Denkt doch einmal an unsere Kinder!*

Aufgrund aktueller Ereignisse scheint der eine oder andere festgestellt zu haben, dass neben dem Linksterrorismus und dem Islamterror noch eine andere Gefahr in Deutschland existiert, die lange Zeit verdrängt wurde: Den rechten Terror. Auch wenn die Bundesbeauftragte für Extremismus gerne in „Aber„-Sätzen relativiert…

Nun ist es schon skandalös genug, dass ausgerechnet der Staat seine Finger im Spiel hat, was die Organisationsstrukturen rechter Parteien und Organisationen angeht. Stichwort: V-Männer. Und die erneuten Rufe nach einem Verbot der NPD sorgen eher für Rauschen im Blätterwald, um wenigstens das Gefühl zu geben, unsere Politiker wollen was tun, wenn nicht die böse Rechtsprechung das immer verhindern würde.

Doch leider tun unsere Politiker nicht wirklich was, und wenn, dann leider das Falsche. Sehr anschaulich zeigt das folgender Film von der Landeszentrale für politische Bildung NRW aus dem Jahre 2007 (danke an Ronny), der zeigt, wie sich die NPD in Ostdeutschland um unsere Kinder bemüht. 25 Minuten, die sich lohnen. Nicht nur, weil der weitere Text auf den Film eingehen.

Doch nicht nur Kinderfeste sind ein Mittel, auch Ansprechpartner für bedürftige Menschen sind ein Ziel der NPD. Und sowas wird gerne auch den Nachbarn erzählt, wie gut aufgehoben man bei den Rechten ist. Und wer so nett und hilfsbereit ist, kann doch nicht böse sein, oder?

Doch sie können. Und sie sind es sogar. Denn diese Angebote richten sich selbstverständlich nur an Deutsche. Deutsch nicht nur im Sinne von „laut Pass“. Auch nicht im Sinne von „in Deutschland geboren“. Sondern Deutsch im Sinne von „Deutsche Vorfahren“. Wie viele es davon geben muss, erfährt man leider nie. (Die Frage gebe ich gerne an nationalistische Leser weiter: Wie weit muss mein Stammbaum zurückreichen, damit ich als Doitscher durchgehe?)
Alle anderen Mitbürger fallen durch das Raster. Wobei ich mir sicher bin, dass auch dort Unterschiede gemacht werden. Niederländer, Schweden oder so: Okay. Schwarzköppe, Muselpack: Nicht okay.
Das ist nicht nett. Das ist das Gegenteil von nett. Das ist willkürlich und ganz nebenbei fremdenfeindlich.

Aber sie sind ja auch hilfsbereit. Sie helfen dort, wo sich der Staat zurückgezogen hat. Und man muss ja  selber auch sehen wo man bleibt. Auf jeden Fall nicht auf der Strecke.

Damit stoßen die Rechten in eine Lücke, die der Staat leider hinterlassen hat, um Banken und Wirtschaft zu retten. Das dieses Vorgehen eine klare Strategie verfolgt, ist den Hilfsbedürftigen natürlich egal. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Und diese Entwicklung finde ich sehr bedenklich. Der Staat unterstützt damit indirekt die Entwicklung der rechten Parteien. Klar, die gehen in diesem Fall geschickt vor und niemand hindert die anderen Parteien daran, dieselbe Strategie zu verfolgen. Schließlich sind alle Parteien für die Bürger da. Was die Parteien auch in Form von Hilfsprojekten auch tun…
Jedoch haben dank der (oben hinter dem Link „Aber“ angesprochenen) Extremismusklausel sich insbesondere demokratische Hilfsprojekte von einer staatlichen Förderung zurückgezogen. Nicht weil sie eventuell extremistisch wären, sondern weil verlangt wird, dass „Zulieferer“ ebenfalls nicht extremistisch sind. Ein netter Kniff, um eventuelle Förderer auszuspionieren. Das wollten einige Projekte nicht mitgehen, weshalb sie jetzt auf staatliche Förderung verzichten dürfen müssen. Was dem Staat wieder ne Menge Geld spart, zumal er sowieso bei Hilfsprojekten Gelder einspart. So sind diese Organisationen zwingend auf Gelder von Parteien oder privaten Geldgebern angewiesen. Ach ja, und diese Projekte helfen in der Regel allen Menschen, nicht nur Deutschen.
Denn auch Nicht-Doitsche benötigen Hilfe. Viele sogar mehr Hilfe, als wir uns vorstellen können.

Jedenfalls tut der Staat einiges dafür, Rechtsextremismus zu fördern. Sei es direkt, durch eingeschleuste Staatsdiener. Oder indirekt, durch den Wegfall von Verantwortung seinen Bürgern gegenüber. Enden tut beides in jedem Fall tödlich.

*Überschrift inspiriert durch die Simpsons!

Werbeanzeigen

Wir sind im Bundestag!

Wir sind ja Papst und da der heute einer Einladung folgt und im Bundestag heute reden wird, sind wir also im Bundestag. So viel zur Überschrift.

Wir sind natürlich mitnichten im Bundestag. Das Volk wird da nur zu ungern gehört. Und zuhören, dass wird dieser Tage ja sehr oft propagiert, gehört ja zu einer demokratischen Kultur. Das hat auch unser amtierender Innenminister heute morgen in einem Interview mit dem Deutschlandfunk gesagt.

Dort wirft er den abwesenden Parlamentariern Kleingeistigkeit, Hochmut und Überheblichkeit vor (wozu mein ehemaliger Chef jetzt sagen würde: „Was ich selber denk‘ und tu‘, dass trau‘ ich auch den anderen zu.“).

Wessen Verhalten kleingeistig und provinziell ist, dass sieht man zum Glück immer, wenn es um das Internet geht. Aber darauf will ich jetzt bei den Äußerungen HaPes gar nicht hinaus.

Es geht mir um folgende Äußerungen:

1.

„[…]wenn Parlamentarier ihren Arbeitsplatz, das Parlament verlassen, weil ein Gast eingeladen wird von ihrem Bundestagspräsidenten, mit Zustimmung aller Fraktionen. Dann ist das für mich ein Zeichen auch der Verletzung ihrer parlamentarischen Pflichten, […]“

2.

„Zunächst mal muss man sehen, dass unser Grundgesetz eine Neutralität des Staates gegenüber Religion vorsieht, aber – und auch das hat das Bundesverfassungsgericht sehr klar festgestellt – eine fördernde Neutralität. […]“

3.

„[…] Das ist eine Missachtung, was die Kollegen da machen, gegenüber einem Mann, der Hunderte Millionen von Katholiken, von Menschen, die Hoffnung in ihn setzen, als Oberhaupt der Katholischen Kirche vertritt. […]“

4. Auf die Frage, ob Herr Friedrich auch ein Oberhaupt der Muslime einladen würde:

„Wissen Sie, das ist überhaupt nicht die Frage, um die es geht. Es gibt den Papst als Oberhaupt der Weltkirche. Es gibt nicht irgendein vergleichbares Oberhaupt einer anderen Religion. Deswegen ich denke, dass das auch nicht die Diskussion ist, sondern der Papst als Vertreter der Weltkirche, aber auch als Vertreter unserer Katholischen Kirche in Deutschland, auch diesen Aspekt darf man mal nennen. Die Katholische Kirche in Deutschland ist ein wichtiger Teil unseres Staates, auch unseres Sozialstaates, des Gelingens unserer gesamten Gesellschaft. […]“

Und 5.

„[…] Die Kirche hat zu einigen Dingen eine Vorstellung, die man nicht teilen muss, aber damit verletzt sie keine Rechte, sondern ich sehe durchaus ein, dass der eine oder andere an der einen oder anderen Stelle diskutieren möchte, überhaupt keine Frage. Aber wie gesagt, das ist eine Frage der inneren Verfasstheit der Kirche.“

So, noch einmal tief Luft holen…

Zu 1. Das ist das schöne, wenn man die Freiheit hat und nicht an einen Fraktionszwang gebunden ist, sondern an sein Gewissen. Besonders, wenn dieser Gast Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft ist, die Frauen, Homosexuelle und Andersdenkende diskriminiert, Holocaustleugner und Kinderschänder schützt und einen freien Willen der Menschen entschieden ablehnt.

Zu 2. Fördernde Neutralität sieht ungefähr so aus: Wir bezahlen mehrere hundert Millionen Euro (!) für die Gehälter kirchlicher Oberhäupter und das seit bereits über 200 Jahren. Neutral ist was anderes…

3. Das dieser Mann die Wünsche und und Hoffnungen der hunderte Millionen von Katholiken missachtet, ist etwas, was Kollege Innenminister nicht verstehen will. Viele Menschen haben sich von der katholischen Kirche bereits abgewandt, weil die Führung weltfremd agiert. Etwas, womit sich CDU- und CSU-Mitglieder auszukennen scheinen. 😉

4. Sorry, dass ich im vorangegangenen Punkt etwas polemisch wurde. Dafür scheint der Innenminister diese Frage aus dem Weg zu gehen. Natürlich würde er niemals nicht einen Moslem als Vertreter seiner Glaubensrichtung vor dem Bundestag reden hören wollen (demokratische Kultur hin oder her).
Das es kein vergleichbares Oberhaupt einer anderen Religion gibt, ist doch eher Beleg dafür, dass die katholische Kirche autoritär geführt wird, während bei anderen Religionen durchaus andere Strömungen akzeptiert werden. Mehr oder weniger.

Das die katholische Kirche Teil unseres Sozialstaates ist, sollten sich unsere Volksvertreter auch mal kritisch hinterfragen. Wieso muss es soweit kommen, dass Kirchen für das Gelingen unserer gesamten Gesellschaft so wichtig sind? Sollte nicht der Staat für das Gelingen sorgen? Ein Teil des Sozialstaates, okay. Ein wichtiger Teil? Dann hat der Staat etwas falsch gemacht und die Verantwortung für sein Volk vernachlässigt.

Und zu 5. Ach so, ja. Ne, ist klar. Sie verdammen Kondome in der dritten Welt (wo sie wirklich Einfluss hat) und tragen somit zur Verbreitung von HIV bei, aber das ist eine Frage der inneren Verfasstheit der Kirche?
Das hochrangige Mitglieder den Holocaust leugnen ist eine Frage der inneren Verfasstheit? Verstehe.
Und Kinderschänder werden nicht verurteilt, sondern in ein anderes Bistum versetzt und das ist auch eine Frage der inneren Verfasstheit? Damit verletzt sie ja keine Rechte.

Beim ganzen Mist, den HaPe absondert, komme ich nicht umhin, mein Essen mir noch mal durch den Kopf gehen zu lassen…