Besuchszeit

Wenn alles gut gelaufen ist, dann sitzen wir jetzt am reich gedeckten Tisch und verzehren Teile eines Hähnchens, welches kurz zuvor noch in Paprika, Zwiebeln, Knoblauch, Oliven und Orangen gebadet hat.

Viel wichtiger als das was auf dem Tisch ist, sind jedoch die Personen, die um den Tisch herum sitzen. Denn nicht nur meine Eltern, denen ich das Gericht schon vor laaaaanger Zeit versprochen habe, sind anwesend. Nein, auch meine Cousine aus Amerika ist zu Besuch. Mitgebracht hat sie ihre Tochter Alisa und beide ihre Partner. Auf diesen Besuch freue ich mich schon richtig lange! Aber sowas von! 🙂

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O-Ton (24)

Wir sind in Friesland bei den (Schwieger)eltern. Und eigentlich auf den Sprung zu Neos Geburtstagsfeier. Steffi erinnert ihre Mutter daran, noch die Kuchengabeln und die Thermoskanne einzupacken und sagt stolz:

S: Siehste, so vergesslich bin ich gar nicht.

I: Hast Du den Autoschlüssel?

S: Kannst Du eben noch mal nach oben gehen und meine Handtasche holen?

So viel zum Thema Schwangerschaftsamnesie

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O-Ton (18)

Ja, wir leben noch. Nur was soll man schreiben? Meiner einer sitzt krank zu Hause und erlebt nichts berichtenswertes und Steffi sitzt bis spät in der Arbeit.

Nichts interessantes also. Aber kaum ist man in Friesland, überschlagen sich wieder die Ereignisse.

Wenn man überhaupt da hinkommt, nach Friesland. Als wir nämlich von der Autobahn abfuhren, standen wir Richtung Heidmühle im Stau. Das ist uns auch zu blöd, also drehten wir um und fuhren über Roffhausen nach Sillenstede. Am China-Restaurant „Rosengarten“ vorbei. Mit knurrendem Magen.

I: Lass uns doch hier anhalten, Deine Elten anrufen und Bescheid sagen, dass sie herkommen sollen.

S: Nein, vielleicht hat Mama ja was zu Essen zu Hause.

Hatte sie nicht. Aber sie fand es gut, spontan im „Rosengarten“ zu essen. Also sind wir wieder hin.

Nachdem wir uns vollgefressen haben und wieder zurück waren, setzten die Männer sich vor den großen Fernseher…Fußball gucken. Die Mädels verpieselten sich in das kleine Fernsehzimmer. Erika kam sogar extra noch mal rüber um in der Fernsehzeitung zu schauen, was so läuft.

Nach dem Fußballspiel schaute ich bei der holden Weiblichkeit nach dem Rechten. Sie saßen da, jeder eine Flasche Wein und unterhielten sich. In der Glotze lief ein Tatort mit der unglaublich scharfen verdammt gutaussehenden nicht so gut schauspielernden Sawatzki.

I: Oh, ihr schaut Tatort?

S+E: Ja.

I: Worum gehts?

S: Keine Ahnung…

Man sieht eine Fahrstuhlszene. Eine Frau, mit dunkler Sonnenbrille, kein Makeup unterhält sich mit der Kommissarin. Sie scheint in tiefer Trauer zu sein, aber das wäre zu naheliegend, also frage ich:

I: Ist die Frau blind?

S+E: Wieso?

I: Weil sie eine Sonnenbrille trägt. Oder macht sie das, weil sie kein Makeup trägt?

S+E (durcheinander): Die ist in Trauer, deshalb trägt sie eine Sonnenbrille.

I: Was ist das denn für ein Quatsch, deshalb trägt man doch keine Sonnenbrille.

E: Doch, dann sind die Augen so aufgequollen. Und damit man das nicht sieht, trägt sie eine Sonnenbrille.

S: Außerdem hätten wir das mitbekommen, wenn sie blind wäre.

Nächste Szene, die Kamera hält auf den Bürgersteig. Von links kommt ein langer weißer Stab ins Bild, der hin und her geschwungen wird. Die Kamera fährt hoch und man sieht die Frau mit der Sonnenbrille ihren Blindenstock hin und her schwingen…

😀

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Ehrlich währt am längsten (2)

Vorvergangenen Freitag trafen sich mein Bruder und ich mit dem holden Anhang zu einem gemeinsamen Kinoabend.

Die satanistische und jugendgefährdende Serie Harry Potter wartete in der geldschröpfenden 7.1 Version auf uns.

Um halb acht wollten wir uns treffen und Steffi und ich waren verflucht spät dran. Als wir im Kino eintrafen, waren Markus und Sophie schon da. Wie solltete es anders sein…

Ich dränge zur Kasse und wollte unsere Karten holen, doch das war überflüssig, da mein Bruder sie schon hatte. Wie viel er denn von mir bekäme für die Karten.

M: Fünf Euro.

I: Fünf? Pro Karte? Die sollten doch teurer sein…

M: Du hast schon wieder vergessen, dass Du Geld von mir kriegst, oder?

I: Anscheinend. Wofür?

M: Das Geburtstagsgeschenk für Papa. Die Fahne, die Du bestellt und ausgelegt hast.

I: Ach ja. 😳

So langsam sollte ich Buch darüber führen, wer mir Geld schuldet. Nicht immer gelangt man an ehrliche Brüder.

WikiLeaks

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Unterwegs

Die Info-Briefe für die Gäste sind jetzt unterwegs. Dafür habe ich mich sogar bei der Post einsperren lassen.

Nachdem ich heute bei meinen Eltern in fachmännischer Manier ein Netzwerkanschluss repariert habe und das Gerät so zum Laufen brachte, flitzte ich um kurz vor18 Uhr mit einem Berg voll Briefen noch zur Hauptpost in Delmenhorst.

Wie knapp das alles war, zeigte sich, als ich raus wollte. Da war die Tür bereits abgeschlossen und so war ich (und noch eine weitere Kundin) eingesperrt. Was tut man nicht alles für die Hochzeit. 😉

Hier für alle Ungeduldigen – und meinem Trauzeugen, der mich zu Hause noch nicht erreicht hat und ich deshalb sein Exemplar noch nicht überreichen konnte – die Hochzeitszeitung, wie ich sie an die geladenen Gäste verschickt habe.

Hochzeitszeitung

Ein klitzekleiner Fehler ist eingebaut. Wer ihn findet, darf ihn behalten. 😉

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Warum Louis van Gaal von seinen Töchtern gesiezt wird

Die Medien freuen sich ja immer tierisch, wenn es mal was außergewöhnliches über Menschen berichten können. Wieso es außergewöhnlich ist, dass lässt man dann gerne im Dunkeln. Aber es wird gerne bei neuerlichen Berichten wieder hervorgekramt.

So auch der Umstand, dass der Bayern-Trainer Louis van Gaal von seinen Töchtern gesiezt wird (z.B. hier, hier, hier, hier usw.). Die BILD erklärt ja noch, dass sei so in Holland üblich (wobei der Hinweis angemerkt sei, dass es immer noch Niederlande heißt). Aber warum war es so üblich? Dies und noch einige andere Sachen will ich in nächster Zeit hier veröffentlichen. Ich beziehe mich dabei auf das Buch von Dik Linthout „Frau Antje und Herr Mustermann. Niederlande für Deutsche“ (Amazon-Partnerlink), dass eine aufschlussreiche Quelle für die historisch gewachsenen Unterschieden zwischen Deutschen und Niederländern ist. Und es macht die Niederländer viel sympathischer.

Zurück zur Frage: Wieso siezen die Töchter van Gaals nun ihren Vater?

Niederländer sind im Grunde sehr höfliche Menschen und versuchen ihrem Gegenüber ein Gefühl der Behaglichkeit zu vermitteln. Deswegen wird in den Niederlanden verhältnismäßig viel geduzt. Gerade in den Sechzigern setzte sich diese Art des informellen Umgangs durch. Das ist vor allem aufgrund der kalvinistisch geprägten Gesellschaft begründet, weshalb Gott immer gesiezt wird. Aber auch wesentlich ältere Mitmenschen werden erst gesiezt, was ein Ausdruck der Höflichkeit und der Respektes ist.

In den Familien wurden die Älteren ebenfalls gesiezt, was sich relativ spät ändern sollte. Erst Mitte der Fünfziger fand ein Umdenkungsprozess statt, der bis in die achtziger Jahre dauern sollte. Das führt dazu, dass die mittlere Generation von ihren Kindern geduzt wird, während diese ihre eigenen Eltern, aber auch Tanten und Onkel siezen. Selbst 1987 sollen noch rund zehn Prozent der niederländischen Kinder ihre Eltern gesiezt haben, was vor allem in streng gläubigen Familien, in Großfamilien oder in Familien wo der Vater unqualifizierte Arbeiten verrichtet der Fall war.

Louis van Gaal ist 1951 geboren und sein dritter Vorname ist Maria, was auf einen katholischen Hintergrund schließen lässt. Das alles erklärt dann auch seine Aussage, dass er schon seine Eltern gesiezt hat und er es deshalb auch von seinen Kindern verlangt.

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Der 37. Hochzeitstag – Oder: Am 30. Mai ist Weltuntergang…

Gestern war der 37. Hochzeitstag meiner Eltern und meiner Vater und ich haben abgemacht, nach der Verabschiedung der Berliner gemeinsam mit Steffi und meiner Mutter nach Tossens zum Fischessen zu fahren.

Was niemand wusste: Ich habe ein paar Tage vorher Markus Bescheid gesagt, damit er die Möglichkeit hat mitzukommen. Ich sage nur Reputation. 😉
Auf jeden Fall hätte ich die Idee nochmal überdenken sollen oder das nächste Mal den Vorschlag meines Bruders berücksichtigen. Denn während die Herrschaften mit den längsten Beinen vorne saßen, quetschten sich die Fülligsten und Steffi auf die Rückbank. Noch Abends klagte Steffi folgerichtig über Beklemmungen. Aber beim nächsten Mal wird sicher Sophie auch noch mitkommen und dann wird ein zweites Auto Pflicht. Dann wird die Tour auch nicht so weit gehen, mir schwebt da nämlich schon was vor.

Wie dem auch sei, nach einer guten Stunde waren wir in Tossens angekommen, nachdem mein Vater Gelegenheit bekam, seine alte Heimat meiner zukünftigen Frau zu zeigen. Inklusive einiger heiteren Anekdoten.

Regnete es auf den Weg nach Tossens schon zwischendurch das eine oder andere Mal, so zog es sich in Tossens bedenklich zu. Schnell ein wirklich günstiges Parkticket gezogen (Liebe Bremer: 4 Stunden für 2 Euro!) und dann über den Deich Richtung Restaurant am Jadebusen (von dem meine Großeltern erzählten). Dort steht das Strandlust, heißt aber wohl Luzifer und ist noch brandneu. Das Restaurant hat einen schönen Panoramablick, ist gemütlich eingerichtet und eine interessante Karte. Außerdem besitzt es wohl Zugang zu einer eigenen Rösterei und Brauerei.

Das Essen war wirklich lecker und der Kaffee schmeckte auch recht gut. Es war auf jeden Fall kein so ein aufgeschäumter Mchtegern-Kaffee. Preislich ging das ganze auch in Ordnung. Selbst die Kuchen waren in ordentlicher Auswahl vorhanden und die Stücke hatten eine reelle Größe.

Leider, leider ist am 30. Mai tatsächlich Weltuntergang. Denn wir schafften es so gerade trockenen Fußes ins Restaurant und danach regnete es sich so richtig ein. Und das sollte auch den ganzen Nachhauseweg so bleiben. Aber zum Glück war das Wetter nicht das beste an dem Tag gewesen, sondern das mit Abstand schlechteste.

Wie gesagt ging es auf der Rückbank eng zu, auch auf dem Heimweg. Von daher wird Steffi sicher meinen im letzten Absatz getätigten Satz nicht ganz so unterstreichen. 😉

Aber davon und dem Wetter mal abgesehen war es ein schöner Ausflug.

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Eine ganz persönliche Musikgeschichte

Nachdem ich neulich bei youtube wieder einen Flug durch meine Musikvergangenheit gemacht habe, kam mir die Idee, meine persönliche Entwicklungsgeschichte im Bereich der Musik niederzuschreiben. Da ich kaum Unterlagen darüber habe und eine zum Teil sehr bewegte Vergangenheit hinter mir habe, geschieht das allein aufgrund der Erinnerungen, die noch übrig sind. Außerdem werde ich versuchen, möglichst ehrlich zu sein, was aufgrund meiner manchmal unmöglichen Musikverirrungen wahrscheinlich das bemerkenswertere sein wird. So, here we go.

Bis zu meinem sechsten Lebensjahr bestand, wie bei den meisten von uns, mein Musikrepertoire lediglich aus Kinderliedern, die die eigenen Eltern singen konnten und man im Kindergarten aufschnappte. Seit kurzem frage ich mich, ob auch dieses hier dabei war (Steffi wird mich dafür erschlagen, dass ich mit diesem Lied hier aufmache, denn in letzter Zeit pänetrier ich sie damit über Gebühr):

Dann mit sechs Jahren nahm mich mein Vater zum ersten Mal ins Kino. „Die unendliche Geschichte“ haute mich vom Hocker und fortan saugte ich alles auf, was damit zu tun hatte oder darüber berichtete. Das war vornehmlich die „Bravo“, wo ich dann mit anderen Künstlern in Kontakt kam. Erst sporadisch gekauft bzw. kaufen lassen, wurde es später zu einer Obsession. Dabei kam ich auch in Kontakt mit „Duran Duran“, die mit „Wild Boys“ die Charts dieser Welt stürmten und mir mit acht Jahren meinen Weg im persönlichen Musikgeschmack zeigen sollten. Es sollte nämlich hart werden.

Aber Musik soll auch Spaß machen. Da kam die „Neue Deutsche Welle“ gerade recht. Von meinen Eltern mit einer Musikkassette ruhiggestellt, lauschte ich den wohlfeilen Klängen deutscher Musikkultur. Der Versuch, mich mit Nena dann auf dem Mainstreamzug zu bringen, scheiterte jedoch kläglich. Die Kassette von Nena bekam bald einen manuellen Bandsalat. 😉

Nein liebe Kinder, dass ist nichts gesundes zu essen. Eigentlich ist es für einen magnetischen Tonträger sogar sehr ungesund. Aber ich schweife ab.

Die nächsten Jahre verbrachte ich wie alle Kinder unserer Zeit vor dem Radio. Dort wurde der Rec-Knopf zusammen mit dem Pausen-Knopf intensivst benutzt und wichtige Verkehrshinweise verflucht. Ich habe ja sowieso die Theorie, dass für das erhöhte Aufkommen der Geisterfahrer damals die Musikindustrie verantwortlich war. Die haben doch nur bei der Polizei Fake-Anrufe gemacht und nichtexistente Geisterfahrer gemeldet, um dem kindlichen Heer vorm Radio Einhalt zu gebieten. Doch wir hatten den stärkeren Finger! 😉

Damit verbrachte man dann seine Zeit, so richtig hängen blieb aber nichts. Bis man dann allmählich in die Pubertät kommt und sein Hirn auch mal für was anderes als Dummheiten und dem Erfinden neuer Spiele verwendete. Nein, nicht dem Haare spazieren tragen, dass kommt zum Ende der Pubertät. 😉 Ich meine zum Nachdenken. Wo man merkt, dass auch mal Kritik an der Gesellschaft geübt werden muss. In diese Phase knallten die „Simple Minds“ mit „Belfast Child“ wie ein Vorschlaghammer direkt in die Fresse rein.

Aber nicht weil der Song so brachial hart war, sondern im Gegensatz zu seiner Brisanz im Text sehr sanft daher kam. Von den „Simple Minds“ war dann auch folglich meine erste LP, die „Street Fighting Years“(Amazon-Partnerlink), welche bei mir erst Jahre später folgen sollten, doch dazu mehr in der nächsten Ausgabe.