Was ich loswerden will (57)

Der rechte Abschied von der Politik

Der Tagesanzeiger aus der Schweiz mit einem Artikel über zwei konservative Politiker, die sich Gedanken über ihre Form der Politik machen.

„Ich fange an zu denken, dass die Linke vielleicht doch Recht hat.“

(Via NDS und Frédéric Valin)

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Folter im Rechtsstaat

namron erklärt in seinem Blog, warum einem rechtskräftig verurteiltem Mörder, der von einem deutschen Gericht Schmerzensgeld wegen Folterandrohung zugesprochen wurde, ebenfalls Menschenrechte genießt.

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Gewalt gegen die Gewalt

Sebastian Müller zeigt im Le Bohémien die sozialen Einschnitte der englischen Politik auf. Und nicht nur dort:

„Überhaupt scheint die Erkenntnis, dass der europäische Sozialstaat vor allem eine zivilisatorische und demokratische Errungenschaft ist, heute nicht mehr viel zu bedeuten.“

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Glücksfall Gerechtigkeit

Zum selben Thema schreibt Nina Power (Übersetzung von Holger Hutt) in „Der Freitag„.

„Spektakuläre Bilder von ausgeräumten Geschäften mögen genau das sein, wonach es die ruhelosen, stets nach neuen Geschichten und Buhmännern gierenden Medien verlangt. Aber wir werden nichts von diesen Ereignissen verstehen, wenn wir die Geschichte und den Kontext ausblenden, in die sie eingebettet sind.“

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Wie sich die Dinge manchmal gleichen

Zum Schluss noch ein Wort zum Fußball. DTS98 dämpft die Euphorie nach dem 3:1 Auftaktsieg gegen den HSV und zitiert sich selbst. Anschließend fügt er in seinem Spielbericht an:

„Träumen darf natürlich währenddessen erlaubt sein, aber die Ansprüche müssen realistisch bleiben. Und vor allem rennt man nicht laut tönend durch die Weltgeschichte.“

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Was ich loswerden will (56)

Neun Monate war Ruhe mit dieser Rubrik. In der Zeit können Kinder gezeugt (und geboren) werden oder man kann sich bei Facebook anmelden und die Schnauze davon schon wieder voll haben. Geht alles.

Der letzte Beitrag der aus gesammelten Fundstücken bestand ist also schon etwas her. Und da bei Facebook sich anscheinend niemand für die politischen Links interessiert – jedenfalls hält sich das Feedback in Grenzen – pentriere ich damit wieder meine Leser. Auch auf die Gefahr hin, dass sie

  • die verlinkten Beiträge schon kennen
  • die verlinkten Beiträge nicht interessiert
  • von meiner politischen Einstellung genervt sind
  • auch hier kein Feedback abgeben werden
Ist mir egal. Ich mache es trotzdem wieder. Einfach so, weil es ein schönes Ventil ist und ich nun mal so bin.
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Und mit wem könnte die Reihe besser fortgesetzt werden, als dem Spiegelfechter? Hier nimmt er das Wahlplakat der CDU für die Kommunalwahl in Niedersachsen auseinander, von dem ich ja direkt betroffen bin.
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Herr Niggemeier darf in dieser Rubrik natürlich auch nicht fehlen. Ich erlaube mir, zu zitieren:
„Der „Akte“-Beitrag kommt aus einem Bereich des Blöden, in dem die Beklopptheit so groß ist, dass sie an Genialität grenzt, und der genaue Grenzverlauf unklar ist.“
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Und Frank Benedikt nimmt sich in Form des Binsenbrenners dem leidigen Dauerbrenner-Themas S21 an. Dabei erinnert er an die Fakten, die in den Medien gerne verdrängt werden, um das Bild eines gewalttätigen Wutbürgers zu zeichnen.
„Zusammenfassend läßt sich sagen, daß diese Umgestaltung spätestens angesichts der drohenden Kosten, die besser in die Erhaltung und Verbesserung des bestehenden Schienenverkehrs investiert wären, ein Unding ist, gegen das zurecht protestiert wird.“
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Scheiß Wochenende

Eigentlich sollte das Wochenende ja ganz schön werden. Wurde es aufgrund der aktuellen Ereignisse aber nicht. Nicht wirklich.

Lange habe ich nachgedacht, ob und was ich dazu schreiben könnte. Angesichts des Leids in Norwegen glaube ich aber, keine passenden Worte dafür zu finden. Das unterscheidet mich von Journalisten, die zu allem ihre Meinung (!) abgeben müssen. Oder Politikern, die solche Tragödien wieder für ihre Zwecke missbrauchen.

Ich bin in Gedanken bei den Familien der Opfer. Und summe leise ein Lied von Amy Winehouse dabei.

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Womit ich nerven kann

Ma Rode, regelmäßigen Lesern unseres Blogs als fleißige Kommentatorin bekannt, führt auch ihr eigenes Blog. Da ich dazu nicht verlinken darf, tue ich das auch nicht. Nur so viel: Ich lese es gerne.

Vor kurzem veröffentlichte sie einen Beitrag, in dem sie sich über nervige Dinge äußerte. Hier die Liste:

* Smartphone-Benutzer, die ihr Hand sogar mit zum Klo nehmen (meine Kollegen)
* flappsige Fragen wie „Und? Alles gut?“, die keine Antwort erwarten
* Basecapes
* Berlin
* Sonnenbrillen auf dem Kopf (so tussihaft!)
* Hartz-IV-TV und Doku-Serien wie
* junge dicke Weiber mit Arschgeweih und ähnlich peinlichen Tatoos
* Männerbalett
* das Wort „quasi“
* Denglisch
* der Harry-Potter-Hype (obwohl ich die ersten Filme mochte)
* unsere derzeitige Regierung und ihre nicht nachvollziehbaren Entscheidungen (Themen wie Waffenlieferung, Energiepolitik …)
* schlecht recherchierte Zeitungsartikel und Verwechslungen von beispielsweise „Astronomie“ und „Astrologie“ (peinlich!)

Wollen wir mal sehen:

* Smartphone-Benutzer, die ihr Hand sogar mit zum Klo nehmen (meine Kollegen)
😳 Auf den Pott nehme ich das Smartphone (noch) nicht mit. Aber sonst ist es mein ständiger Begleiter…

* flappsige Fragen wie „Und? Alles gut?“, die keine Antwort erwarten
Jepp, kenne ich zu gut. Noch aus meinen Zeiten in der Produktion, wo die Kollegen ständig fragten: „Alles klar?“ und weitergingen. Habe mir ne zeitlang den Spaß gemacht und gejammert, wie schlecht ich das habe…hatte keinen interessiert. Außer einer handvoll wirklich netter Menschen.

* Basecapes
Geht, trage selber welche, wenn ich mich längere Zeit in praller Sonne aufhalte. Was wirklich nervt ist dieses aufgesetzte Tragen, womit der Träger aussieht, als hätte er einen Wasserkopf…WTF?!

* Berlin
Woah, Berlin finde ich eigentlich ziemlich geil. Die Menschen wirken offener und freundlicher. Bin immer wieder gerne in Berlin. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich nur noch alle zwei Jahre nach Berlin komme und von freundlichen Kegelkollegen umgeben bin.

* Sonnenbrillen auf dem Kopf (so tussihaft!)
In Verbindung mit einem Pulli über den Schultern!

* Hartz-IV-TV und Doku-Serien wie
Wie was? Wie „Mitten im Leben“? „X-Diaries“? (Mehr kenne ich nicht und will ich auch nicht kennen…)
Die nerven nicht, die sind einfach scheiße. Und jeder der sich so einen Scheiß ernsthaft antut, muss selbiges im Kopf haben.

* junge dicke Weiber mit Arschgeweih und ähnlich peinlichen Tatoos
Gegen junge dicke Weiber habe ich nichts. Gegen Arschgeweihe auch nichts. Die inflationäre Verteilung macht es nervig.
Aber noch viel nerviger finde ich junge dicke Weiber mit peinlichen Tattoos, die über junge dicke Weiber lästern, die sich vom gängigen Schönheitsideal nichts vorschreiben lassen und sich weiblich anziehen…That sucks!

* Männerbalett
Das gibt es? Und wenn ja, wo wird man damit belästigt?

* das Wort „quasi“
Ich wusste es. Ich benutze das Füllwort „quasi“ einfach viel zu oft. Sorry, ich gelobe Besserung.

* Denglisch
😳 Volle Breitseite jetzt. Wobei ich selber einen Geburtstagsgruß einer Freundin bei Facebook neulich gelesen habe, wo mir der abwechselnde Deutsch-Englisch-Gebrauch sauer aufstieß.

* der Harry-Potter-Hype (obwohl ich die ersten Filme mochte)
Das kann mich nicht wirklich nerven. Ich habe bereits eine Ehe hinter mir, bei der meine Frau (14 Jahre älter), zu einem Kind mutierte, wenn eine Veröffentlichung eines neuen Buches bevorstand. Da bin ich abgehärtet.
Btw: Schönes Ende. Jetzt haben wir es geschafft. 😉

* unsere derzeitige Regierung und ihre nicht nachvollziehbaren Entscheidungen (Themen wie Waffenlieferung, Energiepolitik …)
Und unsere Medienvertreter und unsere verantwortungsbewussten Unternehmen und unsere tollen Experten und…

* schlecht recherchierte Zeitungsartikel und Verwechslungen von beispielsweise „Astronomie“ und „Astrologie“ (peinlich!)
*hehe* Das war schon wirklich peinlich! Nur leider nichts neues. Und dieselben Zeitungen berichten über Wirtschaft, Politik und andere wichtige Dinge! Unglaublich…

Coming up next: Was mich nervt – Eine neverending Story!

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Frauenversteher

Nun ist Japan also Fußballweltmeister der Frauen geworden. Was mich freut, haben die Japaner mal bessere Nachrichten als das leidige Atomkraftthema (was dennoch nicht aus den Augen verloren werden sollte!).

Mir war das ja von Anfang klar, dass die Japaner Weltmeister werden würden. Lässt sich hinterher natürlich immer sagen und leider habe ich auch nicht darauf gewettet. Aber das liegt daran, dass ich mein Geld nicht für Wetten ausgebe (und in diesem Falle wieder einnehme…). Ich habe sogar den einen oder anderen Zeugen, dass ich mich bereits sehr früh auf ein Finale gegen die USA festgelegt habe.

Als ich dann gestern in der zweiten Halbzeit dazuschaltete und mir das Spiel so ansah, war ich mir meines Weltmeistertipps nicht mehr so sicher. Letztlich blieb es ja dann doch bei meiner Vorhersage. Was mich zu einem Frauen(fußball)versteher macht. Vielleicht werde ich ja zur nächsten WM (oder die EM, nutzt den Hype!) als Fußballexperte eingeladen. Ich bin bestimmt günstiger als manch Macho, der zufällig Fußball gespielt hat. Aber die Anfahrtskosten sollen schon drin sein. 😉

Japan also. Was mich angesichts mancher Statusmeldungen bei Facebook (via uiuiui) noch mehr freut. Was für mich wiederum ein guter Beweis ist, dass Nationalisten sehr beschränkt ist. Fahnen wedeln kann irgendwie jeder Vollhonk! Beim Denken wird es schon schwieriger…

Und wo wir gerade bei Frauenfußball sind. Die taz informiert darüber, dass die Interviews der Spielerinnen von den jeweiligen Beratern sehr stark beschnitten werden. So weit nichts ungewöhnliches. Das aber falsche Aussagen dazugedichtet werden ist schon ein starkes Stück. Siehe hier und hier.

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Titanic entdeckt

Mit der Titanic habe ich es nicht so.

Zum einen ist Politik eine ernste Sache und sollte vernünftig kritisiert werden. Satire ist da sicher angebracht, aber ich fand

es zum anderen bei der Titanic zu sehr im lächerlichen Bereich. (Und drittens verstehe ich nicht so viel über Politik und Satire, als das ich Titanic immer verstehe – oder geht es dort immer nur um absurde Witze?)

Nun manövriert sich die Politik, insbesondere die schwarz-gelbe (aber leider nicht nur die) in Fahrwasser, wo das Schiff sich in einem Meer aus Tränen befindet. Und die Tränen sind keine Freudentränen, es sei denn, man kann darüber wieder lachen, so traurig wie es gerade ist. Das sowas ein Alptraum für Satiriker ist haben feynsinn und jetzt auch der pantoffelpunk angemerkt.

Das jetzt ausgerechnet Titanic mit einem Beitrag daherkommt, den man besser nicht hätte schreiben können, hätte ich diesem Magazin nicht zugetraut.

Thema ist das ehemalige Nachrichtenmagazin und ich zitiere:

Also wird nach Kräften nachgeplappert und mitgehämmert, und es ist, je nach Perspektive, entweder spaßig oder niederschmetternd, wie in bspw. der Süddeutschen Zeitung, seit »Spiegel online« auf Sendung ist und den Takt vorgibt, alles zum dramatisch Drastischen drängt, ob es nun um Ehec-Gurken, Vergewaltigungsprozesse oder Internetverkehr geht […]

Leitwolf im Schafspelz – Über das Spektakuläre an >Spiegel online<

Unbedingt lesen!

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BILD gefällt mir nicht!

Damit stehe ich nicht alleine.

Doch zweifel ich oft genug daran, dass es genügend Menschen gibt, die der Macht von BILD Paroli bieten.

Wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit den Deutschlandfunk höre, wird gerne mal aus BILD zitiert.

Wenn ich mich bei Facebook einlogge, empfangen mich meine „Freunde“ mit der Info, dass ihnen BILD gefällt. Da frage ich mich, ob ich die richtigen Freunde habe…

Dabei ist BILD ein gefährliches Machtinstrument, dass jeden Tag zum Einsatz kommt und die Köpfe der Leser mit Lügen, Intrigen und falschen Behauptungen infiltriert. Eine kürzlich vorgestellte Studie der Otto-Brenner-Stiftung kam zu der Erkenntnis: BILD ist keine Zeitung, da es keine journalistischen Elemente benutzt. Vielmehr sind es Marketingstrategien die angewendet werden. Das heißt, BILD berichtet nicht ausgewogen, sondern lässt unpassende oder kritische Elemente weg. Somit ist der Leser weit entfernt davon, umfassend informiert zu werden.

Im Blog „Der BRD Schwindel“ setzt sich Jens Berger, aka Spiegelfechter und Autor bei den NachDenkSeiten, mit der Studie auseinander, was alleine schon sehr lesenswert ist.

Was jedoch gerne übersehen wird und meiner Meinung nach einer der Erfolgsgaranten von BILD ist: Die kurze Schreibweise in den Artikeln von BILD. Gerade diese kurzen Artikel mit ihren kurzen Sätzen machen es BILD einfach, einen Zugang zum Leser zu bekommen, der sich gar nicht mehr die Zeit nehmen will, einen längeren und mit mehr Informationen gespickten Artikel zu lesen. Dabei ist es für den BILD-Leser irrelevant, dass dabei Informationen auf der Strecke bleiben.

Denn wer sich schon nicht die Zeit nimmt, sich umfassend zu informieren, der will auch keine Zeit dafür opfern, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das nimmt einem BILD ebenfalls mit seinen Artikeln ab. Den angeblichen Zeitgeist erfasst BILD sowieso, womit sich der Leser immer auf der Höhe der Zeit fühlt. Gerade in Diskussionen mit Lesern von BILD offenbart sich jedoch deren Uninformiertheit, schlagen sie doch lediglich mit Plattitüden um sich, wähnen sich dabei aber gut informiert. Ein Trugschluss, der schnell in Aggressionen des vermeintlich gut informierten umschlagen kann, wie mir schon häufig bei Diskussionen mit BILD-Lesern aufgefallen ist.

Im Beitrag von Jens Berger geht er auf die Aussage der Studie ein, dass BILD ein Riese ist, der tönern zugleich ist und bezieht sich auf den politischen Teil von BILD. Sicher ist dieser Teil das Feigenblatt des Axel-Springer-Ablegers. Doch übersieht er dabei, dass die Leser BILD zu einem Riesen machen, der durch den Verlust des Politikteils zwar an Rückhalt verlieren würde. Aber wie er auch treffend bemerkt, ist der Politikteil der am wenigsten gelesene Teil von BILD. Die BILD-Leser zieht es zu den Schauergeschichten um Vergewaltiger, Mörder und Fußballer hin.

Nur eine Ächtung durch ALLE gesellschaftliche Schichten würden den Riesen zum Wanken bringen. Doch dagegen spricht die Geltungssucht und die Angst der Menschen.

Fußballer bringen sich dank Bild in den Fokus und werden zum Kapitän der Nationalmannschaft geschrieben. Heute immer noch wie schon zu Zeiten von Matthäus.

Und Politiker haben Angst, von der wenig gelesenen Seite 2 auf die am meisten gelesene Titelseite gehoben zu werden.

Der Anfang muss meines Erachtens auch nicht vom uninformierten Leser kommen. Viel wichtiger ist es, den Schandfleck des Journalismus von eben diesen zu meiden. Solange Journalisten anderer Medien BILD zitieren, solange machen sie sich mitschuldig am Erfolg von BILD.

Man könnte jetzt das Zitat von Joseph Marie Graf von Maistre abwandeln und behaupten: Jedes Volk hat die Presse, die es verdient. In unserer kapitalistischen Gesellschaft, deren oberste Maxime „Wachstum um jeden Preis!“ ist, bleibt auch die unabhängige Presse auf der Strecke. Stattdessen werden Presseorgane zu Teilen von Konzernen, die ihre Aktionäre befriedigen müssen. Da heftet man sich nun mal gerne an das erfolgreichste Produkt und stellt alle moralischen Bedenken hinten an.

Und nur weil den Menschen dank des Internets mehr Informationen als je zuvor zur Verfügung stehen, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie diese auch nutzen. Gut vernetzte Plattformen wie Facebook werden in unserer Gesellschaft nicht dafür genutzt, um auf Missstände aufmerksam zu machen, sondern um sich zu profilieren, in dem man hübsche Profilbilder postet (gerne von oben, Kussmund nicht vergessen!) oder an den vielen Spielen teilnehmen um sich die Zeit zu vertreiben. Die man ja hätte, um sich zu informieren, aber dafür ist die Zeit eigentlich viel zu kostbar. Und deshalb haben wir die Presse, die wir verdienen.

Leider habe ich mit über 700 verwendeten Wörtern die Aufnahmekapazität eines durchschnittlichen Bildlesers bereits überschritten. Ich denke jedoch, dass ich klar machen konnte: Ich mag BILD nicht. Ich mag es nicht, wenn Dir BILD bei Facebook gefällt, weil Du damit beweist, dass Du über Deine Handlungen nicht nachdenkst. Und Dir das allseits bekannte Verhalten von BILD egal ist.

Und das kann und darf uns nicht egal sein…

Siehe dazu auch: 10 Strategien der Manipulation

Kleine Amerika-Nachlese (2)

Was man hier über Amerika weiß, ist die Tatsache, dass die Amis viel Wert auf freie Meinungsäußerung legen. Das geht sogar so weit, dass dort die Rechten ihren braunen Scheiß ungestraft publizieren und auf die Straße tragen dürfen. Oder die fundamentalistischen Christen ihre Meinung über die gottlose Homosexualität und die besten Bestrafungen dafür auf Schildern schreiben und mit diesen Schildern rumlaufen dürfen, ohne das sich jemand daran stört.

Denn mal ehrlich: Klar habe ich was gegen das Nazipack, dass bei uns rechtzeitig zur Wahl in drei Meter Höhe ihre Freiheit nutzt um gegen die Freiheit von Menschen mit anderer Herkunft als Deutschland zu wettern und ihnen die Schuld für alles zu geben. Aber eine aufgeklärte Gesellschaft sollte doch darüber stehen, denn Spinner hat es überall. Der eine weiß auf den Tag genau, wann die Welt untergeht und der andere glaubt fest daran, dass in Deodorants Bestandteile sind, die in unser Gehirn eindringen um uns zu manipulieren.

Nun gut, unsere Gesellschaft ist genauso wenig aufgeklärt wie die amerikanische, was aber an dem zum Kapitalismus gehörenden Mediensystem liegt, dass die Pressefreiheit nicht mehr in dem Maße verdient hat, solange es wirtschaftliche Interessen mehr unterliegt als der freien Informationsaufklärung, die es eigentlich als vierte Gewalt im Staate haben sollte.

Aber ich schweife gerade irgendwie ab. Der Punkt ist, der Frau im folgenden Bild stimme ich im vollen Umfang zu:

Krebs ist Scheiße! Wie wahr!

Veröffentlicht in Bilder. Schlagwörter: , , , , , , , . Kommentare deaktiviert für Kleine Amerika-Nachlese (2)

Unaufgeregt

Ereignisse, wie derzeit in Japan machen mich immer wieder sprachlos.

Sprachlos. Das würde ich mir auch von den meisten Medien wünschen. Das Schundblatt mit den vier großen Buchstaben hat heute 5 Sonderseiten zu den katastrophalen Begebenheiten in Japan. 5 Seiten, die mit Sicherheit ganz unaufgeregt und bestimmt sehr differenziert die Situation erklären…NICHT!

Das die privaten Medien solche Katastrophen gerne benutzen, um uns die Bilder immer und immer wieder ins Wohnzimmer zu bringen und geradezu marktschreierisch uns mit Updates über die Toten versorgen, ist schon ein Umstand, an den man sich traurigerweise fast gewöhnt hat. Ich werde mich nie dran gewöhnen und lasse deshalb die privaten Sender fast immer aus.

Aber wenn selbst schon das ZDF diese Bilder mit Musik unterlegt, dann hat das nichts, aber auch rein gar nichts mit Informationsweitergabe zu tun. Und jetzt brauch auch keiner damit kommen, dass man durch die Musik und den Bildern die Sprachlosigkeit verdeutlichen will. So ticken Redaktionen schon lange nicht mehr.

Einer der wenigen unaufgeregt daher kommenden Informationen finde ich derzeit beim Deutschlandfunk, wo man den ganzen Tag in sachlichem Ton die aktuelle Lage erklärt bekommt.

Wer es gerne visueller mag und der englischen Sprache mächtig, dem empfehle ich außerdem den Livestream von Al Jazeera. Auch dort wird sehr informativ berichtet.

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So schafft man Opfer

Heute morgen durfte ich von meinen Gebührengeldern ein Interview mit dem Landesgruppenchef der CSU im Bundestag und kommenden Innenminister Hans-Peter Friedrich lauschen. Es ging, natürlich, um den Rücktritt KTs. HaPe Friedrich war dann auch gleich bemüht, an der Opferrolle KTs munter weiterzustricken. Aus diesem Grund möchte ich mir mit Euch das Interview näher ansehen.

Frage von Barenberg: In der Sache nötig war der Rücktritt aus Ihrer Sicht also nicht?

Antwort von HaPe F.: Wissen Sie, was mich so bedrückt bei der ganzen Geschichte, ist die Art und Weise, wie man Jagd auf ihn gemacht hat. Das ist sehr unwürdig gewesen und das wirft auch ein schlechtes Licht auf die Politik insgesamt. Mit welchen Ausdrücken er überzogen wurde, wie man mit Hass ihm begegnet ist, das hat mich alles sehr, sehr tief bedrückt.

Typischer Fall von „Auf Frage nicht eingehen und persönliche Gefühle mit reinbringen“. KT hat mit dem Aussitzen seiner Plagiatsvorwürfe ein schlechtes Licht auf die Politik geworfen. Den Hass einiger Personen hatte er auch schon vorher, nur haben diesmal die Medien, die ihn göttergleich verehrten, nicht mehr geschützt.

Frage von Barenberg: […]Gibt Ihnen das nicht zu denken, dass auch in den eigenen Reihen in den letzten Tagen die Kritik spürbar gewachsen ist an Karl-Theodor zu Guttenberg?

Antwort von HaPe F.: Nein. Also grundsätzlich verstehe ich natürlich, dass man kritisiert, wobei: Er hat Fehler eingeräumt, das Ausmaß der Fehler wird man sicher noch feststellen. Ich glaube nicht alles, was im Netz von irgendwelchen Menschen irgendwo eingestellt wird, aber das wird die Uni Bayreuth ja alles im Einzelnen prüfen.[…]

Interessanter Seitenhieb auf das Netz. Das beweist schon mal, wohin der Weg gehen soll, wenn er erstmal Innenminister wird. Denn das beim Guttenplag-Wiki ordentlich gearbeitet wurde, steht ziemlich außer Zweifel. Im Gegensatz zum Ex-Verteidigungsministers…

Frage von Barenberg: Mit anderen Worten, Herr Friedrich, wer im Privatleben stiehlt, auch wenn es sich um geistiges Eigentum handelt, der kann aus Ihrer Sicht Minister bleiben?

Antwort von HaPe F.: Noch mal: Ich verstehe, dass man das kritisiert. Ich verstehe auch diejenigen in der Wissenschaft, die das kritisieren, auch heftig kritisieren. Ich verstehe auch die Enttäuschung vieler Menschen über die Fehler, die Karl-Theodor zu Guttenberg gemacht hat. Die Art und Weise finde ich abstoßend, wie man jetzt mit ihm umgegangen ist, und deswegen tut mir das alles sehr leid.

Und, was fällt auf? Wieder wird nicht auf die Frage geantwortet. Und wieder wird das persönliche Gefühl aufgebaut um Mitleid mit der behandelnden Person versucht zu erzeugen…

Jetzt wird es interessant:

Frage von Barenberg: Karl-Theodor zu Guttenberg hat gestern in seiner Erklärung kein Wort verloren zum Vorwurf des vorsätzlichen Betruges. Wäre das nicht geboten gewesen bei der Gelegenheit?

Antwort von HaPe F.: Nein. Wie gesagt, das ist alles jetzt Gegenstand der weiteren Überlegungen auch der Universität Bayreuth. Wissen Sie, ich glaube, dass auch viele, viel zu viele Menschen viel zu leichtgläubig an Dinge herangehen, im Internet irgendeine Seite aufrufen, dort wird irgendwas behauptet, sie können nicht kontrollieren, ist das wirklich wahr, ist der Wahrheitsgehalt dessen, was sie da lesen, wirklich nachvollziehbar, nachprüfbar. Auch da sollte jeder mal selbstkritisch damit umgehen, wie er sich Informationen besorgt und wie er damit umgeht.

Um Gottes Willen. Natürlich hätte KT nicht Klartext sprechen dürfen! Wo kämen wir denn hin? Stattdessen wird wieder auf das böse Internet geschimpft, auf das jeder reinfallen kann. Und der Betrugsversuch mit der Doktorarbeit nebenbei relativiert.

Aber jetzt wird es ungemütlich:

Frage von Barenberg: Wie hoch schätzen Sie jetzt den Schaden für die CSU?

Aber auch hier weiß HaPe das Schiff durch das unruhige Wasser hindurchzuführen. Seht selbst:

Antwort von HaPe F.: Na ja, gut, Karl-Theodor zu Guttenberg ist für die CSU, für die Union insgesamt, aber auch für die Politik natürlich, wie Sie gesagt haben, ein Hoffnungsträger gewesen, und ich glaube, er ist es für viele immer noch, und natürlich jemanden so in dieser Art und Weise zu verlieren, das ist immer sehr, sehr traurig, aber auch natürlich nicht gut für eine Partei. Andererseits: Das Leben muss auch irgendwie weitergehen.

Genial, oder? Mit keinem Wort, wieder mal, auf die Frage eingehen. Stattdessen die Partei als Opfer darstellen, die ja jetzt unter der Demontage von zu Guttenberg zu leiden hat.

Und zurück bleibt ein Gefühl der Leere. Allerdings nicht durch den Rücktritt von zu Guttenberg. Sondern einfach durch offene, nicht beantwortete Fragen.

Nachtrag (03.03.2011): Die Zeit scheint mir mit meiner Einschätzung zu HaPe Friedrich Recht zu geben:

Überhaupt, das Internet. Für Friedrich ist es vor allem ein Hort der Gewalt, an dem Kriminalität existiere, „die mit den bisherigen Möglichkeiten gar nicht mehr bekämpfbar ist“[…]

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