Flittern in sweet home Alabama (2) – Der erste Eindruck

Wie bei einem Jetlag nicht anders zu erwarten, waren wir nicht nur früh im Bett, sondern auch früh wieder wach…

Oder war es die Aufregung? Oder die Angst, irgendwas zu verpassen?

Egal, meine Cousine war auch schon wach und so frühstückten wir erstmal und chillten ne Runde. Natürlich wollten wir auch Amerika kennen lernen, denn meine Cousine beteuerte, dass man Amerika nicht in New York, San Francisco oder Las Vegas kennen lernt. Man lernt es in Alabama kennen. Denn die Großstädte mögen in den USA verdammt groß sein. Aber das Gros (*hihi*) der Menschen lebt dazwischen. Und dazwischen liegen große Entfernungen, die man mit dem Auto zurücklegt.

Wohl auch deshalb fiel Steffi schnell auf: Die haben hier ja keine Bürgersteige.

Die sind wirklich nicht präsent. Gelinde ausgedrückt. Fahrradwege? Nicht existent. Fahrradfahrer dementsprechend auch nicht. Und Fußgänger sind immer verdächtig…

Zuerst tankten wir das Auto voll. Zu 3 Dollar 60 die Gallone. Was ungefähr einen Dollar pro Liter Superbenzin entspricht. Bei einem Dollarkurs von 1,40$ zu einem Euro macht das 75 Eurocent für einen Liter Super Bleifrei. Was wiederum einer Verdopplung des Benzinpreises in den letzten sechs Jahren in den USA entspricht. Das ist jedoch nicht der einzige Grund, warum Amerikaner über die „viel zu hohen“ Benzinpreise stöhnen.

Kleines Beispiel: Es hat drei Tage gedauert, bis ich den ersten Toyota Yaris gesehen habe. Ein kleines Auto, dass auf deutschen Straßen zum Alltagsbild gehört. Das meistverkaufte Auto der USA ist der Ford F 150, ein Truck, dessen kleinster Hubraum bei 3,5 l liegt. Standardmäßig begegnet einem jedoch die größeren Versionen, da der Amerikaner nach der Prämisse kauft: Viel hilft viel…

Naja, jedenfalls sollte uns was (vermeintlich) typisches an der Tankstelle begegnen:

Nein, ich meine jetzt gerade nicht den Schulbus, sondern den Schildträger rechts daneben. Den so einen bekamen wir lediglich am ersten Tag zu sehen und danach nicht mehr wieder. Und die Aufschrift sagte alles. Genau weiß ich es nicht mehr, aber es war etwas nach der Art:

„Believe in Jesus or burn in hell“

What ever. Wir also weiter und uns die Neighbourhood angeschaut. Und zum Vergleich eine ärmliche und eine richtig reiche Neighbourhood. Wo dann man gleich die Polizei in ihren Autos präsent war. Sowohl in der armen, als auch in der reichen Neighbourhood.

Wir schauten uns dann die Viertel in Midtown an und fuhren weiter Richtung Downtown, wo Familienhäuser kaum noch zu sehen sind, sondern Geschäfts- und Büroräume sowie Bars, Cafes und Restaurants dominierten. Überhaupt waren privat genutzte Apartments kaum vorhanden. Auch die arme Bevölkerung wohnt in, wenn auch sehr heruntergekommenden, Häusern.

Nach unserer Rundfahrt ging es was Kleines zum Essen besorgen.

Leckere, klebrige Doughnuts… *mjam*

Unterwegs schnappte ich noch folgendes Bild auf, das nun wirklich typisch amerikanisch ist. Ein Bild von einer Kirche, die es überall gibt. Und sei das Kaff noch so klein und die Gegend noch so abgelegen. Mobile zählt 200.000 Einwohner. Nach Angaben meiner Cousine stehen in Mobile ca. 600 Kirchen…

Bei der Zahl haben wir ganz schön gestaunt. Nach unserem Urlaub sind wir aber der Ansicht, dass es mehr als 600 Kirchen sind, die in Mobile stehen. 😉

Von innen haben wir uns keine von den Kirchen angeschaut. Meine Kirchenpflicht ist für dieses Jahrzehnt abgegolten. Vielleicht schaffe ich es ja mal, dieses Jahr zum Tag der offenen Moschee am 03. Oktober ein islamisches Gotteshaus von innen zu sehen. Wer weiß.

Bevor es nach Hause ging, waren wir noch „kurz“ einkaufen. Erst in eine kleine Grocery, einem Gemüseladen rein, wo nur der Laden klein war. Melonen, so groß, dass ich nie wieder die sekundären Geschlechtsteile der Frau so bezeichnen würde. 😯

Zwiebeln, so riesig, dass selbst ich mit einem Viertel für eine Portion Spaghetti Bolognese klar kommen würde. Und Tomaten, die bei uns als Melonen durchgehen würden. Aber Preise, die bei uns in Deutschland zu einem Aufstand führen würden. Deren Lebensmittelpreise drängen einen geradezu in den nächsten Fastfood-Laden.

Danach ging es noch zum Walmart, wo wir die berühmt-berüchtigten Walmart-People live und in Farbe sahen. Hier machten wir den Wagen so richtig voll und gönnten uns u.a. einen Schokokuchen (der eigentlich nur aus Fett und Zucker bestand), Lagerbier, Tacochips (überhaupt Chips) und anderen ungesunden Süßkrams. Natürlich auch Salat, Obst und Gemüse. Für die Burger am Wochenende. 😉

Wir also wieder nach Hause, wo wir zu den Doughnuts einen selbstgemachten Erdbeermilchshake tranken. *mjammi* 🙂

Am selben Nachmittag begegneten uns auch unsere ständigen Begleiten. Die amerikanische Version der Eichhörnchen, Squirrel (sprich: Skuirl) genannt.

Nach so vielen Erlebnissen, vor allem aber dem Jetlag geschuldet, wurden wir Abends viel zu schnell wieder viel zu müde. Nichtsdestotrotz saßen wir bis 11:00 pm am Küchentisch und lernten uns noch näher kennen. Schließlich kannten wir Jörg gar nicht und selbst meine Cousine habe ich das letzte Mal vor über 20 Jahren getroffen. Da war viel Nachholbedarf. 🙂

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Wohnungsnachteile

Eine schöne Wohnung wie die unsere hat nicht nur Vorteile. Auch wenn unsere Gegend einen üblen Namen und einen noch übleren Ruf hat, ist alles nicht so schlecht wie es mal war.

Das sogenannte Gesocks das hier rumläuft ist fast ausnahmslos nicht dunkelhaarig, was manche Kollegen nicht glauben wollen. Wenn ich vormittags Brötchen holen gehe, sind es nicht die Türken die besoffen auf der Straße rumtorkeln, sondern es sind die Deutschen. Die südeuropäischen Nachbarn sind nahezu alle gut gekleidet, fahren dicke Autos und gehen mit ihren Kindern spazieren. Und dafür muss nicht Sonntag sein und ein kirchlicher Zwang dahinterstecken.

Apropos Religion: Die Moschee ist bei uns gegenüber, aber von der habe ich noch nie was gehört. Im Gegensatz zu dem schrecklichen Glockengebimmel der evangelischen Kirche ein paar hundert Meter weiter. 👿

Aber ich wollte hier keine rassistischen Vorurteile widerlegen, sondern auch mal den einen oder anderen Nachteil unserer Wohnung aufzeigen.

Da wäre zum einen die Garage. Wir haben eine und das ist toll. Leider war ich beim Einzug so dumm und habe das Parken meines Autos in der Garage damit gerechtfertigt, dass ich das neuere Auto habe. Seitdem Steffi das neuere Auto hat, darf sie in der Garage parken und ich darf draußen vor der Tür nach einem Parkplatz suchen. Gut okay, dafür muss ich mich nicht mehr mit der Kundschaft des Imbiss unter uns rumschlagen, aber so viele Parkplätze gibt es vor unserer Tür auch nicht. Und wenn man Urlaub hat, dann ist man in der dummen Situation, dass ich ab 9 Uhr alle zwei Stunden das Auto umparken müsste, um keinen Strafzettel zu bekommen. So geschehen in der letzten Urlaubswoche Anfang April. 5 Euronen, die man sich hätte sparen können.

Anwohnerausweis? Für die sechs Wochen Urlaub im Jahr nicht sehr lohnenswert denke ich…

Alternativen? Kaum. Eine Möglichkeit wäre, einen Parkplatz um die Ecke zu besetzen, wo die Nachbarn am Stadion wohnen. Zwei wären tatsächlich frei, aber…unseren Vermieter gefragt, und der haderte. Denn zwei Mieter haben kein Auto. Eine davon hat einen Freund mit Auto. Bleibt noch ein Parkplatz übrig. Und wenn die Mieter ausziehen und andere mit Auto einziehen? Habe ich wieder verloren.

Aber vielleicht kann man ja was in der Urlaubszeit machen. Ich frage noch mal. 😉

Ja, das wäre der eine Nachteil. Der andere ist da schon kriminellerer Natur. Letzte Woche war die von der Stadt durchgeführte Papierabholung. Anfang des Jahres hat die Stadt Delmenhorst das wieder in die Hand genommen, nachdem ein langer Rechtsstreit zu ihren Gunsten ausgegangen ist. Warum überhaupt die lukrative Papierabholung an einen Privatanbieter gegangen ist, weiß ich nicht. War ja (zu) lange Zeit Bremer und habe mich für Delmenhorst nicht wirklich interessiert. Vielleicht war es ja der Klüngel, wäre ja nichts neues.

Wo war ich? Ach ja, letzte Woche war Papierabholung und wenn Steffi schon die Garage besetzt, dann muss sie auch an die Mülltonnen denken. Ein fairer Deal wie ich finde, schließlich habe ich mich auch immer um die Mülltonnen gekümmert, als ich in der Garage parkte. Nach fünf Monaten klappt das auch alles mehr schlecht recht als recht schlecht und viel zu oft gelegentlich gaaaanz selten bin ich ihr bei der Erinnerung der jeweiligen Mülltonnen behilflich. Ich stellte also Mittwoch morgen die Papiertonne raus und als ich Mittwoch nachmittag nach Hause kam, war die blaue Tonne schon nicht mehr da. Wow, hat Steffi sie sogar schon wieder reingenommen?!

Ich wäre aber nicht ich, wenn ich nicht zaghaft nachfragen würde, ob sie heute morgen an die Papiertonne gedacht hat. So lässt sich immer mal ein kleines Lob und ein sanfter Popoklaps verdienen.

S (beschämt): Nein, habe ich vergessen. Hast Du daran gedacht?
I (verwirrt): Äh ja natürlich. Hast Du die Tonne nicht schon wieder reingeholt?

S (klappst mir auf den Hintern): Danke schön, Spatzi. Nein, die Tonne habe ich nicht reingeholt, wieso?

Und da wurde mir bewusst: Unsere blaue Papiertonne wurde geklaut! Dazu muss ich sagen, dass wir zu Jahresbeginn von der Stadt zwei Tonnen bekommen haben. Ich habe rumtelefoniert, dass wir nur eine brauchen. Ein Arbeitskollege wollte sie haben und hat sie doch nicht abgeholt. Und unser Frisör unter uns zeigte sich schon genervt, weil die blaue Tonne unten überflüssigerweise rumstand. Eines Nachts habe ich sie dann auf die andere Straßenseite zu den anderen überflüssigen Tonnen gestellt, wo diverse Wohnungen leerstehen und auch nicht alle gebraucht wurden. Nach ein paar Wochen wurden die Tonnen dann endlich abgeholt und unser schönes Straßenbild wiederhergestellt.

Und jetzt wird einfach unsere Tonne geklaut! Und meine Kollegen lachen sich wieder schlapp, weil ich hintertelefonieren darf, damit uns eine neue Tonne geliefert wird.

Naja, wenn es sonst nichts ist…

Sonst ist nämlich auch nichts. Das war es schon mit den Nachteilen unserer Wohnung. Bis jetzt. Aber wir leben ja auch erst seit einem Jahr hier. 😉

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