Von Fairness und Strafen

Nun sind es also noch sieben Punkte Abstand zu Vizekusen.

Nach einem sehr unterhaltsamen Spiel am Samstag Abend teilten sich die die Borussia und die 05-er die Punkte, was keinem so recht weiterhilft. Den Mainzern nicht, weil man an Boden nach oben zu den Bayern verliert und nach unten zu den Nürnbergern. Und Dortmund nicht, weil man im zweiten Spiel in Folge Punkte auf den Verfolger aus Leverkusen verliert.

Dabei fing es sehr gut an. Nach einer kurzen Abtastphase waren es die Mainzer, die mit Schürrle das erste Mal gefährlich vor das Tor kamen (6.). Gleich im Anschluss brachte Götze einen Freistoß in den Strafraum, den Hummels mit dem Rücken ins Mainzer Tor verlängerte. 1:0 für die Borussia.

Dieses Tor gab den Dortmundern Sicherheit im Spielaufbau und man erarbeitete sich eine optische Überlegenheit. Besonders Barrios wusste zu gefallen, schaffte er es mehrfach in Unterzahl den Ball zu halten und weiterzureichen. Nach 15 gespielten Minuten dann die in meinen Augen spielentscheidende Szene. Ein langer und hoher Ball in den Strafraum der Mainzer wollte Barrios mit dem Kopf über den zu spät herausgelaufenen Wetklo köpfen, dem nichts besseres einfiel als seinen Stellungsfehler mit einem kompromisslosen und rabiaten Einsteigen in unseren Stürmer auszubügeln. Dr. Felix Brych zeigte sofort und vollkommen zurecht auf den Elfmeterpunkt. Wetklo allerdings kam mit einer gelben Karte davon. Zuwenig, wenn man bedenkt, dass er die Gesundheit von Barrios mit diesem überharten Einsteigen bewusst gefährdet hat. Und sich vor allem nicht mal einsichtig gezeigt hat und noch während der gesamten Behandlungspause am rummeckern war. Drei Minuten lang musste unser Topstürmer behandelt werden, in der er klar und deutlich kaum Luft bekam. In der 30. Minute war dann Schluss für ihn und er musste gegen Lewandowski ausgewechselt werden.

Hier muss man dem Schiedsrichter ein schlechtes Augenmaß bescheinigen. Schon in den ersten 15 Minuten waren zwei taktische Fouls ungeahndet geblieben. Und mit dem Foul an Barrios machte sich Wetklo keine Freunde, Brych mit seinem Zaudern allerdings auch nicht. Das Spiel blieb zwar weitestgehend fair, hätte aber gerade zu Beginn noch zwei gelbe Karten mehr verdient gehabt.

Den fälligen Strafstoß sollte Nuri Sahin verwandeln. Auf den hätte ich auf gesetzt, war er doch bislang unser bester Strafstoßschütze. Doch seit dem Hinspieldrama gegen Hoffenheim, wo Nuri den wiederholten Elfmeter verschoss, scheint der Wurm bei ihm drin zu sein. Der Schuss war zwar halbhoch, aber viel zu schwach geschossen. Man merkte Sahin die Unsicherheit bei dem Schuss deutlich an. Selbst Klopp denkt jetzt laut über einen anderen Elfmeterschützen nach. Vielleicht sollte er in Bremen mal nachfragen, wo ein arrogant auftretender Sandro Wagner zwei Elfer in einem Spiel versenkt, was denn das Geheimnis eines guten Elfmeterschützen ist. Bei uns würde ich ja für Kevin plädieren, der noch am ehesten fähig zu sein schein, sein Gehirn in wichtigen Situationen auszuschalten.

Die Dortmunder waren nach diesem vergebenen Big Point nicht so von der Rolle, wie ich es befürchtet hatte. Allerdings merkten jetzt die Mainzer, dass mehr drin ist im Spiel. Als dann Barrios das Spielfeld verließ, kamen die Hessen besser ins Spiel und hatten bis zur Halbzeit sich ein Übergewicht erkämpft. Den Dortmundern kam die Halbzeitpause gerade recht.

Aus dieser kamen die Dortmunder einen Tick besser, aber das Offensivspiel krankte am letzten entscheidenden Pass. Zu oft wurde in die Mitte gespielt, wo die kompakt stehende Verteidigung der Mainzer kaum Probleme hatte, den Ball zurückzuerobern. Ein Manko, dass schon gegen Hoffenheim uns um wichtige Punkte gebracht hat und schleunigst abgestellt gehört. Das fehlende Spiel über die Außen muss man aber auch unseren Außenverteidigern ankreiden, die überhaupt in der Rückrunde viel zu selten Vorstöße wagen und somit in der Offensive für ein zahlenmäßiges Untergewicht sorgen.

Somit war es keine Überraschung, dass der Ball nach knapp einer Stunde Spielzeit im Tor der Dortmunder landete. Zum Glück sah der Linienrichter den aus dem passiven Abseits gekommenen Allagui und pfiff die Situation ab. Eigentlich ein Weckruf für unsere Jungs, die aber, wie oben erwähnt, zu wenig für das offensive Spiel taten und sich mit einem taktischen Mittelfeldgeplänkel über die Zeit retten wollten. Doch in der 85. Minute kam es dann zu dem Aufreger, der m.E. überbewertet wurde, aber verständlicherweise für hochkochende Emotionen bei den Dortmundern sorgte.

Subotic wehrte einen Ball mit dem weichsten seiner Körperteile ab und ging vor Schmerzen krümmend zu Boden. Zidan verlor im Mittelfeld den Ball, bevor er die Chance hatte, an einem besser postierten Mitspieler abzugeben, der eventuell die Situation erkannte und ins Aus hätte spielen können (Zidan stand mit dem Rücken zu Subotic). Die Mainzer eroberten den Ball, kamen über außen und flankten nach innen, wo jetzt Subotic fehlte. Slisovic netzte unbedrängt ein.

Die Aufregung von Jürgen Klopp blieb verständlicherweise nicht aus, reagierte sich in meinen Augen aber an dem falschen ab. Sicher hätten auch die Mainzer Spieler den Ball ins Aus schieben können, aber das ist nicht deren Aufgabe, wenn sie die Chance auf einen vielversprechenden Angriff haben. Das Spiel hätte Schiri Brych unterbrechen müssen, was er aus welchem Grund auch immer nicht tat. Als Subotic nach dem Gegentreffer das Feld zur Behandlung verließ, war bereits jegliche Farbe aus seinem Gesicht entwichen. Ein klares Indiz dafür, dass die Verletzung durchaus unterbrechungswürdig gewesen wäre.

So kam es am Ende zu Tumulten und verbalen Äußerungen, die sich noch nach Spielende vor laufenden Kameras fortführte und die das Bild des schlechten Verlierers Klopp zeichneten. Denn so fühlte sich das Unentschieden für die Dortmunder an. Wie eine Niederlage. Dabei lag es an den Dortmundern, den Sack früher zu zumachen. Oder durch mutigeres Offensivspiel den Gegner erst gar nicht die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben. Wer zwei Drittel des Spiels ein energisches Pressing an den Tag legt, muss auch im Offensivspiel energischer rangehen und nicht nur ideenlos in die Mitte spielen, wo die einzige Spitze meist überfordert wirkt angesichts der Überzahl gegnerischer Verteidiger.

Traurige Szene zum Schluss des Spiels war sicherlich der Regen aus Feuerzeugen, die auf den uneinsichtigen Torwart der Mainzer niederprasselte, während der beim Abstoß auf Zeit spielte und damit noch mehr Gelegenheit hatte, auf Zeit zu spielen. Das war in höchstem Maße asozial und zeichnete vor allem unsere Fans als schlechten Verlierer. Vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass wir uns alle zu früh auf die Meisterschaft gefreut haben. An diesem Spiel war weder unsere Offensive, noch die Reaktion unseres Trainer, vor allem aber nicht unserer Fans meisterlich.

Advertisements
Veröffentlicht in Sport. Schlagwörter: , , , . Kommentare deaktiviert für Von Fairness und Strafen

Schlechte Nachrichten

Der Samstag hätte wirklich besser laufen können. Und Überbringer der schlechten Nachrichten sind wie immer die Mütter…

Erst teilte uns Steffis Mutter mit, dass die Waldschänke einen neuen Pächter sucht. Aufmerksame Leser des Blogs und/oder eingeladene Gäste der Hochzeit ahnen schon: Wir dürfen uns eine neue Lokalität für die Hochzeit suchen… 😦

Wann wir das zeitig unterbringen sollen, wenn Steffi und teilweise auch ich die nächsten Samstage arbeiten weiß ich auch noch nicht. Einigen konnten wir uns auf eine bereits gesehene Gaststätte jedenfalls nicht.

Am Samstag Abend rief dann noch meine Mutter an, um uns mitzuteilen, dass ihre Mutter wegen eines Blinddarmdurchbruchs im Krankenhaus liegt. Mit 89 Jahren…

Ihr geht es aber den Umständen entsprechend gut und gestern beim Besuch wurden ihr schon einige Schläuche aus dem Blickfeld wieder entfernt.

Und dann war da noch die Postbotin, die sicher auch eine Mutter ist, die mir am Samstag einen Brief persönlich aushändigte. War ja klar, dass die Behörden, wenn sie Geld bekommen, ganz schnell dabei sind. Vollstreckung des Bußgeldbescheids, 1 Monat Fahrverbot und 183,50 Euro Bußgeld. Die drei Punkte in Flensburg sind dabei noch das Geschenkpapier…

Manchmal kommt es einfach zu dicke… 😦

Veröffentlicht in Alltag. Schlagwörter: , , , , , , . 3 Comments »

Post auf die man verzichten kann

Was haben der BVB und ich am Samstag gemeinsam gehabt?

Wir beide haben am Samstag im Norden drei Punkte gekriegt.

Im Gegensatz zum BVB konnte ich mich aber nicht darüber freuen. 😦

Am Samstag flatterte Post ins Haus, überschrieben mit dem Landkreis Oldenburg. Da ich mit denen seit Jahren nichts mehr zu tun habe, konnte das nichts gutes bedeuten.

Aufgerissen und gelesen. Angeklagter, ihnen wird zur Last gelegt, sie hätten an dem Mast gesägt!

Am Montag, dem 13.09. waren Steffi und ich in Friesland, um den Geburtstag von Steffi Mutter zu feiern und ihre Eltern in den Urlaub zu verabschieden. Das mir der Ausflug noch teuer zu stehen bekommt, wusste ich da noch nicht.

Angeblich soll ich auf dem Hinweg bei 126 km/h dem vorausfahrenden Fahrzeug viel zu nahe gekommen sein. Die Rede war von 17 Metern und damit weniger als 3/10 des vorgeschriebenen Mindestabstands. Bekennen Sie sich schuldig?

Öhm, nö. Natürlich nicht.

  1. Beweist ein Foto noch gar nichts.
  2. Sagt es auch nichts über die Verkehrssituation aus.
  3. Ich verhalte mich doch immer vorschriftsmäßig.
  4. Und überhaupt, was wäre denn die Strafe?

Zum letzten Punkt konnte mir google wenigstens eine klare Antwort liefern. Das hieße dann wohl: Auf Wiedersehen, lieber Führerschein.

Dennoch konnte ich mich an keine Situation erinnern und nahm mir vor, der Behörde heute mal auf die Finger zu klopfen. Einem rechtschaffenden Bürger am Samstag so einen Schrecken einzujagen…

Als ich Sonntag morgen aufwachte, fiel es mir wie Schuppen vor die von den Augen. Da war doch dieser lahmarschige Ford Ka, den Du vor Dich hergeschoben hast. Und als Du wutschnaubend so mit Schieben beschäftigt warst, hast Du Dich doch über diese „Wetterleuchten“ gewundert. Ja genau, diese Leuchten, wo Du Dich doch noch gewundert hast, dass die Rücklichter des Vordermannes an der Leitplanke reflektieren…oooooh scheiße!

In diesem Moment wusste ich, dass ich mir jede Peinlichkeit in einem schmucklosen Behördenzimmer in Wildeshausen ersparen konnte. Stattdessen habe ich den Bescheid heute ausgefüllt und zur Post getragen.

Klarer Fall: Eine gerechte Strafe! An dieser Stelle wäre ich vielleicht 10 km/h schneller gefahren, eventuell 20 km/h. Da ist ein dichtes Auffahren, wie hier geschehen, eine unnötige Dummheit, die bestraft gehört und auch bestraft wird. Schade ums Geld, aber das sollte mir doppelt eine Lehre sein. Jetzt bleibt die Hoffnung, dass auch mal die absichtlich dicht auffahrenden Individuen bestraft werden.

Und da es mein erstes Fahrverbot ist, darf ich mir innerhalb von vier Monaten den Zeitpunkt selber festlegen, wann ich den Führerschein abgebe. Und da Steffi und ich im Dezember zwei Wochen Urlaub haben, bietet sich das doch an. Und das Beste daran: Ich muss an den Feiertagen nicht zwischen Friesland und Delmenhorst hin- und herfahren. Sondern gefahren werden. 😈

Veröffentlicht in Alltag. Schlagwörter: , , , , . 3 Comments »

Polizei gegen Bürger gegen Polizei

Die Aufstellung von Holger, die ich gestern vorstellte, gefiel mir sehr gut. Heute morgen bekam ich in der Presseschau des Deutschlandfunks Gelegenheit, dass Spiel auch mal zu spielen.

Dort wurde ein Kommentar der Lausitzer Rundschau vorgelesen, den man ebenfalls als einseitige Meinung auffassen kann und entsprechend auch für die Gegenseite anwenden kann:

Mehr Prävention rufen die einen, schärfere Gesetze die anderen. Beides ist mindestens gleich wichtig. Denn der Angriff auf einen Polizisten markiert auch immer einen Angriff auf den Rechtsstaat.

Mehr Prävention rufen die einen, schärfere Gesetze die anderen. Beides ist mindestens gleich wichtig. Denn der Angriff auf einen Bürger markiert auch immer einen Angriff auf den Rechtsstaat.

Wer in jungen Jahren keine Erziehung zur Gewaltlosigkeit und Toleranz genossen hat, der kann später eher dazu neigen, selbst Gewalt anzuwenden. Hier ist auch das Elternhaus gefordert.

Und dem sollte auch nicht die Möglichkeit gegeben werden, seine Gewaltbereitschaft im Polizeidienst auszuleben.

Wenn das versagt, muss zumindest die Abschreckung größer werden, als sie bislang in Paragrafen gegossen ist. Bis heute gibt es keine Mindeststrafe für tätliche Angriffe gegen Polizisten.

Wenn das versagt, muss zumindest die Abschreckung größer werden, als sie bislang in Paragrafen gegossen ist. Bis heute gibt es keine Mindeststrafe für tätliche Angriffe gegen Bürger.

Und warum bei gewalttätigen Übergriffen auf Sicherheitsbeamte nur zwei Jahre Haft drohen, aber bei Beschädigung ihres Polizeifahrzeuges fünf Jahre, ist auch keinem vernünftigen Menschen zu vermitteln.

Huch! So einseitig kann ich dann doch nicht schreiben. Zum Glück kam heute morgen auch ein Kommentar aus der „tageszeitung„:

Verlogen ist zudem die Darstellung, dass Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte derzeit nur mit maximal zwei Jahren Haft bestraft werden könne. Denn dabei wird unterschlagen, dass jede Verletzung eines Polizisten zusätzlich bestraft wird: mit bis zu fünf Jahren Haft – und wenn zum Beispiel ein Messer im Spiel ist, sogar mit bis zu zehn Jahren.

Und ich möchte wetten, dass ein Kollege immer so hilfsbereit ist und eine weitere Verletzung bestätigen wird.

Abschließen möchte ich mit dem letzten Kommentar, der in der Presseschau zu dem Thema zu Wort kam. Und zwar dem „Mannheimer Morgen„:

Allerdings plädiert die Union lediglich für vergleichsweise billig zu habende höhere Strafandrohungen. Wenn es um die sehr viel kostenintensivere Ausstattung und Ausbildung von Polizisten geht, zeigen sich dieselben Politiker schon sehr viel zugeknöpfter. Wer es aber mit seinen Beteuerungen, Polizisten besser schützen zu wollen, wirklich ernst meint, müsste sich für beides einsetzen.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, denn hier ist der Kreis zum ersten Zitat aus der Lausitzer Rundschau geschlossen. Nur das die zu dem Thema Prävention gar nichts zu sagen hatte. Findet es aber immerhin wichtig…Immerhin…

Veröffentlicht in Medien. Schlagwörter: , , , , , , , . 5 Comments »