Eine fast unendliche Geschichte

Kurz vor meinem Geburtstag erinnerte mich ein Beitrag von Markus auf seinem Blog an meine Fahrschulzeit. Und das waren beileibe keine angenehmen Erinnerungen.

Die theoretischen Stunden verbrachte ich Abends mit dem linken Arm in Gips, was meine ersten Fahrstunden etwas hinauszögerte. Darüber war ich sogar sehr glücklich, weil ich damals sehr unsicher über mein fahrerisches Können war. Ich hätte meinen Führerschein noch nicht mal aus eigenem Antrieb gemacht, wenn nicht meine Ex-Frau darauf gedrängt hätte, um meine beruflichen Perspektiven zu verbessern. Und die waren so mies, dass die sich tatsächlich mit einem Führerschein nur verbessern konnten…

Jedenfalls war ich bei der gleichen Fahrschule wie meine Schwägerin und die empfahl mir auch einen Fahrlehrer:

„Nimm den Volker*, der ist toohtaaaahl nett!“

Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, war das der Volker wirklich toohtaaahl nett war. Leider eben nur zu blonden jungen Mädchen. Ich war weder blond, noch ein Mädchen. Und auf Jungs stand der ehemalige Berufssoldat auch nicht so, weshalb seine pädagogischen Maßnahmen sich zwischen Mädchen und Jungs fundamental unterschieden.

Mädchen = ruhig und geduldig, nett, einfühlsam

Jungs = nun ja…das Gegenteil

Das heißt, beim kleinsten Fehler lief sein Kopf rot an, die Adern im Halsbereich schwillten auf ein bedenkliches Maß, er ballte die Fäuste und schrie in einer Lautstärke, die dem Golf 3 an die Grenzen seiner Schalldruckbelastungsmöglichkeit brachten…

Man muss sich das so vorstellen. Da sitzt ein heranwachsender 21-jähriger (Zivildienstleistender, Idealist), der den Führerschein machen muss, um Geld verdienen zu können, aber Angst vor den anderthalb Tonnen Stahl hat, die er mit einer für Menschen rein körperlich nicht zu erreichenden Geschwindigkeit von 50 km/h zwischen anderen sich mehr oder weniger Erfahren haltenden Verkehrsteilnehmern bugsieren soll in einem Golf 3 neben einem ehemaligen Berufssoldaten Ende 30, dessen patriarchalisches Grundprinzip schon dadurch gestört ist, da er nur mit (s)einer Frau sich regelmäßig begattet und diesen Frust an den unschuldigen jungen Männer die ihm unterkommen noch regelmäßiger rauslässt. Und das anderthalb Stunden lang.
Naja…nicht ganz. Nach vierzig schweißtreibenden Minuten steuerten wir meist ein größeres Einkaufscenter an und pflanzten uns dort in ein Café um selbigen zu konsumieren. Für mich hätte ein Kamillentee sicher mehr gebracht, aber egal. Dort unterhielten wir uns ganz ruhig ein Viertelstündchen lang über Dieses und Jenes. Also meist Themen, mit denen ich nicht mit ihm übereinstimmte. Dies ließ er mich die letzte halbe Stunde im Golf 3 auch wieder spüren…

Treffpunkt war meist auf dem damaligen Jute-Gelände vor dem Jute-Center – die alteingesessenen Delmenhorster werden sich erinnern – und es kam das eine oder andere Mal vor, dass ich kurzfristig absagte oder mich (einmal) im Jute-Center versteckte, um bloß nicht an diesem Tag den Blitzableiter von Volker zu spielen. Deshalb habe ich immernoch ein breit gefächertes Wissen über Vitragen-Stangen…das Jute-Center war ein Einrichtungshaus und zwischen den Vitragenstangen konnte ich mich perfekt verstecken. Kein Kapitel meiner Jugend, auf das ich heute besonders stolz bin.

Und ich war wirklich nicht der Einzige der leiden musste. Gelegentlich holte man nach der Fahrstunde den nächsten Schüler ab und wurde dann nach Hause gebracht. Dort wurde dann der Jüngling genauso nach allen Regeln der Bundeswehr-Kunst zusammengebrüllt.

Aber hey! Ich habe irgendwie durchgehalten und nach einer gefühlten Ewigkeit, na gut, es WAR eine Ewigkeit mit über 30 Stunden neben Volker nahmen wir dann einen Prüfer mit, der nach 25 Minuten genug von dem ganzen Theater hatte und mir den Führerschein nicht aushändigte. Allerdings nicht wegen meiner fahrerischen Qualitäten, sondern weil mein Name auf dem Lappen falsch stand. An dem Tag war Volker über alle Maßen hilfsbereit, zeigte körpernah mit seinen Händen die Befehle an (Blinken, rechts schauen, links schauen), um auch ja seine niedrige Durchfallquote niedrig zu halten. Danach meinte er nur trocken:

So gut wie heute habe ich Dich noch nicht erlebt. Du hättest Dir einige Stunden sparen können, wenn Du immer so gut gefahren wärst.

Darauf ich:

Und ich habe Dich noch nie so ruhig erlebt wie heute.

Wegen des Führerscheins kam ich in den Genuß, am nächsten Tag mit Volker nach Wildeshausen zu fahren, um meinen korrigierten Lappen abzuholen. Vor uns, auf einem Motorrad, der nächste Leidtragende, der sich das Gebrüll sogar über Kopfhörer reinziehen musste. Ein Grund, warum ich keinen Motorradführerschein gemacht habe. Diese Steigerung der Höllenqual – und ich dachte, dass wäre schon der neunte Kreis gewesen – konnte und wollte ich mir nicht antun.
Bei der Führerscheinstelle legten wir dann meinen Lappen vor und die Angestellte fragte mich, was daran nicht in Ordnung wäre. Meine Antwort:

Wie viele Menschen haben Sie kennengelernt, die StAfan hießen?

Im Ernst?! Ich glaube, dass war das erste Mal, dass ich in aller Öffentlichkeit eine Gesichtspalme gemacht habe.

Besonders in Erinnerung blieb mir jedoch eine Situation während einer Nachtfahrt. Wir durchstreiften bei einsetzender Dunkelheit das östliche Oldenburger Land, irgendwo im Niemandsland, wo ich dachte, dass ich niemals wieder nie nicht hinkommen würde (bis ich ein paar Jahre später als Taxifahrer im östlichen Oldenburger Land meine Ausbildung finanzierte). Es ging über Land und so zeigte der Tacho die vorgeschriebene Geschwindigkeit für außerhalb geschlossener Ortschaften an. Dabei schossen wir an Häusern vorbei, die direkt an die Straße gebaut waren. Ich denk noch bei mir

Ganz schön gefährlich, hier Tempo 100 zu fahren, wenn die Häuser so dicht an der Straße sind.

da erkannte ich noch im Blickwinkel ein gelbes Ortsschild. Allerdings die Rückseite eines gelben Ortsschildes. 😯
Ein schneller Blick nach rechts, wo Volker ganz ruhig da saß und im ebenso ruhigen Ton sagte:

Na, hast Du jetzt auch gemerkt, dass wir gerade zu schnell fuhren?

Das war das einzige Mal, dass Volker mich für einen Fehler nicht anbrüllte…vielleicht blieb er deshalb in besonderer Erinnerung?!

*Name geändert!

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Das war es zwischen den Tagen (1)

Ein frohes neues und vor allem gesundes neues Jahr wünsche ich Euch allen.

Bevor es hier weitergeht, erstmal einen kurzen Überblick, wie es uns die letzten Tage ergangen ist.

Seit dem 17.12. haben Steffi und ich ja Urlaub. Mein Urlaub begann mit einem Abschied. Und zwar von meinem Führerschein, zum Glück also nur einem temporären Abschied.

Wer glaubt, dass wir die kommenden Tage immer schön ausschliefen, liegt falsch. Schließlich lief Steffi auf der Arbeit die letzten Wochen auf Hochtouren, da schaltet man nicht so schnell runter.

Den Samstag zum Beispiel fuhr mich Steffi nach Bremen, weil ich mich dort mit Sascha, einem Freund bei einem Online-Browserspiel, auf dem Bremer Weihnachtsmarkt getroffen habe. Es war ein sehr schönes und leckeres Treffen. Wir aßen, tranken und redeten viel. Und begegneten uns endlich mal live. Nach dem Treffen tat mir aber etwas der Nacken weh, weil Sascha etwas größer ist, als ich. Für meine Nackenmuskulatur eine ungewohnte Haltung. 😉

Steffi war währenddessen shoppen und das mit voller Power. Als sie fertig war und mir und Sascha das noch zu früh für einen Heimweg war, stapfte sie alleine voll beladen mit einem verpackten Schlitten, den sie deshalb auch nicht ziehen konnte, den weiten Weg zum Parkplatz. Seitdem scheint es, als wären ihre Oberarme deutlich muskulöser…

Ich für meinen Teil lernte auf dem Rückweg dann die moderne deutsche Bahn kennen. Schon eine Woche vorher glänzte sie ja nicht gerade durch Perfektion. Diesmal hielten wir auf offener Strecke an und der Zugführer teilte uns mit, dass es zu einer zehnminütigen Verzögerung kommen würde. Die Weichen waren, oh Wunder, eingefroren. Wieder mal am falschen Ende gespart und dafür Aktionäre glücklich gemacht. Bahnreisende sind ja selten Aktionäre und um Kundschaft muss man sich ja nicht so bemühen…

Aus den zehn Minuten wurden letzten Endes 50 Minuten in einem überfüllten Abteil, wo viele keine Sitzplätze mehr hatten. Die Scheiben beschlugen erst, später sammelte sich das Kondenswasser darauf. Die Luft wurde immer dicker. Das wurde auch nicht dadurch besser, dass die Raucher anfingen, böse Entzugserscheinungen zu bekommen und schnell handelten. Erst einer, später ein halbes Dutzend Raucher zogen sich ihren Stoff rein und machten die knappe Luft damit ungenießbar. Und aus meinen Klamotten ein Fall für die Wäsche…

Zu allem Überfluss vergass Steffi ihr Handy zu Hause und wartete am Bahnhof auf mich. Mit meinen letzten Akkureserven rief ich meine Mutter in der Taxizentrale an, damit sie einem Taxifahrer Bescheid sagt, dass er Steffi Bescheid sagt.

Irgendwann kam ich aber doch noch zu Hause an…Danke DB für dieses tolle Erlebnis.

Das war der erste Samstag. Am Montag standen wir früh auf und erledigten erstmal unseren Standesamtbesuch und reichten die notwendigen Formulare für die Hochzeit ein. Sprich ein paar Scheine in der allgemeingültigen Währung.

Dienstag waren wir mit meinem Bruder und seiner Freundin Sophie unterwegs um Weihnachtseinkäufe zu machen. Jeweils getrennt. Ich mit Sophie, Steffi mit meinem Bruder.

Hach, was war das wieder lustig. Während ich mit Sophie zweimal um den Stadtring fuhr um einen Parkplatz zu ergattern, kurvte Steffi mit Markus nach Wechloy. Mit ihrem Nissan. Was er denn schenken wolle? Ein Bürostuhl und wenn noch Geld übrig ist noch ein Schreibtisch. Wie das denn in das Auto passen soll? Naja, er dachte, wir kämen mit dem Toyota. Das die Mitmenschen vom selber denken nicht wissen, was sie tun sollen, hat sich noch nicht zu meinem Bruder rumgesprochen. Aber ich konnte mich wieder über eine lustige und typische Anekdote meines Bruder bekringeln.

Da war es mit Sophie deutlich einfacher. Ein Lederhalsband. Also Galerie Dingsbums in Oldenburg aufgesucht. Ich bin kurz auf Toilette, komme wieder und Sophie war fertig. 🙂

Da blieb noch Zeit, zu IKEA zu fahren und eine Lampe für Steffi und ein Hot Dog für meinen Magen zu schießen. 😉

Mittwoch war dann für mich Hausarbeit angesagt, während Steffi sich mit Jana in Bremen getroffen hat.

Donnerstag stand alles im Zeichen der Abreise. Klamotten packen, ins Auto verladen, während ich dieses Lied summte:

Der Schwierigkeitsgrad wurde bei einem Zwischenstopp in Oldenburg erhöht, wo wir noch die Cousine von Steffi einluden. Mitsamt ihrem Gepäck. Und ihrem Rollstuhl. Und ihren Geschenken. Man kann behaupten, dass Auto war bis auf den letzten Quadratzentimeter ausgefüllt.

Nach der Ankunft ging es gleich munter weiter. Tannenbaum reinholen und schmücken. Wasserpfützen beseitigen und dann Watchmen gucken.

Und dann konnte der heilige Abend auch endlich kommen.

Post auf die man verzichten kann

Was haben der BVB und ich am Samstag gemeinsam gehabt?

Wir beide haben am Samstag im Norden drei Punkte gekriegt.

Im Gegensatz zum BVB konnte ich mich aber nicht darüber freuen. 😦

Am Samstag flatterte Post ins Haus, überschrieben mit dem Landkreis Oldenburg. Da ich mit denen seit Jahren nichts mehr zu tun habe, konnte das nichts gutes bedeuten.

Aufgerissen und gelesen. Angeklagter, ihnen wird zur Last gelegt, sie hätten an dem Mast gesägt!

Am Montag, dem 13.09. waren Steffi und ich in Friesland, um den Geburtstag von Steffi Mutter zu feiern und ihre Eltern in den Urlaub zu verabschieden. Das mir der Ausflug noch teuer zu stehen bekommt, wusste ich da noch nicht.

Angeblich soll ich auf dem Hinweg bei 126 km/h dem vorausfahrenden Fahrzeug viel zu nahe gekommen sein. Die Rede war von 17 Metern und damit weniger als 3/10 des vorgeschriebenen Mindestabstands. Bekennen Sie sich schuldig?

Öhm, nö. Natürlich nicht.

  1. Beweist ein Foto noch gar nichts.
  2. Sagt es auch nichts über die Verkehrssituation aus.
  3. Ich verhalte mich doch immer vorschriftsmäßig.
  4. Und überhaupt, was wäre denn die Strafe?

Zum letzten Punkt konnte mir google wenigstens eine klare Antwort liefern. Das hieße dann wohl: Auf Wiedersehen, lieber Führerschein.

Dennoch konnte ich mich an keine Situation erinnern und nahm mir vor, der Behörde heute mal auf die Finger zu klopfen. Einem rechtschaffenden Bürger am Samstag so einen Schrecken einzujagen…

Als ich Sonntag morgen aufwachte, fiel es mir wie Schuppen vor die von den Augen. Da war doch dieser lahmarschige Ford Ka, den Du vor Dich hergeschoben hast. Und als Du wutschnaubend so mit Schieben beschäftigt warst, hast Du Dich doch über diese „Wetterleuchten“ gewundert. Ja genau, diese Leuchten, wo Du Dich doch noch gewundert hast, dass die Rücklichter des Vordermannes an der Leitplanke reflektieren…oooooh scheiße!

In diesem Moment wusste ich, dass ich mir jede Peinlichkeit in einem schmucklosen Behördenzimmer in Wildeshausen ersparen konnte. Stattdessen habe ich den Bescheid heute ausgefüllt und zur Post getragen.

Klarer Fall: Eine gerechte Strafe! An dieser Stelle wäre ich vielleicht 10 km/h schneller gefahren, eventuell 20 km/h. Da ist ein dichtes Auffahren, wie hier geschehen, eine unnötige Dummheit, die bestraft gehört und auch bestraft wird. Schade ums Geld, aber das sollte mir doppelt eine Lehre sein. Jetzt bleibt die Hoffnung, dass auch mal die absichtlich dicht auffahrenden Individuen bestraft werden.

Und da es mein erstes Fahrverbot ist, darf ich mir innerhalb von vier Monaten den Zeitpunkt selber festlegen, wann ich den Führerschein abgebe. Und da Steffi und ich im Dezember zwei Wochen Urlaub haben, bietet sich das doch an. Und das Beste daran: Ich muss an den Feiertagen nicht zwischen Friesland und Delmenhorst hin- und herfahren. Sondern gefahren werden. 😈

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Junger Mann

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mich für meine 34 Lenze gut gehalten habe. Manchmal vielleicht zu gut, wenn ich wieder mal nach den Ausweis gefragt werde, nur weil ich mal ein Tequila will…

Beim Taxi fahren (apropos…^^) nervt es beizeiten, weil die dümmsten Sprüche sich dann auf meine Fahrerlaubnis in Zusammenhang mit meinem vermeintlichen Alter beziehen…

Aber ich bin auch realistisch. Ich weiß, lange wird es nicht mehr dauern, da werde ich nicht mehr für den jungen Hüpfer gehalten, für den ich mich (noch) fühle.

Deswegen gibt es die Momente, da freue ich mich über einen jugendlichen Vergleich. Umso mehr, wenn sie von nüchternen Frauen kommen. Schon weil sie ungleich charmanter sind, also die Vergleiche, als wenn ein angetrunkener Vollpfosten aus dem Fond eines Autos brüllt:

Ey, hast Du überhaupt schon einen Führerschein?

Vollpfostensprüche halt…

Da ist es halt schöner, wenn man beim Bezahlen seiner Rechnung mitkriegt, wie die noch relativ neue Bedienung beim Hotel Goldenstedt einen Zettel unauffällig hervorholt, auf dem die Nummern unseres Klubs stehen und bei meiner Nummer daneben die Bemerkung steht

junger Mann

😀

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