Was ich loswerden will (63)

Kai Diekmann beschimpfen

Michalis Pantelouris äußert sich zu den am Vortag aufkommenden Vorwürfen, Christian Wulff hat auf dem AB von Diekmann Einflussnahme auf die Berichterstattung versucht zu nehmen…

„Allerdings nähme ich das alles hier zurück, wenn sich herausstellte, dass Christian Wulff seit Jahren jeden Tag Kai Diekmann am Telefon wegen praktisch aller Bild-Geschichten beschimpft, und es nur zufällig an diesem einen Tag einmal um seine eigene ging. Es ist ja auch nicht alles juristisch rechtens, was richtig ist.“

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Wie die Privatsender einmal fast ihrer Informationspflicht nachgekommen wären

Stefan Niggemeier über den Protest der Privatsender, weil der Bundespräsident nur mit den öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF sich einem Interview stellte.

„Im Grunde zeigt RTL nur darum soviel „Deutschland sucht den Superstar“, „Bauer sucht Frau“ und „Alarm für Cobra 11″ und füllt seine Informationssendungen und Magazine nur deshalb mit soviel Müll und Quatsch, weil der Bundespräsident in dieser Zeit nicht mit dem Sender reden will. „

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Mann des Jahres 2012: Georg Schramm

Zu früh? Nicht für Schlesinger im Transatlantikblog. Für mich der perfekte Kandidat für die Nachfolge Wulffs.

„Die “Anstalt”[Anm. SG: gemeint ist die Sendung „Neues aus der Anstalt„] ist insofern nicht viel mehr als ein verlängerter Kölner Karneval, in dem das gemeine Volk den Großen mal eine lange Nase machen darf. Beinahe schlimmer: Die Eselsgeduld der Deutschen, die mit schöner Regelmäßigkeit aufs Korn genommen wird, wird durch diese Art von Kartharsis nur zementiert. Schramm hatte schon in der “Anstalt” ein Handwerksmittel, diesen Effekt wenigstens zum Teil zu umgehen: Er verbat sich das übermäßige Klatschen.“

Ich hoffe ja, dass ich dieses Jahr Gelegenheit bekomme, Georg Schramm live zu sehen. Ich würde sogar meinen Sohn nach ihn benennen…hat Steffi aber abgelehnt.

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Der größte Fehler des Christian Wulff

Lukas Heinser stellt fest, dass Wulff der Bild die Macht zurückgegeben hat, die sie eigentlich schon nicht mehr hatte.

„Der größte Fehler, den Christian Wulff in meinen Augen gemacht hat, war der, “Bild” und Kai Diekmann die Gelegenheit zu geben, sich als seriöse, moralische Journalisten inszenieren zu können, was ihnen die Menschen vielleicht mehr abkaufen als Wulff seine Rolle als reuiger Sünder.“

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Irritiert

Heute morgen hörte ich im Deutschlandfunk ein Interview mit Birgit Homburger, stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP. Ähnlich wie ihre Partei selbst, ist das Interview mit ihr vernachlässigbar. Doch der Vorbericht ließ mich etwas irritiert zurück.
Es ging, natürlich, um unseren Bundespräsidenten und seinen Aussagen im gestrigen Interview, zu dem Nikolaus Blome – stellvertretender Chef-Redakteur der Bild-„Zeitung“ – nach dem Interview Stellung nahm.
Ich zitiere:

O-Ton Christian Wulff: „Vielleicht muss man die Situation auch menschlich verstehen, wenn man im Ausland ist, in vier Ländern in fünf Tagen, zehn Termine am Tag hat und erfährt, dass Dinge während dieser Zeit in Deutschland veröffentlicht werden sollen, wo man mit Unwahrheit in Verbindung gebracht wird, wo man also Vertrauensverlust erleidet. Und ich habe dann gebeten, um einen Tag zu verschieben die Veröffentlichung, damit man darüber reden kann, damit sie sachgemäß ausgefallen kann.[…]“

O-Ton Nikolaus Blome: „Den Satz von Herrn Bundespräsident Wulff, ich wollte die Berichterstattung nicht verhindern, das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen. Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden. Und wenn Sie das jetzt als Drohung bezeichnen, das ist vielleicht eine Geschmacksfrage. Aber klar war das Ziel dieses Anrufes, die Absicht und das Motiv, diesen ersten Braking-Bericht[sic!] über die Finanzierung seines privaten Hauses zu unterbinden.“

Was irritiert mich jetzt daran. Nicht das hier Aussage gegen Aussage steht. Wenn die BILD im Besitz von Tonmaterial ist, dann hätte sie einen klaren Vorteil und könnte es mit einer Veröffentlichung belegen. Das sollte, allem Realitätsverlust zum Trotz, auch Christian Wulff wissen.

Vielmehr irritiert mich die Aussage von Wulff, wo er „mit Unwahrheit in Verbindung gebracht wird“. Und Herr Blome lediglich auf das Ziel des Anrufes eingeht, nicht aber auf die Aussage, das Wulff mit Unwahrheiten in Verbindung gebracht wird. Denn wer die Machenschaften von BILD kennt, weiß, dass sie Wahrheit, nun ja, großzügig definiert. Wieso regt sich Blome also darüber auf, dass das Ziel des Anrufes ein anderes war, als Wulff vorgibt, nicht aber darüber, dass Wulff behauptet, mit der Berichterstattung werden Unwahrheiten verbreitet? Die sich im Übrigen nicht als Unwahrheiten, sondern als Wahrheit rausstellten.

Oder leidet Christian Wulff doch unter Realitätsverlust? Wundern tut mich an der ganzen Posse eh nichts mehr…

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Interview mit keinem Vampir

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben. Meine durchtriebene Unwürdigkeit wurde interviewt und dieses Interview ist jetzt online abrufbar. Man könnte auch sagen, ich habe ein paar Antworten auf ein paar Fragen gegeben, aber das klingt lange nicht so gut, wie „ich wurde interviewt“.

Also rüber zu Ulf und lesen. Und dann wieder zurückkommen und Verbesserungsvorschläge abgeben.

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Kriegerisches Flugverbot

Gestern habe ich mich über die Haltung des Außenministers über die Errichtung einer Flugverbotszone in Libyen aufgeregt. Da kam das Interview des Deutschlandfunks heute morgen mit der Außenwelle gerade recht.

Zum Glück war der Interviewer Herr Heinemann, der dafür bekannt ist, durchaus etwas schärfer nachzufragen.

Sehr interessant also die Vermutung, dass durch das Errichten einer Flugverbotszone Deutschland sogleich in ein Krieg hineingezogen werden würde. In erster Linie ist eine Flugverbotszone eine militärische Operation und hat noch nichts mit Krieg zu tun. Das ist wichtig, denn wenn es sonst um das Wort Krieg geht, sind unsere Politiker durchaus als spitzfindig zu bezeichnen. Wieso wird hier also von einem Krieg gesprochen und in Afghanistan wurde dieser Vergleich lange Zeit mit Entrüstung abgelehnt und wird heute immer noch als „kriegsähnlicher Zustand“ bezeichnet?

Diese eine Frage habe ich leider im Deutschlandfunk vermisst. Mit welcher Berechtigung kämpfen (und sterben) deutsche Soldaten „für unsere Freiheit am Hindukusch“, während ein wahnsinniger Diktator einen Steinwurf von uns entfernt seine Landsleute ausbomben darf? Weil es vielleicht doch darum geht, in dem einen Land unsere wirtschaftlichen Interessen eben auch mit militärischer Gewalt zu vertreten? Die Freiheit von Menschen ist leider kein Grund, eine militärische Intervention zu starten.

Dabei stellt sich mir generell eine weitere Frage. Ich habe als Kriegsdienstverweigerer vor 16 Jahren mich bewusst gegen militärische Gewalt entschieden und plädiere auch weiterhin dafür. Wenn also Westerwelle keine deutschen Soldaten in den Krieg ziehen lassen will, dann müsste er doch genauso vehement sich dafür einsetzen, dass die deutschen Soldaten aus Afghanistan zurückkehren. Tut er aber nicht.

Was also tun, in diesem für einen Linken schwierigen Dilemma. Gut, ein Linker hätte es nie zugelassen, dass Waffen an diesen „wirren libyschen Diktator“ (O-Ton Westerwelle) verkauft werden. Dies wurde aber jahrzehntelang von unseren Regierungen ermöglicht. Dabei wurde auch fleissig Öl den Libyern abgenommen, damit Gaddafi sich von dem Geld Panzer, Flugzeuge und Artillerie kaufen konnte. Hat man also jetzt Angst vor einem „Krieg“, weil man weiß, was für Waffen Libyen besitzt, während man sich dem afghanischen Bergvolk gefahrlos nähern konnte?

Sorry, dass ich immer wieder auf Afghanistan rumreite. Aber mich macht es echt wütend, dass dort unsere Streitmächte hingeschickt werden, während sich in Nordafrika ein Diktator ins Fäustchen lacht.

Herr Westerwelle vergleicht im Interview immer wieder auf die Situation im Irak. Zitat:

„Wenn dann auch militärisch eingegriffen würde aus der Luft – und wie im Irak-Krieg funktioniert das nicht -, dann ist der nächste Schritt gegen den Diktator, dass Bodentruppen geschickt werden.“

Das impliziert, dass gegen Saddam Hussein nur mit Bodentruppen vorgegangen wurde, weil die Flugverbotszone unwirksam war. In Wahrheit waren es aber Lügen des Westens und die Panikmache vor Massenvernichtungswaffen, vor allem aber die Sucht nach Öl, die den Westen gegen den Irak vorgehen ließen. Menschenrechte war, ist und wird vermutlich nie ein Thema sein.

Ich würde ja sogar unseren Politikern abnehmen, dass sie alles dafür tun, eine friedliche Lösung anzustrengen. Aber eben nicht den Politikern unserer Gegenwart.

Doch wie würde eine Lösung aussehen? Militärische Gewalt lehne ich augenscheinlich ab. Von Verhandlungen und Sanktionen wird dort auch kein Menschenleben gerettet. Und schafft es Gaddafi, die Rebellion zu vernichten, kann das als Signal für andere Länder gelten, z.B. Bahrain und Jemen, wo jetzt schon auf die Bevölkerung geschossen wird.

Ich kenne mich nicht mit Völkerrecht aus, aber m. E. muss eine Einmischung in ein Land möglich sein, wenn das Vorgehen der Regierung nicht mit dem Menschenrecht vereinbar ist. Sanktionen werden übrigens, dass beweist das Beispiel Irak ebenfalls, genauso hintergangen und sind de facto wirkungslos.

An Blauhelmsoldaten habe ich auch schon gedacht, aber dabei auch die schrecklichen Ereignisse in Ruanda in Erinnerung, wo vor den Augen von Blauhelmsoldaten eines der größten Massaker der Neuzeit statt fand. Außerdem würde das schon ein Einsatz von Bodentruppen bedeuten.

Was meint Ihr? Was wäre das beste Vorgehen gegen den libyschen Diktator? Sollte man überhaupt vorgehen? Oder ist es für ein Eingreifen sogar schon zu spät (was ich glaube)?

Man weiß immer was man hat…

wenn man es nicht mehr hat…

Heute wird Norbert Blüm, ehemaliger Arbeitsminister unter Kanzler Birne Schwarzgeld Kohl 75 Jahre alt. Ja, genau der Norbert Blüm, der mit seinem Ausspruch „Die Rente ist sicher!“ für große Erheiterung gesorgt hat. Heute wissen wir, die staatliche Rente ist sicherer als alles was danach kam.

Anlässlich seines Geburtstages rief der Deutschlandfunk ihn heute morgen an und befragte ihn zu der aktuellen Situation in Politik und Gesellschaft. Und was soll ich sagen? Ich vermisse ihn wirklich.

Personen wie Norbert Blüm waren es, die wenigstens noch etwas Menschlichkeit in das Lager der CDU brachten. Personen wie Norbert Blüm sorgten sich auch im konservativen Lager um die Menschen. Personen wie Norbert Blüm setzten sich nicht nur für die Arbeitgeber ein, sondern auch und gerade für Arbeitnehmer UND Arbeitssuchende.

Gibt es heute noch eine(n) Bundesminister(in), der/die sich aus Überzeugung noch für diejenigen einsetzt, die ihn/sie gewählt haben und keine leeren Worthülsen absondert, die nicht mal im Ansatz ernst gemeint sind?

Hier ein paar Auszüge aus seinem heutigem Interview mit dem Deutschlandfunk, das sehr lesenswert ist:

„Er (der linke Flügel der CDU) ist schwächer geworden, das liegt auch daran, dass der Sozialstaat schwächer geworden ist.“

„[…]das ist ein neoliberaler Trend, der rund um die Welt geht, nur glaube ich, dass der an sein Ende gekommen ist. Manche haben das noch nicht gemerkt.“

„Wenn man natürlich die Beiträge durch Riesterrente umleitet in die Kasse von Allianz und Konsorten, ja, dann fehlt das in der Rentenversicherung. Und aus einem Hungerlohn können Sie auch keine Luxusrente machen. Hungerlöhne schaffen Hungerrente, hat allerdings nichts mit der Rentenversicherung zu tun. Insofern verteidige ich den Satz heute wie gestern.“

„Ich sehe, wenn die Arbeitgeber sich aus dem Spiel schleichen. Ich meine, viele der Diskussionen, da geht es ja, bei Licht betrachtet, um nichts anderes, als den Arbeitgeberbeitrag zu sparen. Macht nicht so viel Worte! Kopfpauschale war nur ein Vorschlag, weil die Arbeitgeber mit ihrem Beitrag raus sind. Hartz IV, da ging es darum, die beitragsbezogene Arbeitslosenversicherung nach hinten wegzudrücken. Riesterrente ohne Arbeitgeberbeitrag. Wenn sie das wollen, sollen sie es sagen und nicht so viele Umwege machen. Das ist Kündigung des Sozialvertrags, auf dem unsere Republik basiert.“

Er wäre ein Bundespräsident, der auch meine Unterstützung gehabt hätte. Schade, jetzt ist es wieder eine Grinsekatze.

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