Wiederholungsopfer

Wenn es einen Wiederholungstäter gibt, dann müsste es doch auch ein Wiederholungsopfer geben, oder? Vielleicht ist das Wort ja mal was für die Wortschatz-Rubrik bei Neon. Wiederholungsopfer, das: Jemand, der nach überstandener Krankheit wieder an derselben erkrankt. Gerne auch bei Heuschnupfen verwendbar, da jährlich auftretend.

Im Ernst:
Vorvergangene Woche machte mir meine OP-Narbe zu schaffen. Sie juckte und kratzen konnte ich nicht richtig, weil sich das Ganze irgendwie knubbelig anfühlte. Letzte Woche dann, beim Abtrocknen nach der Morgendusche, bemerkte ich etwas Blut am Handtuch. Nanu? Der Fingertest verriet mir, dass es eindeutig von der Narbe kommt. Steffi bestätigte mit einem kurzen Blick, dass es nicht gut aussieht. Schnell einen Termin beim Arzt gemacht, der jetzt Montag war und Steffis Aussage bestätigte.

„Da müssen Sie wohl noch mal unters Messer!“

teilte mir meine Hausärztin mit. Worüber ich nicht so erfreut war. Weil meine Hausärztin aber die Beste ist, hat sie gleich tröstend die Hand auf meine Schulter gelegt und dann im Krankenhaus meiner Wahl einen Termin gemacht (ohne der Hand auf meiner Schulter). Da Steffi und ich in freudiger Erwartung sind und ich nicht erwartet habe, dass ich in den kommenden Wochen einen Termin zur OP bekomme, habe ich das St. Josef Stift in Delmenhorst gewählt, weil Steffi dort auch entbinden will und meine Kleine dort auch schnell hinkommt, falls ich kurz vor der Entbindung (ihrer, nicht meiner!) dort operiert werden sollte.

Überhaupt, soll ich mich noch vor dem – geplanten – Entbindungstermin operieren lassen? Ist es besser, bis nach der Entbindung zu warten? Doch wann ist die Entbindung wirklich? Oder sind die Termine sowieso so langfristig besetzt, dass ich noch warten muss? Fragen über Fragen, die heute morgen beantwortet werden sollten. Dank meiner Hausärztin hatte ich diesen auf die Schnelle bekommen.

„Ich habe hier einen angehenden Vater, der schnellstens operiert werden muss, damit er seiner Frau bei der Geburt beistehen kann.“

Habe ich schon erwähnt, dass ich eine tolle Hausärztin habe?

Heute morgen stand ich dann pünktlich auf der Matte und wurde auch zügig bedient. Im MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum, das heißt wirklich so!) wurde sich meine Wunde angeschaut und mich gleich an die Ambulanz verwiesen. Dort sollte dann auch gleich ein OP-Termin gemacht werden. Jedoch nicht, ohne der Ambulanz mitzuteilen, dass ich „in spätestens zwei bis drei Wochen“ Vater werden würde. Das ging echt so von dem Arzt da aus. Voll nett und die Leute da sind auch total freundlich und hilfsbereit.

In der Ambulanz weht wahrscheinlich ein anderer Wind, befürchtete ich schon. Eine wartende Frau machte da auch gleich ein großes Trara, weil niemand wusste, wo sie hin sollte (wurde zur MVZ geschickt). Und als nach kurzer Wartezeit mein Name gerufen wurde, dachte ich an die Aussage meiner Hausärztin:

„Sie haben am Mittwoch einen Termin um 8 Uhr, aber mit Wartezeit.“

Das es nur kurze Wartezeiten waren, daran denkt man nicht unbedingt als erstes…aber ich hatte auch wirklich Glück…im Unglück.

Der behandelnde Arzt in der Ambulanz schaute sich das dann auch noch mal an und bedankte sich freundlich. Wir gingen dann rüber in sein „Büro“, um den Schriftkram zu erledigen und vor allem einen Termin zu finden. Ich setzte mich, er bedankte sich. Ich füllte die notwendigen Einverständniserklärungen aus, er bedankte sich. Dann erklärte er mir kurz den Eingriff und gab mir einen freien Termin an diesem Freitag!
Wow, dass ist jetzt mal wirklich schnell. Dann ließ er mich alleine, um eine Schwester zum Blutabnehmen zu holen. Nicht jedoch, ohne sich vorher zu bedanken. Und nein, er ist kein Inder. Dabei war ich es, der sich für die freundliche und zügige Behandlung nicht genug bedanken konnte.

Das Blutabnehmen war dann mal sehr lehrreich. Ich weiß jetzt, dass sich beim Einstechen die Venen „verdrücken“, weil sie so hart sind und wegbewegen können. Das Gespräch mit dem Narkosearzt war auch nichts neues mehr. Tja, und jetzt „freue“ ich mich auf meine nächste Vollnarkose.
Vorher heißt es aber auf der Arbeitnoch einen Tag richtig Vollgas zu geben, weil der Termin nicht nur für mich sehr überraschend kommt, sondern auch meine Kollegen vor unerwartete Aufgaben stellt. Aber ich habe nicht nur eine tolle Hausärztin, sondern auch tolle Kollegen, die wissen, dass ich mir das so nicht ausgesucht habe…

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Tue Gutes…

dann widerfährt Dir auch Gutes.

So oder so ähnlich wird es ja gerne von kirchlichen Kanzeln propagiert. Durch meine streng katholische Kindheit bin ich auch mit diesem Credo aufgewachsen. Eines der wenigen, die bei mir haften geblieben sind.

Zyniker würden jetzt entgegnen, dass Gutes zu tun verdammt wenig Rendite abwirft. Wegen meiner kann es auch ein Verlustgeschäft sein. Solange ich nicht ausgenutzt werde, verfahre ich bei jedem Menschen so.

Und es passiert auch gar nicht so selten, dass Menschen sich dafür bedanken. Selten jedoch in Form von Überraschungsgeschenken. So tat es Ulf (und Ilona). Heute flatterte per Post ein Paket von Amazon ins Haus.

„Nanu, Du hast doch gar nichts bestellt…oder leidest Du an Alzheimer und hast eine Bestellung vergessen?“

Das war mein erster Gedanke. Mein zweiter lag dann schon richtiger. Ulf schrieb in seinem Blog die Tage, dass Gutes tun gerne unterschätzt wird und ruft seine Leser dazu auf, einfach mal nett zu seinen Mitmenschen zu sein. Nicht nur in Form von Geschenken, sondern auch mal was freundliches sagen oder seine Hilfe anbieten.

Dem Ulf habe ich vor ein paar Wochen beim Umzug geholfen. Und dafür hat sich Ulf in Form eines Geschenkes bedankt. Was er eigentlich schon in Form eines Dankes in seinem Blog getan hat. Und ich mal Gelegenheit hatte, Ulf, Ilona und den Olli persönlich kennenzulernen, war die Mühe schon wert, aber gut… Ich will nicht undankbar sein. 😉

Hier also meine Auspackfotos:

Das Geschenk ist das von Ulf erst kürzlich besprochene Hörbuch „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner. Also er hat das in einem Beitrag beschrieben, nicht selbst gesprochen. Das hat Frau Kuttner selbst gemacht. 😉

So, jetzt habe ich mich schon viel zu laut und viel zu lang dafür bedankt, was Ulf gar nicht so recht ist. Deswegen schmeiße ich jetzt auch nur noch ein kleines Danke nach Münster hinterher.

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