Zuverlässig

Letzte Woche waren Steffi und ich bei einem Arbeitskollegen, genauer gesagt, einem meiner zwei „Meister“ aus der Ausbildung. Der wurde vor einem Jahr Vater eines Sohnes und rief mich kurz vor der Geburt von Nicolas an, um mir mitzuteilen, dass wenn wir Klamotten bräuchten, wir sie gerne von ihm haben könnten. Das passte ganz gut, weil sein Sohn auch im März geboren ist, und man größentechnisch die passenden Klamotten für die Jahreszeiten bekommen konnte.

Letzten Dienstag waren wir also da und staubten für kleines Geld ordentlich(e) Klamotten ab. Steffi nahm noch einen Tragegurt für die ersten Monate mit, damit sie beim Einkaufen nicht den großen Maxi-Cosi schleppen muss. Und der sollte noch am selben Tag zum Einsatz kommen.

Nach zwei schönen Stunden mit Kaffee, Kuchen und Unterhaltung fuhren wir wieder Richtung Heimat. Einen kurzen Abstecher bei dm wollten wir noch machen, da wir nach wochenlanger Testphase uns für ein Babypulver entschieden haben. Es war nicht allzu teuer, klumpte nicht und schien den Kleinen auch gut zu sättigen. Und es wirbt mit Bio auf der Verpackung. Vor allem aber haben wir die Inhaltsstoffe sehr genau verglichen und das Pulver war der beste Kompromiss.
Jedenfalls hüpfte ich bei dm rein, versorgte mich mit dem Pulver und hüpfte wieder raus und rein ins Auto. Schlüssel umgedreht und…nichts. Also rein gar nichts! Kein Anlasser, kein Birnchen das brennt. Nüscht! Das ganze noch mal wiederholen, gerne auch mit ohne Verbrauchern. Ergebnis: Dasselbe. 😦
Flugs den Motorraum gelüftet und wissend hingeschaut ohne zu wissen, was man damit bezwecken will. Außer etwas zeitlichen Aufschub, um das Schlüsseldrehspiel noch mal zu spielen. Leider habe ich wieder verloren. Also aussteigen, Sachen schnappen und nach Hause laufen. Aber den Maxi-Cosi unterm Arm? Das könnte zum eher nicht so populären Gorilla-Look führen, was wir unseren Armen nicht antun wollten. Doch hey! Wir hatten doch den neuen Tragegurt dabei. Also gleich mal ausprobieren. Manchmal muss man zu etwas gezwungen werden. 😉

Auf dem Weg nach Hause kommt man am Autohaus Engelbart vorbei, wo ich vor über sieben Jahren meinen lieben Toyota gekauft habe, und der mich bis zu diesem Tag nicht im Stich gelassen hatte. Wir kehrten dort ein um unser Leid zu klagen. Dort stellte man uns einen Mechaniker zur Seite, der mich zurück zu meinem Auto brachte, während Steffi das schöne Wetter und den Tragegurt genoss und nach Hause spazierte.
Beim Auto angekommen, machte der Autoflüsterer auch das Schlüsselspiel und bestätigte die Vermutung, die im Autohaus schon verlautet wurde: Die Batterie.
Selbige wurde also ausgetauscht und ich und mein Auto wieder auf die Gemeinheit losgelassen. 🙂

Womit für mich klar ist: Nicht mein Auto, sondern die Batterie hat mich im Stich gelassen!
Und der Tragegurt war neben der Batterie die sinnvollste Anschaffung des Tages.

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Eine fast unendliche Geschichte

Kurz vor meinem Geburtstag erinnerte mich ein Beitrag von Markus auf seinem Blog an meine Fahrschulzeit. Und das waren beileibe keine angenehmen Erinnerungen.

Die theoretischen Stunden verbrachte ich Abends mit dem linken Arm in Gips, was meine ersten Fahrstunden etwas hinauszögerte. Darüber war ich sogar sehr glücklich, weil ich damals sehr unsicher über mein fahrerisches Können war. Ich hätte meinen Führerschein noch nicht mal aus eigenem Antrieb gemacht, wenn nicht meine Ex-Frau darauf gedrängt hätte, um meine beruflichen Perspektiven zu verbessern. Und die waren so mies, dass die sich tatsächlich mit einem Führerschein nur verbessern konnten…

Jedenfalls war ich bei der gleichen Fahrschule wie meine Schwägerin und die empfahl mir auch einen Fahrlehrer:

„Nimm den Volker*, der ist toohtaaaahl nett!“

Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, war das der Volker wirklich toohtaaahl nett war. Leider eben nur zu blonden jungen Mädchen. Ich war weder blond, noch ein Mädchen. Und auf Jungs stand der ehemalige Berufssoldat auch nicht so, weshalb seine pädagogischen Maßnahmen sich zwischen Mädchen und Jungs fundamental unterschieden.

Mädchen = ruhig und geduldig, nett, einfühlsam

Jungs = nun ja…das Gegenteil

Das heißt, beim kleinsten Fehler lief sein Kopf rot an, die Adern im Halsbereich schwillten auf ein bedenkliches Maß, er ballte die Fäuste und schrie in einer Lautstärke, die dem Golf 3 an die Grenzen seiner Schalldruckbelastungsmöglichkeit brachten…

Man muss sich das so vorstellen. Da sitzt ein heranwachsender 21-jähriger (Zivildienstleistender, Idealist), der den Führerschein machen muss, um Geld verdienen zu können, aber Angst vor den anderthalb Tonnen Stahl hat, die er mit einer für Menschen rein körperlich nicht zu erreichenden Geschwindigkeit von 50 km/h zwischen anderen sich mehr oder weniger Erfahren haltenden Verkehrsteilnehmern bugsieren soll in einem Golf 3 neben einem ehemaligen Berufssoldaten Ende 30, dessen patriarchalisches Grundprinzip schon dadurch gestört ist, da er nur mit (s)einer Frau sich regelmäßig begattet und diesen Frust an den unschuldigen jungen Männer die ihm unterkommen noch regelmäßiger rauslässt. Und das anderthalb Stunden lang.
Naja…nicht ganz. Nach vierzig schweißtreibenden Minuten steuerten wir meist ein größeres Einkaufscenter an und pflanzten uns dort in ein Café um selbigen zu konsumieren. Für mich hätte ein Kamillentee sicher mehr gebracht, aber egal. Dort unterhielten wir uns ganz ruhig ein Viertelstündchen lang über Dieses und Jenes. Also meist Themen, mit denen ich nicht mit ihm übereinstimmte. Dies ließ er mich die letzte halbe Stunde im Golf 3 auch wieder spüren…

Treffpunkt war meist auf dem damaligen Jute-Gelände vor dem Jute-Center – die alteingesessenen Delmenhorster werden sich erinnern – und es kam das eine oder andere Mal vor, dass ich kurzfristig absagte oder mich (einmal) im Jute-Center versteckte, um bloß nicht an diesem Tag den Blitzableiter von Volker zu spielen. Deshalb habe ich immernoch ein breit gefächertes Wissen über Vitragen-Stangen…das Jute-Center war ein Einrichtungshaus und zwischen den Vitragenstangen konnte ich mich perfekt verstecken. Kein Kapitel meiner Jugend, auf das ich heute besonders stolz bin.

Und ich war wirklich nicht der Einzige der leiden musste. Gelegentlich holte man nach der Fahrstunde den nächsten Schüler ab und wurde dann nach Hause gebracht. Dort wurde dann der Jüngling genauso nach allen Regeln der Bundeswehr-Kunst zusammengebrüllt.

Aber hey! Ich habe irgendwie durchgehalten und nach einer gefühlten Ewigkeit, na gut, es WAR eine Ewigkeit mit über 30 Stunden neben Volker nahmen wir dann einen Prüfer mit, der nach 25 Minuten genug von dem ganzen Theater hatte und mir den Führerschein nicht aushändigte. Allerdings nicht wegen meiner fahrerischen Qualitäten, sondern weil mein Name auf dem Lappen falsch stand. An dem Tag war Volker über alle Maßen hilfsbereit, zeigte körpernah mit seinen Händen die Befehle an (Blinken, rechts schauen, links schauen), um auch ja seine niedrige Durchfallquote niedrig zu halten. Danach meinte er nur trocken:

So gut wie heute habe ich Dich noch nicht erlebt. Du hättest Dir einige Stunden sparen können, wenn Du immer so gut gefahren wärst.

Darauf ich:

Und ich habe Dich noch nie so ruhig erlebt wie heute.

Wegen des Führerscheins kam ich in den Genuß, am nächsten Tag mit Volker nach Wildeshausen zu fahren, um meinen korrigierten Lappen abzuholen. Vor uns, auf einem Motorrad, der nächste Leidtragende, der sich das Gebrüll sogar über Kopfhörer reinziehen musste. Ein Grund, warum ich keinen Motorradführerschein gemacht habe. Diese Steigerung der Höllenqual – und ich dachte, dass wäre schon der neunte Kreis gewesen – konnte und wollte ich mir nicht antun.
Bei der Führerscheinstelle legten wir dann meinen Lappen vor und die Angestellte fragte mich, was daran nicht in Ordnung wäre. Meine Antwort:

Wie viele Menschen haben Sie kennengelernt, die StAfan hießen?

Im Ernst?! Ich glaube, dass war das erste Mal, dass ich in aller Öffentlichkeit eine Gesichtspalme gemacht habe.

Besonders in Erinnerung blieb mir jedoch eine Situation während einer Nachtfahrt. Wir durchstreiften bei einsetzender Dunkelheit das östliche Oldenburger Land, irgendwo im Niemandsland, wo ich dachte, dass ich niemals wieder nie nicht hinkommen würde (bis ich ein paar Jahre später als Taxifahrer im östlichen Oldenburger Land meine Ausbildung finanzierte). Es ging über Land und so zeigte der Tacho die vorgeschriebene Geschwindigkeit für außerhalb geschlossener Ortschaften an. Dabei schossen wir an Häusern vorbei, die direkt an die Straße gebaut waren. Ich denk noch bei mir

Ganz schön gefährlich, hier Tempo 100 zu fahren, wenn die Häuser so dicht an der Straße sind.

da erkannte ich noch im Blickwinkel ein gelbes Ortsschild. Allerdings die Rückseite eines gelben Ortsschildes. 😯
Ein schneller Blick nach rechts, wo Volker ganz ruhig da saß und im ebenso ruhigen Ton sagte:

Na, hast Du jetzt auch gemerkt, dass wir gerade zu schnell fuhren?

Das war das einzige Mal, dass Volker mich für einen Fehler nicht anbrüllte…vielleicht blieb er deshalb in besonderer Erinnerung?!

*Name geändert!

Was mich nervt

– Wenn man das Wort Soße mit weichem ’s‘ ausspricht…oder Jever mit einem weichen ‚w‘ statt mit einem vernünftigen ‚v‘.

– Meinungs-Journalisten (oder besteht Eure Zeitung nur aus Kommentarspalten und Anzeigen?)

– „Freunde“, die mich bei Facebook zu irgendwelchen Spielen einladen, aber sonst kein Wort mit mir wechseln. Oder sonstwie Feedback geben.

– Leute, die bei Facebook, in Foren, Blogs oder sonstwo im Internet beleidigende Kommentare weit unter der Gürtellinie abgeben und glauben, das wäre Kritik.

– Autofahrer, die einem die Vorfahrt nehmen um dann weit unter der Höchstgeschwindigkeit vor einem hertrödeln.

– Autofahrer, die vor einem hertrödeln um dann vor einer gelben Ampel Gas zu geben um noch schnell rüberzukommen.

– Überhaupt Menschen, die frei nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ leben…

– Leute, die sich darüber aufregen, dass junge Türken machohaft rumlaufen und dabei übersehen, dass es deutsche Jungs genauso machen. Oder gibt es einen Unterschied zwischen 3-er BMW und Golf GTI?

– Machogehabe… 😉 Nein, ernsthaft. Wem versucht man was zu beweisen mit dem Getue? Habt Ihr sonst nichts auf dem Kasten, dass Ihr rumlauft, als hättet Ihr Rasierklingen unter den Achseln?

– Nachts auf Toilette müssen.

– Ungebetene Ratschläge.

– Und vor allem Rassismus. Nein, unsere Rasse, Kultur oder Herkunft ist nichts besseres als irgendeine andere auf der Welt. Erstens gibt es keine Rassen, zweitens kann niemand was für seine Herkunft und drittens ist den meisten unsere Kultur sowieso vollkommen fremd.

Und Ihr so?

 

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Urlaub (letzter Teil)

Nachdem wir durch die „national befreite Zone“ aka Sächsische Schweiz gefahren (auch im Sinne von Gefahr…) sind und den Schlenker über Rathen getan hatten, mussten wir erst ganz nach Dresden wieder zurück, um über die Autobahn Richtung Berlin fahren zu können. Steffi war vom Vortag noch reichlich erschöpft und schlief, während ich schöne touristische Highlights nicht anfahren konnte, weil sie schlief. Wie z.B. den Lausitzring.

Dafür kamen wir bereits gegen halb drei in Prieros an. Kurz vorm Ortsausgangsschild wurde rechts abgebogen, durch ein Wohngebiet gefahren und dann wieder rechts abgebogen. Über eine Brücke an einer kleinen Bootswerft vorbei und in den Wald hinein. Dort nach ein paar hundert Metern dann links auf einen Feldweg und noch tiefer in den Wald. Der Weg schlängelte sich durch den Wald und dieser wurde immer dichter. Plötzlich tauchte ein kleiner Schuppen auf und der Weg war mit Kopfsteinpflaster ausgelegt. Ab hier wurde der Tag zur Nacht und außer Bäumen war nichts mehr. Bis dann endlich das Haupthaus des Hotels auftauchte. Wenn jetzt mal keine Kettensägen-affine Familie rausgestürmt kommt…^^

Wir meldeten uns an und bekamen ein Zimmer im Haus „Star“. Wie der Vogel. Meine Befürchtung, kein Internet zu haben, bewahrheitete sich zunächst nicht. Das WLAN wäre frei nutzbar. Super, dachte ich. Bis wir in unserem Zimmer ankamen. Denn dort war kein WLAN-Station. Also surften wir fortan nur noch, wenn wir am Haupthaus waren. Also gleich nach der Ankunft. Denn dort gab es auch das Restaurant, und wir schnabbelten erstmal ein paar Reibekuchen. Und genossen die Aussicht, denn das Hotel war direkt am See gelegen. Super idyllisch. Genau so haben Steffi und ich uns das verdient.

Zurück auf dem Zimmer lag ein Brief an der Tür gelehnt. Wegen Bauarbeiten der Brücke ist die Zufahrt zum Hotel am nächsten Tag blockiert. Man solle doch sein Auto, so man es benötigt, davor parken. Also sind wir zwei ins Auto gestiegen, um es für den Fall der Fälle außerhalb zu parken. So konnten wir ein bisschen spazieren gehen und bogen vor dem Hotel auf einen Wanderweg ab. Der führte aber so gar nicht zum Hotel zurück. Nachdem wir eine gute halbe Stunde parallel zum Hotel gelatscht waren, kehrten wir um. Steffi war zu dem Zeitpunkt wieder total erschöpft. Jedoch lag es daran, dass eine Armada an Mücken über mich (und nur mich!) her fiel. Und Steffi pausenlos (!) damit beschäftigt war, meinen Rücken abzuklatschen um mich vor den Mücken zu schützen. Seltsamerweise hatte ich am nächsten Tag nicht einen Mückenstich. Steffi dagegen schon…^^

Naja, Abendessen nahmen wir wieder im Hotelrestaurant zu uns und genossen noch etwas die Stille und die Aussicht.

Am nächsten Morgen wurde kurz gefrühstückt, im Internet gesurft und dann die Schattenfelle Fahrräder bestiegen. Ohne großen Plan fuhren wir den ausgeschilderten Radweg entlang, lediglich bewaffnet mit meinem Navi-Smartphone und einer gehörigen Portion Lust am Fahrrad fahren. Nach ca. 5,5 km bogen wir nach links Richtung Hermsdorf (nicht Herm’s Dorf, der lebt bekanntlich auf (s)einer Farm!) ab. Eher aus Bequemlichkeit, weil der Weg rechts lang mit löchrigen Platten gepflastert war und nicht so toll zu fahren war. Wir kamen nach gut 2 km über eine Schleuse und dahinter änderte sich der Straßenbelag in löchrige Platten, was bis kurz vor Hermsdorf so ging.

Dort angekommen wussten wir nicht, ob nun rechts oder links. Ein Blick auf das Navi verriet uns: Weder links noch rechts wäre für einen Kreis geeignet gewesen. Ein Blick auf die Karte im einzigen Bushäuschen des Dorfes bestätigte das. Besser wäre es gewesen, wir wären vorher rechts lang gefahren. Also wieder zurück. Und ab unserer Gabelung ging es dann 2,5 km über die Buckelpiste, bis wir direkt auf der B179 ausgespuckt wurden. Wo es keinen Fahrradweg gab…da war uns durch den Wald auf nicht fachmännisch befestigten Wegen lieber…

Aber noch mal umdrehen gilt nicht, also sind wir die 1,2 km Richtung Neubrück und dann wieder in den Wald hinein. Für die Gabelungen im Wald nutzten wir wieder das Navi, und so legten wir ganz balante die übrigen 6 km zum Hotel zurück. Grob überschlagen legten wir damit 25 km auf dem Sattel zurück.
Jedoch, wenn man nach so langer Fahrt ankommt, dann kann es passieren, dass man in ein Loch der Tatenlosigkeit fällt. Um das zu umgehen, bogen wir nicht zum Hotel ab, sondern fuhren ins Dorf hinein, um uns dort etwas umzuschauen. Mal abgesehen davon, dass die touristischen Highlights ruhig besser ausgeschildert werden könnten (Biogarten durch Zufall, Botanischer Garten gar nicht gefunden), „glänzte“ Prieros durch geschlossenes Auftreten. Im Sinne von Geschlossen! Von drei Restaurants war nur eins zu gebrauchen (einmal Ruhetag und das andere wollte warme Speisen nur am Wochenende ausgeben), die Touristeninfo ist Montags auch dicht und auch das Heimathaus ist Montags geschlossen. Also eigentlich der beste Ort zum Arbeiten. In Prieros gibt es keinen scheiß Montag. 😉

Egal, mit dem „Alten Fritz“ hatten wir ein Restaurant gefunden, wo wir dann zu Abend essen gehen konnten. Im Hotel wollten wir nicht noch mal. Nicht das es nicht gut gewesen wäre, aber man will ja auch Sachen ausprobieren.

Wir relaxten den Rest des Nachmittags in den Liegestühlen vom Hotel, direkt am See und erst, als die Mückenplage wieder aufzog, zogen wir uns zum Abendessen zurück. Das Essen beim „Alten Fritz“ war gar nicht schlecht. Bürgerliche Küche mit saisonalen Tupfern, in diesem Falle Pfifferlinge. Und das zu einem wirklich guten Preis. Kann man durchaus empfehlen.

Alt wurden wir nach dem Tag nicht mehr und da wir am nächsten Tag wieder aufbrachen, ging es auch früh ins Bett.

Der Weg nach Hause begann dann mit dem ersten Regen, seit wir zwischendurch in Friesland waren. Nur Sonne bis dahin, was bei dem diesjährigen Sommer schon ein unverschämtes Glück ist. Und auf der Autobahn bekamen wir kurz vor der Magdeburger Börde durch ein Gewitter, was eine willkommene Abwechslung war. Einfach nur aus Jux und Dollerei 100 km/h fahren, weil es das automatische Verkehrsleitsystem so befiehlt, sondern 100 km/h fahren, weil es so einfach sicherer ist. Und das begleitet von vielen Blitzen, das hat schon was. 🙂

Kleine Amerika-Nachlese (4)

Das folgende Foto ist – natürlich – in New Orleans entstanden. Dort war das French Quarter Festival als wir vor Ort waren und somit Gelegenheit genug, lauter verrückter Dinge zu sehen.

Ich kannte New Orleans vorher nur von diesem James Bond Film und so passte es, dass mir ein Leichenwagen vor die Linse geriet.

Das Bild habe ich auch dem Bestatter geschickt (ja, der Stefan bin ich! ;-)).

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Flittern in sweet home Alabama (16) – Abflug

Und da war er nun, der letzte Tag unserer Flitterwochen. Morgens noch eine Henkersmahlzeit ein letztes gemeinsames Frühstück.

Die Sachen waren gepackt und nachdem Susanne, Steffi und ich den Urlaub resümierten und der Meinung waren, dass es nicht nur ein wunderschöner Urlaub war, sondern auch nette Menschen getroffen haben (also Susanne uns und wir Susanne und ihre Familie), stiegen wir ins Auto. Natürlich waren die Klamotten bereits alle in demselbigen.

Haben wir auch alles?

Na logn.

Auch die Fotokamera, fragte Steffi.

Na logn.

Von wegen. Während ich die Kamera in meiner Tasche wähnte, lag sie auf dem Küchentisch. Und stellten das erst fest, nachdem wir eingecheckt hatten. Ist klar, oder?

Das ist auch der Grund, warum die letzten Beiträge etwas hinausgezögert wurden, weil vom letzten Tag noch Fotos drauf waren.

Naja, die Eincheckprozedur war dann nicht so langwierig wie noch auf dem Hinflug. Kein Wunder, schließlich verlässt man das großartigste Land der Welt, selbst Schuld also. Jedenfalls aus Sicht der Amerikaner.

Der Flug nach Atlanta war zum Glück nicht so holprig wie noch zwei Wochen zuvor. Wir sahen sogar diesmal das neue Stahlwerk von Thyssen Krupp von oben.

Und während wir auf dem Flughafen von Atlanta auf unsere Flieger nach Düsseldorf warteten, freundete sich ein kleines Mädchen namens Emma mit uns an. Die war mit ihrer Oma unterwegs nach Deutschland und Emma hielt ihre Begleitung ganz schön auf Trab. Ganz undankbar wirkte sie nicht, als wir das kleine Mädchen im Wartebereich etwas Aufmerksamkeit schenkten. 😉

Auf dem Rückflug schauten wir wieder mal Filme. Und ich muss sagen, „King’s Spech“ ist im englischen Original sehr sehens- und hörenswert. Hat mir gut gefallen. An die anderen Filme kann ich mich jetzt schon gar nicht mehr richtig erinnern. Doch ja, „Grown-Ups“, hier bekannt als „Kindsköpfe“ lief noch. Der war ganz nett. Besonders gefallen hat mir die schwangere Frau, die in dem Film mit ihrem seltsamen Humor auffiel. Sehr geil. 😀

Wir schauten übrigens nicht nur Filme, sondern auch den wunderschönen Sonnenuntergang.

Den Ratschlag von meiner Cousine beherzigte ich auch ganz beflissentlich. Da es die Getränke umsonst gibt, nutzt das auch aus. Besonders Bier trägt bei Nervosität zu einem ruhigeren Flug bei und so ließ ich den Steward häufiger als andere laufen. Schnell merkte er sich auch mein Gesicht und vor allem meine Mimik. Ich brauchte nur kurz die Lippen etwas schürzen und kaum merklich die Augenbrauen zu heben, da war ihm klar, nächstes Bier bitte. Klappte perfekt. Gegen fünf Uhr ( MEZ) muss ich dann eingenickt sein. Leider fang ich beim Einschlafen gelegentlich an zu zucken, besonders in ungewohnten Situationen und Orten. Also überall, wo nicht mein Bett ist…

Das wäre auch soweit kein Problem gewesen, wenn ich nicht aufgrund der Turbulenzen mein Bier fest in der Hand gehalten hätte. Als ich also von Morpheus langsam in den Arm genommen wurde (in, nicht auf!), zuckte ich also kurz und war wieder wach. Das Bier hielt ich immer noch fest in der Hand. Nein, das ist gelogen. Den Becher hielt ich noch fest in der Hand. Das Bier, dass sich kurz zuvor noch im Becher befand tropfte in diesem Moment auf den Boden. Jedenfalls der klägliche Rest, der nicht von meiner und Steffis Hose aufgefangen wurde.

Dank der folgenden Austrocknungsaktion mit vielen Tüchern war ich, und auch Steffi, wieder hellwach. Dazu trug auch der dezente Geruch von Bier, die unsere Hosen freigaben, bei. Der Stewart konnte sich es jetzt nicht verkneifen, freundlicherweise nachzufragen, ob ich noch ein Bier wünsche…

Nach der Landung warteten wir viel zu lange auf unser Gepäck, was aber nur halb so schlimm war, weil wir pünktlich landeten und unser Zug erst drei Stunden später fahren sollte. Mit dem SkyTrain fuhren wir zum Bahnhof, wo wir feststellten, dass es dort kein Kaffee oder Imbiss gab. Also sind wir wieder mit dem SkyTrain zurück (wenn ich den Wikipedia-Artikel vorher gelesen hätte, wäre ich gelaufen!) und setzten uns in den Arkaden in ein Cafe, wo ein guatemalischer Kaffee meine sich bereits schlafengelegten Lebensgeister wieder geweckt wurden. Zurück am Bahnhof warteten wir noch ein halbes Stündchen, bis wir unsere Plätze einnehmen konnten.

Leider muss man festhalten, dass deutsche Züge nicht zum Reisen gemacht wurden. Wie sonst ist es zu erklären, dass man einen Trolley nicht durch die engen Gänge ziehen kann? Als wir endlich saßen, mussten wir erste Verluste des Materials beklagen…nichts, was man nicht mit einer Rolle Panzertape wieder fixieren kann, aber ärgerlich ist es trotzdem. Ein weiteres Mosaiksteinchen meiner Ablehnung gegenüber der Bahn AG war gelegt…

Beim Umsteigen in der Stadt des, zu dem Zeitpunkt zukünftigen, deutschen Fußballmeisters wurde es uns fast schon zu einfach gemacht. Derselbe Bahnsteig, lediglich die andere Seite. Na toll, hätte ich das gewusst, hätte ich keine halbe Stunde zum Umsteigen eingeplant. Hätte, hätte, Fahrradkette…

Ab hier hatten wir Sitzplatzreservierung, die natürlich besetzt waren. Also die zwei Damen weggescheucht, Laptop rausgeholt und versucht zu surfen. Es blieb beim Versuch, der nur in den Bahnhöfen von Erfolg gekrönt wurde. Dann halt Papa Bescheid sagen, der so nett war, und uns vom Bremer Hauptbahnhof abholte. Völlig erschlagen kamen wir in Delmenhorst an, packten unsere Sachen aus und unterhielten uns noch kurz mit meinem Vater in der Küche.

Wenn bloß nicht diese kleinen Fliegen die ganze Zeit nerven würden. Und wieso sind das so viele? Hier ist doch nichts schlecht geworden? Wir haben doch alles verbraucht und den Kühlschrank leergeräumt…

Dann fiel es uns wie Schuppen vor die von den Augen. Ein kurzer Blick in die Ecke des Katzenfutters und schon ward das Nest gefunden. Ein aufgeplatzter Beutel reifte in unserer Abwesenheit munter vor sich hin…Willkommen zu Hause. 😐

Kurzerhand ein paar Gläser mit Saft, Essig und Spüli aufgestellt, um die Fliegen in die Falle zu locken. Und ab auf die Couch. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits über 24 Stunden auf dem Buckel. Nach einer Stunde musste aber gut sein, schließlich wollten wir uns schnell umgewöhnen. So ein Jetlag ist ja kein Vergnügen…

Das mit der Stunde klappte auch ganz gut. Den Rest des Abends dümpelten wir vor uns hin und gingen zeitig wieder ins Bett. Schade nur, dass ich um zwei Uhr Nachts hellwach war…

Zur Info: Den Jetlag wurden wir dann schnell los. Ganz schnell. Nämlich gleich nach dem Osterwochenende als wir wieder anfingen zu arbeiten. Bis dahin…nachts wach, tagsüber knackenmüde.

Und wie weiter?

Seit über einem Monat sind wir zurück und vermissen Amerika. Und meine Cousine nebst ihrer Familie. Wenn wir eins von drei Liedern hören ist es besonders schlimm mit dem Fernweh. So geschehen letzten Freitag auf dem Weg nach Berlin, wo nur das Stück von Lynyrd Skynyrd fehlte. Aber vom Berlinwochenende erzähle ich ein anderes Mal.

Jetzt suche ich erstmal Hochzeitsfotos raus, die hier die Tage veröffentlicht werden.

Wem die Kirsche glüht

Nach unserer Hochzeitsreise hatten wir zwei frisch Vermählte uns vorgenommen, in nächster Zeit auch Deutschland näher unter die Lupe zu nehmen. Vornehmlich haben wir uns Städtereisen vorgenommen. Dank einer anderen Hochzeit, die uns am Arsch vorbei nicht sooo interessierte, sahen wir uns nach Fluchtmöglichkeiten um und fanden sie im Kirschblütenfest in Elmering-Sußen bei Bad Drecksweiher.

Darauf aufmerksam machte uns der Maskierte, den wir umgehend kontaktierten und spontan einen Termin abmachten. Er verband das Gute mit dem Nützlichen und organisierte noch auf die schnelle einen beruflichen Termin. So blieben seine Kosten niedrig und wir konnten uns auf seine Kosten volllaufen lassen den Weg zur Bank sparen auf dem Kirschblütenfest treffen.

Wir tauschten zur Sicherheit noch die Handynummern aus, schließlich sind meine Ortskenntnisse um Elmering nicht so überragend. Das änderte sich bei der Ankunft in dem beschaulichen Örtchen, denn durch das Fest war das ganze Dorf auf den Beinen und aus den umliegenden Ortschaften die Parkmöglichkeiten erschöpft. Hauptsächlich Autos aus Bad Drecksweiher (BAE) waren zu sehen. Wir kurvten umher, bis wir Elmering fast auswendig kannten, mit Ausnahme des Dorfkerns, wo wir uns mit dem Maskierten treffen wollten.

Auf einer Wiese zwischen Elmering-Sußen¹ und Bad Drecksweiher fanden wir dann tatsächlich eine Möglichkeit, mein süßes Baby zu parken. Ich erspähte ein Taxi und hoffte, den Weg nach Elmering rein nicht laufen zu müssen, da schoss das elfenbeinfarbene Gefährt schon an uns vorbei. Für einen kurzen Moment konnte ich die Augen des Fahrers sehen und es sah aus, als hätte er gerade den Leibhaftigen gesehen. Und seine Haut unterschied sich nicht großartig von der Farbe seines Autos. Dabei dachte ich, auf einem Dorf im Süden Deutschlands geht es gemütlich zu, aber dem Kollegen stand eindeutig die Angst ins Gesicht geschrieben. Wir erfuhren leider nicht, warum…

Na gut, wir sollten es nicht mehr rechtzeitig zum Marktplatz in Elmering-Sußen schaffen und riefen mal lieber den Maskierten an. Erstens ist das Teil unserer guten Erziehung und zweitens sollte der Gute nicht denken, wir hätten ihn versetzt. Er rang sich ein trockenes „Hallo“ aus der Kehle und ich wusste, all zu lange durften wir nicht orientierungslos herum schlendern.

Kaum am Marktplatz angetroffen, erblickten wir auch die auffällige Gestalt am Brunnen. Und darunter saß ein Mann (?) mit Sturmhaube, die, kaum das sie in unsere Richtung sah, aufsprang und auf uns zu rannte. Das Völkchen in Elmering scheint tatsächlich etwas ängstlich zu sein. Denn während der Maskierte auf uns zu rannte, zogen einige um uns herum ihre Handys aus den Taschen. Nach der innigen Umarmung merkte aber auch der letzte Einheimische, dass die Person mit der Sturmhaube keinen explosiven Gürtel umgeschnallt hatte.

Wir schauten jedenfalls noch irrititert, weil wir bis zuletzt nicht sicher waren, ob uns nun Männlein oder Weiblein gegenüberstand. In diesem Internet-Dingens weiß man ja nie. Als der Gute aber so in voller Pracht vor uns stand, war uns klar, so unförmig ist keine Frau eine Sturmhaube trägt eine Frau nicht zu einem Hemd.

Wir gingen über den Marktplatz durch einen kleinen Park und kamen zur Festwiese, wo Kirschbäume (angeblich japanisch) den Platz zierten. Der Maskierte, erfahren wie er mit der Maske nun mal ist, erklärte uns, mögliche Nachfragen bezüglich der Haube mit „seltener Hautkrankheit“ zu beantworten. Sollte uns Recht sein, so standen wir als barmherzige Samariter da, die ihre Freunde trotz Krankheit begleiten.

Wer schon mal auf einem Jahrmarkt in einem kleinen Dorf war, kann sich ungefähr vorstellen, welche Stände aufgebaut waren. Uns interessierten erstmal diejenigen welchen, die die unterste Stufe der maslowschen Pyramide abdeckten. Beim anschließenden Gespräch lernten wir uns näher kennen. Erst machte er mich darauf aufmerksam, dass der menschliche Körper, nicht wie ich neulich schrieb, einer Dehydrierung ausgesetzt ist, sondern einer Dehydration. Ich entgegnete erbsenzählerisch, dass es dann Dehydratation heißen müsste. Woraufhin er konterte, dass im Springer Lexikon der Medizin der Begriff Dehydration synonym für Dehydratation steht. Dieses Argument wischte ich beiseite, mit dem Vermerk, dass man Springer niemals glauben sollte.

Wir redeten jedoch nicht nur über unseren Flüssigkeitshaushalt, wir handelten auch. Man sagt zwar, dass ein gutes Bier drei Brote ersetzt, aber darauf wollten wir uns nicht verlassen und versorgten uns vorsichtshalber noch mit dem einen oder anderen gegrillten Schlachterzeugnis.

Ein Thema wurde jedoch ausgespart und es ist dem Maskierten zu verdanken, dass es dennoch aufs Tapet kam. Die Rückfahrt musste jemand übernehmen. Ich traute mich nicht, diese ehrenvolle und ruhmreiche Aufgabe meiner lieben Frau aufzubürden. Der Maskierte jedoch nahm seinen ganzen Mut zusammen und schaute sie bettelnd flehend wimmernd herzerweichend an. Ich könnte schwören, seine Augen durch die verspiegelte Brille gesehen zu haben.

Jedenfalls nahm Steffi das Angebot gerne an, uns zu fahren und machte aus zwei Männern zwei glückliche Kinder. Womit letztlich klar ist, dass

– Frauen aus Männer Kinder machen können.

– Frauen aus Kinder Männer machen können.

– Männer ihr Lebtag Kinder bleiben.

Bevor Steffi auf vitaminreiche Getränke umschwenkte, genossen wir noch zu dritt Cuba Libre. Und der Cuba Libre genoss zu dritt den Abgang in unsere Kehlen. So ein Cocktail will ja auch nicht alleine sein. Das Festzelt, wo die Cocktailbar stand, war um die Uhrzeit noch nicht so unser, weshalb wir uns kurzentschlossen auf eine Rundreise um die Festwiese begaben. Wir inspizierten jeden Bierstand, und ich meine JEDEN Bierstand, auf ordnungsgemäße Ausführung des Schankbetriebes und können resümierend festhalten: Alles in Ordnung.

Nicht mehr so in Ordnung war der Sitz der Maske bei unserem Begleiter. Kurz vor Ende des Rundgangs wurde der Hals leicht freigelegt und offenbarte einen zwei Zentimeter breiten Streifen seiner Haut. Ich könnte jetzt schreiben, dass er eine weiße Hautfarbe hat. Aber erstens möchte ich den Schutz der Identität nicht verletzen und behalte das für mich. Und zweitens war die Haut nicht mehr sooo weiß, sondern schon mehr ins rötliche verschoben. Kein Wunder bei 28 Grad Außentemperatur. So ganz trocken war die Haube auch nicht mehr. Doch der Identitätsschutz erfordert nun mal auch Opfer.

Auf sein derangiertes Äußeres und dem drohenden Schutzverlust seiner Identität wies ich ihn mit unseren vorher abgemachten Spruch

Wem die Kirsche glüht

hin. Er begriff sofort, nestelte am unteren Ende seiner Haube rum und zog sie sich wieder zurecht.

Nun fühlten wir uns von innen heraus auch gewappnet für die zweitklassigen Ballermann-Hits, die im Festzelt vorgetragen wurden. Wobei sich hier die Frage stellt: Gibt es auch erstklassige Ballermann-Hits?

Wie auch immer, wir stiegen nun zu etwas gesünderem um. Immer nur Hopfen und Malz ist ja nicht so gut für die Figur. Also bestellten wir uns Tee.

Computer? Tee! Long Island. Eisgekühlt.

Steffi ließ sich bunte Früchte im Glas stapeln, was den Maskierten zu einer frotzigen Bemerkung verleitete, die er, kaum das er Steffis Blick erntete, schon bereute.

Häuptling „maskierte lose Zunge“ sollte seine Worte mit Bedacht wählen, sonst geht ihm sein Pferd abhanden

gröhlte ich, und erntete den nächsten bösen Blick von Steffi.

Unser Glück, dass Steffi die Barmherzigkeit in Person ist. Ihr Pech, dass wir beim angekommenen Alkoholpegel nur noch die erste Silbe des Wortes Barmherzigkeit fast fehlerfrei buchstabieren können. Denn jetzt sollte es unbedingt Autoscooter sein. Was sie jedoch komisch fand, konnte sie doch endlich mal mit mir auf einer Kirmes in ein Fahrgeschäft rein. Das glückt ihr sonst nie.

Der Maskierte schmiss 20 Runden für jeden von uns auf den Markt und die waren noch zu wenig. Okay, am Ende machte ich Geräusche wie unsere Katze, wenn sie wieder mal an der Palme geknabbert hat, deren Blätter sie nicht sooo gut verträgt. Aber ich besann mich an mein Motto „Speifrei seit 03“ und überhaupt wollte mein Körper die glückseligmachende Flüssigkeit nicht freiwillig hergeben, auch wenn das Wichtigste bereits gefiltert und in die Blutbahn übergeben wurde.

Aus dem Festzelt dröhnte endlich gute Musik, also gaben wir dem Abend noch eine Chance und schlumpften hinein. Man könnte behaupten, wir sind wegen des Cuba Libres noch mal rein, aber das sind nur Gerüchte. Ich zeigte Steffi, dass unser Tanzkurs sich gelohnt hat und forderte sie auf. Aber entweder war sie bereits müde oder sie hatte keine Lust. Nach einem Lied war bereits Schluss und mit schmerzverzehrtem Gesicht bedankte sie sich für die Einlage und verwies mich zurück an den Tresen, wo der Maskierte schon mit der nächsten Runde wartete.

Kurz vor Mitternacht (gefühlt) erwähnte Steffi, dass es Zeit fürs Bett wäre und ich in meinem Zustand, den ich jetzt hätte, Sex vergessen könnte. Bei mir ans Ohr drangen die Worte

Bett…jetzt…Sex

Hier wurde die neu gewonnene Freundschaft mit dem Maskierten auf die Probe gestellt und er war der Einzige, der sich gegen die Ungerechtigkeit des frühen Aufbruchs zur Wehr setzte, während ich mit meiner Nase den Nacken- und Schulterbereich meiner Herzallerliebsten Molekül für Molekül untersuchte.

Der Weg zum Auto war dann auch gar nicht sooo lang wie es sich noch auf dem Hinweg anfühlte. Ob es am Bier lag, dass wir mitnahmen, oder am schnellen Schritt den wir draufhatten, lässt sich abschließend nicht mehr klären. Steffi war uns jedoch immer voraus, egal wie schnell wir liefen. Kaum das wir sie eingeholt hatten, war sie uns schon wieder zwei Meter voraus. Spöttisch bemerkte sie

Da habt ihr es euch heute aber gegeben.

Ich verstand jedoch nur:

Dir werde ich es heute noch geben.

Worauf ich sofort wieder auf sie aufschloss. Nur um gleich darauf wieder an Boden zu verlieren. Es war wie verhext. Dieses maulwurfhügelige in der Landschaft liegt mir lauftechnisch einfach nicht.

Nach 2 km Fußmarsch waren wir dann auch bei unserem Auto angekommen. Wir stiegen ein, als ein dumpfer Knall mich erschreckte. Ich wollte gerade den Maskierten anrauzen

Das ist ein Auto, meine Schatztruhe mit Fenstern und kein Kühlschrank.

da sah ich, dass er noch gar nicht die Tür zugemacht hat. Er war noch nicht mal richtig eingestiegen, sondern rieb sich nur den Kopf. Passiert sei aber nichts, wie er beteuerte.

Laut lachend scherzten wir im Auto, was Steffi zum Anlass nahm, die Fensterscheiben runterzumachen, um den Schalldruck Gelegenheit zu geben, zu entweichen. Ein Fehler, da wir es waren, die versuchten zu entweichen. In bester Surfer-Manier hingen wir elegant aus dem Fenster und genossen den Fahrtwind. Außerdem nahm ich mir fest vor, dass das nächste Auto ein Sonnendach hat. Oder gleich ein Cabrio ist.

In Bad Drecksweiher legte Steffi den geilsten U-Turn überhaupt hin und kam exakt vorm Hotel zum Stehen, wo der Maskierte uns verließ. Im Rückspiegel sahen wir ihn noch winken, wollte er uns auf seinen bevorstehenden Sprung über die Hecke aufmerksam machen? Und Tatsache, wie einst die berühmte Rosemarie Ackermann² nahm der Maskierte die Hecke in der typischen Straddle-Sprungtechnik . Ich lehnte mich ein letztes Mal aus dem Fenster und applaudierte anerkennend, doch wurde dieser wohl nicht mehr vom Maskierten vernommen. Kurz darauf versank das Hotel im Schleier der Nacht.

Nach kurzer Fahrt kamen wir in Delmenhorst an – unglaublich wie schnell wir angekommen sind, kurz eingenickt, aufgewacht und wir waren da – und es ging stante pede ins Bett. Schließlich ist mir ja was versprochen worden. Bevor mein Kopf auf das dazugehörige Kissen aufschlug, schlief ich auch schon tief und fest…

  1. Historische Ergänzung des Maskenträgers: Das Kirschblütenfest ist eigentlich eine Sußener Tradition, nur die Festwiese liegt in Elmering. Da die beiden Orte aber aufgrund ihrer überschaubaren Größe kaum auseinanderzuhalten sind und die Trennung nur aufgrund eines großbäuerlichen Familienstreits nach einer Heirat des ältesten Sohnes im Jahre Siebzehndrölfzig erfolgte, man sprach zuvor von der Sußener Elm, wurden diese folgerichtig mit der Gemeindereform 1975 wieder zusammengefasst. Um den alten Streit zwischen den Familien Sußen und Elmer vergessen zu machen und die inzwischen gewachsene Eigenidentität der einzelnen Familienteile zu betonen, griff man nicht auf den alten Namen Sußener Elm zurück, sondern schuff den neuen Doppelnamen.
  2. Die in diesen Landen ungleich bekanntere Ulrike Meyfarth ist hier aus zweierlei Gründen nicht lobend erwähnt. Erstens sprang sie den Fosbury-Flop und zweitens ist sie Botschafterin der unsäglichen INSM. Bezeichnend, dass die ostdeutsche Frau Ackermann heute in der Arge arbeitet, während die westdeutsche Meyfarth Lügen der Arbeitgeber unterstützt…
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Wer die Kirsche bemüht

Dieses Wochenende war es so weit, Stefan freute sich ja schon lange auf das Treffen mit DEM Maskierten, irgendwo im süßen Bad Drecksloch. Da sollte auf jeden Fall der Bär steppen, weil irgend so ein Bachblütenfest stattfinden sollte. Ich vergess grundsätzlich wo und warum solche Straßenplatzfeste stattfinden, hauptsache man kann essen, trinken und evtl. – mit viel Glück – das ein oder andere Fahrgeschäft mitnehmen.

Kurz nachdem wir auf die Autobahn fuhren, erfuhr ich auch noch, dass es sich um das jährliche Kirschblütenfest in Elmering – Sußen *zzzzzzzzzz* – da war ich auch schon eingenickt. Als mein Körper anfing unrhythmisch im Stop and Go Takt des Straßenverkehrs mitzuwippen, kehrte ich langsam in die Welt der Wachen zurück und erblickte Menschenmassen auf den Gehwegen und allerlei fröhliche Gesichter. Wir mussten an unserem Ziel angekommen sein, also fing ich an mich zu recken und strecken, ein wenig frischen Wind in unser Auto zu lassen und mich auf das Treffen mit dem Unbekannten einzustimmen. Zeit genug hatte ich dazu ja, denn die Parkplatzsuche sollte sich als echte Herausforderung herausstellen. Aber mein Schatz hat das wie immer voll im Griff und ergatterte noch auf irgendeiner abgelegen Wiese einen mehr oder weniger legalen Parkplatz. Nu mussten wir uns aber auch sputen und bei strahlendem Sonnenschein den Weg zum Marktplatz flotten Schrittes bewältigen. Nach ca. 20 Min. Fußmarsch erblickten wir in der Ferne schon den Brunnen unseres Treffpunktes. Ich blinzelte ein paar mal und täuschte mich nicht, im grellen Sonnenlicht hastete einen Gestalt auf uns zu – ich guckte genauer – hey, der Typ ist maskiert?!? Ich drehte mich hektisch nach links und nach rechts, um ein evtl. Ziel auszumachen. Doch als ich noch mit panischem Blick die Passanten um mich herum taxierte, blieb der maskierte Fremde schon direkt vor uns stehen und begrüßte Stefan mit einer herzlichen Umarmung. Puuuhhh! Da musste ich Lachen, natürlich „der Maskierte“, welch witzige Idee, seinem Namen solch Ehre zu machen, wenn nicht auch bei diesen Außentemperaturen eher wahnwitzig. Nach den üblichen Begrüßungsfloskeln wurde aber schnell klar, dass das ein netter Tag werden würde, da wir schnell in allerlei Gesprächen aufgingen.

Auf dem Festplatz angekommen suchten sich die Zwei auch gleich den typischsten Männerladen schlechthin aus. Hauptsache Schwenkgrill und Bier. Na gut, mir sollte es recht sein, hatte ich doch tierischen Brand auf ein leckres Alster und dazu ein kleines Stück mageres Rindersteak in selbstgebackenen Brotmantel mit einem Hauch von Knoblauchdip und feinem Salat vom Kraut… wir wissen alle dass die Realität dir auf solch einem Fest nur eine durchsiffte Serviette mit matschigem Brötchen, fettigen & sehnigem Steak mit nem Flatschen Tzatze und wässrigem Krautsalat gönnt.

Im Gegensatz zu den Männern hielt ich mich ein wenig länger an meinem Alster fest, wollte ich doch später noch meinen Geldbeutel im Cocktailzelt leeren. Doch diese Rechnung hab ich leider ohne die Kraft der Männerhundeblickfraktion gemacht. Prompt kam die Frage auf den Tisch, wer von uns Hübschen denn das kurze Streichholz gezogen hat und heute Abend den Chauffeur spielen darf. Diese Frage hatten wir bis dato offen gelassen. Meinen Gatten kenn ich zu gut, um zu wissen, dass sein Schweigen und seine Art mich nicht anzugucken, ein Flehen und Bitten im Inneren darstellt. Als mich dann auch noch der Maskierte mit seinem Blick, der sich hinter der Sonnenbrille nur erahnen ließ, charmant überreden wollte, konnte ich gar nicht anders, als mich in mein Schicksal zu ergeben. Adieu leckere Cocktails!

Einer wurde mir dann allerdings doch noch gegönnt, bevor der Startschuß zum Hopfen und Malzbudenmarathon fiel. Das war dann auch der Anfang vom Ende. Ehrlich, wer kennt es nicht? Jeder war bisher einmal der nüchterne Trottel unter einer Gemeinschaft feuchtfröhlicher Gesellen. Entweder man erkennt seinen ganz eigenen Humor bei der Sache und genießt den Abend mit Notizbuch (für spätere Nachfragen oder Schenkelklopfer), Fotoapparat (um „ach du spinnst ja, das hab ich nie gemacht“ Äußerungen  gegen die Wand laufen zu lassen) und natürlich dem Fremdschämen oder …man macht es nie wieder! Ich entschied mich für erste Variante und beobachtet und belächelte den langsam eintretenden Verfall von: 1. Sinnhaftigkeit der gewählten Gesprächsthemen

Wo ich bei den ersten drei Buden, die wir wirklich im Marathontempo hinter uns ließen, noch sinnig dem Gesprächsverlauf folgen konnte und auch selbst noch dran teilnehmen durfte und wollte, machte sich nach dem vierten Hindernis langsam die Einwirkung  der 28° warmen Außentemparatur in Zusammenarbeit den knallenden Sonnenstrahlen und der Trinkgeschwindigkeit von 1Schluck/10sec bemerkbar. Mittlerweile hatten sich die beiden Jungs die Spitznamen Pinky and the Brain verpasst weil sie seit geraumer Zeit über die Auswirkungen verschiedenster Gesellschaftsformen lamentiert haben. Deshalb sollte nun ein unumstrittener Plan zur Übernahme der Weltherrschaft ausgetüftelt werden, doch leider kamen sie über die Festlegung wer von ihnen „the Brain“ war nicht hinaus und kamen dort vom hundertstel ins tausendstel. Ich konnte irgendwann dem Gesprächsniveau nicht mehr folgen und zudem wurde es mir erschwert durch Verfall Nummer 2:

Steuerung der Artikulationswerkzeuge.

Dasssch zuhören wurde zuuuunneh-nehmend amüssssssanter. Die Sätze sprudelten nicht mehr aus den beiden heraus, sondern schlängelten sich vielmehr ihren Weg, wie ein Fluß durch den Wald, bei dem der ein oder andere Tropfen einfach versickert. Wir waren mittlerweile wieder beim Festzelt angekommen, wo ich meinen müden Beinen ihre wohlverdiente Sitzpause gönnte und mir sogleich einen klebrigen, superleckeren, vor Grenadine strotzenden Früchtecocktail bestellte. Die Jungs sind beim Long Island Ice Tea hängen geblieben, und erstaunlicherweise ist er ihnen sehr gut bekommen, ohne sie vollends aus den Schuhen zu holen. Sie witzelten auch gleich, frohen Mutes über meinen Zuckergesöff, was ich aber gepflegt zu ignorieren wusste, weil sich eine Diskussion hier sowieso nicht lohnen würde. Trotz meines offensichtlich überlegenden Geisteszustands, hätte ich jede weitere Unterhaltung über die Qualität meines Cocktails verloren. Plötzlich und unerwartet, kam es dann zu Verfall Nummer 3.

Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten und Ängsteverlust

Mein Stefan, dem sich sonst schon vom bloßen Zugucken jeglicher Spaßbuden der Magen dreht,  kam auf die glorreiche Idee, dem Autoscooter einen Besuch abzustatten. Memo an mich: Bevor oder während eines Kirmesbesuchs, Stefan abfüllen und dann die Fahrgeschäfte ansteuern. Der Maskierte nahm die Idee überschwänglich entgegen und beide liefen gutgelaunt zu besagtem Fahrgeschäft. Ich entschuldigte mich noch schnell bei meinen Füssen und schlurfte hinterher. Dort angekommen drückte mir der Maskierte auch gleich 20!! Chips in die Hand. Allerdings gab ich nach 10 Runden auf und verschenkte die restlichen Chips an eine Jugendgruppe, die nicht so protzig und überkandidelt daherkam und verbrachte die restliche Zeit dabei zwei Personen zu beobachten, die einen heiden Spaß dabei hatten ihre erwachsenen Körper in die doch eher enge Sitzfläche des Scooters zu quetschen und sich trotz Zielwassers öfter gegen die Bande setzten als sich gegenseitig aus der Bahn zu schießen.

Der Weg zurück zum Festzelt war ein Weg der Ruhe. Beide Körper mussten mit der dauerhaften Rotations- und Geschwindigkeitsaufnahme erstmal zurechtkommen und das Blut wieder zurück in den Kopf pumpen. Denn dort konnte gerade nicht viel sein, so bleich wie die beiden waren. Doch kaum am Zelt angekommen und das Glas in der Hand fanden die Zwei ihre ursprüngliche Verfassung wieder und quasselten, scherzten und diskutieren wieder um die Wette. Ich lehnte mich zurück und beobachtet das ganze Geschehen und lenkte durch die ein oder andere Bemerkung die Gespräche in andere Richtungen. Gerade dachte ich, dass der Abend doch sehr entspannt ist, da schlägt Stefans Hand vor mir nieder und betont dadurch die Aufforderung zum Tanzen. Er hats noch drauf mich zu überraschen…

Überraschungen müssen nicht immer positiv sein. Nach dem Lied hab ich unsere Einlage lieber abgebrochen, da seine Füsse wohl öfter die Meinen getroffen haben, als den Zeltboden. Aber süß fand ichs trotzdem… Da mir die Musik aber gerade sehr gut gefiel, blieb ich noch ein bißchen auf der Tanzfläche und überließ den Jungs ihrer eigenen Gedankenwelt. Müde war ich nicht, wie konnte ich auch nach der Masse an Coffein die ich durch Cola zu mir nahm, doch merkte ich, dass sich die Reihen im Zelt lichteten und die Gläserschubser Bediensteten anfingen die ungenutzten Stühle zu räumen. Es war nun auch schon 1:30Uhr und wir wissen, auch auf dem Dorf gibt es Ruhezeiten. Ich rechnete mir also aus, dass der ganze Spaß hier höchsten noch ne Stunde gehen würde und versuchte vorsichtig bei den Jungs meinen Wunsch zum Aufbruch durchschimmern zu lassen. Schließlich wollt ich nicht die Letzte sein, die 2 Schnapsleichen aus dem Zelt manövrieren muss. Merkwürdigerweise erntete ich von meinem Mann keinerlei Widerrede sondern, im Gegenteil, er leerte das Glas mit überhasteten letzten Zügen und trieb seinen neugewonnenen Trinkkamerad zur Eile.

Mir graute vor dem Rückweg, hatte ich doch meine Füsse auf der Tanzfläche nicht geschont und hatten wir noch gut 2km Fußmarsch vor uns. Der sollte auch nicht schnell zu bewältigen sein, hatte ich doch die zwei Marathonmänner im Schlepptau, die sich noch für ein „Feierabendbier“ für unterwegs entschieden haben. Meine spöttische Bemerkung, dass sie es sich heute aber mal richtig gegeben haben, wurden lallend aber mir unverständlich kommentiert, so dass ich auch weiterhin mein Grinsen nicht aus dem Gesicht bekam. Es waren schon zwei nette Gestalten, die hinter mir einen Slalom vom feinsten abwickelten. Schön, dass sie sich so gut verstanden, dass sie sich gegenseitig unter die Arme griffen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, kamen wir endlich beim Auto an, wo der Maskierte nochmal für einen herzhaften Lacher meinerseits sorgte, als er maßgenau mit seiner Stirn den Türrahmen anpeilte und ihn zu durchstoßen drohte. Seine Sturmmaske diente ihm als Dämpfer, so dass es zu keinem Dämpfer der guten Laune auf der Rückbank kam. Aus den Männern am Nachmittag sind Jungs geworden, der ich mit der Idee die Fenster runterzumachen, leider die Flause in den Kopf gesetzt hatte, sich mal schön weit aus diesem zu lehnen. Und sie sangen und sie gröhlten. Ja, die Jungs hatten ihren Spaß. So ausgelassen hab ich Stefan schon lange nicht mehr erlebt.

Zu meinem Glück saßen beide bereits wieder angeschnallt auf ihren Sitzen, als ich erschrocken auf der linken Seite das Hotel meines Mitfahrers entdeckte und aus Reflex das Lenkrad zu einer gewagten Drehung einschlug. Ich erntete Applaus als ich vor dem Hotel zum Stehen kam, während ich mir unaffällig den Schweiß von der Stirn wischte. Wir verabschiedeten uns voneinander und während die Zwei planten, den heutigen Abend auf jeden Fall zu wiederholen, dachte ich bei mir, dass ich dann auf jeden Fall auch auf der anderen Seite des Alkohlpegels mitmischen werde.  Als ich den Wagen wieder in Bewegung setzte, hörte ich nach Kürze Stefan applaudieren und lachen, als ich um die Ecke bog und ihn fragte was denn jetzt noch gewesen wäre, erntete ich nur noch ein liebliches Schnarchen.

Zu Hause angekommen, war ich dann auch fix und fertig. Stefan murmelte noch etwas von er läge sich schonmal hin, wäre aber für mich bereit, was ich achselzuckend zur Kenntnis nahm. Als ich dann aus dem Bad ins Schlafzimmer ging, ruhte mein Liebster schon seelig schlummernd, mit einem Grinsen im Gesicht in den Federn. Auch ich legte mich nieder und schlief mit der Frage ein, wieso wir nach der langen Zeit mit dem Maskierten immer noch nicht seinen Namen kannten.

Die Idee zu unseren beiden Einträgen über das Kirschblütenfest stammen vom unnachahmlichen Maskierten, dessen Beitrag über das Fest Ihr über diesen Link findet. Liest ihn! Ihr werdet es nicht bereuen.

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Flittern in sweet home Alabama (13) – Sonnenuntergang

Heute hatten wir uns zwei Sachen fest vorgenommen.

Erstens: Den Sonnenuntergang auf Dauphin Island bewundern (wenn nicht irgendwelche Wolken uns einen Strich durch die Rechnung machen…)

Zweitens: Janas Auto vom Parkplatz der Bel Air Mall wegholen.

Zuerst wurde aber die Liveübertragung der Bundesliga verfolgt. Hat schon was witziges, wenn man um 8:30 Uhr der Übertragung lauschen kann. Muss man wenigstens nicht lange warten. 🙂

Das Ganze schön entspannt am Pool. 🙂

Steffi entdeckte dann eine SMS auf ihrem Handy. Ihre Schwester:

Gehts Euch gut? Wirbelstürme in Alabama – 7 Tote. Bitte meldet Euch!

Öhm, wie bitte? Hier scheint die Sonne, wir liegen am Pool und bestenfalls ein laues Lüftchen streichelt unsere AstralKörper. Von Wirbelstürmen keine Spur. Ein Blick ins Internet offenbart die Tragödie. Am Vortag gab es mehrere Tornados. Im  Südosten der USA wurden 240 gemeldet, davon über 160 in Alabama. Der nächste wütete 50 km nördlich von Mobile. In Mobile wurde am Vortag in Downtown eine Tornadowarnung ausgegeben und über die öffentlichen Sirenen gewarnt. Susanne und Jörg, die am Vortag in Downtown wegen der Prom-Night von Linus waren, haben davon nichts mitbekommen. Auch Linus, der die Nacht am Strand verbracht hatte, ist nichts aufgefallen.

Also erstmal Entwarnung nach Deutschland schicken. Alles okay hier.

Danach machten sich Jörg und ich auf. An der Fensterscheibe von Janas Wagen prangte schon ein Zettel der Bel Air Security, dass der Wagen abgeschleppt werden würde, wenn er weiterhin über Nacht dort rumstehen würde. Hmm, dann müssten wir das nicht machen… 😉

Vorher versuchten wir aber das Auto doch noch zum Starten zu überreden. Leider ohne Erfolg. Der Anlasser, dass erkannten wir mit unseren geringen autonmechanischen Kenntnissen, war Schuld. Den Trick mit dem Hammer* kannten wir auch, nur leider verhielt sich der Anlasser störrisch. Wir suchten eine Werkstatt in der Nähe auf, die aber hauptsächlich auf Reifen spezialisiert ist. Dort gab man uns den bereits bekannten Tipp mit dem Hammer, was uns auch nicht weiter geholfen hat. Wir fuhren noch mal zum Auto zurück, klopften nochmals mit dem Hammer darauf rum und selbst ein hilfsbereiter Amerikaner der neben uns parkte, gelang nicht der glückliche Hammerschlag.

Also sind wir zu den Pep Boys, damit wir uns wenigstens mit einem Abschleppseil ausrüsten. Dann wieder zurück, das Seil an den Autos anbringen und wieder zurück zu den Boys. Nicht so einfach, in einem dunklen Auto vier Meter hinter dem abschleppenden Vordermann in einem fremden Land cool zu bleiben. Die nicht vorhandene Servolenkung und Bremskraftverstärkung trug unwesentlich zum erhöhten Schweißausstoß dazu.

Erschwert wurde das Ganze zusätzlich zur nicht vollständig durchdachten Bauweise des Abschleppseils, genauer: Deren Haken an den Seilenden. Die Haken waren nämlich offen und sobald die Spannung zwischen den Autos nachließ, bestand die Gefahr, dass sich die Haken lösten. So einmal auf einer Kreuzung geschehen…

Wir kamen dennoch gesund an und parkten das gute Stück vor der Werkstatt. Und ein Dankeschön von Jana gab es auch.^^ (<-ist ein Insider…)

Nach so viel Arbeit wartete der Pool schon auf mich. Den konnte, wollte und durfte ich nicht enttäuschen. 🙂

Am Nachmittag fuhren wir endlich auf die viel gepriesene Dauphin Island. Der gut eine Stunde dauernde Weg lockte abermals mit einigen Attraktionen. Typisch für die Bay: Pelikane

Aber auch die Brücke war uns ein paar Fotos wert (die wir Euch bis auf zwei ersparen…). Von weiten macht sie nicht viel her, abgesehen von ihrer Erhebung. Darunter findet der internationale Schiffsverkehr statt.

Fährt man aber unmittelbar auf die Erhebung zu, dann erkennt man auch die Dimension. Ich mit meiner Höhenangst musste jedenfalls kräftig schlucken. Das rhythmische Wippen des Autos dank der Betonplatten trug nicht sonderlich zur Beruhigung meiner Nerven bei.

Auf Dauphin Island angekommen fielen uns vier Häuser auf, die wie eine Filmkulisse wirkten. Sie sind jedoch Teil des Bootsanlegers, wo man Ausrüstung deponieren kann. Hochkant. 😉

Während des Oilspills im letzten Jahr litt Dauphin Islands massiv an den ausbleibenden Touristen und tut es wohl auch noch. Wir konnten, wieder mal, nicht einen einzigen Ölklumpen entdecken. Was aber nicht unbedingt ein Vorteil sein muss, wie ich schon andernorts bemerkte.

Jedenfalls ist am westlichsten Ende der Insel ein Parkplatz, wo man nur noch ein paar Meter laufen muss um am Strand zu sein. Der ist auch von der Lifeguard bewacht und kostet Geld. Also eigentlich kostet der Parkplatz Geld. Zu Susannes Überraschung. Denn letztes Jahr konnte sie noch umsonst am Strand parken. Da war aber auch alles anders…Oilspill.

Weil der Strand jedoch um 18 Uhr geschlossen wird und es schon nach 17 Uhr war, ließ uns der freundliche Lebensbewacher kostenlos parken. Ins Wasser sind wir sowieso nicht, weil es schon wieder arg windig war. Wir freuten uns trotzdem da zu sein.

Um kurz vor 18 Uhr machten wir wieder die Biege und fotografierten noch ein paar typische Häuser, während wir nach einer Parkmöglichkeit suchten.

Die Häuser auf Dauphin Island sind nicht ohne Grund auf Stelzen gebaut. Während der Hurrikansaison wird die Insel regelmäßig überflutet. Von daher ist es durchaus sinnvoll, seinen Einkauf ein paar Treppenstufen hinaufzuschleppen.

Bis zum Sonnenuntergang sollten noch anderthalb Stunden vergehen, also Gelegenheit genug, noch nach Souvenirs Ausschau zu halten. Muscheln lagen ja genug herum und wie ich inbrünstig behauptete:

Wir haben noch kein Andenken für uns von diesem Urlaub!

Abgesehen von meinen Pinguinsalzundpfefferstreuern, Quartern, Dollarschein… Steffi fand die Idee erst voll doof, später musste ich ihr beim Tragen helfen. Ist klar, oder?

Nachdem wir gesammelt, spazieren und gelesen hatten, waren wir in freudiger Erregung auf den Untergang unserer Sonne. Und dem bekam wir auch geboten. Im Vordergrund ist einer der vielen Ölplattformen zu sehen, die rings um die Insel versammelt sind. So wundert uns Europäer auch nicht der Oilspill. ABER: In der Nordsee sind ebenfalls viele viele Ölplattformen. Und Deepwater Horizon lag im Tiefwassergebiet, wo die Tiefe eben das Riskante am ganzen Unterfangen war.

Außerdem war für mich Industrieromantiker so eine Plattform im Vordergrund das i-Tüpfelchen.

Kaum war die Sonne untergegangen, ging es zurück nach Mobile. Bevor wir an die heimische Burg ran fuhren, holten wir uns heimische Burger bei den Five Guys. Diesmal mit allen Beilagen. Ein geiles Geschmackserlebnis! Und in mir keimte der Gedanke auf, einen Five Guys Laden in Deutschland zu eröffnen. Geldgeber und Interessenten bitte an die Adresse im Impressum wenden 😉

* Beim Anlassen schlägt jemand mit dem Hammer auf den Anlasser, um ein eventuelles Festsitzen der Magnete oder dem Ritzel – wat weiß ich? – zu lösen.

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Flittern in sweet home Alabama (12) – Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort…

Heute durfte ich den Hahn im Korb spielen. Denn zusammen mit Susanne, ihrer Tochter Jana und Steffi ging es wieder zu etwas typisch Amerikanischem.

Und weil Steffi und ich das Lied zu unserem Hochzeitstanz aus unserer Lieblingsserie genommen haben, ich ein T-Shirt mit dem wohl bekanntesten Wort aus der Serie mein Eigentum nenne und auch sonst schon einiges aus der Serie adaptiert haben, verkünde ich unseren heutigen Ausflug mit einem Lied aus eben dieser. Ich bin so frei. 🙂

Es ging zur ortsansässigen Bel Air Mall. Wo Steffi auf jeden Fall noch für ihre liebe Schwester ein Paar Schuhe kaufen wollte. Und für sich auch gleich ein Paar einsteckte. Weil ja „Buy 1, get the 2nd half price“ auch genutzt werden will.

An diesem Tag wurde meine Kreditkarte zum glühen gebracht. Neben den Schuhen entdeckte Steffi noch

– eine Tasche

– zwei Kapuzenjacken

– zwei T-Shirts

Für mich war auch noch was drin:

– ebenfalls eine Kapuzenjacke

– ein T-Shirt für mich und

– eins für meinen Bruder

– ein Mitbringsel für meine Mutter

– sowie eine Übergangsjacke, nach der ich noch gesucht hatte.

Und mittendrin ein Familientwist. Susannes Tochter ist, nun ja, gerade in einem Alter…

Wir sind mit zwei Autos dagewesen und Susanne wollte eventuell mit Jana zurück fahren. Janas Lust war irgendwann dann sehr übersichtlich geworden. Und das schon nach ca. zwei Stunden oder so… 😉

Susanne wollte uns noch kurz ins nächste Geschäft begleiten, was ihre Tochter mit kompletter Ablehnung quittierte. Entweder jetzt oder sie fährt alleine. Basta.

Meine Cousine war jedoch gar nicht auf Krawall gebürstet und ging mit uns weiter. Dann halt so.

Zehn Minuten später, Susanne und ich gingen gerade durch ein Geschäft, wo ich besagte Übergangsjacke entdeckte, da klingelte ihr Handy. Jana steht draußen, ihr Auto springt nicht an. Ob sie bei uns mitfahren könnte.

So fühlt sich also Schadenfreude an… 🙂

Wir waren mit unseren Einkäufen eh durch. Noch eben das Mitbringsel für meine Mutter und dann raus zur demütig wartenden Tochter.

Der Nachmittag: Business as usual.

Der Abend: Auch. Sogar ans Bier waren wir gewöhnt… 🙂

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