Hand ins Feuer

Seit fast zwei Jahren wohnen wir nun schon in Düsternort. In unmittelbarer Umgebung der Zentrale einer lokalen Einzelhandelskette, bei der ich vor knapp 20 Jahren mal nebenbei gearbeitet habe.

Dort habe ich in der Getränkeabteilung das Pfand angenommen, war aber auch für die eine oder andere Aufgabe im Laden beschäftigt. „ZBV“ – zur besonderen Verwendung – wie es so schön hieß.

Der Kollegenkreis war recht übersichtlich. Fluktuationen gab es so gut wie keine. Insgesamt habe ich knapp drei Jahre dort gearbeitet.

In dieser Zeit fing im Laden jemand an, der hauptsächlich in der Getränkeabteilung eingesetzt wurde. Er war locker drauf, haute gerne mal auf die Kacke und hatte immer einen Spruch auf Lager. Er war der erste, den ich damals mit einem Handy gesehen hatte. Anfang der 90-er noch ein richtiger Knochen und kein Vergleich zu den Geräten von heute. Mal eben in die Jackentasche stecken war nicht drin. Es sei denn, man hatte eine Umhängetasche dabei. Aber man war jederzeit erreichbar. Wenn man bereit war, ein mittleres Vermögen für die Tarife zu blechen.

Bei den ZBVs war der Kollege recht beliebt, pflegte er doch einen recht lockeren Umgang mit uns. Nicht wie manch andere Kollegin, die streng war und uns wie Vieh herumkommandierte. Er packte auch mal mit an, wenn Not am Mann war. Kurz, ein Kumpeltyp.

Eines Tages wurde ich angeschrieben, dass ich mich in der Zentrale einzufinden habe. Ich hatte keinen blassen Schimmer worum es ging. Im Besprechungszimmer saß ich dem großen Oberboss der kleinen Kette gegenüber, der mit seiner breiten Figur und dem immer grimmigen Gesicht einem Respekt einflößen konnte.

Im Getränkebereich stimmten seit einiger Zeit die Kassenbeträge nicht mehr. Ob ich mich dazu äußern wolle. Ich hatte keine Ahnung davon und konnte mir auch niemanden vorstellen, der bei uns zu sowas fähig wäre.

Der Oberboss hatte auch jemanden in Verdacht: Den Neuen.

„Niemals“, sagte ich. „Für den würde ich sogar meine Hand ins Feuer legen.“ Was ich aber auch für jeden anderen gemacht hätte. Sogar der garstigen Furie, die uns wie Vieh behandelte.

„Vorsicht“, erwiderte der Oberboss. „Wenn man die Hand für andere ins Feuer legt, kann man sich ganz schnell die Hand verbrennen.“

Das saß, und ich musste eingestehen, dass ich zu solch einem Risiko auch nicht bereit bin.

Einige Tage später, ich war wieder im Laden, hieß es, dass der Neue fristlos gekündigt wurde. Er hatte den Diebstahl zugegeben. Dabei hatte er auch seine alleinige Schuld eingestanden und uns ZBVs entlastet. Denn wir standen unter Verdacht der Beihilfe, wie ich später erfuhr.

Und jedesmal, wenn ich jetzt an dem kleinen Gebäude vorbei fahre, denke ich daran, dass ich vorsichtig bin, ob und für wen ich meine Hand ins Feuer legen würde. Denn man kann sich schnell mal die Hand für den Falschen verbrennen.

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Erwischt

Ich gebe es zu, ich war es. Eigentlich hielt ich es für eine geile Idee, meinen Widerstand durch eine Aktion mal zum Ausdruck zu bringen. Und was liegt da näher, als den Bonzen ihre Statussymbole zu klauen.

Leider habe ich einen kleinen Fehler begangen…aber seht selbst:

Aktiver Widerstand

So weit, so gut. Nur dieser blöde Blitzer sollte mir zum Verhängnis werden. Heute morgen fand sich folgende Mail in meinem Postfach:

So, Stefan Praß.

Du hast wohl gedacht, ich bekomme nicht raus, wer du bist. Ich weiß alles über dich und deine „Aktion Schalenklau“.
Jetzt pass mal auf: Morgen früh ist die Schale wieder bei uns und mein Porsche steht wieder vor der Zentrale. Verstanden?
Falls nicht, kannst du dich warm anziehen.

Uli.
>Weitergeleitete Mail von wilhelm.bauermueller@blitzpraesidium-muenchen.de:

>Servus Uli,

>alles in Ordnung bei dir? Wir haben eben im Büro die Radarbilder der letzten Nacht ausgewertet und >darunter ein Foto deines Porsches entdeckt. Allerdings nicht mit dir am Steuer?!

>Außerdem – ist das nicht Eure Schale auf dem Beifahrersitz? Ich schick dir das Foto mit, sieh selbst.

>Ach so, falls du wissen willst, wer da deinen Wagen fährt, ich habe mal nachgeguckt:
>Es ist Stefan Praß und die E-Mail-Adresse lautet stefanprass@web.de.

>Servus,
>Wilhelm

>PS: Nächsten Dienstag wieder Golfen?

Man sollte sich halt nicht mit den Falschen anlegen…

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Wohnungsnachteile

Eine schöne Wohnung wie die unsere hat nicht nur Vorteile. Auch wenn unsere Gegend einen üblen Namen und einen noch übleren Ruf hat, ist alles nicht so schlecht wie es mal war.

Das sogenannte Gesocks das hier rumläuft ist fast ausnahmslos nicht dunkelhaarig, was manche Kollegen nicht glauben wollen. Wenn ich vormittags Brötchen holen gehe, sind es nicht die Türken die besoffen auf der Straße rumtorkeln, sondern es sind die Deutschen. Die südeuropäischen Nachbarn sind nahezu alle gut gekleidet, fahren dicke Autos und gehen mit ihren Kindern spazieren. Und dafür muss nicht Sonntag sein und ein kirchlicher Zwang dahinterstecken.

Apropos Religion: Die Moschee ist bei uns gegenüber, aber von der habe ich noch nie was gehört. Im Gegensatz zu dem schrecklichen Glockengebimmel der evangelischen Kirche ein paar hundert Meter weiter. 👿

Aber ich wollte hier keine rassistischen Vorurteile widerlegen, sondern auch mal den einen oder anderen Nachteil unserer Wohnung aufzeigen.

Da wäre zum einen die Garage. Wir haben eine und das ist toll. Leider war ich beim Einzug so dumm und habe das Parken meines Autos in der Garage damit gerechtfertigt, dass ich das neuere Auto habe. Seitdem Steffi das neuere Auto hat, darf sie in der Garage parken und ich darf draußen vor der Tür nach einem Parkplatz suchen. Gut okay, dafür muss ich mich nicht mehr mit der Kundschaft des Imbiss unter uns rumschlagen, aber so viele Parkplätze gibt es vor unserer Tür auch nicht. Und wenn man Urlaub hat, dann ist man in der dummen Situation, dass ich ab 9 Uhr alle zwei Stunden das Auto umparken müsste, um keinen Strafzettel zu bekommen. So geschehen in der letzten Urlaubswoche Anfang April. 5 Euronen, die man sich hätte sparen können.

Anwohnerausweis? Für die sechs Wochen Urlaub im Jahr nicht sehr lohnenswert denke ich…

Alternativen? Kaum. Eine Möglichkeit wäre, einen Parkplatz um die Ecke zu besetzen, wo die Nachbarn am Stadion wohnen. Zwei wären tatsächlich frei, aber…unseren Vermieter gefragt, und der haderte. Denn zwei Mieter haben kein Auto. Eine davon hat einen Freund mit Auto. Bleibt noch ein Parkplatz übrig. Und wenn die Mieter ausziehen und andere mit Auto einziehen? Habe ich wieder verloren.

Aber vielleicht kann man ja was in der Urlaubszeit machen. Ich frage noch mal. 😉

Ja, das wäre der eine Nachteil. Der andere ist da schon kriminellerer Natur. Letzte Woche war die von der Stadt durchgeführte Papierabholung. Anfang des Jahres hat die Stadt Delmenhorst das wieder in die Hand genommen, nachdem ein langer Rechtsstreit zu ihren Gunsten ausgegangen ist. Warum überhaupt die lukrative Papierabholung an einen Privatanbieter gegangen ist, weiß ich nicht. War ja (zu) lange Zeit Bremer und habe mich für Delmenhorst nicht wirklich interessiert. Vielleicht war es ja der Klüngel, wäre ja nichts neues.

Wo war ich? Ach ja, letzte Woche war Papierabholung und wenn Steffi schon die Garage besetzt, dann muss sie auch an die Mülltonnen denken. Ein fairer Deal wie ich finde, schließlich habe ich mich auch immer um die Mülltonnen gekümmert, als ich in der Garage parkte. Nach fünf Monaten klappt das auch alles mehr schlecht recht als recht schlecht und viel zu oft gelegentlich gaaaanz selten bin ich ihr bei der Erinnerung der jeweiligen Mülltonnen behilflich. Ich stellte also Mittwoch morgen die Papiertonne raus und als ich Mittwoch nachmittag nach Hause kam, war die blaue Tonne schon nicht mehr da. Wow, hat Steffi sie sogar schon wieder reingenommen?!

Ich wäre aber nicht ich, wenn ich nicht zaghaft nachfragen würde, ob sie heute morgen an die Papiertonne gedacht hat. So lässt sich immer mal ein kleines Lob und ein sanfter Popoklaps verdienen.

S (beschämt): Nein, habe ich vergessen. Hast Du daran gedacht?
I (verwirrt): Äh ja natürlich. Hast Du die Tonne nicht schon wieder reingeholt?

S (klappst mir auf den Hintern): Danke schön, Spatzi. Nein, die Tonne habe ich nicht reingeholt, wieso?

Und da wurde mir bewusst: Unsere blaue Papiertonne wurde geklaut! Dazu muss ich sagen, dass wir zu Jahresbeginn von der Stadt zwei Tonnen bekommen haben. Ich habe rumtelefoniert, dass wir nur eine brauchen. Ein Arbeitskollege wollte sie haben und hat sie doch nicht abgeholt. Und unser Frisör unter uns zeigte sich schon genervt, weil die blaue Tonne unten überflüssigerweise rumstand. Eines Nachts habe ich sie dann auf die andere Straßenseite zu den anderen überflüssigen Tonnen gestellt, wo diverse Wohnungen leerstehen und auch nicht alle gebraucht wurden. Nach ein paar Wochen wurden die Tonnen dann endlich abgeholt und unser schönes Straßenbild wiederhergestellt.

Und jetzt wird einfach unsere Tonne geklaut! Und meine Kollegen lachen sich wieder schlapp, weil ich hintertelefonieren darf, damit uns eine neue Tonne geliefert wird.

Naja, wenn es sonst nichts ist…

Sonst ist nämlich auch nichts. Das war es schon mit den Nachteilen unserer Wohnung. Bis jetzt. Aber wir leben ja auch erst seit einem Jahr hier. 😉

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