Flittern in sweet home Alabama (3) – Von Eichenhäusern und Weihnachten

Das frühe Aufstehen kannten wir ja bereits. Und auch das Cousinchen war schon wieder auf. So konnte mit einem ausgiebigen Frühstück der Tag wieder ordentlich begonnen werden.

Danach ging es ins Oakleigh House, an dem wir bereits bei der Rundfahrt am Vortag vorbei kamen. Susanne kannte es selbst auch noch nicht und wir zeigten uns durchaus interessiert. Also fuhren wir gemeinsam nach dem Frühstück dort hin.

Dort wurden wir von einer freundlichen älteren Frau empfangen, die in einem typischen Outfit des 19. Jahrhunderts gekleidet war. Ihr Englisch war glockenklar und somit war es kein Problem für uns, ihren Ausführungen zu folgen. Von einigen Vokabeln mal abgesehen. 😉

Und ihre Ausführungen waren sehr lebhaft, was durch die gut ausgestatteten Räume noch verstärkt wurde. Zuerst wurden wir in das Leben der Bediensteten eingeführt, die ihr Haus etwas abseits hatten, das sogenannte Cooking House.

Danach erfuhren wir über das Leben der Besitzer des Oakleigh House und dessen bewegten Geschichte. Nach eindreiviertel Stunden waren wir um einiges schlauer. Und auch wir konnten ihr was beibringen. Denn in einem der Zimmer waren Handarbeiten ausgestellt, wo auch etwas geklöppeltes Tuch lag. Kennt man heute auch nicht mehr wirklich in Deutschland, aber Susanne erkannte die Technik und erzählte der guten Frau, wie es richtig ausgesprochen wird. Womit sie dann doch Schwierigkeiten hatte. Es gibt einfach keine Umlaute in der englischen Sprache. 😉

Wir als Deutsche hatten auch so ein bisschen den Exotenbonus, wobei wir nicht die ersten Deutschen dort waren (und hoffentlich nicht die letzten). Aber als sie uns einen Teddybären zeigte und uns fragte, wie denn der Bär bei uns hieße („Na, Teddy.“), fragte sie uns gleich auch, ob wir wüssten, warum er denn Teddy heißt.

„Na, wegen dem Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt.“

antwortete ich.

Ab da hatte ich, glaube ich, einen Stein im Brett bei ihr. 😉

Wie gesagt, eine sehr schöne und lehrreiche Führung. Und für sieben Dollar geradezu ein Schnäppchen.

Danach ging es dann weiter in östliche Richtung, auf der I-10 über die nördliche Mobile Bay. Bevor wir über die Bay fuhren, bog Susanne noch ab und wir fuhren parallel zur Interstate an der Bay längs, wo wir das Schlachtschiff „Alabama“ zu sehen bekamen.

Danach ging es dann aber wirklich auf der I-10 über die Bay und kaum das wir diese überquerten, ging es auf dem Old Spanish Trail (nicht DEM Old Spanish Trail) südwärts, wo wir gleich wieder links abbogen auf eine Tankstelle. Nanu, wir waren doch erst gestern tanken. Verbraucht ihr Wagen so viel?

Mitnichten. Wir nutzten die Tankstelle nur als Durchfahrt, um zum Gator Alley zu kommen. Dort leben direkt unter der Autobahn wilde Alligatoren, die man bestaunen kann. Das Glück hatten wir aber nicht gepachtet und konnten nur von weitem ein paar Handtaschen Alligatoren bestaunen.

Während wir also unter den Hauptstraßen rumliefen, lernten wir gleich mal die amerikanische Freundlichkeit kennen. Uns kam ein Mann mit seinem Hund entgegen, der uns erstmal grüßte.

M: Hi. How are you?

W: Fine. How are you?

M: Fine.

Nach diesen für Amerika typischen Floskeln, selbst der Radiomoderator begrüßt seine Zuhörer so obwohl ihm keiner antwortet ;-), erzählte uns der Mann, dass wir etwas zu früh nach Alligatoren schauen. Der Wasserstand wäre im April noch etwas zu hoch und so sind die Tiere noch gut versteckt. Wir sollten mal im Mai oder Juni wiederkommen, dann wären mehr Sandbänke und die Alligatoren dann gut zu sehen.

Schade, dass wir noch im April wieder nach Hause reisten. 😉

Nach dieser kurzen Exkursion ging es auf eine längere Exkursion. Wieder rauf auf den Old Spanish Trail Richtung Süden in den kleinen Küstenort Fairhope. Dort schlenderten wir die kleine und hübsch gemachte Hauptstraße entlang und guckten in die Schaufenster der dort ansässigen Läden. Bei einem Laden blieb es nicht beim von draußen reinschauen, da mussten wir einfach rein. Einen Weihnachtsladen.

Bei der Gelegenheit haben wir gleich ein Mitbringsel für meine Großeltern geholt, die an ihrem Tannenbaum sich Sachen hängen, mit denen sie was persönliches verbinden. Und das können sie dann in diesem Jahr mit unserem Mitbringsel. 🙂

Zwischendurch stärkten wir uns mit einem Sandwich und stöberten noch durch diverse Läden, bis wir uns dann aufmachten und an den Pier von Fairhope haltmachten. Dort konnte ich mal gleich meine magischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. 😉

Danach ging es dann wieder die über 30 Meilen nach Hause (ein Katzensprung), wo ich ganz heiß darauf war, endlich den Pool auszutesten.

Jetzt spreche ich mal kurz ein Thema an, dass ich bis jetzt ausgeblendet hatte. Das Wetter. Bei unserer Ankunft war es knapp über 20 Grad (73 Fahrenheit) und so hatte der Pool nicht wirklich die Möglichkeit, sich aufzuheizen. An unserem Tag in Fairhope war es bescheidene 24 Grad (80 Fahrenheit), aber auch wenn es in der Sonne gefühlt wärmer war, der Pool blieb bei gerade 19 Grad stehen.

Viel zu kalt? Nicht für mich, schließlich war ich schon in einem (gefühlt eiskalten) Vulkansee reingehüpft und sofort wieder raus schwimmen. Ich also rein, verdammt war das kalt. Ein entspannendes Planschen im Pool ist was anderes. Aber ich war drin gewesen. 🙂

Abends habe ich neben der Poolaktion noch einen Fehler gemacht. Ich habe den Ventilator nicht runtergestellt und habe die halbe Nacht unter einem viel zu schnell drehenden Ventilator verbracht. Und mir damit für die folgenden Tage eine gute Ausgangsbasis für eine kleine Erkältung geschaffen.

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We are sailing (Türkei, 4. Tag)

Um viertel nach acht klingelte unser Wecker. Nanu? Wasn hier los? Warum werden wir von unserem Wecker aus dem Schlaf gerissen und nicht vom Imam? Hat er auch verpennt? Wird Montag morgen nicht gebetet?

Egal, ich hatte andere Sorgen, die mich auf schnellsten Wege zur Toilette führten und womit der Tag beschissen anfing. Danach taperten wir zum Frühstück, wo es Rührei gab, von dem ich vorsichtigerweise nichts probierte und mich lediglich auf Melone und trockenem Brot fixierte. Steffi hatte auch Bauchschmerzen, aber nicht so stark, als das man (oder frau) auf Rührei verzichten müsste.

Danach machten wir uns für den Ausflug bereit und traten auf die Straße.

Hah! Wusste ich es doch. Ich hatte am Vortag doch einen Oldenburger gesehen.

Und das in der Türkei. So kann doch kein Urlaubsfeeling aufkommen, wenn man ständig an die Heimat erinnert wird. Wobei das ja noch witzig ist. Weniger witzig fande ich den Umgang der Deutschen, die uns am Vortag noch berieten, mit dem Personal.

Jetzt wollten wir aber den Ausflug genießen und waren dann auch ruckzuck wieder in Urlaubsstimmung. 🙂

Unser Schiff hatte mit Abstand die größte türkische Fahne, die dort ja allgegenwärtig ist. Aber sollte es auch der großartigste Ausflug werden?

Auf jeden Fall war nach ein paar Minuten bereits die Aussicht großartig. Zu den Klängen des „Best of“ von Rod Stewart schipperten wir von der Bucht von Turunc weg und ich konnte Fotos ohne Ende machen. Außerdem hätte ich mir die Mühe am Vortag schenken können. Geschenkt…

Und auch nette Leute waren an Bord. Eine türkische Mutter mit ihrer Tochter, die, nicht älter als 14 Jahre, bereits mit zwei Pfoten am Bauch tätowiert waren. Überhaupt Tattoos. Wir dachten zeitweise, wir sind die einzigen, die ohne Tattoos an Bord waren. Ein englisches Ehepaar flätzte sich ganz in die Ecke, und der Rest war eine niederländische Gruppe von vielleicht acht Personen.

Die türkische Mutter bot dann auch von sich aus an, uns gemeinsam zu fotografieren.

Kurz darauf sollte uns auch klar werden, warum am Hafen von Turunc das Buchtenhoppen nicht nur mit Five Bay Cruising beworben wurde, sondern mit BBQ-Cruising. Das BB steht nämlich auch für Blue Bay.

Und Barbeque sollte es auch noch geben, denn vorne am Bug war ein Grill montiert, wo das Fleisch für das Mittagessen frisch gegrillt wurde.

Zur Erinnerung: Das Essen war in der Fahrt inklusive und kostete zehn Euro pro Person. Die Tour sollte von 10:00 Uhr bis 17:30 Uhr gehen. Für zehn Euro. Pro Person. Inklusive leckeren und frischem Mittagessen. Nur die Getränke musste man bezahlen. Ein halber Liter Wasser (gekühlt) für einen Lira. Also 50 Cent. Andere Erfrischungsgetränke kosteten 1 Euro und Bier 1,50 Euro. Aber wer trinkt bei 35 Grad auf dem Meer schon Bier? Außer die Engländer? 😉

Keine Frage, wir genossen den Ausflug in vollen Zügen. In jeder Bucht hatte man eine halbe Stunde Gelegenheit zum Schwimmen, Schnorcheln, Springen oder Spazieren am Strand. Was wir auch taten. Hauptsächlich die ersten drei Aktivitäten hatten es uns angetan. Dafür waren wir schließlich da.

Und zwischen den Buchten wurde ausgiebig gedöst und immer fleissig mit Sonnenschutzmittel (Faktor 60) eingecremt. Allerdings war das im türkischen Süpermarket gekaufte Sonnenschutzmittel vermutlich in einer Hinterhofgarage hergestellt worden. Die eine Sprayflasche war so dickflüssig, dass die Sonnenmilch nicht herauskam (und die war im Hotel) und die andere so flüssig, dass sie wohl mit zu viel Wasser verdünnt wurde…und die hatten wir mit.

Da wir die zehn Euro pro Person nicht ausgegeben haben, um unter Deck im Schatten zu sitzen und ich vielleicht einmal das Eincremen vergessen habe, brannte meine Haut irgendwie leicht. Vielleicht lag es auch daran, dass mein Durchfall nicht besser wurde. Davon abgesehen war das Fazit der Tour einstimmig. Both thumbs up!

Abends merkte ich, dass irgendwie mit mir was nicht stimmt. Der Durchfall war jetzt so schlimm, dass ich kaum noch zur Ruhe kam. Ob es daran lag, dass ich morgens die Imodium Akut mit Leitungswasser runtergespült habe? Außerdem wurde mir ganz kalt, was durch die Klimaanlage über den Bett noch verstärkt wurde.

Erstmals schliefen wir ohne laufendem Klimagerät ein…

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Müh(l)e (2)

Von der Bequemlichkeit aller Hotelbetten auf diesem Planeten mal abgesehen zeigte sich bei unserem Zimmer am ersten Morgen ein weiteres Manko. Die schöne große Fensterfront wurde nur durch eine Verdunkelungsgardine zur Hälfte gefüllt. Somit war es um 7.00 Uhr morgens annähernd taghell, was mich nicht besonders stört, aber meine Bettnachbarin zur Verzweifelung brachte. Nach dem Frühstück war das aber wieder „gegessen“. 😉

Klar, ich hatte schon größere Auswahl bei einem Frühstücksbuffet gesehen, aber die konnte ich auch nicht schaffen, von daher war das mehr als ausreichend. Sogar weiche Eier gab es. 🙂

Um kurz nach zehn machten wir uns auf den Weg Richung Müritz, um dort die schöne Seenlandschaft zu bestaunen. Das es aber anderthalb Stunden Fahrt über Landstraßen waren hatten wir so auch nicht einkalkuliert. Nicht immer ging es zügig voran, besonders hinter LKWs war es reichlich frustrierend, aber wir konnten sie fast alle mehr oder weniger schnell überholen. Und waren dabei ständig auf der Hut vor den Starrenkästen. Denn als meine Eltern vor einigen Jahren Urlaub an der Müritzer Seenplatte gemacht haben, wurden sie von einem Starrenkasten geblitzt. Das sollte mir nicht passieren. Sollte. 😐

Als wir nach Alt-Schwerin reinfuhren, nahm ich den Fuß vom Gas und bemerkte noch die abschüssige Straße. Irgendwie waren Steffi und ich in einem Gespräch vertieft oder ich hörte was im Radio. Ich war auf jeden Fall abgelenkt und Steffi warnte mich nicht, als ein orangener Blitz meine Augen blendete. Wie der Vater, so der Sohn…

Und ich habe etwas getan, worauf ich nicht stolz bin. Ich habe Steffi geschlagen geboxt geknufft. Also eigentlich sollte es knuffen werden, aber das war eindeutig zu doll, weshalb es eher boxen war. Und sie hat es wie schlagen aufgefasst…

Tempo 70 war noch im vertretbaren Rahmen. Wenn ich die Tachoungenauigkeit abziehe komme ich auf unter 65 km/h. Das sind 25 Euro zusätzlicher Belastung auf unserem Urlaubskonto.

Damit heißt es auch bei mir demnächst:

Kurz nach zwölf Uhr erreichten wir dann den Müritzer Nationalpark und gingen vom Eingang Teufelsbruch dann den Tulpen Nelken Narzissen Märzenbecher-Wanderweg entlang. 9,5 km erschien uns als ein guter Turn und wir rechneten mit ca. 2 Stunden Wandern..

Nach drei Stunden rief ich meinen Vater an, um ihm im Angesicht meines nahenden Endes zu sagen, dass ich ihn liebe. Zum Glück waren wir da bereits auf dem Rückweg. Vorher hätte mir dafür der Humor gefehlt. Ich war selten so froh, den Kriegsdienst verweigert zu haben. Einen 30 km langen Fußmarsch mit Gepäck? Nein, danke…

Aber ein paar Eindrücke haben wir sammeln können.

Danach ging es stantepede zum nächsten McDonalds, wo unsere müden Lebensgeister wieder aufgefrischt wurden. Eigentlich wollten wir im Anschluss noch für ein paar Stunden nach Güstrow – wo wir eigentlich den Kurzurlaub verbringen wollten – aber durch die Verzögerung beim Wandern und dem langen Weg zurück zum Hotel, den Verlockungen des Schwimmbades und weil wir groggy waren, sind wir nach dem „Essen“ wieder zum Hotel zurück.

Dort fackelten wir nicht lange und gingen gleich runter ins Solebad. Nichts gegen das Solebad, es war super temperiert, ziemlich leer und von der Größe durchaus ausreichend. Aber ich mag beim Schwimmen kein Salzgeschmack im Mund…

Dafür gab es aber eine Relaxzone, wo ich mich breit machte. Wunderbar. 🙂

Steffi dagegen kreiste unentwegt im Becken rum. Wo die bloß immer die Kraft für sowas her hat?

Abends gab es dann wieder lecker 3-Gänge-Menü. Dabei war der Nachtisch so lecker (Limetten-Mousse), dass wir rumscherzten, ob die Kellnerin uns wohl noch mehr bringen könnte. Als sie dann kam und uns nach weiteren Wünschen fragte, sagte ich:

I: „Ja, den Nachtisch könnten sie uns nochmal bringen.“

K: „Oh, hatten sie den noch nicht? Kleinen Augenblick, ich hole den schnell.“

Und war im Begriff abzuhauen, als ich das richtig stellte. Das man auch immer so eine ehrliche Haut sein muss…

Zum Einschlafen schaute ich noch fern (Gran Torino, sehr geil!), Steffi hat ihre vierbändige Trilogie auch endlich hinter sich gebracht (und nur ganz bißchen geweint)  und dann konnten wir erschöpft aber glücklich einschlafen.

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