Der Goldfisch

Ganz besonders bewegt hat mich das Blog SNOTM (Stuff No One Told Me – but i learned anyway). Üblicherweise veröffentlicht Alex Noriega dort ein Bild mit einem klugen Satz. Zum Beispiel dieses hier:

Fashion and Trends are bullshit. Don’t let them fool you.
(Via SNOTM)

Gelegentlich veröffentlicht Alex aber auch ganze Comics und seine Goldfish-Reihe hat mich sehr berührt.

Goldfish by Alex Noriega

Wenn Ihr auf das Bild (oder den Text darunter) klickt, kommt Ihr zum ganzen Comic (hier Teil 2 und Teil 3). Ich musste selbst eine Träne vergiessen. Gut, dass will bei mir nichts heißen. Bin ja nah am Wasser gebaut. Aber der Zeichenstil mit seinen abwechselnden vorder- und hintergründigen Aussagen ist wirklich klasse und sehr ergreifend.

Toll fand ich auch sein Comic „My sporadic obsessions„. Oder diese Weisheit hier. Trifft ja irgendwie auch auf mich zu. Und nein, ich erzähle nicht jedem von meinen „umfangreichen“ Erfahrungen aus zwei Wochen Amerika. 😉

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Amy, revisited

Bevor es wieder Vreitag Freitag ist, will ich hier noch eben den letzten Vreitagsvers auf Spreeblick gehegemannen. Nicht ohne darauf hinzuweisen, den Links am Ende des Artikels zu folgen, besser noch im Feed-Reader zu abonnieren!

die bienenkönigin

der bienenkorb auf ihrem kopf
barg nektar und viel honig
die königin zog sie am zopf:
ich danke! dich belohn ich

ich schenke eine stimme dir
mit stacheln, wärme, tiefe
versprach ihr das insektentier
plus wimpern (recht laszive)

sie mochte rock nicht, keine raps
nur soul und apfelsinas
sie sang von liebe, schmerz und schnaps
in roten ballerinas

ihr werk ein einzig meisterstück
stets frau und niemals puppe
oh amy, wann kommst du zurück?
in blau? in schwarz? mir schnuppe!

Vreitagsvers is published by Ingo Neumayer!

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Was ich loswerden will (62)

Übers Wochenende hat sich ganz schön was angesammelt. Also, dann mal los:

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Angela Merkel, die analoge Kanzlerin

Thomas Knüwer gesteht zwei hoffnungsvolle Momente über Angela Merkel ein. Die Hoffnung ist jedoch verflogen.

„Einst war die CDU eine Partei der Mittelständler. Heute wendet sie sich von den innovativsten Vertretern dieser Wirtschaftskaste ab.“

btw: Gerade heute Nacht hatte ich von Angela Merkel geträumt. Ich las ihr ordentlich die Leviten, tadelte ihre gesellschaftspolitische Arbeit und gab ihr die Schuld an der Politikverdrossenheit der Bürger. Sie nahm das zur Kenntnis und erzählte dann irgendeine traurige Geschichte, die nichts mit meiner Kritik zu tun hatte. Sie weinte und ich nahm sie in den Arm! Als ich das heute morgen Steffi erzählte, sagte sie nur:

„Da hat sie Dich ja ganz schön um den Finger gewickelt.“

Verdammt!

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Jetzt ist auch mal gut mit Griechenland

Thomas Fricke gibt in der Kolumne der FTD folgenden Vorschlag, um eine Pleite Griechenlands wirkungsvoll zu verhindern.

„Vielleicht wäre es nach wochenlanger Qual ums Votum unserer Abgeordneten zum Rettungsschirm gut, Griechenland für, sagen wir, zwei Monate verbal auf den Index zu setzen. Warum nicht ein kleines Gesetz, das bis Weihnachten verbietet, „Griechenland“ zu sagen? Kein Denkverbot, klar. Nur ein befristetes Sprachverbot. Das könnte Wunder wirken.“

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Kochrezepte für den Suizid

Lukas Heinser im Bildblog über einen Bericht bei Spiegel TV, in dem über den Selbstmord dreier Mädchen „berichtet“ wird.

„Nur noch mal zum Mitdenken: Da gibt es also ein Forum, in dem ungehindert über die besten Methoden diskutiert wird, um aus dem Leben zu scheiden, und „Spiegel TV“ hält es für eine Spitzenidee, dieses Forum mit bildschirmfüllender Internetadresse vor 2,3 Millionen Fernsehzuschauern nachgerade zu bewerben.“

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Ihr wollt ein Liebeslied, ihr kriegt ein liebes Lied

Nochmal Lukas Heinser, diesmal in seinem Blog Coffee and TV, mit einem Beitrag, in dem er auf die Teilnehmer des Bundesvision Song Contest eingeht.

„Deutschsprachige Musik, so scheint es, zerfällt dieser Tage in zwei Extreme: Auf der einen Seite der Diskurspop[…], auf der anderen die gefühligen Singer/Songwriter, deren Songs die Musikredaktionen deutscher Radiosender vor zehn Jahren noch den Kollegen von WDR 4 rübergeschoben hätten.“

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spendable krankenkassen

Der kinderdoc über Krankenkassen und warum sie auf Anfrage von Kunden immer alles zahlen wollen. Mit einer Ausnahme…

„besonders pervertiert dann das system, wenn der freundliche kassenangestellte die kostenübernahme für bestimmte maßnahmen eben nicht übernimmt, sondern den geizkragen raushängen lässt und „das muss erst der medizinsche dienst prüfen“ an die eltern eröffnet. das geschieht dann grundsätzlich bei chronisch kranken kindern.“

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Eine Krähe hackt der anderen einen Fußballplatz in die Provence

Trainer Baade über einen Fall mit „Geschmäckle“.

„Die Quartiersauswahl hat selbstredend nichts mit der Bewertung von unzulässigen Beschallungsmaßnahmen, Dopingprobenschlampereien, 50+1-Umgehungen oder Jobs von Söhnen von DFB-Präsidenten zu tun.“

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Geld drucken ist nicht inflationär

Nicolai Hähnle räumt mit der Mär auf, dass Geld drucken inflationär wäre.

„Der geneigte Leser wird auf der Suche nach einer Antwort auf diese letzte Frage hoffentlich zu dem Schluss kommen, dass Geld ausgeben für die Diskussion sehr viel relevanter ist als Geld drucken.“

(Via Oeffinger Freidenker)

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Urheberrechte im Tunnel

Sash schreibt über zwei peinliche Fälle von verantwortlichen Politikern und kommt zu dem Schluss:

„Aber wenn jemand auf höchster politischer Ebene über Gesetze mitbestimmt, dann haben wir alle – egal, was für Schluffis wir gewählt haben – ein Recht darauf, dass jemand auf dem Posten sitzt, der entweder Ahnung von den Entscheidungen hat, die er treffen muss – oder dass er wenigstens einen Beraterstab hat, der ihm oder ihr diese Ahnung vermitteln kann.“

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Schicksal

Antje Tiefenthal hat in Klatschkritik einen Verbesserungsvorschlag für die Schicksalsreportagen in der „Grazia“:

„Grazia ordnet die Schicksale nicht ein, veröffentlicht nur in wirklich seltenen Ausnahmefällen weiterführende, objektive Informationen, Kontaktadressen für Betroffene oder Hinweise auf Spendenkonten.“

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Pflegenotstand, gewollt

Ulf schreibt über den Pflegenotstand, der nicht mehr droht, sondern bittere Realität ist.

„Selbst für ein pflegerisches Gespräch ist die Zeit recht mager, und im Hinterkopf tickt erbarmungslos das Zeiteisen und erinnert daran, was alles gerade liegenbleibt: Papierkram. Checklisten. Dokumentation. Ach ja, und andere PatientInnen ja auch noch so nebenbei.“

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Und last but not least, ein Fall aus Delmenhorst:

Astschere und Bügelsäge

Udo Vetter berichtet über einen Amtsrichter aus Delmenhorst, der etwas unkonventionell einen Streitfall löst.

„Statt endloser juristischer Diskussionen ging er jeden Baum und jeden Strauch Ast für Ast mit den Parteien durch und legte mit Zustimmung der Parteien selber Hand an. Der Streit erledigte sich im Handumdrehen.“

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Was ich loswerden will (61)

Im Netz der Islamfeinde

Die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau berichten über die islamophobe Seite Politically Incorrect (PI). Ein sehr lesenswerter und gut recherchierter Bericht. Was die paranoiden Inkompetenten (PI) selbstverständlich anders sehen…

„Der innerste Führungszirkel lässt es zu, dass in dem Blog Muslime als Gesindel, Abschaum und Türkendreck beschimpft und zum bewaffneten Kampf gegen den Islam aufgerufen werden kann. Und das mitnichten nur in den Kommentarspalten.“

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Vegetarismus – Wozu?

Namron erläutert einen trifftigen Grund, warum man Vegetarier sein sollte: Die Fleischproduktion.

„Durch diese anerzogene Akzeptanz und die nicht gestellte Frage der Notwendigkeit, kann sich eine Fleischindustrie etablieren die von den meisten nicht beobachtet wird. Wenigstens sorgen alle Produzenten von Fleisch dafür, dass die Tiere vor ihrem sanften Ableben entspannt und glücklich leben. Nun, nicht ganz.“

(Achtung! Der Beitrag enthält schockierende Videos, die den Konsum von Fleisch beeinflussen kann.)

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Eine verheerende Entwicklung: Warum „Das Supetalent“ prägend für unsere Fernsehkultur ist

Peer Schader erklärt im Fernsehblog der FAZ, wieso das Fernsehen nicht inspirierend unterhalten kann:

„“Das Supertalent“, die selbsternannte „größte Show Deutschlands“, ist einzig und allein darauf ausgelegt, die einfachsten Reflexe in uns abzurufen: Ein Kind singt – oh, süß! Jemand erzählt eine traurige Geschichte – der Arme! Ein Akrobat führt einen Stunt vor – wow! Jemand spielt mit seinem Penis Klavier – wie peinlich, aber trotzdem mal gucken!“

Über dasselbe Thema hat sich auch Manuel Wolff ausgekotzt: Das Supertalent – großer Mist auf RTL

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Wie Sportjournalisten die Worte von Oliver Kahn verdrehen

Nick geht einer Meldung bei „Spox.com“ auf den Grund.

„Das Traurige an derart verzerrenden Agenturmeldungen: Sie werden bundesweit von Online-Redaktionen ungeprüft übernommen. So findet sich der Bericht selbstverständlich nicht nur bei „Spox.com“, sondern auch bei „Der Westen“, der „Zeit“, „goal.com“, den 11 Freunden und vielen anderen viel besuchten Webseiten.“

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Spiegel Online und der muslimische Kinderschänder

Feynsinn über einen exemplarischen Artikel des ehemaligen Nachrichtenmagazins:

„Der ekelhafte Boulevard der Spiegel-Redaktion läuft dem Springer-Verlag allmählich in allen Kategorien den Rang ab. Betroffenheit zwischen Blut, Sperma und fremdrassischen Verbrechern legen gar noch andere Vergleiche nahe. Die Strategie, dabei vermeintlich aus der Perspektive des Opfers zu erzählen, ist infam, zumal der Artikel zu dem Schluss kommt, dass es aussichtslos ist, Täter anzuzeigen.“

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„Glücksatlas“ auf allen Kanälen – ein weiterer Beleg für die weite Verbreitung des gesteuerten Kampagnenjournalismus

Die NachDenkSeiten über das Medienecho einer „Studie“:

„Die einschlägigen Unterstützer sind schnell gefunden. Raffelhüschen macht bei solchen Sachen immer mit, auch Allensbach und vermutlich auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. „

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Da läuft was schief – eine Kritik der aktuellen Politik

Moritz Clauß bemängelt beim binsenbrenner die mangelnde Kritikfähigkeit der Politiker und sieht auch deren Gründe:

„Es sind vermutlich die meisten Politiker des deutschen Bundestags, denen es noch schwerer als vielen von uns fällt, Fehler öffentlich einzugestehen. Einfach, weil das Eingestehen eines Fehlers in der Politik bedeutet, einer anderen Partei recht zu geben.“

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Das bayerische Stuttgart21

Thomas Stadler schreibt über den Ausbau der 3. Startbahn des Münchener Flughafens, trotz prekärer wirtschaftlichen Voraussetzungen der Betreibergesellschaft:

„Dabei wird täglich deutlicher, dass der Bedarf für eine weitere Start- und Landebahn nicht vorhanden ist und auch in absehbarer Zeit nicht sein wird und diese Fehlplanung außerdem einmal mehr auf Kosten des Steuerzahler durchgezogen wird.“

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Filme im Detail

Ich mag ja Filme, habe nur leider in den letzten Monaten (oder schon Jahren?) nicht mehr die Ruhe, mich 80, 90 oder 145 Minuten hinzusetzen und einen Film zu schauen. Rob Ager hat nicht nur die Zeit, er nimmt sie sich sogar und schaut sich die Filme zweimal, dreimal, ja mehrmals hintereinander an. Bewaffnet mit Stift und Papier, um sie im Detail zu analysieren. Das kann man doof finden, wenn man Filme einfach nur so zur Unterhaltung konsumiert. Das kann man aber auch toll finden, wenn man auf mehrdeutige Botschaften innerhalb der Filme steht.

Rob Ager hat auch eine Seite im Internet, wo er seine Analysen in Schrift under Bild veröffentlicht. Und ich überlege ernsthaft, mir seine DVDs zu bestellen. Wenn ich nur die Ruhe hätte, mir die mal anzuschauen…

(Aufmerksam auf die Seite gemacht worden, mal wieder, von René)

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Buchkritik: Verschwende Deine Jugend

Zu den Feiertagen habe ich mich dank Amazon-Gutscheinen reichlich mit Büchern eingedeckt, die nach und nach abgearbeitet gelesen werden.

Schon lange auf meiner Wunschliste stand „Verschwende Deine Jugend“ (Amazon-Partnerlink) von Jürgen Teipel. Dieser hat in stundenlangen Interviews tausende von Statements und Erinnerungen bekannter Musiker, Produzenten, Künstler und anderen Protagonisten aus der Zeit des Punks und New Wave in Deutschland zusammengetragen und in diesem Buch veröffentlicht. Das Buch liest sich wie ein Doku-Roman und gibt äußerst detaillierte Einblicke in die damalige Musikszene.

Nicht verwechseln sollte man das Buch und dessen Aufbau mit dem Film „Verschwende deine Jugend“ (Amazon-Partnerlink), der zeitlich zu Beginn der Achtziger Jahre spielt, mit dem Buch aber kaum Gemeinsamkeiten besitzt.

Das Buch ist in drei Teile (Innestadtfront, Ich und die Wirklichkeit, Die Guten und die Bösen) gegliedert und wird von einem Prolog (Hippies) und einem Epilog (Damit alles kaputtgeht) eingerahmt.

Lesen lässt es sich sehr gut, allerdings sollten der eine oder andere Name aus der Ära schon bekannt sein, weil man sich sonst oft fragt, wer das nun wieder ist, der seinen Senf abgibt. Und es sind viele, die in dem Buch zu Worte kommen. Mit so siebzig Protagonisten muss man sich schon rumschlagen. Davon waren mir wenigstens die Hälfte bekannt.

Besonders gut gelingt es dem Autor, durch die Erzählungen das damalige Gefühl zu vermitteln. Mir wurde auch einiges über mich klar, da ich in meiner Pubertät mich auch offen als Punk dargestellt und danach gelebt habe. Bis ich in eine Schublade gesteckt wurde, in die ich als Punk nicht gehörte. Und in die kein richtiger Punk gehört, da Punk sich nicht beschreiben lässt. Ich meine nicht die Plastikpunker, die „Die toten Hosen“ geil finden und sich nen Iro machen und glauben, sie wären Punk.

Logische Konsequenz war dann damals, dass sich auch die Musik nicht festlegte und weiterentwickelte. Auch das wird in dem Buch durch die Auswahl der Interview-Partner gut beschrieben.

Besonders bitter lässt sich dann das Abgleiten in den Kommerz lesen, aus denen fast nur Verlierer hervorgingen. Dennoch sind viele der damaligen Gründerväter des Punk und New Wave heute als Produzenten, Künstler und Musiker noch tätig, was im Anhang aufgelistet wird.

Ich finde das Buch sehr spannend und durch die Interviewform auch sehr interessant zu lesen. Wie gesagt sollte ein gewisses Hintergrundwissen über die damaligen Musiker vorhanden sein, weil es sonst eventuell den Lesefluss beeinträchtigt.

Außerdem wären ein paar mehr Fotos schön gewesen. Die wenigen, die das Buch enthält, sind sehr atmosphärisch und machen Lust auf mehr.

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So schafft man Opfer

Heute morgen durfte ich von meinen Gebührengeldern ein Interview mit dem Landesgruppenchef der CSU im Bundestag und kommenden Innenminister Hans-Peter Friedrich lauschen. Es ging, natürlich, um den Rücktritt KTs. HaPe Friedrich war dann auch gleich bemüht, an der Opferrolle KTs munter weiterzustricken. Aus diesem Grund möchte ich mir mit Euch das Interview näher ansehen.

Frage von Barenberg: In der Sache nötig war der Rücktritt aus Ihrer Sicht also nicht?

Antwort von HaPe F.: Wissen Sie, was mich so bedrückt bei der ganzen Geschichte, ist die Art und Weise, wie man Jagd auf ihn gemacht hat. Das ist sehr unwürdig gewesen und das wirft auch ein schlechtes Licht auf die Politik insgesamt. Mit welchen Ausdrücken er überzogen wurde, wie man mit Hass ihm begegnet ist, das hat mich alles sehr, sehr tief bedrückt.

Typischer Fall von „Auf Frage nicht eingehen und persönliche Gefühle mit reinbringen“. KT hat mit dem Aussitzen seiner Plagiatsvorwürfe ein schlechtes Licht auf die Politik geworfen. Den Hass einiger Personen hatte er auch schon vorher, nur haben diesmal die Medien, die ihn göttergleich verehrten, nicht mehr geschützt.

Frage von Barenberg: […]Gibt Ihnen das nicht zu denken, dass auch in den eigenen Reihen in den letzten Tagen die Kritik spürbar gewachsen ist an Karl-Theodor zu Guttenberg?

Antwort von HaPe F.: Nein. Also grundsätzlich verstehe ich natürlich, dass man kritisiert, wobei: Er hat Fehler eingeräumt, das Ausmaß der Fehler wird man sicher noch feststellen. Ich glaube nicht alles, was im Netz von irgendwelchen Menschen irgendwo eingestellt wird, aber das wird die Uni Bayreuth ja alles im Einzelnen prüfen.[…]

Interessanter Seitenhieb auf das Netz. Das beweist schon mal, wohin der Weg gehen soll, wenn er erstmal Innenminister wird. Denn das beim Guttenplag-Wiki ordentlich gearbeitet wurde, steht ziemlich außer Zweifel. Im Gegensatz zum Ex-Verteidigungsministers…

Frage von Barenberg: Mit anderen Worten, Herr Friedrich, wer im Privatleben stiehlt, auch wenn es sich um geistiges Eigentum handelt, der kann aus Ihrer Sicht Minister bleiben?

Antwort von HaPe F.: Noch mal: Ich verstehe, dass man das kritisiert. Ich verstehe auch diejenigen in der Wissenschaft, die das kritisieren, auch heftig kritisieren. Ich verstehe auch die Enttäuschung vieler Menschen über die Fehler, die Karl-Theodor zu Guttenberg gemacht hat. Die Art und Weise finde ich abstoßend, wie man jetzt mit ihm umgegangen ist, und deswegen tut mir das alles sehr leid.

Und, was fällt auf? Wieder wird nicht auf die Frage geantwortet. Und wieder wird das persönliche Gefühl aufgebaut um Mitleid mit der behandelnden Person versucht zu erzeugen…

Jetzt wird es interessant:

Frage von Barenberg: Karl-Theodor zu Guttenberg hat gestern in seiner Erklärung kein Wort verloren zum Vorwurf des vorsätzlichen Betruges. Wäre das nicht geboten gewesen bei der Gelegenheit?

Antwort von HaPe F.: Nein. Wie gesagt, das ist alles jetzt Gegenstand der weiteren Überlegungen auch der Universität Bayreuth. Wissen Sie, ich glaube, dass auch viele, viel zu viele Menschen viel zu leichtgläubig an Dinge herangehen, im Internet irgendeine Seite aufrufen, dort wird irgendwas behauptet, sie können nicht kontrollieren, ist das wirklich wahr, ist der Wahrheitsgehalt dessen, was sie da lesen, wirklich nachvollziehbar, nachprüfbar. Auch da sollte jeder mal selbstkritisch damit umgehen, wie er sich Informationen besorgt und wie er damit umgeht.

Um Gottes Willen. Natürlich hätte KT nicht Klartext sprechen dürfen! Wo kämen wir denn hin? Stattdessen wird wieder auf das böse Internet geschimpft, auf das jeder reinfallen kann. Und der Betrugsversuch mit der Doktorarbeit nebenbei relativiert.

Aber jetzt wird es ungemütlich:

Frage von Barenberg: Wie hoch schätzen Sie jetzt den Schaden für die CSU?

Aber auch hier weiß HaPe das Schiff durch das unruhige Wasser hindurchzuführen. Seht selbst:

Antwort von HaPe F.: Na ja, gut, Karl-Theodor zu Guttenberg ist für die CSU, für die Union insgesamt, aber auch für die Politik natürlich, wie Sie gesagt haben, ein Hoffnungsträger gewesen, und ich glaube, er ist es für viele immer noch, und natürlich jemanden so in dieser Art und Weise zu verlieren, das ist immer sehr, sehr traurig, aber auch natürlich nicht gut für eine Partei. Andererseits: Das Leben muss auch irgendwie weitergehen.

Genial, oder? Mit keinem Wort, wieder mal, auf die Frage eingehen. Stattdessen die Partei als Opfer darstellen, die ja jetzt unter der Demontage von zu Guttenberg zu leiden hat.

Und zurück bleibt ein Gefühl der Leere. Allerdings nicht durch den Rücktritt von zu Guttenberg. Sondern einfach durch offene, nicht beantwortete Fragen.

Nachtrag (03.03.2011): Die Zeit scheint mir mit meiner Einschätzung zu HaPe Friedrich Recht zu geben:

Überhaupt, das Internet. Für Friedrich ist es vor allem ein Hort der Gewalt, an dem Kriminalität existiere, „die mit den bisherigen Möglichkeiten gar nicht mehr bekämpfbar ist“[…]

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Was ich loswerden will (53)

Multikulti: Verteufelt, tot – erst am Anfang!

Claus Leggewie mit einem Kommentar in der Süddeutschen über Angela Merkels Aussage, dass Multikulti gescheitert wäre.

„Jetzt regt sich die Kanzlerin auf, um abzulenken von mindestens zwanzig Jahren Versäumnissen der Einwanderungs- und Integrationspolitik, die ihre Partei verschuldet hat.“

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Koch kriegt den Hals nicht voll – und weitere Seitenwechsel

LobbyControl über die Meldung, dass der ehemalige hessische Ministerpräsident nicht nur den Vorstandsvorsitz von Bilfinger-Berger besetzen wird, sondern auch in den Aufsichtsratsvorsitz der umstrittenen Schweizer Bank UBS übernehmen will.

„Zuviele Köche verderben den Brei, aber wie ist es mit einem Koch, der in zu vielen Küchen arbeitet?“

Siehe dazu auch den Frontal 21-Bericht über die UBS.

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Wie die neue „Popstars“-Band heißen muss

Das Fernsehblog der FAZ über die Namensfindung der neuen „Popstars“-Band, bei der die Zuschauer zwischen Pest, Cholera und Ebola wählen kann. Autor Peer Schader schlägt vor, wenn schon billig, dann auch ehrlich und präsentiert selbst drei Namen zwischen denen man wählen kann.

Lesenswert sind auch die Kommentare, wo noch viel kreativere Vorschläge gemacht werden.

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Die Arroganz der Macht

LESEBEFEHL!

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Fischermäns Fail

Sash macht sich in seinem Blog Gedanken über das Weltbild, das Unwissen und die Albernheit von Axel E. Fischers Aussage, dass es im Internet ein Vermummungsverbot geben sollte.

„Dass außerdem gerade die CDU gerne mit Debatten das Land überflutet, bei denen einer der wichtigsten Punkte ist, dass Kinder zum Schutz vor Sexualstraftätern bloß nicht ihre Identität offenlegen sollten, sollte die Sache endgültig zu einem Treppenwitz der Geschichte machen.“

Was ich loswerden will (51)

Die Revolution ist machbar

Jochen Hoff verlinkt bei Duckhome eine Dokumentation, die auf arte lief. Titel: Revolution – Eine Gebrauchsanleitung.

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The Story of Cosmetics

Peter weist auf ein Video von Annie Leonard hin, die mir schon das Wassertrinken aus Einwegflaschen austrieb. Dazu gibt es noch ein Möchtegernkritisches Video, dass auf Schwächen des anderen Videos hinweist.

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Die Psychotricks der Hartz-IV-Parteien

Holdger Platta geht in einem Gastbeitrag beim Spiegelfechter auf die Wortspielereien der politischen Elite ein. Und bemerkt, dass deren Worttricks nichts mit einem Spiel gemein haben.

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Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt

Stefan Sasse zeigt im Oeffinger Freidenker, was von deutschen Wirtschaftsprofessoren zu halten ist, wenn sie in Lohn und Brot der INSM stehen.

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I-Apps deutscher Verlage

Thomas Knüwer berichtet in seinem Blog „Indiskretion Ehrensache“ aus seiner Schulzeit und vergleicht die Pausenspiele mit den Gebahren deutscher Verlagshäuser.

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Schule ist tatsächlich scheiße

Jan schreibt in seinem Zementblog über die Richtungsvorgabe in deutschen Schulen, die Schüler auf das Arbeitsleben vorzubereiten, statt sie zu mündigen und informierten Bürgern zu „machen“.

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Stell Dir vor, es ist Derby und keiner geht hin!

Und zu guter Letzt noch der Aufruf zum Boykott bei schwatz-gelb. Kein Boykott um die Blauen zu ärgern, sondern sich gegen übertriebene Ticketpreise zu wehren.

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Man weiß immer was man hat…

wenn man es nicht mehr hat…

Heute wird Norbert Blüm, ehemaliger Arbeitsminister unter Kanzler Birne Schwarzgeld Kohl 75 Jahre alt. Ja, genau der Norbert Blüm, der mit seinem Ausspruch „Die Rente ist sicher!“ für große Erheiterung gesorgt hat. Heute wissen wir, die staatliche Rente ist sicherer als alles was danach kam.

Anlässlich seines Geburtstages rief der Deutschlandfunk ihn heute morgen an und befragte ihn zu der aktuellen Situation in Politik und Gesellschaft. Und was soll ich sagen? Ich vermisse ihn wirklich.

Personen wie Norbert Blüm waren es, die wenigstens noch etwas Menschlichkeit in das Lager der CDU brachten. Personen wie Norbert Blüm sorgten sich auch im konservativen Lager um die Menschen. Personen wie Norbert Blüm setzten sich nicht nur für die Arbeitgeber ein, sondern auch und gerade für Arbeitnehmer UND Arbeitssuchende.

Gibt es heute noch eine(n) Bundesminister(in), der/die sich aus Überzeugung noch für diejenigen einsetzt, die ihn/sie gewählt haben und keine leeren Worthülsen absondert, die nicht mal im Ansatz ernst gemeint sind?

Hier ein paar Auszüge aus seinem heutigem Interview mit dem Deutschlandfunk, das sehr lesenswert ist:

„Er (der linke Flügel der CDU) ist schwächer geworden, das liegt auch daran, dass der Sozialstaat schwächer geworden ist.“

„[…]das ist ein neoliberaler Trend, der rund um die Welt geht, nur glaube ich, dass der an sein Ende gekommen ist. Manche haben das noch nicht gemerkt.“

„Wenn man natürlich die Beiträge durch Riesterrente umleitet in die Kasse von Allianz und Konsorten, ja, dann fehlt das in der Rentenversicherung. Und aus einem Hungerlohn können Sie auch keine Luxusrente machen. Hungerlöhne schaffen Hungerrente, hat allerdings nichts mit der Rentenversicherung zu tun. Insofern verteidige ich den Satz heute wie gestern.“

„Ich sehe, wenn die Arbeitgeber sich aus dem Spiel schleichen. Ich meine, viele der Diskussionen, da geht es ja, bei Licht betrachtet, um nichts anderes, als den Arbeitgeberbeitrag zu sparen. Macht nicht so viel Worte! Kopfpauschale war nur ein Vorschlag, weil die Arbeitgeber mit ihrem Beitrag raus sind. Hartz IV, da ging es darum, die beitragsbezogene Arbeitslosenversicherung nach hinten wegzudrücken. Riesterrente ohne Arbeitgeberbeitrag. Wenn sie das wollen, sollen sie es sagen und nicht so viele Umwege machen. Das ist Kündigung des Sozialvertrags, auf dem unsere Republik basiert.“

Er wäre ein Bundespräsident, der auch meine Unterstützung gehabt hätte. Schade, jetzt ist es wieder eine Grinsekatze.

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