Aufgeregt

Heute vor zwei Wochen hatte ich einen Termin beim Tätowierer.
Das ich mich nach der Geburt meines Sohnes stechen lassen würde, war schon lange klar. Eigentlich war es sogar so geplant, direkt nach der Geburt – also unmittelbar nach der Geburt – den Tätowierer aufzusuchen. Aber erstens lief die Geburt länger als gedacht und Schlaf nahm eine wichtigere Rolle ein. Und zweitens weiß man beim ersten Kind auch nicht, wie es finanziell so läuft…

Es läuft.

Nun vergingen zweieinhalb Monate bis ich den Termin endlich machte. Dank der lieben Jana hatte ich schon mal einen guten Freund mit Tätowiererfahrung, die man um Rat bitten konnte. Das tat ich schon Mitte Januar, als sie ihren Abschied in einem rauschenden Fest feierte. Sie legte mir das Studio „Evil Ink“ ans Herz. Da bin ich dann im Urlaub mit Steffi zusammen hingefahren und klärten die Details. Ein mexikanisches Drogenschriftbild wollte ich nicht, auch wenn das hierzulande noch kaum jemand hat. Wir einigten uns dann sehr schnell auf ein leicht geschwungenes Schriftbild, die Größe war auch schnell gefunden und einen Termin auch.

„Komm mal morgen Mittag vorbei, dann kann ich Dich noch stechen, bevor meine Regierung wieder zurück ist.“

Und ich kam morgen, also vor zwei Wochen vorbei. Seine Regierung – seine Frau – war auf einer Messe in München und sollte erst Abends nach sechs langen Tagen endlich wieder zurück sein. Woher ich das weiß? Weil er mir das erzählte. Bis er dazu jedoch kam, musste ich noch etwas auf ihn warten. Ich kam nämlich etwas zu früh an, hatte jedoch Glück, dass eine Angestellte bereits da war und mich herein ließ. Ich bekam Wasser zu trinken und sie begann mit etwas Small-Talk.

„Und ist das Dein erstes Tattoo?“

„Ja.“

„Und, schon aufgeregt?“

„Nein.“

Aufregung hilft ja nicht weiter bei einem Tattoo. Das habe ich mir schon vor der Geburt meines Sohnes gesagt. Da hätte Aufregung auch niemandem geholfen, am allerwenigsten meiner Frau. Natürlich ist eine gewisse Anspannung vorhanden. Schmerzt es wirklich so doll, wie alle immer sagen? Zuckst Du zusammen und wird dadurch ein Strich gezogen, der nie wieder weg geht? Aber erst hinterher ist man schlauer und dann kann man immer noch sehen, ob man sich aufregen kann. 😉
Ne, Aufregung ist nicht so meins.

Kurz darauf kam der nächste Angestellte, so ne Art Tätowier-Azubi und rasierte schon mal die Stelle. Auch er bemühte sich in Small-Talk.

„Und, schon aufgeregt?“

„Auch auf die Gefahr hin, dass es arrogant klingt, aber nein, ich bin nicht aufgeregt.“

Dann, nach meinem zweiten Glas Wasser, kam endlich der Chef, ähm, der zweite Chef des Hauses und legte mich gleich flach. Auf das Dingens. Die Liege. Und auch er fing erstmal unverfänglich mit Small-Talk an.

„Und, schon aufgeregt?“

Im Hintergrund hörte ich deutlich das Schmunzeln der anderen beiden.

„Nein, nicht wirklich. Hilft ja auch nicht weiter, also aufgeregt sein.“

Dann erzählte er mir davon, dass seine über alles geliebte Frau seit sechs Tagen in München auf der Messe ist und er sich tierisch freut, sie wiederzusehen. Wie er sie kennengelernt hat, wie viele Jahre jünger sie ist und er Angst hat, sie zu verlieren. Wie eifersüchtig er ist und das er ihr Handy manipuliert hat um ihre Bewegungsdaten aufzuzeichnen. Und das er für nichts garantiert, sollte sie ihm fremd gehen…

JETZT war ich aufgeregt!

Nein, nicht wirklich. Aber deutlich angespannt. Er war, und das wurde vorher schon klar, ein richtig netter Typ.  Vielleicht ein bisschen zu offen und ehrlich in der Hinsicht und an seinem Timing könnte er auch arbeiten. Aber ansonsten ein total netter und sehr umgänglicher Mensch, der – und da sind wir uns sehr ähnlich – nicht aufgrund seines Aussehens, seiner Tätigkeit oder seiner Herkunft verurteilt werden will.
Wir schnackten während er mich für mein Leben zeichnete noch über Beziehungen, Kinder, Jobs und Schwiegerväter. Gerade mit letzterem hatte er ein hartes Los gezogen und mit Bravour gemeistert.

Nach nicht mal einer halben Stunde war die „Tortur“ zu Ende und ich stand ein wenig da, wie ein Reh vor dem drohenden Autounfall. Wie jetzt? Das war es schon? Und darum wird so viel Aufhebens gemacht? Da lohnt sich ja nicht mal im Ansatz aufgeregt zu sein…

Tja, jetzt bin ich also tätowiert und werde immer meinen Spickzettel dabei haben, um zu sehen, wie mein Sohn geschrieben wird und wann er Geburtstag hat. 😀
Der langen Rede kurzer Sinn… Ihr wollt jetzt sicher auch ein Bild sehen, oder?

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Läuft

So ein Kind verändert ja alles. Höre ich jedenfalls immer. Geändert hat sich einiges, das mit Sicherheit. Zum Beispiel meinen inneren Zwang, im Blog regelmäßig was zu schreiben ist mir etwas abhanden gekommen.

Nicht geändert hat sich meine Meinung zu einigen Themen, die zwar am Blog, nicht aber an mir vorübergegangen sind. Denn nur weil hier nichts über Rassisten in der FDP, dem Rederecht im Bundestag, den letzten reißerischen Aufmachern der BILD oder den Neuwahlen in NRW steht, heißt das nicht, dass ich dazu keine Meinung hätte. Ich tue sie nur gerade nicht kund, weil mir ein Milchfläschchen gerade wichtiger ist (meinem Sohn sowieso) oder die Ruhe zwischen den Fläschchen genieße.
Dazu bin ich in letzter Zeit – im Vergleich zu früher – unglaublich viel an der frischen Luft, was das Schreiben zusätzlich erschwert.

Worüber ich richtig viel schreiben könnte, ist über unseren kleinen Filius. Der hat seit letzter Woche mit dem Lächeln begonnen, ohne diese allzu inflationär zu benutzen. So ist und bleibt ein Lächeln etwas besonderes, was zwar keine durchgeschlafene Nacht ersetzt, aber dennoch Lohn für manche Mühe ist. Die Mühen sind dagegen sehr gering. Die meiste Zeit ist der kleine Sonnenschein schmerzfrei und erfreut sich der regelmäßigen Nahrungsaufnahme, den langen, ausgedehnten Schlafphasen und seit zwei Wochen auch der durchaus interessanten Umwelt.

Auch die Behördengänge sind noch nicht vollständig abgeschlossen. Das liegt jetzt in Steffis Verantwortung, dem Standesamt in Bremen sei Dank, die dank ihres Umzugs vier Wochen brauchten, bis die Geburtsurkunde von Nicolas endlich bei uns eintraf…

Doch das Schreiben werde ich ganz sicher nicht aufgeben. Nur vieles, was mich bewegt, haue ich bei Facebook raus und dann ist meist auch schon gut. Darunter leidet leider das Blog. Vielleicht sollte ich daran mal was ändern. Bis dahin verweise ich gerne auf meine Rubrik „Nicolas“, wo ich meiner kreativen Ader in Form von Kurzgeschichten freien Lauf lasse.

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Danke

Für die ganzen vielen Geburtstags- und Genesungswünsche bedanke ich mich an dieser Stelle.

Als kleines Geschenk vom Krankenhaus bekam ich die Entlassungspapiere und wurde wieder in die Freiheit entlassen. Leider dürfen diese kein Verbandsmaterial ausgeben, weshalb ich heute noch zu meinem Hausarzt durfte um sein Rezepteblock zu verkleinern. Nach einem Blick auf die Wunde verlängerte sie meinen Krankenschein bis zum Ende nächster Woche. Schmeckt mir zwar nicht, aber richtig gut fühle ich mich mit der Wunde auch nicht, dass ich damit jubelnd arbeiten – und den ganzen Tag darauf sitzen – würde.

Doch bin ich bester Hoffnung, dass bis zur Geburt unseres Sohnes alles wieder gut sein wird und ich Steffi eine Hilfe bei der Geburt sein werde. Und das ist wichtiger, als seinen letzten Nicht-Papa-Geburtstag unbeschadet zu feiern und notwendiges unnötig aufzuschieben.

Also Danke nochmal!