BILD gefällt mir nicht!

Damit stehe ich nicht alleine.

Doch zweifel ich oft genug daran, dass es genügend Menschen gibt, die der Macht von BILD Paroli bieten.

Wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit den Deutschlandfunk höre, wird gerne mal aus BILD zitiert.

Wenn ich mich bei Facebook einlogge, empfangen mich meine „Freunde“ mit der Info, dass ihnen BILD gefällt. Da frage ich mich, ob ich die richtigen Freunde habe…

Dabei ist BILD ein gefährliches Machtinstrument, dass jeden Tag zum Einsatz kommt und die Köpfe der Leser mit Lügen, Intrigen und falschen Behauptungen infiltriert. Eine kürzlich vorgestellte Studie der Otto-Brenner-Stiftung kam zu der Erkenntnis: BILD ist keine Zeitung, da es keine journalistischen Elemente benutzt. Vielmehr sind es Marketingstrategien die angewendet werden. Das heißt, BILD berichtet nicht ausgewogen, sondern lässt unpassende oder kritische Elemente weg. Somit ist der Leser weit entfernt davon, umfassend informiert zu werden.

Im Blog „Der BRD Schwindel“ setzt sich Jens Berger, aka Spiegelfechter und Autor bei den NachDenkSeiten, mit der Studie auseinander, was alleine schon sehr lesenswert ist.

Was jedoch gerne übersehen wird und meiner Meinung nach einer der Erfolgsgaranten von BILD ist: Die kurze Schreibweise in den Artikeln von BILD. Gerade diese kurzen Artikel mit ihren kurzen Sätzen machen es BILD einfach, einen Zugang zum Leser zu bekommen, der sich gar nicht mehr die Zeit nehmen will, einen längeren und mit mehr Informationen gespickten Artikel zu lesen. Dabei ist es für den BILD-Leser irrelevant, dass dabei Informationen auf der Strecke bleiben.

Denn wer sich schon nicht die Zeit nimmt, sich umfassend zu informieren, der will auch keine Zeit dafür opfern, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das nimmt einem BILD ebenfalls mit seinen Artikeln ab. Den angeblichen Zeitgeist erfasst BILD sowieso, womit sich der Leser immer auf der Höhe der Zeit fühlt. Gerade in Diskussionen mit Lesern von BILD offenbart sich jedoch deren Uninformiertheit, schlagen sie doch lediglich mit Plattitüden um sich, wähnen sich dabei aber gut informiert. Ein Trugschluss, der schnell in Aggressionen des vermeintlich gut informierten umschlagen kann, wie mir schon häufig bei Diskussionen mit BILD-Lesern aufgefallen ist.

Im Beitrag von Jens Berger geht er auf die Aussage der Studie ein, dass BILD ein Riese ist, der tönern zugleich ist und bezieht sich auf den politischen Teil von BILD. Sicher ist dieser Teil das Feigenblatt des Axel-Springer-Ablegers. Doch übersieht er dabei, dass die Leser BILD zu einem Riesen machen, der durch den Verlust des Politikteils zwar an Rückhalt verlieren würde. Aber wie er auch treffend bemerkt, ist der Politikteil der am wenigsten gelesene Teil von BILD. Die BILD-Leser zieht es zu den Schauergeschichten um Vergewaltiger, Mörder und Fußballer hin.

Nur eine Ächtung durch ALLE gesellschaftliche Schichten würden den Riesen zum Wanken bringen. Doch dagegen spricht die Geltungssucht und die Angst der Menschen.

Fußballer bringen sich dank Bild in den Fokus und werden zum Kapitän der Nationalmannschaft geschrieben. Heute immer noch wie schon zu Zeiten von Matthäus.

Und Politiker haben Angst, von der wenig gelesenen Seite 2 auf die am meisten gelesene Titelseite gehoben zu werden.

Der Anfang muss meines Erachtens auch nicht vom uninformierten Leser kommen. Viel wichtiger ist es, den Schandfleck des Journalismus von eben diesen zu meiden. Solange Journalisten anderer Medien BILD zitieren, solange machen sie sich mitschuldig am Erfolg von BILD.

Man könnte jetzt das Zitat von Joseph Marie Graf von Maistre abwandeln und behaupten: Jedes Volk hat die Presse, die es verdient. In unserer kapitalistischen Gesellschaft, deren oberste Maxime „Wachstum um jeden Preis!“ ist, bleibt auch die unabhängige Presse auf der Strecke. Stattdessen werden Presseorgane zu Teilen von Konzernen, die ihre Aktionäre befriedigen müssen. Da heftet man sich nun mal gerne an das erfolgreichste Produkt und stellt alle moralischen Bedenken hinten an.

Und nur weil den Menschen dank des Internets mehr Informationen als je zuvor zur Verfügung stehen, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie diese auch nutzen. Gut vernetzte Plattformen wie Facebook werden in unserer Gesellschaft nicht dafür genutzt, um auf Missstände aufmerksam zu machen, sondern um sich zu profilieren, in dem man hübsche Profilbilder postet (gerne von oben, Kussmund nicht vergessen!) oder an den vielen Spielen teilnehmen um sich die Zeit zu vertreiben. Die man ja hätte, um sich zu informieren, aber dafür ist die Zeit eigentlich viel zu kostbar. Und deshalb haben wir die Presse, die wir verdienen.

Leider habe ich mit über 700 verwendeten Wörtern die Aufnahmekapazität eines durchschnittlichen Bildlesers bereits überschritten. Ich denke jedoch, dass ich klar machen konnte: Ich mag BILD nicht. Ich mag es nicht, wenn Dir BILD bei Facebook gefällt, weil Du damit beweist, dass Du über Deine Handlungen nicht nachdenkst. Und Dir das allseits bekannte Verhalten von BILD egal ist.

Und das kann und darf uns nicht egal sein…

Siehe dazu auch: 10 Strategien der Manipulation

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Was ich loswerden will (46)

Lange ist es her und viel hat sich angesammelt. Zeit also, meine Liste mal auszuleeren.

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Analyse einer Pressemitteilung

Das ZDF zieht Bilanz in einer Pressemitteilung und Holger, der Fernsehkritiker und frisch gebackener Grimme Online Award-Gewinner liest sie genau.

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Das Schwenken der Fahnen – eine Einübung in Gleichschaltung für alles Mögliche

Albrecht Müller sieht im Wedeln der Fahnen eine Einstudierung der Kritiklosigkeit. Dazu passt der Gastartikel von Benjamin Fredrich beim Spiegelfechter (Furcht vom kollektiven Fahnenschwenken).

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Perspektiven zur Perspektivlosigkeit

Und wo wir gerade beim Spiegelfechter sind, Jens Berger zeigt unsere politische Zukunft nach der Bundespräsidentenwahl auf.

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Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und ihr Treiben

Peter erklärt hier noch mal die neoliberale demokratiefeindliche Lobbyistenvereinigung INSM. Warum wird die eigentlich nicht vom Verfassungsschutz beobachtet?

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Worunter wir gerade in den Chefetagen am meisten leiden, ist Charaktermangel

Telepolis interviewt Tom Schimmeck über Macht und Ohnmacht der Medien.

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Das Falsche – zur falschen Zeit am falschen Ort

Warum das Sparpaket der Bundesregierung das dümmste und egoistischste ist, was die schwarz-gelben ideologiegeführten Ahnungslosen machen konnten erklären die NachDenkSeiten.

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In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich

Das fragt sich Peter in einem meiner Lieblingsblogs Konsumpf in zwei Teilen (Teil 1, Teil 2).

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Projekt 42: Konsum

Konsum (von lat. consumere = verbrauchen) ist je nach politischem Lager ein entweder positiv wie auch negativ behaftetes Wort. Früher war der Konsum bei Menschen lediglich auf den Verbrauch der benötigten Dinge reduziert (Essen, Trinken). Heute umfasst der Konsum die Befriedigung aller anfallenden verbrauchenden Bedürfnisse, wie z.B. Treibstoff für das jeweilige Fortbewegungsmittel, aber natürlich auch weiterhin Essen und Trinken. Gerne wird der Konsum auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten gesehen, aber dass soll hier nicht Gegenstand des Themas sein.

Denn genauso wie dem Wort Konsum in den politischen Lägern eine unterschiedliche Bewertung anheftet, so ist auch die Macht des Konsumenten zwiegespalten.

Für den Konsumenten spricht der freie Wille der Entscheidung, die es ihm ermöglicht nur die Dinge zum Konsum anzuschaffen, die seinen moralischen, ethischen oder gefühlsmäßigen Vorstellungen entspricht.

Dagegen spricht allerdings sein Geldbeutel, die seine Entscheidungsfindung zum Teil sehr stark einschränken kann. Außerdem setzen die Unternehmen durch gezieltes Marketing viel daran, die Vorstellungen des Konsumenten zu beeinflussen. Dadurch wird der Konsument in seiner Entscheidungsfindung noch mehr eingeschränkt und das ohne sich dessen allzu bewusst zu sein. Denn Werbung ist ein großer Teil unseres gesellschaftlichen Lebens geworden. Es werden bestimmte Werte idealisiert oder Bedürfnisse geschaffen, die nur das beworbene Produkt erfüllen kann. Ist es konsumiert, ist das fragile Glück verschwunden und es muss neu beschafft werden.

Manchmal gibt es aber Situationen, in der das Unternehmen durch schlechte Publicity in die moralisch verwerfliche Ecke gedrängt ist und der Konsument seine Macht geschlossen ausspielen kann. Besondere Beispiele sind der Shell-Boykott 1995 oder 2008 der Boykott von Nokia-Produkten. Boykotts sind in der Regel nur kurzfristiger Natur, jedoch bleibt beim Konsumenten immer auch was hängen.

Zu berücksichtigen bleibt aber, dass eine Organisation von Konsumenten komplett fehlt. Lediglich Aktivistengruppen können auf bestimmte Fehlleistungen der Unternehmen hinweisen, sind dann aber auf die Eigendynamik der Konsumenten angewiesen.

Dazu kommt, dass Boykotte moralisch bedenklich sind. Sie treffen zwar Unternehmen an ihrer empfindlichen Stelle, diese wehren sich aber zu Ungunsten der Arbeitnehmer mit Entlassungen, was sich wieder auf die Gesellschaft auswirkt.

Dank des Internets erstarkt eine neue Form des Konsums. Die des verantwortungsbewussten Konsumenten. Das wird dadurch erreicht, dass Konsumenten nur noch saisonale Lebensmittel kaufen oder regional hergestellte Produkte konsumieren. Das Internet gibt dem Konsumenten Gelegenheit, sich ausführlich darüber zu informieren, was vor 20, 30 Jahren nur durch Mundpropaganda oder in kleinen Gruppen möglich war. So hat sich die Typisierung „Öko“ oder „Bio“ von einer stigmatisierten Randgruppe in die Mitte der Gesellschaft bewegt. Labels und Gütesiegel helfen dem Konsumenten, Produkte zu kaufen, die seinen Vorstellungen entsprechen.

Nichtsdestotrotz ist Wissen über die Produkte unabdingbar für den Verbraucher, um nicht wieder auf irgendwelche Marketinglügen reinzufallen. Als aktuelles Beispiel kann hier der Versuch von Automobilfirmen gelten, mit der Modefarbe Blau und dem Schlagwort Effizienz das Blaue vom Himmel lügen.

Und deshalb ist es wichtig, sich nicht nur auf die Werbeaussagen der Unternehmen zu verlassen, sondern sich über die Hintergründe der jeweiligen Unternehmen zu informieren. Das kann man bei Aktivistengruppen wie z.B. greenpeace direkt machen oder man besucht regelmäßig die Seiten freiwilliger Autoren, die über die Herstellung von Produkten informieren. Als Beispiel kann man hier Konsumpf, nachhaltigBeobachtet oder Grüne Mode nennen.

Dies war mein zweiter Beitrag zum Projekt 42.

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Es wird Zeit!

Zeit für einen politischen Neuanfang!

Das Wählervotum in Nordrhein-Westfalen war auch dieses mal wieder deutlich genug, doch die herrschende Klasse eiert immer noch herum.  Bei den letzten sieben Wahlen (Sachsen, Thüringen, Saarland, Schleswig-Holstein, Brandenburg, NRW und der Bundestagswahl) ist vier Mal der Wille des Volkes für eine rot-rot-grüne Mehrheit gewesen. Nach dem Saarland ist Nordrhein-Westfalen jetzt das zweite westliche Bundesland, dass so entschied. Es ist also längst kein ostdeutsches Phänomen mehr.

Das Trommelfeuer der Medien zeigte auch diesmal wieder keine Wirkung gegenüber der „linksextremen“ Partei. Es wird aber auch die nächsten Wochen bestimmt nicht nachlassen.

Währenddessen pfeifen die unterlegenden Parteien auf ihre Beschlüsse (FDP zur Ampelkoalition) und werfen dem Gegner fleißig Wortbruch vor. Dazu wird schön Gift ausgestreut, wie der erpresserische Versuch der FDP beweist. Solange die SPD sich nicht in einem Agreement verpflichtet, keine Gespräche mit der Linken zu führen, solange sind sie nicht zu Koalitionsgesprächen bereit.

Doch will das Volk überhaupt eine Ampelkoalition? Oder will es vielleicht doch die SPD wieder auf ihren sozialdemokratischen Weg zurückbringen? Indem diese sich politisch in einer Regierungsverantwortung mit der Linken auseinandersetzt. Wenn ich mir eine Umfrage bei tagesschau.de anschaue, dann ist das eigentlich recht deutlich. Da kann sich die Springer-Presse noch so die Finger wund schreiben.

Jetzt bleibt die spannende Frage, was macht die herrschende Klasse daraus? Beugt sie sich dem Wählerwillen oder schachert sie sich wieder die gut bezahlten Posten zu und scheißt pfeift auf Volkes Stimme?

Wie skrupellos die eigenen Machtbedürfnisse von den Politikern durchgesetzt werden, wissen wir ja schon längst. Sonst hätte es im Saarland schon zu einer rot-rot-grünen Regierung kommen können. Aber das Thema hatten wir hier ja schon (Was ich loswerden will (20), Wo Korruption anfängt und Jamaika versinkt im grünen Sumpf).

Also Frau Kraft, haben Sie bitte dieselbige und hören Sie auf den Wähler. Sie haben die Möglichkeit, die SPD wieder dorthin zu führen, wo sie vor Schröder, Clement und Konsorten mal stand. Auf der Seite der Arbeiter, fernab von Unternehmern und Lobbyisten. Wäre das so schlimm? Ich denke nicht.

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