Eine ganz persönliche Musikgeschichte (4. Fortsetzung)

Finger hoch, wer geglaubt hat, dass die Reihe nicht fortgesetzt wird! 😉

Heute gibt es dann statt eines Polterabends einen Punkerabend…

Die Eindrücke des vergangenen Jahres hatten mir meine Richtung vorgegeben. Jeglicher Rassismus oder Fremdenhass war mir zuwider und in meinen Augen verabscheuungswürdig. So wurde ich geradewegs in eine neue Musikrichtung gestoßen, die meinen Unmut in Worte, Töne und Lieder fassten und zugleich nicht nach Weichspülermusik klangen. Dem Punk. Natürlich hörte ich weiterhin Metal-Musik und besuchte auch Konzerte. Aber es mischte sich zu meinem eh breit angelegten Repertoire zunehmend Musik aus Deutschland.

Das wahrscheinlich erste Lied auf das ich in der Hinsicht stieß, wie sollte es anders sein, war von Slime. Nazis raus!

Damit war der Boden bereitet und mein nächster Kauf war ein Sampler, um mein Spektrum in der Punkmusik zu erweitern: Der Soundtrack zum Untergang. Und fortan sollten Texte in der Musik für mich eine der wichtigsten Rollen einnehmen. Was bei Punkmusik auch nicht verwunderlich ist. Obwohl ich die drei Akkorde immer noch sehr gerne höre. 😉

Mit 17 Jahren kann, wenn man über sich und die Gesellschaft so nachdenkt, die Wut ungeahnte Ausmaßen annehmen. So war es auch bei mir. Ich las viel, ich dachte viel nach und ich hatte eine Riesenwut. Auf das System, dass auf die Ausbeutung anderer angewiesen ist um selber stetig zu wachsen und noch mehr auszubeuten um weiter zu wachsen. Auf die Menschen, die es hinnehmen und sich es in diesem System gemütlich machen. Und auf mich, weil ich alleine kaum was dagegen ausrichten kann.

Doch bevor ich mich darüber aufregte, was andere für mich tun könnten, habe ich selbst was getan. Mit den damaligen Kumpels besuchten wir die PDS-Zentrale in Bremen und organisierten uns dort politisch in der AG Junge GenossInnen. Mit diesen Kumpels bauten wir dann in Delmenhorst die PDS auf und waren am Wochenende in der Innenstadt, wo wir uns an Informationsständen als rote Socken und Kommunistenpack beschimpfen ließen, während wir uns unter der Woche mit anderen Parteien trafen und diskutierten. Diskutieren war zu der Zeit eh meine Leidenschaft. Mein Lieblingsunterricht am Wirtschaftsgymnasium, dass ich zu der Zeit besuchte, war „Werte und Normen“, in dem man wunderbar diskutieren konnte.

Mit meiner Einstellung, dass alle Menschen gleich sind und sie auch so behandelte, mit dem entsprechenden Respekt, gewann ich viele Freunde. Nur meine politische Einstellung wollte damals keiner so recht mit mir teilen.

Wie ich ja schon mal schrieb, zierten mein Zimmer viele Poster von Bands, die ich nicht immer unbedingt kannte, aber einen coolen Eindruck machten. Und wie ich gerade erwähnte, las ich viel zu der Zeit. So kam es, dass ich mir einen Büchereiausweis besorgte. Und dort sah ich eine CD von den „Einstürzenden Neubauten“. Die Band hing zu der Zeit schon zwei Jahre in meinem Zimmer als Poster und bis dato hielt ich sie (ernsthaft) für eine Punkrock-Band, die ich noch nie (ja, wirklich) gehört hatte. Die CD war die „Tabula Rasa“ (Amazon-Partnerlink) und ich musste sie mir einfach einstecken. Zusammen mit meiner damaligen Freundin – also Freundin im Sinne von Freund und nicht im Sinne von Knutschen, Händchenhalten und dem ganzen Zeugs – die überwiegend dieselben Interessen hatte wie ich –  nennen wir sie der Einfachheit halber mal Nina – saß ich in ihrem Zimmer, schoben die CD ein und ließen unsere Vorstellungen von der Band mit jedem weiteren Lied fahren. Es war wie eine Offenbarung. Als das letzte Lied „Headcleaner“ zuende war, schauten wir uns nur an und begannen die CD von vorne.

Die Einstürzenden Neubauten begleiteten mich von da an und zum Teil begleitete ich sie. Keine Band habe ich häufiger live gesehen (dreimal). Nun ging ich nach meiner Metal-Zeit meinen Eltern richtig auf den Geist. Der Namen der Band hat sich bei meinen Eltern geradezu eingehämmert, auch dank freundlicher Unterstützung meines kleinsten Bruders. 😉

Den Geist raubte ich ihnen aber nicht nur wegen der Musik. Respektlosigkeit und Kampf gegen die Obrigkeit wurde zu meiner Maxime erkoren. Das zeigte ich auch nach außen, wo ich mir langsam anfing die Haare wachsen zu lassen. Dabei ging ich mit einem Trick vor. Die Seiten wurden kurzrasiert (wenn auch noch nicht kahl). Was da fehlte, ließ ich oben länger wachsen. Wenn auch unter strenger Beobachtung der häuslichen Obrigkeit. Denn so lange ich meine Füße unter den Tisch meiner Eltern…blabla.

Zu dieser Zeit gab es viel für mich zu entdecken. Zum Beispiel entdeckte ich das „Kakao trinken“ für mich. Der Einfluss dessen und die Tatsache, dass es 1993 noch MUSIK-Sender im Fernsehen gab, bereicherten mein Leben mit einer weiteren Entdeckung. Eine kleine isländische Sängerin, die in ihren Videos so natürlich rüber kam und unglaubliche Geschichten erzählen konnte, ließ mich gleich zum Plattenladen rennen und ihre LP „Debut“ kaufen. Allerdings ist es mir bis heute verwehrt geblieben, sie live zu sehen. Eine der Sachen, die auf meiner To-Do-Liste fürs Leben ganz weit oben steht.

Aber auch die ältere Musik hatte für mich seinen Reiz. Im Sommer der Liebe 1993 legte ich des öfteren „Cat Stevens“ auf. Als ich dann mit meiner damaligen Freundin, nennen wir sie mal Karina, das erste Mal in die Kiste hüpfte – also das erste Mal für mich; sie war da „etwas“ erfahrener – liefen die „Best of“ von ihm.

Aber es gab nicht nur schöne Momente in diesem Jahr. Das wohl schrecklichste Erlebnis war zweifelsohne der Brandanschlag in Solingen, bei dem fünf Menschen zwischen 4 und 27 Jahren ums Leben kamen. Fünf Menschen die starben, weil sie in den Augen der Mörder die falsche Herkunft hatten. 👿

In diesem Jahr ereignete sich auch in einem Bahnhof in Bad Kleinen eine misslungene Festnahme, die zum Tod von Wolfgang Grams und einem Polizisten führten. Die ganze Geschichte um diese Festnahme interessierte mich nicht wirklich. Was mich aber interessierte, waren die Beweggründe der RAF, in den bewaffneten Widerstand zu gehen.

Dazu las ich mehrere Schriften von Ulrike Meinhof Horst Mahler, um die Motive zu verstehen. In ihren Schriften erklärten sie, wie der Systemumsturz abzulaufen habe, die sich im Buch nicht so gewaltvoll darstellten. In der Realität sah es leider anders aus und außerdem schienen sie die Macht der Medien unterschätzt zu haben. Wie auch immer, mir war ein politisch geführter Umsturz lieber. Wobei ich in meinem Leben schon oft genug an meiner pazifistischen Grundhaltung zweifeln musste…

Ende Oktober, es war Freimarkt in Bremen und in der Stadthalle Bremen – so hieß die damals noch – gaben sich „Paradise Lost“ und „Sepultura“ die Ehre. Natürlich war ich da, mit Thomas, einem damaligen Kumpel. Wir lungerten vor der Stadthalle rum, als wir von einem Mädel auf den Konzertort angesprochen wurden. Wie sich herausstellte, war sie – ich nenne sie hier mal Maren – mit ihren Kumpels da um das Konzert zu besuchen. Sie kamen aus Ostfriesland, genauer aus Leer und kannten sich in Bremen nicht aus. Die Ostfriesen waren sehr nett, also unterhielten wir uns ein wenig. Naja, ich unterhielt mich mit ihnen, weil Thomas…naja…er fand sie nicht so nett. Er war eher der Selbstverliebte…

Und ein wenig unterhalten ist auch untertrieben. Während des Konzerts saß Maren neben mir, während ihre Jungs sich in die Menge mischten. Und während des Konzerts unterhielten wir uns auch annähernd ununterbrochen. Nach dem Konzert brachte ich sie und ihre Kumpels dann noch zum Auto zurück, wo ich als „Danke schön“ einen kleinen Kuss bekam.

Wow, die Frau hatte es mir echt angetan. Nun war ich zu der Zeit noch mit Karina zusammen. Kein Problem, kurzerhand Schluss gemacht, eine Bahn-Card gekauft und an den Wochenenden nach Leer gefahren.

Ich muss dazu sagen, dass Karina ein wirklich sehr nettes Mädchen war/ist, nur zu der Zeit war klar, dass sie für unbestimmte Zeit nach Südamerika gehen würde. Diese Unsicherheit bei der Beziehung machte mich sehr empfänglich für Maren, die, im Nachhinein betrachtet, dass netteste Mädchen war, dass ich bis Steffi kennen lernen durfte.

Den Herbst verbrachte ich also in Sehnsucht auf Maren und das Wochenende und das Wochenende mit Maren.

Zu dieser Zeit hörte ich viel R.E.M., da kaum was besseres in ihrer CD-Sammlung zu finden war. *hüstel*

Aber da mein Musikgeschmack bereits breit gefächert war und sie auch gelegentlich in Delmenhorst war, konnte ich damit sehr gut leben. Schließlich war sie, wie gesagt, ein sehr nettes Mädchen und auch mit ihrer Familie verstand ich mich sehr gut. Unvergessen der Moment, als ihr Vater mich beiseite nahm als das Haus nur von uns beiden bevölkert war.

Komm Stefan, wir müssen mal reden!

Ich saß also mit dem Vater meiner Freundin auf der Couch und er sagte:

Also über das „Kakao trinken“ brauchst Du mir nichts erzählen. Da habe ich schon alles mitgemacht. Schwarzer Afghane, gelber Libanese. Das ganze Programm.

Ich war 17 Jahre, trug meine Leidenschaft über das „Kakao trinken“ nicht unbedingt vor mir her, auch wenn ich entschieden für eine Legalisierung eintrete. Aber das hat mich dann doch überrascht. Ich glaube, in diesem Moment wurde mein Weltbild um eine weitere Facette reicher. Es gibt wirklich alte Menschen (er war zu dem Zeitpunkt fünf Jahre älter als ich jetzt), die auch „Kakao trinken“ oder es mal getan haben. Unglaublich.

So weit lief es also ganz gut, wenn ich mir nicht selbst im Weg gestanden hätte. Ich wiederholte die 11. Klasse des Wirtschaftsgymnasiums. Nicht weil ich den Anforderungen nicht gerecht wurde, sondern weil ich den Anforderungen nicht gerecht werden wollte. Ich hatte schlicht und ergreifend keine Lust, ein Mitglied des Wirtschaftssystems, wie ich es erlebte, zu sein. Ich wartete nur auf meinen 18. Geburtstag, um die Schule zu verlassen. Was danach werden sollte? Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung.

Noch etwas hatte ich ja bereits angedeutet im letzten Beitrag. Meine Liebe für Nirvana hatte ich entdeckt. Im Sommer empfand ich die Musik nicht mehr als Mädchenmusik und die Texte auf mein Leben maßgeschneidert. Für die ganze Jugend, wie es später unisono hieß. Wie treffend beweist der letzte Song für heute. Wut, Perspektivlosigkeit, Hilflosigkeit. Der Wunsch nach Menschen, die sich mit Respekt begegnen. Und weise Menschen, die in Form von Frauen ins Leben traten.

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Eine ganz persönliche Musikgeschichte (3. Fortsetzung)

Mit Beginn des 16. Lebensjahres ging es in musikalischer Hinsicht sehr schnell. Dadurch trug auch ein neuer Freund, nennen wir ihn der Einfachheit halber mal Thomas seinen Teil dazu bei. Thomas war sehr musikbegeistert, spielte E-Gitarre und liebte harte Musik. Über ihn kam ich zu „Sepultura“, die ich lange Zeit nicht live sehen sollte. Und als ich sie dann endlich sah, war mir eine Frau dann wichtiger. Bis dahin sollten aber noch über zwei Jahre vergehen.

Während alle Welt zu den brasilianischen Klängen von Lambada tanzte, bangte ich zu den brasilianischen Klängen von „Sepultura“.

Aber auch heimische Musik war mir nicht fremd. „Sodom“ und vor allem „Kreator“ brachten mein Haar so richtig in Bewegung, welches ich mir immer noch nicht lang wachsen lassen durfte.

Doch das Thema Tod in Texten wurde mir immer wichtiger, weshalb ich zwangsläufig zum Death Metal tendierte. Dabei war es mir egal, ob es die schwedische Fraktion wie „Entombed“ oder „Tiamat“ war oder die amerikanische Fraktion, allen voran „Death“, „Obituary“, „Morgoth“ und die unvergessenen und von mir favorisierten „Morbid Angel“, von denen ich mir dann auch eine Platte („Altars of Madness“) kaufte.

Aber obwohl ich jetzt einer von den ganz harten Jungs war (und immer noch Jungfrau), konnte ich meine emotionale Seite nicht verbergen. Wahre Sturzbäche an Tränen habe ich am 16. Mai 1992 geweint, als den Dortmunder vier Minuten vor Saisonende die Meisterschaft in einem Herzschlagfinale von Stuttgart weggenommen wurde. Das erklärt auch, warum ich bis heute den Stuttgartern und Leverkusernern nichts Gutes wünsche.

Dagegen ließen mich die Tode von z. B. Francis Bacon oder der Dietrich kalt. Dafür ließ mich ein anderes Thema nicht kalt, der aufkeimende Rassismus und Fremdenhass auf unserer Welt, besonders in unserem Land. Unter den Eindrücken der Unruhen in Los Angeles, den Ausschreitungen von Neonazis in Rostock Lichtenhagen, dem Mord an Silvio Meier und vor allem dem Brandanschlag in Mölln stieg in mir der Hass auf alles rechts der Mitte auf, was sich alsbald wieder auf meinen Musikgeschmack auswirken sollte.

Übrigens, einen Trend habe ich vollkommen verpasst, weil ich es für Mädchenmusik hielt. „Nirvana“ ging mir erst am Arsch vorbei, schließlich wurde ja nicht mal gegrowlt. Und es wurde auf MTV gespielt. Aber auch die sollte ich bald mögen.

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Eine ganz persönliche Musikgeschichte (2. Fortsetzung)

Bevor ich zu meinem 15. Lebensjahr komme, muss ich noch eben etwas aus der 1. Fortsetzung dieser Reihe korrigieren. Ich war 15 als ich von meiner ersten Freundin mit NKotB penetriert wurde. Ich erspare Euch aber ein weiteres Lied von dieser „Ausnahme-Boyband“. 😉

Es sollte also härter werden. Mein Taschengeld investierte ich deshalb zwecks Informationszufuhr nicht mehr in die „Bravo“, sondern in Qualitätsmedien wie „RockHard“ oder „Metal-Hammer“. Man(n) gönnt sich ja sonst nichts. Die Poster darin zierten bald meine (Kinder-)Zimmerwand, auch wenn ich mit manchen Bands nichts anfangen konnte. Aber das sollte sich ja noch ändern.

Das Genre Heavy-Metal habe ich irgendwie übersprungen. Bands wie „Iron Maiden“ sagten mir nicht zu, weil die hohe fiepsige Stimme mir bei der Art von Musik komisch vorkam. Das sollte sich auch bis heute halten, wo ich mit den Scheiben von „System of a Down“ nichts anfangen kann. Eine Tortur für mich, wenn Steffi im Auto ihren Rappel bekommt und „SoaD“ auflegt. Der Wechsel zwischen hoher und tiefer Stimme macht mich kirre.

Stattdessen überkam mich ein wahres Wohlgefühl, als ich das erste Mal Bands wie Anthrax hörte. Nanu? Zu der Zeit sang Anthrax dank Joey Belladonna doch auch mit einer hohen fiepsigen Stimme. Stimmt, aber die Texte waren gut. Zu der Zeit achtete ich sogar sehr auf die Texte. Etwas was mir ein Jahr später nicht mehr sooo wichtig sein sollte.

Tja, und dann war da natürlich auch, dass sollte nicht vergessen werden, „Metallica“ sehr wichtig. Ja, die Band, die später bei mir blankes Entsetzen und Ablehnung bei mir auslösen sollte, ob ihrer Gier und dem Verhalten gegenüber ihren Fans…

Aber davon war 1991 noch nichts zu spüren. Bevor das schwarze Album rauskam, hatte ich die alten Scheiben rauf und runtergehört. „Kill Em All“, „Master of Puppets“ (meine Lieblingsscheibe) und die „Justice for All“ glichen einer musikalischen Offenbarung in meinen Ohren.

Das schwarze Album hatte sich im Gegensatz dazu schnell ausgehört. Klar waren Songs wie „Unvorgiven“ und „Nothing Else Matters“ für die ruhigen Stunden immer gut. Aber der Rest klang zu sehr nach Retorte in meine Ohren und konnten nicht annähernd mit den alten Liedern mithalten.

Aber das alles war nichts gegen die Könige des Trash-Metals: „Slayer“. Ihrem Album „Reign in Blood“ verdankte ich es, dass ein Großteil meines Hirns weggeblasen wurde. Den kümmerlichen Rest bangte ich mir dann auch noch raus. Das war dann im November 1991, wo „Slayer“ in der Stadthalle in Bremen spielte. Ich hatte noch nie davor und nie wieder danach meinen Hals einer derartigen Belastung ausgesetzt. Kurz: Es war geil! Allerdings hatte ich noch tagelang Schmerzen nach dem Konzert, aber das war es wert.

So ging das Jahr mit dem Konzert meines Lebens zu Ende. Zumindest das, wofür ich mich und meinen Körper am meisten aufgeopfert habe. Von einer Fahrt nach Berlin 15 Jahre später für eine andere Band mal abgesehen. 😉

Das nächste Jahr sollte musiktechnisch noch härter werden, schließlich wurde ich ja auch älter. Doch irgendwann hat man seine Spitze erreicht. Abschließen möchte ich diesen Beitrag mit dem besten Lied, was Slayer wohl gemacht haben. Das Video möchte ich aber NICHT für Zuschauer unter 18 Jahren empfehlen. Es sei denn, sie behaupten der Holocaust wäre eine Lüge.

Eine ganz persönliche Musikgeschichte (1. Fortsetzung)

Ich war also 13 Jahre alt/jung und besaß meine erste LP. Und ich entdeckte das laute Musik hören für mich. Was den merkwürdigen Nebeneffekt hatte, dass die Plattennadel zu springen anfing.

Die neue deutsche Welle war bereits abgeebbt und haften blieben bei mir nur noch die politisch motivierten Bands. Doch mit denen wollte ich mich zunächst nicht befassen. Denn kurz nach dem Erwerb meiner ersten LP sollte recht schnell die nächste folgen. Denn nachdem bei uns ein Musikkanal Einzug ins Haus gehalten hat und Tele-5 das deutsche Pendant zum englischsprachigen MTV auch von mir begeistert aufgenommen wurde, haute mich das nächste Lied vom Hocker, dass für einen 13-jährigen ein nicht ganz uninteressantes Thema beinhaltete. Die Liebe, hier „Aerosmith“ mit „Love in an Elevator“.

(Ja, was man(n) alles toll findet, wenn in einem die wichtigsten Säfte anfangen zu sprudeln)

Alter Schwede, das rockte ja mal richtig. Bei meinem damaligen Kumpel, nennen wir ihn der Einfachheit halber hier mal Dirk, kam ich über dessen großen Bruder – einem bekennenden Hardrock-Fan – in den weiteren Genuss solcher Musik. Aber mit 13, Anfang 14 ist man noch zu jung für die richtig „harten“ Sachen und so erfreute ich mich mehr an „Poison“ oder der unglaublich geilen „Mötley Crüe“. Und von genau denen sollte meine nächste Platte sein, deren „Dr. Feelgood“ es gelang, sechs Single-Auskopplungen in den Charts zu platzieren.

Während also die erste Hardrock-LP von „Mötley-Crüe“ war, sollte mein erstes Livekonzert das von „Poison“ und „Aerosmith“ sein. Mit 14 Jahren! Meine lieben Eltern, hier habt ihr versagt und seid für das ganze Leid das ich Euch in den Folgejahren antat selbst verantwortlich. 😉

Ernst beiseite. Zu Poser Metal ließ sich wunderbar in die Pubertät reinrutschen und so konnte ich den folgenden Sommer in Blue Jeans erstmals den harten Jungen (mit Milchbubigesicht) feiern. Eine Freundin hatte ich auch, wenn auch nicht so lange. Dann doch wieder, aber dann nur ein wenig länger. Naja, wie das so ist, wenn man jung ist. Ihr Ding war Metal aber nicht, eher „New Kids on the Block“, was wir in einer Dauerschleife hörten, während wir bei ihr auf dem Bett lagen und wild rumknutschten.

Ähm ja, aber es gab noch genug Poser-Bands für mich zu entdecken. Heimlicher Liebling von mir waren auch „Faster Pussycat“ deren Durchbruch allerdings ausblieb…

Das Jahr 1990 ging dann mit der Wiedervereinigung zu Ende und da mein Geburtstag kurz bevor stand und ich damit älter werden sollte, musste auch die Musik erwachsener werden. Was für mich damals nur bedeutete, es muss härter werden…

Dazu aber beim nächsten Mal mehr.

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Eine ganz persönliche Musikgeschichte

Nachdem ich neulich bei youtube wieder einen Flug durch meine Musikvergangenheit gemacht habe, kam mir die Idee, meine persönliche Entwicklungsgeschichte im Bereich der Musik niederzuschreiben. Da ich kaum Unterlagen darüber habe und eine zum Teil sehr bewegte Vergangenheit hinter mir habe, geschieht das allein aufgrund der Erinnerungen, die noch übrig sind. Außerdem werde ich versuchen, möglichst ehrlich zu sein, was aufgrund meiner manchmal unmöglichen Musikverirrungen wahrscheinlich das bemerkenswertere sein wird. So, here we go.

Bis zu meinem sechsten Lebensjahr bestand, wie bei den meisten von uns, mein Musikrepertoire lediglich aus Kinderliedern, die die eigenen Eltern singen konnten und man im Kindergarten aufschnappte. Seit kurzem frage ich mich, ob auch dieses hier dabei war (Steffi wird mich dafür erschlagen, dass ich mit diesem Lied hier aufmache, denn in letzter Zeit pänetrier ich sie damit über Gebühr):

Dann mit sechs Jahren nahm mich mein Vater zum ersten Mal ins Kino. „Die unendliche Geschichte“ haute mich vom Hocker und fortan saugte ich alles auf, was damit zu tun hatte oder darüber berichtete. Das war vornehmlich die „Bravo“, wo ich dann mit anderen Künstlern in Kontakt kam. Erst sporadisch gekauft bzw. kaufen lassen, wurde es später zu einer Obsession. Dabei kam ich auch in Kontakt mit „Duran Duran“, die mit „Wild Boys“ die Charts dieser Welt stürmten und mir mit acht Jahren meinen Weg im persönlichen Musikgeschmack zeigen sollten. Es sollte nämlich hart werden.

Aber Musik soll auch Spaß machen. Da kam die „Neue Deutsche Welle“ gerade recht. Von meinen Eltern mit einer Musikkassette ruhiggestellt, lauschte ich den wohlfeilen Klängen deutscher Musikkultur. Der Versuch, mich mit Nena dann auf dem Mainstreamzug zu bringen, scheiterte jedoch kläglich. Die Kassette von Nena bekam bald einen manuellen Bandsalat. 😉

Nein liebe Kinder, dass ist nichts gesundes zu essen. Eigentlich ist es für einen magnetischen Tonträger sogar sehr ungesund. Aber ich schweife ab.

Die nächsten Jahre verbrachte ich wie alle Kinder unserer Zeit vor dem Radio. Dort wurde der Rec-Knopf zusammen mit dem Pausen-Knopf intensivst benutzt und wichtige Verkehrshinweise verflucht. Ich habe ja sowieso die Theorie, dass für das erhöhte Aufkommen der Geisterfahrer damals die Musikindustrie verantwortlich war. Die haben doch nur bei der Polizei Fake-Anrufe gemacht und nichtexistente Geisterfahrer gemeldet, um dem kindlichen Heer vorm Radio Einhalt zu gebieten. Doch wir hatten den stärkeren Finger! 😉

Damit verbrachte man dann seine Zeit, so richtig hängen blieb aber nichts. Bis man dann allmählich in die Pubertät kommt und sein Hirn auch mal für was anderes als Dummheiten und dem Erfinden neuer Spiele verwendete. Nein, nicht dem Haare spazieren tragen, dass kommt zum Ende der Pubertät. 😉 Ich meine zum Nachdenken. Wo man merkt, dass auch mal Kritik an der Gesellschaft geübt werden muss. In diese Phase knallten die „Simple Minds“ mit „Belfast Child“ wie ein Vorschlaghammer direkt in die Fresse rein.

Aber nicht weil der Song so brachial hart war, sondern im Gegensatz zu seiner Brisanz im Text sehr sanft daher kam. Von den „Simple Minds“ war dann auch folglich meine erste LP, die „Street Fighting Years“(Amazon-Partnerlink), welche bei mir erst Jahre später folgen sollten, doch dazu mehr in der nächsten Ausgabe.

Flittern in sweet home Alabama (9) – Walking in Memphis

Die zweite Nacht in der Nähe eines Flughafens war bedeutend ruhiger. Könnte auch daran gelegen haben, dass der Flughafen in Hamilton ein bisschen kleiner ist als der in Atlanta.

Das Days Inn bot auch beim Frühstück (etwas) mehr Auswahl. Zum Beispiel konnte man sich hier die Waffeln selber machen. Man goß aus einem Kasten (oder war es ein Fäßchen?) Waffelmischung in einen Becher und dieses wiederum ins Waffeleisen. Dank Susanne waren wir bereits auf deren Funktionsweise hingewiesen worden, denn andere Gäste, bei denen wir es abgucken hätten können, gab es nicht. Also man gießt die Pampe das Zeug die Mischung ins Waffeleisen, welches fest in einem drehbaren Mechanismus eingearbeitet ist. Die obere Klappe schließt man, dreht das Eisen und dann beginnt ein Countdown. Wenn dieser abgelaufen ist, piept es und die Waffel ist fertig. Und verdammt, war die lecker. Und sättigend.

Das musste sie auch sein, denn wir hatten eine zweieinhalbstündige Fahrt nach Memphis noch vor uns. Kurz vor dem Ziel hieß es dann: Hallo Bundesstaat Nr. 6. Tennessee.

Kaum in Tennessee dachte ich auch schon, dass Lucy zur Losi geworden ist. Oder wie ließ es sich erklären, dass wir plötzlich im wohl bekanntesten nördlichsten Dorf der USA zu sein schienen?

Waren wir natürlich nicht. Wir waren in Memphis, genau da, wo wir hinwollten. Und in Memphis wollten wir zu einigen weiteren Orten hin. Memphis, die Geburtsstadt des Rock ’n‘ Roll. Ich wette, ihr wisst nicht, wofür Memphis noch bekannt ist.

Na?

Ich verrate es Euch. Memphis ist berühmt für seine autofahrenden Hunde. Glaubt ihr nicht? Hier der Beweis:

Jaja, Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Als Susanne uns erzählte, dass der Führerschein in den USA 23,50 $ kostet und man für den Schein lediglich eine theoretische Prüfung bestehen muss und einmal um den Block fahren, um zu beweisen, dass man weiß wo das Gaspedal ist, hatte ich gedacht, dass es nur für Menschen gilt. Dieses Foto beweist was anderes.

Wobei, in Deutschland fahren viele nicht besser. 😉

Unser erstes Ziel in Memphis sollte Graceland sein. Lucy und die amerikanischen Schilder halfen uns dabei.

Und wie schon beim Georgia Aquarium in Atlanta so verstummte auch Lucy bei der Ankunft und das Leitsystem der Amerikaner übernahm die Führung zum Parkplatz. Zehn Dollar sollte ein Stellplatz kosten. Steffi war sich nicht mehr so sicher, ob der Besuch in Graceland das wert ist.

„Auf jeden Fall! Hier geht es um den King of Rock. Ohne den hätte es System of a Down nie gegeben! Oder Metallica!“

Ob ich da nicht übertreiben würde, was hat SoaD denn mit Elvis zu tun.

„Ich übertreibe keineswegs. Wenn Elvis den Weg nicht geebnet hätte, dann würde es die Musik in der heutigen Form nicht geben.“

Jedenfalls erzählte mir das immer ein Freund aus alten Zeiten, der am Todestag von Elvis immer in einem Anzug rumlief. Ich selbst hatte nie einen Bezug zum King. Ich wollte einfach nur, wenn ich schon in Memphis bin, Graceland sehen. Koste es, was es wolle.

31 $ pro Person. Geht doch. Hätte mehr erwartet. 😉

Graceland ist perfekt organisiert. Der Parkplatz ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite und man betritt dort eine große Empfangshalle, wo man die Tour bezahlt. Man tritt wieder heraus und steht praktisch an der Bushaltestelle für die Shuttlebusse. Die obligatorische Leibesvisitation, freundliche Securities weisen auf die nicht erlaubten Videokameras hin, die man in bereitsstehenden Schließfächern aufbewahren kann. Dann noch das Foto vor der grünen Wand, die keine grüne Wand war, sondern das Eingangstor von Graceland in Originalgröße.

In der Warteschlange, die sich in erfreulichen Grenzen hielt – gerade 25, vielleicht 30 Menschen warteten mit uns – bekommt man ein Audiogerät mit Kopfhörern. Die jeweilige Sprache kann eingestellt werden und ist akzentfrei. Man versteht die deutsche Audiospur auch so wie sie ist…deutsch. Und nicht sächsisch oder bayrisch.

Im Shuttle, der ca. 20 Personen fasst, geht es dann über die Straße und man wird direkt vor dem Anwesen rausgeschmissen.

Eine Führerin erklärt noch mal, dass Video-, Ton- und Blitzlichtaufnahmen nicht erlaubt sind. Sie kommt zwar noch mit rein, aber nur für den Fall, dass bei jemanden das Audiogerät nicht funktioniert. Ab jetzt sorgte nämlich das Gerät für die akustische Untermalung der Tour. Diese führte über das Wohnzimmer, dem Schlafzimmer der Eltern und durch das Esszimmer zur Küche. Dahinter ging es in den berühmten Jungle Room, der bereits in Mark Cohns Hit „Walking in Memphis“ eine Rolle spielt (was mir und Steffi nicht klar war, bis wir das Lied Karfreitag auf den Weg nach Friesland hörten und bei der Zeile uns verdutzt anschauten).

Nicht alles ist jedoch geschmackvoll eingerichtet. Graceland wurde in den Sechzigern und Siebzigern von Elvis himself eingerichtet und viele Räume strahlen auch den Glanz dieser Zeit aus (das Obergeschoss mit Elvis‘ Privaträumen ist von der Führung ausgeschlossen). Der Jungle Room, sein Musikzimmer, die Küche oder das Raquetballgebäude sind durchaus ansprechend eingerichtet. Was den King aber im Billardzimmer geritten hat, bleibt wohl sein Geheimnis.

Die Tour führte nach draußen, wo man kurz das Büro durchquerte und danach an den Pferden vorbeischlenderte. Dann ging es wieder ins Hauptgebäude zurück, wo man an einer Bilder- und Videowand einen Überblick über die Leistungen von Elvis Prestley bekam. Richtig beeindruckend wurde es jedoch in der Hall of Gold.

Als einziger Künstler über eine Milliarde verkaufte Schallplatten, zig goldene und platine Schallplatten und diverse andere Auszeichnungen wie Grammys. Hier in diesen Räumen beginnt man, die Leistungen und das Schaffen von Elvis Prestley zu begreifen.

Ja, noch waren wir zu Scherzen aufgelegt. 🙂

Die Hall of Gold ging noch weiter. Am Ende des Ganges machte dieser eine 180 Grad-Drehung und verlief zurück. Hier waren sein filmischer Werdegang aufgezeigt, verziert mit Kostümen, Filmplakaten und Fernsehern, die seine Filme zeigten. Auch die Hochzeit mit Priscilla Prestley war Thema.

Am Ende des Ganges ging es wieder in einer 180 Grad-Drehung zurück. An diesem Scheitelpunkt gab es folgendes zu sehen:

Zu sehen ist hier eine Tafel, auf der verschiedene Organisationen sich bei Elvis für seine Spenden bedanken. Der King hat viele Hilfsorganisationen mit großzügigen Beträgen unterstützt, aber auch viele Privatpersonen in finanzieller Not geholfen und deren Schulden bezahlt. An die große Glocke hat er nichts davon, weshalb diese Seite von Elvis Prestley eher unbekannt ist.

Danach ging die Ausstellung mit seiner Rückkehr auf die Bühne weiter und endete mit der Verleihung zu einem der zehn einflussreichsten Geschäftsleute Amerikas. Daneben stand ein Ölgemälde, bei denen uns klar wurde: Niemand ist wie der King.

Dahinter ging es aus dem Hauptgebäude raus und weiter ins Raquetballbuilding. Im Vorraum, wo sich Flippergeräte befinden, verbrachte Elvis seinen letzten Abend mit Freunden, wo er für diese am Klavier spielte.

177 – Raquetball Building

Dahinter kommt man in einem sehr hohen Raum, in dem es einen letztmalig die Sprache verschlägt. Hier wird neben seinen internationalen Erfolgen und Auszeichnungen sein wohl bekanntester Live-Auftritt auf mehreren Monitoren gezeigt. Und bei der Perfomance der American Trilogy und dessen furiosen Finale hatte ich dann endgültig Pipi in den Augen.

Als die Tränen getrocknet waren und wir mehrfach Menschen kommen und gehen sahen, machten wir uns auch auf den Weg nach draußen. Durch den Meditation Garden ging es jetzt an das legendäre Grab. Zwischen seinen Eltern, seiner Großmutter und einer Gedenktafel seine Zwillingsbruder liegt er begraben oder auch nicht. Zum Scherzen war uns nach dieser Tour jedenfalls nicht mehr.

Uns ist klar geworden, dass hier die bedeutendste Person der neuzeitlichen Musikgeschichte liegt.

Jetzt waren wir in Memphis und wollten noch mehr Geschichte erleben. Dabei waren wir so euphorisch, dass wir gerade noch rechtzeitig auf dem Parkplatz bemerkten, dass wir die Videokamera noch im Schließfach hatten. 😉

Nun war unser Bedarf an Toten eher gedeckt, sonst hätten wir sicher noch die Stelle aufgesucht, wo Martin Luther King ermordet wurde. Aber wie gesagt, noch ein toter King wäre uns zu viel geworden.

Stattdessen waren wir heiß auf Musikgeschichte. Dabei war schon vorher klar, dass ich nach Graceland auf jeden Fall das Sun Studio (nein, dass ist kein Solarium…) sehen wollte. Und ich konnte das ohne Probleme Steffi schmackhaft machen, nahm doch unter anderem Otis Redding hier Platten auf. Jedenfalls ging ich davon aus, bis ich drin war und nie auch nur Otis Redding erwähnt wurde. Eine kurze Recherche später…egal, wir waren bei Sun Records! 😉

Bevor wir jedoch reingingen, musste unbedingt etwas gegen unseren Kohldampf getan werden. Steffi sah auf der Union Avenue bereits ein Arby’s und der fehlte uns noch auf unserer Besucherliste. Also zurück die Union hoch und bei Arby’s auf den Hof. Da fällt mir ein, wir haben in Amerika nicht einmal den Drive-In benutzt, sondern sind immer rein. Und das war bei Arby’s mit einem Hingucker belohnt worden.

Was wir nämlich nicht geschnallt haben, als wir unseren Burger mit geringelten Pommes im Menü bestellten, uns hinsetzten und das genüsslich mümmelten, war der Umstand, dass mitten im Restaurant ein Baum wuchs. Steffi (natürlich) machte mich darauf aufmerksam.

Noch halb kauend ging es zurück zum Sun Studio. Bloß keine Zeit verlieren. Vor allem Steffi drehte jetzt auf. Ja, Steffi, die vor Graceland noch so zögerlich war (Meinst Du wirklich? Was hat das mit mir zu tun?). Jetzt zog sie mich hinter ihr her. Noch schnell ein Erinnerungsfoto vorm Gebäude…

und rein! Moment! Was ist mit der Kamera los? Das Display bleibt dunkel. Ausmachen, anmachen. Ohne Nachricht schaltet sie sich sofort wieder ab. In den Betrachtungsmodus. Kein Problem. Oh F.U.C.K.! Nicht jetzt. Komm schon. Anmachen. Aus geht sie von alleine…

Okay, calm down and take a deep breath. Vielleicht mal Batterien wechseln? Es klappt, puh. Glück gehabt. Jetzt aber rein.

Beim eintreten sitzt der dunkelhaarige Typ rechts hinterm Tresen mit einer Klampfe und bearbeitet die liebevoll. Steffi, so in Stimmung gekommen, ist jetzt für alles zu haben. Freundlich spricht uns Jason, so sein Name, an.

“ Hi Leute, willkommen in den Sun Studios. Die nächste Führung beginnt in einer knappen halben Stunde. Wollt ihr die mitmachen?“

Steffi: „Was soll uns das denn kosten?“

Jason: „12 Dollar pro Person.“

Steffi: „KLAR. Da sind wir dabei!“

Das ist meine Steffi, wie ich sie liebe. 🙂

Wir stöberten in den T-Shirts rum, fanden aber leider nichts passendes. Dabei hätten wir gerne ein Mitbringsel aus dem Studio mitgenommen. Hat jedoch nicht sollen sein. Für Steffi war kein schönes T-Shirt in ihrer Größe dabei und andere Mitbringsel waren dann doch irgendwie zu teuer.

Um halb ging die Tour los und Jason war ein begeistender Redner. Im typisch amerikanischen Stil (wie oft habe ich jetzt schon diese Aussage getätigt?) machte er uns klar, dass hier an diesem Ort Musikgeschichte geschrieben wurde. Hier in diesen Räumen wurde der Rock’n’Roll geboren. Und wir sind in der glücklichen Lage in dem Raum zu stehen, wo Elvis Prestley, Johnny Cash, Roy Orbison oder Jerry Lee Lewis auch schon standen.

Zuerst ging die Ausstellung durchs Obergeschoss, wo Exponate ausgestellt waren und er uns anhand von verschiedenen Musikstücken aufzeigte, wie sich die Musik in den 50-ern entwickelte. Und worin die besondere Leistung von Elvis Prestley lag. Und wer war es, der Elvis Prestley das erste Mal zu hören bekam?

Nicht Sam C. Phillips, der Besitzer des Studios. Sondern seine Vorzimmerdame Marion Keisker, die in Abwesenheit von Phillips den jungen Elvis empfing. Der nahm eine Platte für seine Mutter auf und es sollte fast ein Jahr dauern, bis Elvis wieder ins Studio zurückkehrte und mit „That’s all right (Mama)“ sein erstes von vielen erfolgreichen Liedern aufnahm.

Und nach dem Vorzimmer waren wir in dem Raum, wo auch schon B.B.King, Johnny Cash und natürlich Elvis Prestley standen und ihre Hits einspielten. Auf diesem Kreuz stand Elvis!

B.E.E.I.N.D.R.U.C.K.E.N.D…

Jetzt mussten wir das mal etwas ruhiger angehen, sonst sprengt noch unsere Schädeldecke weg. Doch die Beale Street mussten wir einfach noch mitnehmen. Ein Parkplatz war schnell gefunden, stehen um die Beale Street das FedEx-Forum und das Stadion der Redbirds. Von daher mangelte es nicht an Parkmöglichkeiten, wenn man bereit ist, fünf Dollar abzudrücken.

Bevor es in die Beale Street rein ging, mussten wir noch einen kleinen Spaziergang die Front Street hoch machen. Denn da war doch was…

Auf den Weg zurück beobachtete ich schon von weitem einen Bettler, der kurz bevor wir ihn erreichten, einen Geschäftsmann ansprach, der wiederum aus seiner Hosentasche Kleingeld für ihn rausholte und es ihm gab. Da fiel mir ein, dass Susanne uns sagte, dass Amerikaner ihr Kleingeld in der Hosentasche rumtragen. Das ihre Portemonnaies kein Münzfach hatten, fiel mir nämlich schon beim Shoppen im Outlet-Center auf, wo ich keine Geldbörse fand.

Jedenfalls sprach uns der Bettler an und was sage ich?

„Sorry, we’re germans. We have no change in the pocket.“

Wie arrogant ist das denn bitte? Klar wusste ich gerade nichts besseres zu sagen. Aber der wird seine Meinung über Deutsche jetzt dank mir gefestigt haben…

Ja, dann waren wir endlich da…

Die Straße ist wirklich faszinierend. Wenn auch etwas kurz. In Google Maps wirkt sie bedeutend länger. Ist sie auch, aber der interessante Teil der Beale erstreckt sich von der Front Street bis zur 4th Street. In diesem Bereich sind lauter Klubs in denen Livemusik gespielt wird. Und in welchen Klub gehen wir? Ins Hardrock-Cafe.

Das es überall auf der Welt gibt. Wobei es mein erster Besuch in einem Hardrock-Cafe war. Von daher eine nette Premiere. 😉

Und nett wurde uns die Zeit im Cafe auch gemacht. Steffi bestellte einen hochprozentigen Cocktail, ich ein belgisches Bier (das in Amerika gebraut wurde). Die Alkoholgrenze in den USA ist ja etwas höher angesiedelt als in Deutschland. Was aber egal ist, da ein amerikanischer Polizist kein Auto nur wegen eines Verdachts anhalten darf. Wenn also alle Lichter in Ordnung sind und man nicht Schlangenlinien über die Interstate fährt, kann man auch mit zwei Promille fahren. Scheißegal!

Um meinen Versicherungsschutz nicht zu gefährden, blieb es meinerseits bei einem Bier. Steffi hatte nach dem heftigen Cocktail wohl auch genug. Wir schlenderten noch weiter zum Coyote Ugly, da war nur gar nichts los. Und wenn man schon ins Coyote Ugly geht, dann muss da auch was los sein. Nicht aber, wenn wir die einzigen Gäste wären…

Also schlenderten wir die Beale Street wieder hoch, setzten uns Rufus Thomas zu Füßen und lauschten den Klängen einer Blues-Band, die dort im Park spielten. Wir spazierten weiter Richtung Westen an den Kutschen und der Elvis-Statue vorbei, immer weiter, um unseren Bekannten wiederzusehen.

Die Sonne setzte langsam zum Feierabend an und wir hatten die Wahl. Entweder wir setzen uns in der Beale Street noch irgendwo rein. Oder wir fangen mit dem Rückweg an und suchen südlich von Memphis ein Motel. Zum Glück entschieden wir uns für Tor zwei, da die Suche nach einem Motel etwas länger dauerte. Wir gingen zurück zum Auto, machten vorher noch einen Schlenker bei Starbucks um Kaffee zu holen und das Bier wegzubringen. Dabei hatten wir in einer Seitenstraße mal wieder die Gelegenheit, den ganz normalen Wahnsinn auf Amerikas Straßen zu fotografieren.

Ach ja, bevor es in südlicher Richtung aus Memphis raus ging, verließen wir die Stadt kurzzeitig in westlicher Richtung. Wie auf dem obigen Bild vor dem Mississippi zu sehen ist, waren wir nicht weit weg von unserem siebten Bundesstaat. Und den mussten wir einfach noch mitnehmen. Also mal eben über die De Soto Bridge nach Arkansas rein.

Die nächste Ausfahrt raus und wieder zurück. Dann ging es auch wirklich in südlicher Richtung aus Memphis raus. Die untergehene Sonne nutzte Steffi für eins meiner persönlichen Lieblingsbilder unserer Amerikatour.

Kaum aus Memphis raus, waren wir auch schon im Bundesstaat Mississippi. Wir wussten ja, dass man in den Welcome Centern Coupons für Motels besorgen konnte, was wir geflissentlich taten. Leider hatte das Welcome Center schon dicht. 😦

Uns hatte Susanne ja noch einen anderen Tipp mit auf den Weg gegeben. Geht einzeln ins Motel, fragt nach dem Preis und der Ausstattung und geht mit dem Hinweis raus:

„I have to check this.“

Das tat Steffi dann auch fleißig. Allerdings mussten wir einige Motels ansteuern, weil sie entweder zu teuer waren oder kein Internet hatten. Und ohne wollten wir ja auch nicht. 😉

Letztlich verschlug es uns nach Batesville in ein Motel, was besser war als Bates Motel. 😈

Leider war das Doppelbett im Zimmer getrennt. Für die eine Nacht war das aber zu verschmerzen…