Liebe EWE (ein offener Brief)

Vor nun mehr anderthalb Jahren haben Steffi und ich den Stromanbieter gewechselt und beziehen seitdem 100% nachweislichen Naturstrom. Vorher waren wir bei der EWE und denen scheinen die Kunden wegzulaufen oder sie vermissen meine Knete aus anderen Gründen. Jedenfalls flatterte die Tage Post von der EWE ins Haus, in der sie uns ganz interessiert fragen:

„Wann kommen Sie zurück?“

Bevor ich eine Antwort auf die Frage gebe, möchte ich kurz erzählen, dass der Brief einige Tage ungeöffnet auf dem Küchentisch lag.
Dazu plaudere ich mal aus dem Nähkästchen der Familie Grenz/Delmenhorst. Briefe an Steffi öffne ich prinzipiell nicht, so wie ich seit einem Zwischenfall in meiner Pubertät keine Post an andere Leute mehr öffne. Bei Steffi ist es genau so. Meine Post rührt sie nicht an, weil es sie nichts angeht. Dafür bedurfte es nicht mal einen Zwischenfall in ihrer Pubertät. Briefe sind Privatsphäre und die besteht auch in einer Ehe. Unsere Meinung.

Nun lag der Brief also vor ein paar Tagen in unserem Briefkasten. Ich nahm den Brief auf, las bei Empfänger „Frau“ und legte ihn auf den Küchentisch. Steffi las den Empfänger etwas gründlicher und bemerkte, der Brief ist an „Stefan Grenz“ adressiert und legte ihn wieder geschlossen auf den Tisch. Gestern bemerkte ich dann den immer noch ungeöffneten Brief, woraufhin Steffi mich dann darauf aufmerksam machte, dass er ja an mich ginge. Und Tatsache! Jetzt erst registrierte ich die Anrede „Frau Stefan Grenz“…

Also liebe Damen und Herren von der EWE. In anderthalb Jahren hat sich viel getan. Steffi und ich haben geheiratet, und manche mögen die Tatsache, dass ich den Namen meiner Frau angenommen habe, als weibliches Verhalten ansehen und mich ganz eventuell als die Frau in der Beziehung sehen. Aber glaubt mir, liebe EWE, dass dürfen nur meine besten Freunde, im Scherz und bei bester Laune meinerseits. Ihr gehört da ganz sicher nicht dazu!

Um dann mal auf Eure Frage zurückzukommen. Ich komme bestimmt nicht zu Euch zurück. Und nein, dass hat nichts mit einer verbockten Anrede in einem Brief zu tun. Also nicht nur.
Sondern das hat vor allem damit zu tun, dass Ihr kein 100%-iger Naturstrom-Anbieter seid. Ihr bietet auch weiterhin Strom aus „effizienten“ Kohlekraftwerken an und das zu deutlich günstigeren Preisen, als Euren 100%-igen Naturstromtarif. Da komme ich mir irgendwie doppelt blöde vor, da ihr einerseits Subventionen für die Kraftwerke abgreift und andererseits noch mehr Geld von Menschen mit Gewissen verlangt.
Gleichzeitig faselt Ihr aber von Nachhaltigkeit und Verantwortung, weil irgendwelche Marketingstrategen das für besonders clever halten.

Nein, Überzeugung in Nachhaltigkeit sieht anders aus, liebe EWE. Und DESWEGEN komme ich nicht zu Euch zurück!

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Was ich loswerden will (60)

aok füllt das sommerloch

Der kinderdok rechnet der AOK vor, auf wie viel Wochenstunden Arbeitszeit er als Kinderarzt kommt.

„und dann habe ich noch was vergessen:
mein angestellter kollege – der dank zulassungsstopp keinen eigenen kassensitz hat, weil: es gibt ja auch zuviele ärzte – arbeitet genauso viel wie ich.“

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Rechtsstaatsverdrossene drängen in Schulen

Roberto J. De Lapuente erklärt, warum ein Schauspieler und eine Ex-Verteidigungsministergattin nicht in Schulen für ihr Projekt werben sollten.

„Leute, die mit Kopf ab!-Rhetorik heiligen Zorn versprühen, sind auf ihre ganz eigentümliche Art für Kinder gefährlich. Sie gehören nicht an Schulen, sondern hinterfragt.“

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Von Sprachpanschern und Faktenpanschern

Anatol Stefanowitsch kommentiert die Wahl zum „Sprachpanscher des Jahres 2011“ und klärt über einige Hintergründe auf.

„Die Wahl des „Sprachpanschers des Jahres“ vom Verein Deutsche Sprache stellt mich jedes Jahr vor ein Dilemma: Darüber schreiben, und die vom VDS euphemistisch als „Schmähpreis“ bezeichnete Desinformationskampagne durch diese Aufmerksamkeit adeln, oder sie mit der Missachtung strafen, die sie verdient, und den Sprachnörglern damit die mediale Deutungshoheit über den Gebrauch von Lehnwörtern überlassen?“

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Innenminister Friedrich: 1000 islamistische Terroristen in Deutschland

Das Dossier in Person von Javob Jung übernimmt für BILD die Hintergrundrecherche, die in einem Interview mit dem amtierenden Innenminister erschreckende Zahlen übernimmt.

„Die Frage, aus welchem Grund man eine überbordende staatliche Kontrolle und Überwachung benötigt, wenn man die 20 konkret Verdächtigen ohnehin bereits kennt, wird von den BILD Redakteuren natürlich nicht gestellt.“

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Gaby Köster und der „seltsame Beigeschmack“

Warum Gaby Köster ein Anrecht auf eine Privatsphäre hat, versucht Stefan Niggemeier seinen Kollegen von der Journalistenzunft zu erklären.

„Und selbst wenn es so wäre, dass die ganze Informationswarenverknappung nur dazu gedient hätte, den Vermarktungswert zu steigern — wäre das nicht legitim? Gaby Köster hat sich den Schlaganfall ja nicht ausgesucht, um ihrer Karriere eine originelle Wendung zu geben.“

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Tugenden

Michalis Pantelouris beobachtet eine zunehmende Bigotterie bei den deutschen Politikern.

„Anstatt ihrer Verantwortung für die Bevölkerung(en) gerecht zu werden, tauschen Schäuble und seine Spießgesellen die Schicksale von Millionen Menschen gegen die Rettung von Banken – und deklarieren den Schmerz der Millionen verarmenden um zu einer Art spiritueller Reinigung.“

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Visumstheater

Lüdermann beschreibt ein Erlebnis mit der Ausländerbehörde. (Hier der erste, der zweite und der dritte Teil)

„Das Vorgehen dieser Behörde ist einfach nur widerlich. Ein Antrag, für den die Bearbeitungsgebühr sogar bezahlt wurde, wird 3 Monate nicht bearbeitet, am Ende redet man der Antragstellerin einen Rückzug ihres Antrags ein und lässt sie damit im Regen stehen! Und das ganze darf die Chinesin dann auch noch unterschreiben und sich wieder verkrümeln.“

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Homöopathie-Bullshit-Bingo

Zum Schluss noch etwas lustiges und was zum spielen. Damit man die immer wiederkehrenden Diskussionen mit Homöopathie-Spinnern auch mal interessant gestaltet. Das Homöopathie-Bullshit-Bingo!