Bayern-1 gab es zu dieser Thematik auch einen entsprechenden „Themen-Tag“ welcher sehr aufschlussreich war.

    Mein Fazit: „Lebensmittel“ sind dank der entsprechenden Lobby und Industrie zur „Ramsch-Ware“ verkommen …

    Ich hab auch schon Lebensmittel zur genüge transportiert – quer durch Europa und das ist schon gute 10 Jahre her… was ich da erzählen könnte… würde mir NIEMAND glauben, was da damals schon teilweise gelaufen ist…

    Ist zwar traurig aber wahr!

    Und – ich glaube es war vorletztes Wochenende – habe ich einen sehr guten Bericht auf einem Doku-Kanal im TV gesehen, wo ein italienischer Fischer, der dann Koch wurde, an die Politik appelliert hat (ich gebe es hier sinngemäß wieder):

    „Schützt das Kochen und die Küche als „Kulturgut“! Ansonsten wird es „Essen“ in 10 Jahren nur noch in Fertigpackungen in den Supermärkten geben!“

    Das Traurige daran ist, dass dieser Mann verdammt Recht hat… .

    • Stefan Says:

      Ich sehe das nicht ganz so pessimistisch, befürchte aber, dass für viele das Kochen irgendwann nur noch ein „Event“ sein wird. Wenn ich mich dagegen im näheren Umfeld umschaue, dann besteht durchaus Hoffnung, dass das noch rausgezögert wird und zumindest unsere Kinder noch kochend aufwachsen werden. Jedenfalls habe ich mir das mit meinen Kindern vorgenommen.🙂


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