O-Ton (18)

Ja, wir leben noch. Nur was soll man schreiben? Meiner einer sitzt krank zu Hause und erlebt nichts berichtenswertes und Steffi sitzt bis spät in der Arbeit.

Nichts interessantes also. Aber kaum ist man in Friesland, überschlagen sich wieder die Ereignisse.

Wenn man überhaupt da hinkommt, nach Friesland. Als wir nämlich von der Autobahn abfuhren, standen wir Richtung Heidmühle im Stau. Das ist uns auch zu blöd, also drehten wir um und fuhren über Roffhausen nach Sillenstede. Am China-Restaurant „Rosengarten“ vorbei. Mit knurrendem Magen.

I: Lass uns doch hier anhalten, Deine Elten anrufen und Bescheid sagen, dass sie herkommen sollen.

S: Nein, vielleicht hat Mama ja was zu Essen zu Hause.

Hatte sie nicht. Aber sie fand es gut, spontan im „Rosengarten“ zu essen. Also sind wir wieder hin.

Nachdem wir uns vollgefressen haben und wieder zurück waren, setzten die Männer sich vor den großen Fernseher…Fußball gucken. Die Mädels verpieselten sich in das kleine Fernsehzimmer. Erika kam sogar extra noch mal rüber um in der Fernsehzeitung zu schauen, was so läuft.

Nach dem Fußballspiel schaute ich bei der holden Weiblichkeit nach dem Rechten. Sie saßen da, jeder eine Flasche Wein und unterhielten sich. In der Glotze lief ein Tatort mit der unglaublich scharfen verdammt gutaussehenden nicht so gut schauspielernden Sawatzki.

I: Oh, ihr schaut Tatort?

S+E: Ja.

I: Worum gehts?

S: Keine Ahnung…

Man sieht eine Fahrstuhlszene. Eine Frau, mit dunkler Sonnenbrille, kein Makeup unterhält sich mit der Kommissarin. Sie scheint in tiefer Trauer zu sein, aber das wäre zu naheliegend, also frage ich:

I: Ist die Frau blind?

S+E: Wieso?

I: Weil sie eine Sonnenbrille trägt. Oder macht sie das, weil sie kein Makeup trägt?

S+E (durcheinander): Die ist in Trauer, deshalb trägt sie eine Sonnenbrille.

I: Was ist das denn für ein Quatsch, deshalb trägt man doch keine Sonnenbrille.

E: Doch, dann sind die Augen so aufgequollen. Und damit man das nicht sieht, trägt sie eine Sonnenbrille.

S: Außerdem hätten wir das mitbekommen, wenn sie blind wäre.

Nächste Szene, die Kamera hält auf den Bürgersteig. Von links kommt ein langer weißer Stab ins Bild, der hin und her geschwungen wird. Die Kamera fährt hoch und man sieht die Frau mit der Sonnenbrille ihren Blindenstock hin und her schwingen…

😀

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Home, sweet home (Türkei, 8. Tag)

Fühlten wir uns am Vortag schon wie Zombies, die planlos durch das Zimmer strichen, so war an diesem Tag die Gewissheit dabei. Lediglich der Hunger nach Hirn fehlte…dafür waren die Krämpfe im Bauch zu stark, als das bei uns ein Gefühl von Hunger entstehen konnte.

Ohne Frühstück ging es also los. Diesmal waren wir sogar vor dem Bus auf der Straße. Vorher gaben wir noch den Schlüssel beim Nachtportier ab und wechselten unsere letzten türkischen Lira in Euro zurück. Das war der erste Gefallen, den er uns tun sollte. Beim zweiten Gefallen drückte ich ihm schon sein Trinkgeld in die Hand, denn der war etwas komplizierter. Angesichts seiner schlechten Englischkenntnisse noch komplizierter als ich mir ausmalte.

Denn es wahr so: Joost und Beata, unsere Urlaubsbekanntschaft der letzten Tage erzählten uns von ihrem Leid. Beim Reisebüro hatten sie ihre Hochzeitsreise bestellt, mit Honeymoonsuite und allem drum und dran, wie Sektempfang und Blumen auf dem Bett. Jedenfalls haben sich sich letztgenanntes so vorgestellt. Bekommen haben sie ein Zimmer im Erdgeschoss mit Blick auf die Müllcontainer. Da waren die getrennten Betten noch nicht mal das schlimmste. Von Sekt und Blumen, man ahnt es schon, keine Spur. Nach einer kurzen Beschwerde bekamen sie dann Zimmer im zweiten Stock, aber auch hier getrennte Betten, kein Sekt, keine Blumen. Aber wenigstens der Blick war etwas freundlicher…

Wir dagegen hatten bei unserem Zimmer den Eindruck, dass er wie eine Honeymoonsuite wirkt. Wir hatten das Zimmer ja auch unter merkwürdigen Gegebenheiten bekommen…eigentlich waren wir uns sicher: Wir haben deren Zimmer. Jetzt sind wir weg, also warum sollten die beiden nicht noch mal umziehen. Dann hätten sie wenigstens ein großes Bett und eine durchgängig funktionierende Klimaanlage. Denn deren Anlage schaltete sich nach vier Stunden ab. Unsere auch, aber auch sofort wieder an. Wenn wir aufwachten, dann in angenehm kühler Umgebung. Wenn die beiden frisch verheirateten aufwachten, waren sie klatschnass geschwitzt. Und von Sekt und Blumen haben die Zwei sich sicher schon längst verabschiedet.

Also dem Portier mit Händen und Füßen erklärt, dass die netten Leute unser Zimmer bekommen sollten. Leider verstand er nicht mal married. Aber als Nachtportier bekommt er viel vom Nachtleben mit. So beobachtete er uns in der Nacht schon beim gegenüberliegenden Pub und konnte sich an die Zwei erinnern. The guy who walked like this und machte dabei wankende Bewegungen. Ja, das dürfte hinkommen. Wir zeigten auf das vermutete Zimmer, von außen bestätigten wir das noch mal und sind bester Hoffnung, dass sie unser Zimmer bekommen haben. Ich frage aber auch noch per Mail bei Joost und Beata nach.

Nach dieser guten Tat standen wir also auf der Straße und machten noch ein paar Abschiedsfotos.

So zum Beispiel vom Pub, in dem wir uns ein paar Stunden zuvor von Joost und Beata verabschiedeten, die uns binnen kürzester Zeit ans Herz gewachsen sind.

Es überwiegte bei uns beiden ein großes Gefühl der Trauer, dass dieser schöne Urlaub schon zu Ende sein sollte.

Während der zweistündigen Fahrt zum Flughafen versuchte Steffi noch ein besonderes Straßenschild zu fotografieren. Dieses hier:

Bei unserer Ankunft war mir die Bedeutung noch nicht so ganz bewusst. Ich dachte doch allen ernstes, dass man sich gegen Schleudern und Absturz in die Schlucht besonders absichern muss. Erst nach langem Nachdenken war mir klar, dass damit die Rutschgefahr bei Nässe gemeint sein sollte…

Nach dem Foto schlief Steffi den Schlaf der Gerechten, während ich die letzten Anblicke der Türkei genoss. Während des Fluges war bei mir an Schlaf auch nicht zu denken. Gedöst habe ich zwar etwas, aber schlafen? Bei dem Gerüttel? No way…

Beim Start und bei der Landung versuchte ich meine Nervosität zu überspielen, weil neben mir zwei Kinder saßen. Um diese kümmerte ich mich während des Fluges etwas, z.B. wenn die Stewardess kam und Essen und Trinken verteilte.

Die Landung war dann etwas sanfter als in der Türkei, jedenfalls was den Bremsvorgang anging. Aber bei der Passkontrolle können die deutschen Kollegen vom Zoll noch von den türkischen Kollegen lernen. In einem dazwischengequetschten Schalter saßen zwei Zollbeamte und kontrollierten die Pässe. In Dalaman waren etablierte Schalter, wo sechs Zollbeamte die Pässe kontrollierten. Und als in Hannover dann auch noch das Personal des Fliegers an der Schlange vorbei durfte und der Pilot noch in seiner Tasche rumkramen musste, um seinen Ausweis zu finden, war ich auch launetechnisch zurück in Deutschland.

Von unserem Klopfer mit dem Parkhaus will ich gar nicht erst erzählen. Geparkt hatten wir in Touristik 1, der allerdings zum Parkhaus 3 gehört. Wir wetzten also zum Parkhaus 1 in dem Glauben, dass dort unser Auto steht. Wir bezahlten dort fleissig unsere Parkgebühren, schauten noch mal auf die Karte, wo wir unseren Stellplatz notiert hatten und stellten fest, dass wir unsere Beine in die Hand nehmen mussten und zum Parkhaus 3 zurück mussten. Das erklärte wenigstens unsere Verwunderung darüber, dass bei der Ankunft wir nicht so weit zum Flughafengebäude laufen mussten.

Ging aber noch mal alles gut, rauf auf die Straße und gleich auf die Autobahn. Nach zwei Kilometern war dann Schluss mit Bleifuss, denn rund um Hannover waren alle Autobahnen dicht und so standen wir die nächsten unzähligen Kilometer im Stau. Jetzt waren wir wirklich zurück in Deutschland…

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Glück und Unglück

Unglück ist es, wenn die Autobahn Richtung Urlaubsort wegen Brückenarbeiten voll gesperrt ist und sich der Verkehr vor der Abfahrt kilometerweit staut. Okay, es waren nur zweieinhalb Kilometer…

Glück ist es, wenn vier Autos vor der Abfahrt die Autobahn wieder freigegeben wird. 😀

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