Gewitzt der Junge

Mann oh Mann war das ein heißes Wochenende. Hier in Delmenhorst sind wir dahingeschmolzen. Leider konnte ich das gute Wetter aufgrund von kleinen bis mittleren Wehwechen nicht so recht ausnutzen und verbrachte die meiste Zeit innerhalb unserer 4 Wände. Ich glaube, Nicolas war nicht bös drum, denn wo ihm bereits in seinem Spieledschungel der Schweiß von der Stirn lief, waren es in seinem Kinderwagen gefühlte 40°Grad – gestaute Luft – kein Wind. Trotzdem, irgendwie fehlte was… daher kam der abendliche Anruf meiner Mama genau richtig. Nach dem üblichen Wortwechsel „Wie gehts?“ / „Was machen deine Jungs?“/ „Gibt’s was Neues?“ eröffnete sie mir, dass sie morgen (also Montag nach dem Wochenende) mit meiner Schwester und ihren Kidis zum Strand fahren würden. „Och wie schön“, dacht ich noch so bei mir, „da weht bestimmt ein laues Lüftchen, da lässt es sich gut aushalten.“ Meine Mama machte auch gleich den Vorschlag, ob ich denn nicht mitkommen wolle – naja, eigentlich hatte ich schon andere Pläne. Nachdem wir das Telefonat beendet hatte, dachte ich noch mal gründlich über die Alternative (in der Sonne brutzeln und Meerluft schnuppern :  Nicolas die letzte Schluckimpfung verabreichen) nach. Ich entschied mich meine Mama davon in Kenntnis zu setzen, dass sie auf mich zählen können, ich werd mich gleich morgen früh, nach Nicolas Morgenflasche, auf den Weg nach Hooksiel machen. Die 1 Stunde Autofahrt wird sich lohnen. 

Gleich „morgen früh“ wurde dann zu 8.40 Uhr, weil Kind fertig machen, mich fertig machen, alle nötigen Klamotten zusammenpacken doch länger dauert, als man das so im Kopf annimmt. Trotzdem freute ich mich riesig, da ich morgens schon gleich nach dem Duschen wieder zerfloss und auch Nicolas beim Trinken seiner Flasche Schweißperlen auf der Stirn hatte. Mein Weg führte mich von der Autobahn direkt zum Strand – naja, fast – ich musste noch bei der Tanke halten, weil mir Stefans Wagen auf halber Strecke mit dem Leuchtsignal „Sprit wird knapp“ drohte, was wiederrum zusätzliche Schweißperlen auf meiner Stirn verursachte. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich bin nach 1 Stunde 15 Minuten an meinem Ziel angekommen. Und mich empfing: Wind! Achja, und Wolken! Kurzum, es war kalt!   ….   

Hmm, so hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt. Aber trotzdem habe ich Sack und Pack aus dem Auto geräumt und mich als Packesel auf den Weg zum Strand und somit zu meiner Schwester gemacht. Neo, mein Neffe, empfing mich schon kurz vor dem Lageplatz. Naja, ein herzlicher Empfang war das eigentlich nicht. Er rannte mir entgegen, sah mich, drehte sich um, um dann seiner Mama zuzurufen, dass „Sie“ da sei. 🙂 Nachdem ich alles abgeladen hatte, bin ich auch sogleich mit dem Kleinen ins Watt. Nicht ganz sofort, weil Neo musste erst noch ein paar Kekse futtern. Meine Schwester hatte für ihn leckere Leibnitz Kekse in Tierform mitgenommen. Und mit jeden Griff in die Tüte wurde sogleich gefragt: „Was ist das denn?“ oder festgestellt „Guck mal, ein Schaf, Löwe, Hase…“ was er halt so in der Hand hielt. Leider fiel ihm bei der Aktion auch einmal ein Pinguin in den Sand. Den er aufhob, betrachtet und für sich beschloss, dass er zu dreckig ist, ihn zu essen und ihn wieder zurück in die Tüte beförderte. Neo ist mittlerweile 2 3/4 Jahre alt, aber echt auf zack. Somit war unsere kleine Wattwanderung, nach der Keksstärkung auch mit lauter Fragen und Belehrungen seinerseits geschmückt. Er zeigte mir Krebse, die man aber nicht anfassen dürfe, sonst machen die „Knips – Knips“ und Wattwurmhäufchen, Steine und Muscheln. Algen, die er noch nicht kannte, wollte er allerdings dann doch noch nicht anfassen 😉

Nun komm ich zum eigentlichen Teil meiner Story. Muss schon sagen, die Einleitung ist ausschweifender geworden, als beabsichtigt :oops:. Zurück am Strand war es mittlerweile angenehm warm und Nicolas machte sich so langsam auch mal bemerkbar. Ich machte also eine Flasche für unseren Sohnemann fertig, während meine Schwester dem heranrollenden Wasser entgegen lief. Neo war derweil wieder mit seiner Hauptaufgabe beschäftigt: Kekse betiteln und essen! Als ich Nicolas so auf dem Arm hatte und ihm die Flasche gab, gelüstete es mich auch mal nach einem Keks. Neo teilt nämlich immer sehr gerne. Also fragte ich ihn, ob er mir denn auch einen Keks geben würde. Neo wühlte in der Tüte und zog einen Keks heraus und hielt ihn hoch.

„Willst du eine Eule?“

„Ja, gerne“.

Doch während meiner Antwort war der halbe Keks schon in seinem Mund verschwunden, den er dann aber schnell wieder rauszog.

„Ja?, die Eule?“, fragte er mit schräggestelltem Kopf

„Ähmmm… nee, jetzt nicht mehr, die hattest du ja schon im Mund. Gib mir doch einfach einen Keks aus der Tüte. Musst ihn mir aber direkt in den Mund legen, ich hab ja keine Hand frei.“ 

„Einen Löwen?“

„Neo, ist mir egal welches Tier. Bitte, einfach einen Keks in meinen Mund.“

„Einen Pinguin?“

„Ja, gerne auch einen Pinguin“ *seufz*“

Neo griff nochmals gezielt in die Tüte, machte ein paar Schritte um die Decke herum, um mir mit ausgestrecktem Arm den Pinguinkeks direkt in den Mund zu legen.

„Mmmm, danke Neo“, nuschelte ich mit vollem Mund

„Der ist aber dreckig!“, erwiderte Neo völlig trocken

„WAS? Wieso das denn?“, fragte ich und merkte schon die Sandkörner zwischen den Kekskrümeln.

„Der ist mir vorhin da runtergefallen.“, und zeigte auf die Stelle wo vorhin der Pinguin lag.

„Aha, und dann gibst du ihn also mir.“, sagte ich kopfschüttelt und grinsend

„Mhmm“, antwortete Neo und nickte eifrig mit dem Kopf.

Ich finde ein Foto von dem Jungen untermalt seine Schlitzohrigkeit. Also, das ist der kleine Mann:

Wenn die Einleitung schon so lang war, dann darf die Erzählung ja hier jetzt nicht einfach so abbrechen. Es gibt zusätzlich den wohlverdienten Schlußteil. 

Leider mussten sich Dany (meine Schwester), Pia (meine Nichte, 5 Monate), Neo (zu genüge bekannt), Nicolas (mein Sohn 5,5 Monate) und ich mittags schon wieder auf dem Heimweg machen, damit der Junge noch was zu Essen bekommt und eine kleine Mittagspause machen konnte. Am Nachmittag wollte wir wieder herkommen. Die Sonne war mittlerweile auch öfter vor den Wolken als dahinter und so war es muckelig warm als wir den Strand verließen. Voller Vorfreude auf den Nachmittag. Nach der kleinen Pause haben wir also wieder unsere 7 Sachen zusammengepackt und auch noch unsere Mama eingesackt und wieder auf zum Strand. Der Parkplatz war voll, der Strand war voll, das Meer war nun auch da, nur eins das fehlte: Die Sonne. Die Wolkendecke war nun so dicht, dass wenig Hoffnung bestand, dass wir die Sonne heut nochmal zu Gesicht bekommen würden. Angesichts der Tatsache, dass wir uns an der Nordsee befanden, wehte dazu noch ein recht frisches Lüftchen, um es mal milde auszudrücken. Im Bikini in der Sonne brutzeln war nicht. Aber immerhin konnte man es in kurzen Klamotten und nem Kaffee ganz gut aushalten. Die Babys wurden halt in Handtücher gewickelt und Neo durfte das Oberteil seine Mami als Ganzkörperoutfit (siehe oben) anziehen, da Badehose und Shirt bereits nass geworden sind. Am Abend gabs bei unserer Mama noch ein lecker Matjesbrötchen und dann hab ich auch schon wieder die Heimreise angetreten. Fazit des Ausflugs war: Für einen Strandausflug, wie man sich ihn vorstellt war der Tag ein Flop. Aber für die Zeit, die ich mit meiner Familie verbracht habe, hat sich die Fahrt auf jeden Fall gelohnt! Jederzeit wieder.

In Delmenhorst von der Autobahn abgefahren musste ich dann auch gleich zu meiner Rechten einen gestürzten Motorradfahrer sehen, der aber schon wieder auf den Beinen das Gespräch mit einem Autofahrer suchte. Da der Wagen vor mir an der „Unfallstelle“ oder um was es sich handelte, stehen blieb, bin ich weitergefahren. Einmal abgebogen und um eine etwas langgezogenere Kurve gefahren, traute ich dann wirklich meinen Augen nicht. Da lagen mitten auf der Straße 3 Gören, die, als sie mich heranfahren sahen, sich zur anderen Straßenseite rollten. Die ganz rechts stand noch auf und winkte mir. Zu sehen bekam sie nur einen mehr als verdutzten Gesichtausdruck und ein fragendes WTF-Kopfschütteln. Gerade dran vorbeigefahren, fragte ich mich, ob es nicht meine bürgerliche Pflicht sei, anzuhalten und eine spießige Moralpredigt abzulassen. da war ich aber auch schon zu weit vorbei. Als mir allerdings ein kleiner Corsa entgegen kam, gab ich ihm eine warnende Lichthupe. Somit hatte ich meinem Gewissen eine kleine Genugtuung verschafft…In der Wohnung angekommen, mit Stefans Hilfe wieder Sack und Pack (man, was hatte ich an diesem Tag viel geschleppt) nach oben getragen, mich vor den PC gesetzt und??? Genau, geölt wie am morgen. Denn hier war es den ganzen tag bullig warm gewesen und das spürte man immer noch am Abend.

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Exzellent

Heute (oder mittlerweile gestern :oops:) haben Steffi und ich meine Eltern zum Essen eingeladen. Mal so als „Danke schön“ für ihre aufgewendete Zeit, die sie für unsere Katze opfern, wenn wir in Friesland oder mal im Urlaub sind.

Da vom Weihnachtsgeschenk unserer Firma noch lauter ungenutzte Gutscheine vorhanden sind, suchten wir uns was hübsches aus. Diesmal sollte es ins Esszellent gehen. Daniel, mein Arbeitskollege beglückwünschte uns schon zu dieser hervorragenden Wahl. Das klang schon mal gut. 🙂

Normalerweise soll man ja erst loben, bevor man kritisiert. Hier ist es aber umgekehrt, denn mit der (letztlich erfolgreichen) Parkplatzsuche war das negativste des Abend schnell überstanden.

Der Empfang sehr freundlich, der Kellner immer souverän, das Ambiente stimmig und die Musik dezent, aber sehr schön.

Beim Bier wurde mein Vater eine Empfehlung gegeben, die ihm sehr schmeckte. Die Mädels nahmen Rhabarbar- bzw. Maracujaschorle. Der Fahrer (hier präsentiert von niemand geringerem als mir^^) bestellte eine Flasche Wasser.

Das Häppchen vorweg machte schon mal Lust auf mehr. Hier erklärte uns der Kellner, was es ist und aus was es zum größten Teil besteht, ohne die Geheimzutaten zu verraten.

Zu Essen bestellte Steffi Fisch in Curry-Kokos-Sauce mit Lauch und Zucchini, meine Mutter ähnliches mit Huhn und Vatern und ich Wildschweintortellini mit Shitake(?)-Pilzen. Vorab gab es noch Blattsalat und für meinen Vater ein Überraschungsvorspeisenteller. Da mein Vater kein Fisch mag, bzw. sich nicht drum reißt, fragte er vorsichtig nach, was für Überraschungen er erwarten dürfte. Die Antwort, wenig überraschend, wird nicht verraten, sonst wäre es ja keine Überraschung. 😉

Um mich herum wurde bei der Vorspeise schon laut gelobt ob des guten Essens. Jetzt versuchte ich mein Glück, dem Kellner ein Geheimnis zu entlocken. Wer die Sängerin im Hintergrund wäre, wollte ich wissen. Und er verriet es mir. So macht man das. 😉

Für die Interessierten hier: Angus & Julia Stone aus Australien.

Das Essen war geil. Richtig geil. Daniel kündigte schon eine gewisse Überschaubarkeit des Tellers an. Klar, vier Tortellini sind überschaubar. Aber riesig waren sie. Mein Hunger auch. Und satt war ich danach. Ein Häppchen probierte ich auch bei Steffi. Auch verdammt lecker.

Aber sollte es das schon gewesen sein? Nein, mein Vater und ich wollten nicht schon aufhören und bestellten noch Desserts. Er ein Apfelstrudel mit selbstgemachten Rum-Rosinen-Eis und ich frittierte Mangofrühlingsrollen und weißer Schokoladencreme. Darauf mussten wir etwas länger warten, aber…es wurde schließlich frisch zubereitet und Papas Dessert glich schon einem architektonischem Kunstwerk. 😉

Ein sehr schöner Abend, der dank einer guten Restaurantwahl zu einem perfekten Abend wurde. 🙂

Fazit: Fünf von vier Sternen für das Esszellent.

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Fazit zum Urlaub

Was bleibt abschließend zum Urlaub zu sagen?

  • Die sonst so in Verruf stehenden Russen und Engländer wussten sich im Gegensatz zu manchem Deutschen zu benehmen. Es waren die Deutschen, die mit überheblichem und arrogantem Verhalten einen zum Schämen brachten. Schoten wie die, dem Personal beim Abräumen der Essensreste mitzuteilen, dass könne er dann essen…sind absolute No-Gos. Genauso sich über die mangelnde Buffetauswahl zu beschweren, wenn man drei (3!) Sterne gebucht hat.
  • Wenn man gesagt bekommt, dass man das Leitungswasser nicht trinken sollte, dann sollte man das auch nicht trinken. Auch nicht dann, wenn man damit die Tabletten gegen Durchfall runterspült.
  • Die Türken glänzten durch eine Gastfreundschaft, von der unsere Angestellten im Hotel- und Gaststättengewerbe auch lernen können. Damit will ich nicht alle Angestellten in unserem Hotelgewerbe diskreditieren, schließlich müssen die für ein karges Gehalt und irren Arbeitszeiten ihr Lebensunterhalt bestreiten. Aber das müssen die in der Türkei auch.
  • Es stimmt nicht, dass die Türken einem ständig hinterherlaufen und „Wolle kaufe“ rufen. In stark frequentierten Touri-Gegenden, wo viele Marktstände Konkurrenz schaffen, ist das doch ganz normal. Aber in so ruhigen Gegenden wie Turunc kann man unbehelligt durch die Straßen gehen, ohne ständig angequatscht zu werden. Man muss auch immer schauen, wo und wie man selber Urlaub macht, statt immer über bestimmte Begebenheiten zu meckern.
  • Das Wetter dort war super. Hier in Deutschland dagegen…die ersten fünf Tage regnete es…

Ich denke, abschließend kann man sagen, dass die positiven Merkmale die negativen (wie Meckerdeutsche und Durchfall) um Längen überwiegen. Wenn nur das Fliegen nicht wäre. 😉

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Home, sweet home (Türkei, 8. Tag)

Fühlten wir uns am Vortag schon wie Zombies, die planlos durch das Zimmer strichen, so war an diesem Tag die Gewissheit dabei. Lediglich der Hunger nach Hirn fehlte…dafür waren die Krämpfe im Bauch zu stark, als das bei uns ein Gefühl von Hunger entstehen konnte.

Ohne Frühstück ging es also los. Diesmal waren wir sogar vor dem Bus auf der Straße. Vorher gaben wir noch den Schlüssel beim Nachtportier ab und wechselten unsere letzten türkischen Lira in Euro zurück. Das war der erste Gefallen, den er uns tun sollte. Beim zweiten Gefallen drückte ich ihm schon sein Trinkgeld in die Hand, denn der war etwas komplizierter. Angesichts seiner schlechten Englischkenntnisse noch komplizierter als ich mir ausmalte.

Denn es wahr so: Joost und Beata, unsere Urlaubsbekanntschaft der letzten Tage erzählten uns von ihrem Leid. Beim Reisebüro hatten sie ihre Hochzeitsreise bestellt, mit Honeymoonsuite und allem drum und dran, wie Sektempfang und Blumen auf dem Bett. Jedenfalls haben sich sich letztgenanntes so vorgestellt. Bekommen haben sie ein Zimmer im Erdgeschoss mit Blick auf die Müllcontainer. Da waren die getrennten Betten noch nicht mal das schlimmste. Von Sekt und Blumen, man ahnt es schon, keine Spur. Nach einer kurzen Beschwerde bekamen sie dann Zimmer im zweiten Stock, aber auch hier getrennte Betten, kein Sekt, keine Blumen. Aber wenigstens der Blick war etwas freundlicher…

Wir dagegen hatten bei unserem Zimmer den Eindruck, dass er wie eine Honeymoonsuite wirkt. Wir hatten das Zimmer ja auch unter merkwürdigen Gegebenheiten bekommen…eigentlich waren wir uns sicher: Wir haben deren Zimmer. Jetzt sind wir weg, also warum sollten die beiden nicht noch mal umziehen. Dann hätten sie wenigstens ein großes Bett und eine durchgängig funktionierende Klimaanlage. Denn deren Anlage schaltete sich nach vier Stunden ab. Unsere auch, aber auch sofort wieder an. Wenn wir aufwachten, dann in angenehm kühler Umgebung. Wenn die beiden frisch verheirateten aufwachten, waren sie klatschnass geschwitzt. Und von Sekt und Blumen haben die Zwei sich sicher schon längst verabschiedet.

Also dem Portier mit Händen und Füßen erklärt, dass die netten Leute unser Zimmer bekommen sollten. Leider verstand er nicht mal married. Aber als Nachtportier bekommt er viel vom Nachtleben mit. So beobachtete er uns in der Nacht schon beim gegenüberliegenden Pub und konnte sich an die Zwei erinnern. The guy who walked like this und machte dabei wankende Bewegungen. Ja, das dürfte hinkommen. Wir zeigten auf das vermutete Zimmer, von außen bestätigten wir das noch mal und sind bester Hoffnung, dass sie unser Zimmer bekommen haben. Ich frage aber auch noch per Mail bei Joost und Beata nach.

Nach dieser guten Tat standen wir also auf der Straße und machten noch ein paar Abschiedsfotos.

So zum Beispiel vom Pub, in dem wir uns ein paar Stunden zuvor von Joost und Beata verabschiedeten, die uns binnen kürzester Zeit ans Herz gewachsen sind.

Es überwiegte bei uns beiden ein großes Gefühl der Trauer, dass dieser schöne Urlaub schon zu Ende sein sollte.

Während der zweistündigen Fahrt zum Flughafen versuchte Steffi noch ein besonderes Straßenschild zu fotografieren. Dieses hier:

Bei unserer Ankunft war mir die Bedeutung noch nicht so ganz bewusst. Ich dachte doch allen ernstes, dass man sich gegen Schleudern und Absturz in die Schlucht besonders absichern muss. Erst nach langem Nachdenken war mir klar, dass damit die Rutschgefahr bei Nässe gemeint sein sollte…

Nach dem Foto schlief Steffi den Schlaf der Gerechten, während ich die letzten Anblicke der Türkei genoss. Während des Fluges war bei mir an Schlaf auch nicht zu denken. Gedöst habe ich zwar etwas, aber schlafen? Bei dem Gerüttel? No way…

Beim Start und bei der Landung versuchte ich meine Nervosität zu überspielen, weil neben mir zwei Kinder saßen. Um diese kümmerte ich mich während des Fluges etwas, z.B. wenn die Stewardess kam und Essen und Trinken verteilte.

Die Landung war dann etwas sanfter als in der Türkei, jedenfalls was den Bremsvorgang anging. Aber bei der Passkontrolle können die deutschen Kollegen vom Zoll noch von den türkischen Kollegen lernen. In einem dazwischengequetschten Schalter saßen zwei Zollbeamte und kontrollierten die Pässe. In Dalaman waren etablierte Schalter, wo sechs Zollbeamte die Pässe kontrollierten. Und als in Hannover dann auch noch das Personal des Fliegers an der Schlange vorbei durfte und der Pilot noch in seiner Tasche rumkramen musste, um seinen Ausweis zu finden, war ich auch launetechnisch zurück in Deutschland.

Von unserem Klopfer mit dem Parkhaus will ich gar nicht erst erzählen. Geparkt hatten wir in Touristik 1, der allerdings zum Parkhaus 3 gehört. Wir wetzten also zum Parkhaus 1 in dem Glauben, dass dort unser Auto steht. Wir bezahlten dort fleissig unsere Parkgebühren, schauten noch mal auf die Karte, wo wir unseren Stellplatz notiert hatten und stellten fest, dass wir unsere Beine in die Hand nehmen mussten und zum Parkhaus 3 zurück mussten. Das erklärte wenigstens unsere Verwunderung darüber, dass bei der Ankunft wir nicht so weit zum Flughafengebäude laufen mussten.

Ging aber noch mal alles gut, rauf auf die Straße und gleich auf die Autobahn. Nach zwei Kilometern war dann Schluss mit Bleifuss, denn rund um Hannover waren alle Autobahnen dicht und so standen wir die nächsten unzähligen Kilometer im Stau. Jetzt waren wir wirklich zurück in Deutschland…

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Lernen kann Spaß machen (Türkei, 7. Tag)

Um viertel vor fünf klingelte unser Wecker. Wie zwei Leichen wankten wir durch das Zimmer. Ob sich der Imam morgens auch so fühlt? Bei dem brannte jedenfalls schon Licht.

Damit hier niemand dumm stirbt. Am Tag vorher begann Ramadan und während dieser Zeit zeigen die Moscheen die Zeit des Iftars an, indem die Minarette leuchten. Jedenfalls bei der hier.

Um halb sechs waren wir soweit fertig, zehn Minuten später sollten wir eigentlich abgeholt werden. Noch mal die letzte Gelegenheit nutzen, um auf Toilette zu gehen. Plötzlich klingelte das Telefon, von dem wir zwei auf dem Zimmer hatten. Eins direkt neben der Schüssel und eines im Fernsehzimmer. Steffi und ich waren gleichzeitig dran, so dass wir beide gleichzeitig wussten, dass unser Bus unten auf uns wartet. Na die sind aber früh dran.

Zwischendurch sammelten wir noch andere auf und in Marmaris wurde dann in einen größeren Bus umgestiegen. Dort lernten wir auch unseren Reiseleiter kennen. Der sprach verhältnismäßig gut deutsch. Verhältnismäßig deshalb, weil er den einen oder anderen Klopfer raushaute, wie z.B. Kreuzschiffe (gemeint war Kreuzfahrtschiffe), aber im Vergleich zu den anderen Reiseleitern, die wir in Ephesos hörten, wenigstens ganze Sätze sprechen konnte. Und sein gutes Deutsch präsentierte er auch während der Fahrt, als er uns von der Geschichte und den Mythen der Stadt Ephesos und der Umgebung erzählte. Auch über die Flora, Fauna und den Menschen konnte er während der Fahrt immer wieder was erzählen.

Nach zwei biologischen Pausen, so nannte unser Reiseführer die Zwischenstopps, kamen wir um kurz vor elf Uhr in Ephesos an. Bei geschätzten 44 Grad und gefühlten 56 Grad ging es durch die Ruinen der über 3000 Jahre alten Stadt.

Und so präsentierte sich die Stadt dann für uns.

Zuerst ging es durch das Verwaltungsgelände, wo im Odeon vermutlich Kammerkonzerte gespielt und politische Reden gehalten wurden. Direkt dahinter lag das Rathaus. Im folgenden Bild links zu erkennen. Das Odeon umfasste „nur“ 1800 Personen.

Natürlich nutzte ich auch die Möglichkeit, die umliegende Landschaft zu fotografieren, die mich wirklich fasziniert hat.

Weiter ging es zum Platz vor dem Domitiantempel, wo ein antiker Kreisverkehr zu erkennen war. Kein Wunder, trafen hier drei Hauptstraßen aufeinander.

Weiter ging es die Kuretenstraße hinab Richtung Bibliothek. Mittlerweile waren wir eine gute halbe Stunde unterwegs und das folgende Bild beschreibt diese halbe Stunde ganz gut.

Am Ende der Kuretenstraße befinden sich links die Hanghäuser, die Säulen als „Hausnummern“ vor der Tür hatten. Gar nicht so abwegig, denn wenn ich beschreibe, wo ich wohne, dann sage ich auch:

Zwischen dem Imbiss und dem Friseur ist unsere Haustür.

So ist es nur logisch, dass früher gesagt wurde:

Hinter der längs gerillten Säule ist mein Haus.

Wie jeder sicherlich weiß, ist Ephesos die Stadt eines der sieben Weltwunder und zwar des Artemistempels. Deshalb ist auch die Statue der Artemis allgegenwärtig. Im folgenden Bild ist also kein Phallussymbol abgebildet, sondern die griechische Göttin der Jagd und des Waldes.

Leider gab es auch nicht so schöne Bilder zu sehen. In der öffentlich Latrine, wo Geschäfte gemacht wurden, fotografierte ich das:

Ich krieg die Tür nicht zu. Da läuft man durch die Ruinen einer der größten Städte in der Antike, bewundert die imposanten Bauten der Menschheit, die über 3000 Jahre auf dem Buckel haben. Und dann schmeißt man seinen Müll einfach in das nächstgelegene Loch? Wie dumm und ignorant können Menschen eigentlich noch sein?

Zurück zum Thema Latrine. Diese öffentlichen Einrichtungen, die man gegen einen kleinen Obolus aufsuchen konnte, waren bestens ausgestattet. Marmorsitz, gepolsterte Rückenlehne, Rinnsal zum sauber machen und Fußbodenheizung. Kein Wunder also, dass Geschäftsleute sich hier länger aufhielten und neben dem einen Geschäft auch das andere gemacht haben. Daher auch die Redewendung.

Die nächsten Bilder zeigen unsere hauptsächliche Tätigkeit bei dem Besuch in Ephesos. Zur Erinnerung: Es war gefühlt über 50 Grad heiß.

Wie ich zu Steffi sagte:

Ich habe noch nie so viele Menschen so heftig Schwitzen sehen wie in diesen zwei Stunden…

Wir begegneten auch hier netten Leuten, die von sich aus uns anboten, Fotos von uns zu machen.

Natürlich sahen wir zum Abschluss noch das Theater von Ephesos, welches um die 25.000 Menschen aufnehmen konnte und in dem mutmaßlich der Apostel Paulus seine Anklage an die Silberverkäufer richtete, die mit dem Verkauf kleiner Silberfigürchen der Göttin Artemis ihren Lebensunterhalt bestritten. Diese waren verständlicherweise aufgebracht. Ihnen war es unter anderem zu verdanken, dass Paulus in Ephesos (wieder mal) im Knast landete.

Wie unser Reiseleiter mit einem zwinkernden Auge hinzufügte: Wer hat gewonnen? Paulus wurde kurze Zeit später in Rom hingerichtet, die Verkäufer dagegen sind knapp 2000 Jahre später immer noch da. 😉

Damit waren wir nach zwei Stunden in sengender Hitze auch schon am Ende angekommen. Vorm Ausgang kaufte ich mir eins von diesen eisgekühlten Fruchtdrinks und bekam sofort Gehirnfrost. Außerdem waren wir die letzten aus unserem Bus, die alle in Vorfreude auf das Mittagessen waren. Wir dagegen konnten uns nicht vorstellen, nach der Gluthitze was zu essen. Und das sage ich nicht nur, weil wir mit unseren Bauchschmerzen zu kämpfen hatten.

Das Mittagessen fand dann in einem 4-Sternerestaurant statt und die Buffetauswahl war verglichen zu unserem Hotel riesig. So schlugen wir denn auch kräftig zu und waren danach pappsatt. Beim obligatorischen Gang auf die Toilette bekam ich erstmal einen Schreck. Das erste, was mir ins Auge fiel, war eins der französischen Stehklos. Nachdem ich aber die nächste Tür öffnete, war ich erleichtert. Selbiges war ich wenige Minuten später dann doppelt. 😉

Unser Ausflug wurde dann komplettiert durch einen Besuch im Museum. Dort liefen Steffi und ich dann zur Höchstform auf. Nach der anstrengenden Tour durch die Stadt war der Gang durch das klimatisierte Museum eine Erholung, was wir mit bestechend guter Laune quittierten.

Und wie auch schon auf dem Ausflugsschiff und in der Stadt Ephesos, so bot sich auch hier wieder jemand an, der uns gemeinsam fotografiert hat.

Natürlich alberten wir nicht nur rum, sondern nahmen die Geschichte auch sehr ernst. So zeigten wir uns interessiert,

bewiesen Demut

und veranschaulichten.

Das ist Kaiser Domitian, der dank des erfolgreichen Feldzuges gegen das germanische Volk und der Errichtung des bekannten Limes den Beinamen „der Germane“ trug. In Ephesos, wie auch in ganz Kleinasien war er dafür bekannt, dass er die christliche Glaubensrichtung brutal unterdrückte. Als er in Rom dann vom Verwalter seiner Nichte unter tatkräftiger Mithilfe von Soldaten und Gladiatoren umgebracht wurde, rächten sich die Christen auf ihre Art. Sie schlugen den Statuen die Nasen ab. Dieser Verwalter hieß Stephanus und hat nichts mit dem Stephanos auf dem nächsten Bild gemeinsam.

Aber wie gesagt, sonst blödelten wir auch gerne herum und hatten unseren Spaß.

Danach ging es wieder nach Hause. Da schlafen für mich in einem Bus nicht möglich ist und meine Laune eh gerade gut war, machte ich weiter meine Späßchen. Hier als Graf Dracula.

Und dann war da noch der Zwischenstop an der fast fertigen Talsperre Akköprü, die zu den höchsten in Europa gehört.

Steffi hatte nach meinem über hundert Fotos von der Landschaft genug und schnappte sich die Kamera.

Hast Du einmal diese Verkaufsstände an der Straße fotografiert?

Diese Frage musste ich leider verneinen…

Das tat dann Steffi.

Und noch etwas lernten wir auf der Tour. Wie ich schon am ersten Tag anmerkte, wunderten wir uns über die scheinbare Wasserverschwendung. Diese hat einen bestimmten Grund. In Gegenden mit hohem Grundwasser, wo es außerdem keinen Mangel an Wasser gibt, werden diese Leitungen zur Abkühlung der Autos genutzt. DAS ist der Grund, weshalb aus Rohren ständig Wasser läuft.

Für all diese Wissensvermittlung und die wirklich unterhaltsame Tour sollte Ali, so hieß unser Reiseleiter, dann auch ein gutes Trinkgeld bekommen, obwohl er genau das nicht wollte…

Wo Steffi schon mal die Kamera hatte, zeigte sie ihr Können und fotografierte noch mal zwei grandiose Bilder vom letzten Teil unserer Heimfahrt. Einmal Marmaris vom Berg aus gesehen.

Und dann noch Turunc. Wohlgemerkt, aus dem fahrenden Bus hinaus fotografiert.

Um kurz vor acht waren wir dann wieder am Hotel. Erschöpft, aber glücklich. Jetzt sollte das letzte Mal gegessen werden, denn am nächsten Morgen sollten wir vor dem Frühstück abgeholt werden. Wir setzten uns zu unseren neuen Freunden Joost und Beata, die uns jedoch erstmal alleine ließen. Beata brauchte noch was zum Anziehen für den Strand. Wir aßen also und merkten langsam unsere Müdigkeit uns übermannen. Gerade noch rechtzeitig kamen Joost und Beata wieder und so plauderten, tranken und lachten wir bis das Personal der Strandbar wieder auf freundliche Art und Weise mitteilte:

Get the fuck out of here!

Das taten wir auch. Es war kurz nach elf, aber so richtig verabschieden wollten wir uns auch nicht. Also setzten wir uns mit den beiden noch in den Pub daneben und plauderten, tranken und lachten weiter. Bis es dann halb drei war und mein Kopf sich mit der Tischplatte vereinen wollte. Jetzt verabschiedeten wir uns wirklich und hoffentlich nicht zum letzten Mal. Unsere Einladung war sicher genauso ernst gemeint wie ihre Einladung nach Breslau.

Wir duschten noch schnell und hauten uns um viertel nach drei aufs Ohr. In nicht mal vier Stunden sollte der Wecker klingeln…

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Die Ruhe vor dem Sturm (Türkei, 6. Tag)

Der sechste Tag wurde mal komplett gefaulenzt. Was einerseits so geplant war, andererseits auch unserem Gesundheitszustand geschuldet war.

Um kurz vor acht standen wir auf, reservierten die Liegen, frühstückten (es gab wieder Eier), schnappten unsere Bücher und lasen. Zwischendurch übten wir auch. Und zwar Mimiken.

Steffi ihren Schmollmund:Was sie aber eher zum Schmunzeln brachte:

Auch ich übte fleissig. Und zwar im Cool sein.

Was aber ganz schön anstrengend war…

Ansonsten lagen wir entweder in der Bucht von Turunc und ließen die Sonne auf den Pelz scheinen.

Oder wir nutzten die Möglichkeiten des All Inclusive aus. Wenn auch nur in trinktechnischer Hinsicht und nicht was das Essen angeht. Dafür ging es mir dann doch zu dreckig.

So ging das den ganzen Tag. Abends setzten wir uns zu unseren neuen Bekannten, wo wir uns lange und sehr nett unterhielten.

Bis uns das Personal wieder des Feldes verwies. Hätten wir am nächsten Tag nicht so früh aufstehen müssen, wären wir ihnen gerne in den Pub gefolgt. So waren wir um kurz vor zwölf im Bett und schliefen den Schlaf der Erwartungsfrohen.

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Der Grund der Entscheidung (Türkei, 5. Tag)

Am Dienstag morgen wurden wir wieder wie gewohnt vom Imam geweckt. Alles in Butter also. Wenn da nicht der Bauch wäre. Durchfalltechnisch schien zumindest bis zum Abend alles in Ordnung zu sein. Leider schien es nur so und abends ging es wieder so heftig los, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben zu Kohletabletten griff…

Ebenfalls zum ersten Mal in unserem Urlaub und in unserem Leben gingen Steffi und ich vor dem Frühstück an den Strand um uns zwei Liegen mit Handtüchern zu reservieren. Total peinlich war uns das. Wahrscheinlich haben unsere roten Köpfe den Strand in ein unnormales Licht getaucht. Wer weiß das schon?

Nach dem Frühstück ließen wir, im Gegensatz zu anderen Liegenblockierern, unsere Liegen nicht verwaist und genossen die Vormittagssonne. Halb dösend lagen wir so da, als uns eine vertraute Sprache ans Ohr drang. Unsere eigene…

Und leider wahr auch der Tonfall und die Art des Redens uns gut aus der Heimat vertraut. Mein Kommentar zu Steffi:

Die Meckerdeutschen sind da!

Gerade angekommen, ließen sich diese bereits über das schlechte Essen, die knappen Liegen (obwohl sie welche hatten) und das unfreundliche Personal aus. Dazu muss ich sagen, dass es sich um eine dreiköpfige Familie handelte, deren Tochter mit ewigen Fragen nicht nur ihren Eltern den letzten Nerv raubte. Die Mutter hatte eine Liege, die mit einer Auflage bezogen war (einer wie auf dem Bild mit der Katze) und auf dieser Liege noch eine Auflage von einer anderen Liege drauf packte, so dass einige Liegen nun „nackig“ waren. Das Personal reagierte auf die Beschwerden anderer Gäste, die keine Liegen hatten oder nicht auf dem Plastik liegen wollten und verteilte Auflagen. Dabei sah es auch, dass diese Frau ihre Auflage eigentlich nicht brauchte und nahm sie ihr weg. Für sie total unverständlich. Selbst ihr schlauer Mann konnte ihr das nicht erklären, weil er diese Aktion nicht verstand.

Und solche Menschen regen sich auf!

Von einer anderen deutschen Familie kam der Sohn aus dem Wasser zurück und schrie:

Diese verfickten Fische beißen!

Ja, sind denn hier nur die Familien angekommen, deren Kinder zurückgeblieben sind? Beißende Fische, dass ich nicht lache. Der ist zwei Minuten im Wasser und wird von den Fischen gebissen, wovon wir in den fünf Tagen noch nichts mitbekommen hat? Vielleicht sollte der sich mal waschen…

Als Steffi und ich ins Wasser gingen und gerade so knietief im Wasser standen, erschrak ich. Da knibbelt doch was an meiner Wade. Und was seh ich? Einer von den kleinen Fischen beißt doch tatsächlich an meinem Bein. Ja gibt es das?

Steffi fing an zu kichern, bis der Fisch von meinem Bein genug hatte, vielleicht weil ich ein paar Schritte wegging um ihn loszuwerden. Und da nun Steffis Beine in der Nähe waren, knibbelte er also an ihren Beinen, was sie dann nicht mehr so lustig fand. Aber ich. 😉

Merkwürdigerweise waren die (oder der) beißende Fisch(e) nur an diesem einen Tag so aggressiv. An allen anderen Tagen war von beißenden Fischen keine Spur.

Außerdem nutzten wir den Faulenzertag ausgiebig, um auf der Luftmatratze auf dem Wasser zu treiben. Wir ließen uns von der äußeren Absperrung gemütlich zum Strand zurücktreiben. Meine Beine waren zur Abkühlung im Wasser, Steffi lag auf dem Bauch, um auch mal dem Rücken etwas Farbe zu gönnen. Ich döste vor mich hin, als Steffi im ruhigen Tonfall sagte:

S: Da schwimmt ein totes Insekt im Wasser.

I: Mmmhmm.

S: Sieht aus wie eine Wespe.

I: Wo?

S: An Deinem Bein.

Sofort war ich hellwach und im Begriff, meine Beine aus dem Wasser zu ziehen, da war es auch schon zu spät. Ein stechender Schmerz schoss durch mein rechtes Bein. Als ich meine Wade begutachtete, steckte sogar noch der Stachel drin. Das war keine Wespe, das war eine Biene. Diesen Fauxpas verzieh ich Steffi ja noch, aber das sie mich nicht gleich darüber informierte, dass an meinem Bein ein Insekt lang trieb, nicht. Jedenfalls nicht sofort.

Zum Glück bin ich weder allergisch, noch blieb am Ende des Tages irgendwelchen Spuren zurück. Nach einer Stunde auf meine Schmerzen angesprochen, kam ich nicht umhin zu sagen, dass ich keine Schmerzen habe.

Geplant war, dass wir nach dem Kuchen essen nach Marmaris fahren. Der Stadt, weshalb ich mich hauptsächlich für den Urlaub entschieden habe.

Beim Dönerladen Marmaris in Delmenhorst gibt es den besten Döner der Stadt, dann kann das als Urlaubsziel nicht schlecht sein.

Das war DER Grund unserer Entscheidung. Naja, meiner Entscheidung. 😉

Da um 18 Uhr keine Taxiboote nach Marmaris fahren, sind wir in ein Dolmus, die hiesigen Minibusse, gestiegen und für fünf Lira pro Person an unser Ziel gelangt. Zum Glück hatten wir eine Frau an Bord, die sich perfekt auskannte, denn wir wussten nicht, wo wir auszusteigen hatten. Zwischendurch stiegen nämlich immer mal wieder welche aus, obwohl da keine, für Deutsche so bekannte, Bushaltestelle gab.

Als dann alle ausstiegen, fragte ich die Frau sicherheitshalber auch noch mal, ob das die Endstation wäre und wo wir nachher wieder aufgenommen würden. Nur ein paar Meter weiter wäre die Dolmusstation. Na, denn ist ja gut.

Wir schlenderten also am Hafen entlang, zumal uns die Frau im Reisebüro den schnuckeligen Hafen empfohlen hat.

Auf der rechten Seite waren die Schiffe, die Tauchfahrten, das uns bekannte Five Bay und andere Ausflüge anboten. Auf der linken Seite standen in Reih und Glied die Restaurants, die mit Catchern versuchten, Kundschaft für ihr Geschäft zu gewinnen. Und es waren echt hübsch aufgemachte Restaurants, mit sehr gemütlichen Flair.

Da mein Verdauung immer noch nervös war und ich zu dem Zeitpunkt mich lieber in der Nähe einer Toilette aufhalten wollte und vor allem, weil ich mich den ganzen Tag nur von trocken Brot und Melone (und ein paar Stücken Kuchen…) ernährte, setzten wir uns draußen in ein Restaurant, wo uns der erste Catcher auf sehr charmante Weise dezent ansprach (wirklich!). Und gemütlich war es auch.

Während wir da so saßen, beobachteten wir die ganze Zeit den Geschäftsführer, der jetzt der Catcher war. Und verdammte Axt, er hatte echt ein besonderes Talent. Mal abgesehen von dem obligatorischen und im ganzen Hafen zu vernehmenden „Lovely Couple“ konnte er sofort und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Deine Nationalität erkennen. Spätestens beim zweiten Versuch lag er fast hundertprozentig richtig. So sprach er die vorbeigehenden Menschen gleich in ihrer Sprache an, was diese häufiger mal zum Anhalten bewegte.

Und da wir fast am Weg saßen, halfen wir dem Guten auch gelegentlich unter die Arme. So schwärmte er meist von der „Best terrace of Marmaris“, was ich mit den Worten quittierte:

And the lunch is good, too.

Mindestens drei Pärchen oder Gruppen gingen so auf unsere Kappe. Schade, dass er das bei der Rechnung nicht berücksichtigt hat. 😉

Als zusätzliches Highlight konnten wir beobachten, wie das große Kreuzfahrtschiff, das bei Steffis Bild im Hintergrund zu sehen ist, den Hafen verließ. Tolles Schauspiel und ein adäquater Ersatz für das missglückte Bild von Samstag, als die Aida auslief und unsere Kamera ihre Untauglichkeit für Nachtbilder unter Beweis stellte.

Anschließend, es war mittlerweile dunkel geworden, schlenderten wir weiter den Hafen entlang. Der Yachthafen, wo die ganz großen Pötte liegen, war durch Sicherheitspersonal abgesperrt. Aber schon die kleinen Schiffe waren sehenswert.

Zurück gingen wir mehr oder weniger durch den Basar. Mehr, weil sich Geschäft an Geschäft reihte und weniger, weil wir gerne auch mal die üblichen Pfade verließen und uns so auch mal typische Straßenbilder in der Türkei anschauen konnten.

Als wir dann so an der Minibusstation standen und die Minibusse im Minutentakt die Station wieder verließen, wurde uns bewusst, wie laut Marmaris eigentlich ist. Ständig hupten Autos oder Mopeds die vorbei fuhren während die Minibusse versuchten, auf die zweispurige Straße zurückzukommen.

Es gab da aber noch ein anderes Problem. Standen wir wirklich richtig? Von unserem Dolmusabfahrtsplan in Turunc wussten wir, dass um zehn Uhr ein Dolmus fahren müsste. Nur an der Station hielten in den zwanzig Minuten, die wir da standen, Dutzende Minibusse. Die wollten entweder nach Icmeler, Siteler oder vor allem Armutalan. Keiner nach Turunc…

Um kurz nach zehn stand auf einem der Schilder eines Dolmus dann endlich die erlösenden Worte: Marmaris->Turunc. Der Fahrer gab gleich mächtig Gas und sammelte unterwegs noch ein paar Leute ein, bis wir voll waren. Und obwohl er die Berge raufraste, als gäbe es kein Morgen, fühlte ich mich ungewohnt sicher. Vielleicht lag es an seiner Frau, die neben ihm saß. 😉

Als wir also so die Berge raufratterten, klingelte hinter mir ein Handy. Mit einem mehr als ungewöhnlichen Klingelton für diese Jahreszeit (Vorsicht! Ohrwurmgefahr!):

Um kurz nach halb elf waren wir dann wieder bei unserem Hotel, wo bereits die türkische Nacht, die einmal die Woche stattfindet, im vollen Gange war. Wir setzten uns an einen freien Platz und schauten der Bauchtänzerin zu, die gerade ihren Auftritt hatte. Und mir war sofort ein Problem bewusst. Wir hatten zwar ein paar türkische Lira, aber nur Münzen. Keine Scheine. Und sie tanzte die Männer an, die ihr mit Freuden die Scheine in den Ausschnitt schoben. Das war bei uns leider nicht drin.

Als sie dann bei uns war, war ich sogar froh, dass ich nichts hatte und eine ablehnende Bewegung machte, weil ihre Schellen neben meinem Ohr eine ungesunde Symbiose bildeten. Himmelherrgott, man stellt sich so ein Bauchtanz ja anders vor, als er in Wirklichkeit ist. Dieser hier war sicher hübsch anzusehen, aber er war auch brachial laut. Und ich weiß, was brachial laut ist. Ich war schon auf drei Konzerten der Einstürzenden Neubauten.

Danach zeigten eine Tänzergruppe noch traditionelle Tänze. Ein Derwischtanz war natürlich auch mit dabei. Aber vor allem schöne Paartänze, wenn man das Paartanz nennen kann.

Auch mitmachen war angesagt. Dafür sind die Tänzer und Tänzerinnen rumgegangen und haben wahllos Leute rausgegriffen, die sich allesamt geziert und gewehrt haben. Erst die Gelsenkirchenerin kam, wenn auch widerwillig, mit. Steffi sollte auch mitkommen, die ich, Schwein wie ich bin, ermuntert habe. Ich müsste aber sitzen bleiben, wegen der Fotos. Ist klar. 😉

Da aber sonst keiner mitwollte und mich schneller als ich „Piep“ sagen konnte, mein schlechtes Gewissen packte, vor allem aber eine türkische Schönheit packte, ging ich dann auch mit. So waren es die langweiligen Deutschen, die zu dritt vorne mit der Tänzergruppe eine komplizierte Schrittfolge tanzte. Diese Schrittfolge behielten wir dann bei, als wir alle gemeinsam durch die Menge tanzten und dabei noch mehr Gäste einsammelten.

So waren wir am Ende zwanzig Tänzer, die zu immer schneller werdender Musik immer schneller abgingen. Ein echter Spaß.

Zum Schluss ging die Gruppe noch einmal mit einem Korb rum. Zeit die türkischen Münzen loszuwerden. Steffi bekam irgendwas dunkles auf die Handinnenfläche gedrückt.Nur was war das? Steffi sah, wie jemand nachfragte und als die Show vorbei war, ging Steffi zu ihr hin und fragte nach. Kurze Zeit später kam sie wieder und wusste, dass es Henna war, womit sich Frauen bei Hochzeiten die Hände verzieren. Oder so.

Auf jeden Fall sagte Steffi, dass wir uns zu den beiden hinsetzen könnten, was wir auch prompt taten. Das Pärchen befand sich in den Flitterwochen im Hotel und war morgens erst angekommen. Er, Joost, Niederländer und sie, Beata, Polin, sprachen Englisch mehr als fließend, was uns Gelegenheit gab, unsere Englischkenntnisse zu verbessern. Leider war das Gespräch nur von kurzer Dauer, weil das Personal die Strandbar dicht machte und uns dann auch bat, zu gehen. Was wir dann auch taten, schließlich war der Tag lang genug.

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We are sailing (Türkei, 4. Tag)

Um viertel nach acht klingelte unser Wecker. Nanu? Wasn hier los? Warum werden wir von unserem Wecker aus dem Schlaf gerissen und nicht vom Imam? Hat er auch verpennt? Wird Montag morgen nicht gebetet?

Egal, ich hatte andere Sorgen, die mich auf schnellsten Wege zur Toilette führten und womit der Tag beschissen anfing. Danach taperten wir zum Frühstück, wo es Rührei gab, von dem ich vorsichtigerweise nichts probierte und mich lediglich auf Melone und trockenem Brot fixierte. Steffi hatte auch Bauchschmerzen, aber nicht so stark, als das man (oder frau) auf Rührei verzichten müsste.

Danach machten wir uns für den Ausflug bereit und traten auf die Straße.

Hah! Wusste ich es doch. Ich hatte am Vortag doch einen Oldenburger gesehen.

Und das in der Türkei. So kann doch kein Urlaubsfeeling aufkommen, wenn man ständig an die Heimat erinnert wird. Wobei das ja noch witzig ist. Weniger witzig fande ich den Umgang der Deutschen, die uns am Vortag noch berieten, mit dem Personal.

Jetzt wollten wir aber den Ausflug genießen und waren dann auch ruckzuck wieder in Urlaubsstimmung. 🙂

Unser Schiff hatte mit Abstand die größte türkische Fahne, die dort ja allgegenwärtig ist. Aber sollte es auch der großartigste Ausflug werden?

Auf jeden Fall war nach ein paar Minuten bereits die Aussicht großartig. Zu den Klängen des „Best of“ von Rod Stewart schipperten wir von der Bucht von Turunc weg und ich konnte Fotos ohne Ende machen. Außerdem hätte ich mir die Mühe am Vortag schenken können. Geschenkt…

Und auch nette Leute waren an Bord. Eine türkische Mutter mit ihrer Tochter, die, nicht älter als 14 Jahre, bereits mit zwei Pfoten am Bauch tätowiert waren. Überhaupt Tattoos. Wir dachten zeitweise, wir sind die einzigen, die ohne Tattoos an Bord waren. Ein englisches Ehepaar flätzte sich ganz in die Ecke, und der Rest war eine niederländische Gruppe von vielleicht acht Personen.

Die türkische Mutter bot dann auch von sich aus an, uns gemeinsam zu fotografieren.

Kurz darauf sollte uns auch klar werden, warum am Hafen von Turunc das Buchtenhoppen nicht nur mit Five Bay Cruising beworben wurde, sondern mit BBQ-Cruising. Das BB steht nämlich auch für Blue Bay.

Und Barbeque sollte es auch noch geben, denn vorne am Bug war ein Grill montiert, wo das Fleisch für das Mittagessen frisch gegrillt wurde.

Zur Erinnerung: Das Essen war in der Fahrt inklusive und kostete zehn Euro pro Person. Die Tour sollte von 10:00 Uhr bis 17:30 Uhr gehen. Für zehn Euro. Pro Person. Inklusive leckeren und frischem Mittagessen. Nur die Getränke musste man bezahlen. Ein halber Liter Wasser (gekühlt) für einen Lira. Also 50 Cent. Andere Erfrischungsgetränke kosteten 1 Euro und Bier 1,50 Euro. Aber wer trinkt bei 35 Grad auf dem Meer schon Bier? Außer die Engländer? 😉

Keine Frage, wir genossen den Ausflug in vollen Zügen. In jeder Bucht hatte man eine halbe Stunde Gelegenheit zum Schwimmen, Schnorcheln, Springen oder Spazieren am Strand. Was wir auch taten. Hauptsächlich die ersten drei Aktivitäten hatten es uns angetan. Dafür waren wir schließlich da.

Und zwischen den Buchten wurde ausgiebig gedöst und immer fleissig mit Sonnenschutzmittel (Faktor 60) eingecremt. Allerdings war das im türkischen Süpermarket gekaufte Sonnenschutzmittel vermutlich in einer Hinterhofgarage hergestellt worden. Die eine Sprayflasche war so dickflüssig, dass die Sonnenmilch nicht herauskam (und die war im Hotel) und die andere so flüssig, dass sie wohl mit zu viel Wasser verdünnt wurde…und die hatten wir mit.

Da wir die zehn Euro pro Person nicht ausgegeben haben, um unter Deck im Schatten zu sitzen und ich vielleicht einmal das Eincremen vergessen habe, brannte meine Haut irgendwie leicht. Vielleicht lag es auch daran, dass mein Durchfall nicht besser wurde. Davon abgesehen war das Fazit der Tour einstimmig. Both thumbs up!

Abends merkte ich, dass irgendwie mit mir was nicht stimmt. Der Durchfall war jetzt so schlimm, dass ich kaum noch zur Ruhe kam. Ob es daran lag, dass ich morgens die Imodium Akut mit Leitungswasser runtergespült habe? Außerdem wurde mir ganz kalt, was durch die Klimaanlage über den Bett noch verstärkt wurde.

Erstmals schliefen wir ohne laufendem Klimagerät ein…

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Ein Stern, der unseren Namen trägt (Türkei, 3. Tag)

Um halb vier morgens saß ich senkrecht im Bett. Bzw. ich versuchte senkrecht zu sitzen, was angesichts der Bewegungen des Bettes nicht möglich war. Steffi schlief seelenruhig, bildete ich mir das also nur ein? Auf gar keinen Fall, hier schüttelt sich alles. Ich kannte mich zwar mit sowas nicht aus, aber der Fall war klar. Hier handelt es sich um ein Erdbeben. Ähnliches habe ich schon im Erdbebensimulator im Universum in Bremen erlebt. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die ca. zehn bis zwanzig Sekunden dauerte war der Spuk auch wieder vorbei. Es sollte aber noch eine geraume Zeit vergehen, bis ich wieder einschlafen konnte.

Aber als der Imam wieder seine Gebete anstimmte, da wachte auch Steffi auf. 😉

Nach dem Frühstück – bei dem ich mit einem Ohr nach Erdbeben als Gesprächsthema lauschte und mitkriegte, dass nachts ein Erdbeben der Stärke 4,4 auf der nach oben offenen Richterskala die türkische Ägäis heimsuchte – sollte unser Reiseleiter gegen viertel nach neun im Hotel auftauchen. Die gute Laune Steffis, die von Frühstückseiern herrührte, verflog aber mit jeder Minute Wartezeit, die wir vergeblich warteten. Nach einer knappen halben Stunde reichte es Steffi und sie verzog sich an den Strand. Ich gab nicht auf und genoss es sogar zu warten. So konnte ich an der Straße sitzen und die Umgebung und die Personen beobachten.

Ja moment mal. Was war das denn gerade eben? Habe ich da tatsächlich ein Auto mit deutschem Kennzeichen um die Ecke biegen sehen? Und war es nicht sogar ein Oldenburger Kennzeichen?

Um kurz nach zehn tauchte der Reiseleiter unter einen Schwall von Entschuldigungen auf. Zusammen mit Steffi setzten wir uns an die Strandbar und er stellte uns ein paar Angebote vor.

  • Pamukkalle kam für uns nicht in Frage, weil die Fahrzeit von über 3 Stunden uns abschreckte.
  • Daylan klang sehr verlockend, aber ich befürchtete, dass der Strand und das Schlammbaden sehr überlaufen sein wird (wie beim Schlammbaden auf den Fotos auch zu erkennen war).
  • Beim Buchtenhoppen wurden wir hellhörig. Das interessierte uns schon, fünf Buchten abzuklappern.
  • Und dann stellte er noch eine Fahrt zur antiken Stadt Ephesos vor. Jetzt wurde ich hellhörig. Und nur dreieinhalb Stunden Fahrt…

Da er noch was holen wollte, hatten Steffi und ich kurz Gelegenheit, uns zu beraten.

Am Tisch nebenan saßen Deutsche, die uns vom Buchtenhoppen abrieten. Das gibt es im Hafen viel günstiger.

Pamukkalle hatten wir beide keinen Bezug zu, abgesehen von den schönen Kalkterrassen. Aber dafür den ganzen Tag im Bus unterwegs sein? Nein.

Ephesos, das merkte Steffi schnell, war genau mein Ding. Dafür würde ich auch den ganzen Tag unterwegs sein wollen. Der einzig negative Punkt neben dem frühen Aufstehen, den wir erst nach der Bezahlung erfuhren, war,  dass die Fahrt am Donnerstag und damit an unserem letzten Urlaubstag in Turunc sein sollte.

Und wenn wir Ephesos wirklich buchen würden, dann würden wir nicht auch noch nach Daylan schippern, wogegen ich aus oben genannten Gründen auch nichts hatte. Auch wenn uns die Schildkröten sicher gereizt hätten.

Da der Reiseleiter gegen Mittag noch mal wiederkommen wollte, um die „Gelsenkirchener“, wie wir ein deutsches Pärchen benannten (aufgrund ihres Aussehens, obwohl es dem Dialekt nach eher Thüringer waren) zu beraten, baten wir bei Daylan und dem Buchtenhoppen um etwas Bedenkzeit. Sollte es im Hafen keine Five Bay Tour geben, hätten wir immer noch die Daylantour oder das Buchtenhoppen bei Tui buchen können.

Wir latzten also erstmal die 57 Euro pro Person für den Ephesosausflug ab. Was wir noch nicht wussten, es sollte jeden Cent wert sein.

Bei einem wirklich freundlichen Herrn im Hafen buchten wir für den darauffolgenden Tag eine Five Bay Tour für zehn Euro pro Person (statt vierzig wie bei Tui). Jetzt freuten wir uns riesig, denn damit hatten wir unsere zwei Touren im Urlaub eingetütet und konnten den Rest des Tages faulenzen.

Eines hatten wir jedoch noch vor. Ich wollte meine gelernten Gleichgewichtsskills nutzen, um auf der Luftmatratze rauszupaddeln und vom Wasser aus Fotos vom Panorama zu machen. Das Adrenalin stieg. Ein Fehler und mit Fotos vom Urlaub wäre sofort Sense gewesen. Aber ich habe es zum Glück geschafft.

Ich überlege noch, mit einer Software die Bilder zu einem Panoramabild zusammenzufügen. 🙂

Wie gesagt, den Rest des Tages ließen wir es uns gut gehen. Abends saßen wir bei einem (oder zwei, oder drei) Alster(n) an der Strandbar, als uns der Prophet erschien. So nannten wir ihn jedenfalls. Gerne auch Johannes. Der richtige Name blieb im Verborgenen und tut auch nichts zur Sache. Ein jugendlicher Deutschtürke aus Düsseldorf, höchstens 27 Jahre, sah uns so sitzen und ihm war klar: Wir sind ein Traumpaar. Und das musste er uns auch dringend erzählen.

Ihr seid wie zwei Sterne, die sich zu einem Stern verschmelzen und noch heller scheinen. Und diesen Stern kann ich über euren Köpfen sehen.

Ja gut, vielen lieben Dank für das Kompliment. Aber zu Wort kamen wir nicht. Denn sein Monolog begann nach dieser Einleitung erst richtig Fahrt aufzunehmen. Als der Imam sein Nachtgebet anstimmte, erklärte er uns, was er für ein schlechter Moslem wäre und wir Glück hätten, denn wir können gute Moslems werden. Schade, dass ich es mit dem Glauben an Gott so gar nicht habe, egal welcher Prophet oder Sohn Gottes da nun was geschrieben hat oder hat schreiben lassen. Aber wie gesagt, das konnten wir ihm nicht sagen, da sein Monolog Unterbrechungen nicht duldete.

Was die ersten fünf Minuten noch sehr nett war, geriet dann leider ins Abstruse. Er ist z.B. in den Wald gegangen um seinen Glauben zu finden und hatte Halluzinationen. Das kenne ich zu gut und ich bin mir sicher, die kamen bei ihm nicht nur durch den Glauben, sondern durch andere Hilfsmittel. Oder das wir, egal welchen Glauben wir hätten, jeder zu respektieren ist, außer dem jüdischen. Den Juden sind böse und wollen nur die Weltherrschaft an sich reißen. Irgendwann retteten uns dann seine Kumpels vor einem Riesenkotelett am Ohr.

Aber auch anderes Getier begegnete uns, wie zum Beispiel eine einäugige Katze.

Die machte auf der Coolness-Skala schon was her. Katzen waren übrigens die Lieblingstiere des Propheten, also dem echten Propheten Mohammed, weshalb Katzen in islamischen Ländern ein unbeschwertes Leben führen. Auch in der laizistischen Türkei.

Nachdem also der andere Prophet uns erfolglos zu bekehren versuchte, packten wir jeder unseren Stern ein und gingen noch etwas an der Strandpromenade längs. Dabei bot sich wieder Gelegenheit, um Bilder zu schießen.

Auf meinem Bild ist schon eine Sorgenfalte auf der Stirn zu erkennen, die sich die späteren Tage noch zu einer Furche entwickeln sollte. Mein Magen fing an dem Abend an, nervös zu werden. Ein Gefühl, dass ich sonst nur vom hörensagen kenne.

Auf dem Rückweg wurden wir noch Zeuge eines ganz besonderen Familienfestes, einer Beschneidungsfeier. Schon am späten Nachmittag ist ein hupender Autokorso durch das Dorf gefahren. Abends saß die Gemeinschaft dann auf offener Straße und feierte ausgelassen den wichtigen Tag zweier angehender Männer. Und obwohl die Feier in unmittelbarer Nähe unseres Hotels war, hörten wir auf unserem Zimmer davon nichts mehr.

Kampf des Giganten (Türkei, 2. Tag)

Der erste richtige Tag begann früher als uns lieb war. Um halb sechs fing der Imam in der gegenüberliegenden Moschee über Lautsprecher sein Morgengebet an und wir standen senkrecht im Bett. Da wir aber nicht beten wollten, warteten wir die fünf Minuten ab und schlummerten wieder friedlich ein.

Um viertel nach acht klingelte dann der Wecker und wir gingen, nachdem wir uns frisch gemacht haben, zum Frühstück. Zu diesem Zeitpunkt, also kurz vor neun, waren bereits alle Liegen belegt. Tolle Wurst…

Also gingen wir in einen Laden in der Nähe und kauften uns zwei große und robuste Luftmatratzen (ohne zu Handeln^^).

Auf diesen plätscherten wir im Wasser und als wir zurückkamen, waren zwei Liegen für uns frei. So ein Glück!

Zwischendurch nutzten wir die Alsterflatrate ordentlich aus.

Und immer wieder schnappten wir uns die Luftmatratzen und plätscherten hinaus. Da das Gleichgewicht noch nicht ganz so in Form war, kämpfte ich mit mir und der Luftmatratze, was für Steffi sehr komisch ausgesehen hat. Einmal runtergeplumpst brauchte ich diverse Anläufe, um wieder raufzukommen, dann mehrere Anläufe, um mich hinzusetzen und zu guter Letzt mehrere Anläufe, mich auch wieder hinzulegen. Puh, das war vielleicht anstrengend…ich hätte kotzen können. Hab ich aber nicht.

Wirklich nicht. Ich sag nur: Speifrei seid 03!

Nach dem Abendessen, was auch Steffi dann geschmeckt hat und bei dem wir aus der Bucht von Marmaris den Auslauf der Aida beobachten konnten (wobei die Fotos dank der tollen Fähigkeit unserer Kamera, Nachtfotos zu versauen, nichts geworden sind) machten wir uns kurz frisch, so mit Zähneputzen ;-), und gingen noch mal auf die Straße, um schon mal Postkarten zu kaufen und anschließend noch ein Cocktail zu trinken.

Beim Postkartenverkäufer wurden wir dann von der Seite angesprochen. Ein Pärchen stand neben uns und sprach auf deutsch:

Pärchen: Hallo.

Wir: Hallo. (mit deutlichem Fragezeichen im Gesicht)

P: Erkennt Ihr uns nicht?

W (immer noch mit dem gekrümmten Satzzeichen deutlich sichtbar auf der Stirn): Ähm, nicht wirklich.

P: Wir sind gestern zusammen im Bus hergekommen.

W: Ach ja genau. (das Pärchen, mit der nicht schwindelfreien Frau)

Wie unangenehm. Aber sie nahmen es uns nicht übel und so unterhielten wir uns einen kleinen Moment über Hotel, Essen, Urlaub und so. Das sollte unsere letzte nette Begegnung mit freundlichen Deutschen sein. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten.

Als wir dann die Postkarten alle beisammen hatten (wir waren zweimal beim Postkartenverkäufer, weil wir zwei vergessen hatten), setzten wir uns in einen Pub, der sichtlich auf Bewohner einer europäischen Insel spezialisiert war (wie viele Pubs^^) und genossen zwei Cocktails und schrieben die beiden übrigen Postkarten noch, bevor es wieder relativ früh ins Bett ging.

Das die Bettruhe diesmal noch früher gestört werden sollte, konnte ich da noch nicht ahnen…

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